Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1926-03-12 · 11 (12.3.1926) · p. Seite 153

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
11 (12.3.1926)
Date
1926-03-12
Page
Seite 153 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2277379-2277622-2277633--02795-2283243
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

«nmtt PWter für-eutscktum unvlrweatum Vlonalsabonnement 4V Goldpfenitig zuzüglich Bestellgeld Serttn, 12. März 792- V. Ilahrganq > Nr. 77 Einzelnummer 1» Golöpsennig vryml -es »LnlralVeredrs torntTsher. Sjaatsdüryer iüMscken AauvensLN ^I1tzsri^Sin»S cZss IllclSnrllr^s Verlag u. SchrifLleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13.. . Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3595. Postscheckkonto: Berlin 30472.Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel» stube G, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt.Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Cxpedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JlcM für die 7gespaltene Zeile nach RudolfMosses Normtilzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (iticöt Stellenangebote) für Mitglieder d. Csnrralvereins 0,45 JiJi, die 90 mm breite Neklamezeile 4,80 Wege zum inneren Frieden. Eine machtvolle Kundgebung des Eenkralvereins. Reden vonDr.Ludwig Haas. M.d.R.Dr.LudwigHollSnder.vr.meä.FriedrichVrodmtz. Die Hauptversammlung des Centralvereius wurde durch eine machtvolle Kundgebung am Sonnabend abend im Plenarsitzungssaal des Reichswirtschaftsrats eingeleitet. Weit über 500 Delegierte und Gäste füllten den festlich-stimmungsvollen Saal. . Viele Ministerien hatten ihre Vertreter entsandt; so war Ministerialrat K a iif e n b u r g für den Reichsminister des Innern, Staatssekretär Weißma n n als Vertreter des preußischeu Ministerprästdenten, Regierungsrat Hirschfeld für das Preußische Innenministerium, Dr. Alfons Steiger in Vertretung des ReichsjustiZmimsters und des Ministeriums für die besetzten Gebiete erschienen. Oberpräsident Dr. Maier hatte den Oberregierungsrat Dr. Ahrendts, die Stadt Spandau den Bürgermeister Herz entsandt. Der Vorsitzende der Deutschen demokratischen Partei, Reichsminister a. D. Erich Koch, und der Vorsitzende des Bezirksverbandes Berlin der Deutschen demokratischen Partei, Oberregierungsrat Otto Merten, waren der Einladung gleichfalls gefolgt, ebenso zahlreiche Mitglieder des Reichs- und Landtages aller Parteien. Für die evangelische Stadtfhnode war Pfarrer Bitllinger anwesend, und neben ihm sah man zahlreiche Vertreter der evangelischen, katholischen und jüdischen Geistlichkeit. Der Ausschuß der Studentenschaft und die einzelnen deutschjüdischen Korporationen hatten zahlreiche Delegierte entsandt, viele Schulen waren durch ihre Leiter vertreten, und zahlreiche Angehörige von Kunst, Wisienschaft und Industrie saßen in den Reihen der Gäste. Die Groß-Berliner Tagespresse und die größten Zeitungen aus dem Reiche hatten Berichterstatter entsandt, so daß das offene Bekenntnis zur Mitarbeit an Deutschlands innerem Frieden weit über den Saal -hinaus im ganzen Reiche Widerhall finden wird. Feierliche Ruhe trat ein, als der erste Vorsitzende des C. V., Iustizr a t Dr. Julius B r od n itz , die Zuhörer begrüßte, den Behörden für die Entsendung der Vertreter, dankte, und dann in ernster Rede den Geist der C. V.- Arbeit beleuchtete und seine neuen Ziele auszeigte. „Ich heiße Sie", so führte Justizrat Dr. Brodnitz aus, „die Delegierten des Centralvereins ans allen Teilen des Reiches, am Borabend unserer Arbeit herzlichst willkommen. Ganz besonders danke ich den zahlreichen Vertretern hoher Behörden, Korporationen .und Vereinigungen für ihr Erscheinen. Wir, die Vertreter des Centralvereins, finden uns morgen zu einer. Tagung zusammen. In mehr als dreißigjähriger Tätigkeit haben wir die Aufgabe zu erfüllen gehabt, Unrecht avzmvehren. Aber wir haben diese Arbeit stets in der Einstellung geleistet, daß wir nicht e g o i st i s ch für unser persönliches Wohl kämpfen, daß unsere Arber t n i ch t a l l e i n f ü r d i e I u d e n ist, s o n d e r n d e in W o hl e unseres gesamten Vaterlandes dient, daß es sich auch in unserem Kampfe „u m die h ö ch st e n Güter d er N a Lion" Handel t. Wir glauben, ein Rchht darauf zu haben, in diesem Kampfe nicht konfessionell getrennt zu marschieren, sondern aus die Unterstützung aller derer rechnen zu dürfen, in denen d e r d eu tsch e S ta a ts ged anke e>ine lebendige Kraft d a r st e l l t. Wir sind in unserer Arbeit niemals beim Abwehrgedanken stehen geblieben, denn nur notgedrungen sind wir in eine Abwehrstellung geraten. Unser positives Programm ist die Erkenntnis des deutschen Juden in seiner wertvollen Eigenart, nur erklärlich durch seine in ehr als tausend Jahre alte Verknüpfung mit dem Deutschtum und der liebevollen SBefc^äftic^un^ mit unserem ehrwürdigen Schrifttum und unserer alten Geschichte. Wir stellen die Vereinigung aller derer dar, die deutlich in sich ihr Deutschtum u n d ihr Judentum fühlen, die eines nicht vom anderen loslösen können. Wir bekennen u n s 3 u u nsere m D e u tschtu m u n d Jude n t um als z u den Elementen n nseres Lebens, und wir bedauern, daß das, was die deutschen Juden wirklich sind, in den nichtjüdischen Kreisen 31t wenig bekannt ist. Aus dieser Einstellung heraus empfanden wir den Wunsch, unsere Tagung in der heutigen Kundgebung nicht mit Fragen der Abwehr und des Kampfes zu beginnen, und diese Kundgebung, sowie auch sonst unsere Arbeit, im hellsten Lichte der Oeffentlichkeit zu veranstaltet!. Wir treten vor unsere Mitbürger, welchem Glauben sie auch angehören mögen, mit der Frage: „Ist diese V e r g i f t u n g , die augenblicklich in Deutschland herrscht, notwendig? Gibt es in unserer Zeit bitterster nationaler und wirtschaftlicher Not keinen Weg zur Entgiftung des politischen Lebens, gibt es keine Möglichkeit des inneren Friedens?" Im vollen Gefühl der Verantwortung bejahen wir diese Frage, wir bejahen sie als Männer des politischen Lebens in Kenntnis der Schwere dieser Aufgabe. Möge der heutige Abend dem gegenseitigen Verstehen gewidmet sein und möge aus ihm gemeinsame Arbeit erblühen im Dienste unseres Vaterlandes, mit dem wir deutschen Juden int Glück und noch mehr im Unglück unlösbar verbunden sind." Brausender Beifall dankte dem verehrten Vorsitzenden für fein Bekenntnis, das allen Delogierten aus dem Herzen gesprochen war. Der Reichstagsabgeordnete Dr. Ludwig Haas wurde bei seinem Erscheinen stürmisch begrüßt, und spontaner Beifallsjubel unterbrach ihn, als er von Deutschlands Grenzen sprach und sich zu einem Groß-Deutschland mit Einschluß Oesterreichs bekannte. Als er mit den Worten des Deutschlandliedes „Einigkeit und Recht und Freiheit" seine geistreiche und tiefgründige Rede schloß und bat, man möge das Lied weniger singen und dafür mehr nach feinem Geiste handeln, dankte ihm minutenlanges Klatschen. Nach ihm richtete Dr. med. Friedrich Brodnitz als Vertreter der deutsch-jüdischen Jugend eindrucksvolle Worte nicht nur an die jüdischen Eltern und die jüdische Jugend, sondern darüber hinaus an alle christlichen Erzieher, Eltern und Jugendliche. Seine warncherzige -Schilderung der Not der jüdischen Jugend, die sich mit dem Pariagefühl des Menschen zweiter Klasse belastet in diese chaotische Zeit hineingestellt steht, fanden lebhaften Widerhall in den Herzen aller Zuhörer.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.