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Central-Verein-Zeitung · 1926-03-05 · 10 (5.3.1926) · p. Seite 139

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
10 (5.3.1926)
Date
1926-03-05
Page
Seite 139 (sequence 31)
Language
German
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139 entspannen über die Frage, ob die Vorgänge in Galsworthhs ^Gesellschaft" jndenfeindlich oder judenfreundlich zu bewerten seien? Wie also liegen die Dinge die Dinge, die in keiner Wirklichkeit, sondern in einer dramatischen Dichtung passieren? Das geistige Zentrum, nur das herum alle Gescheh niste des Stückes gebaut sind, Mid von dein man sie also an sehen muß. um. eine künstlerische Einheit zu bewahren, wird, wie üblich, durch den Titel vom Bersasser angedeutet. Der Titel lautet auf englich ,X oy a] i t vT wofür freilich „Loyalität" in dorn bei uns gebräuchlichen Sinne keine richtige tl-ebersetzung wäre. Auch „Standesehre", tote man anderwärts gesagt hat,' trifft es rächt ganz, und das jetzt gebrauchte Wort „Gesellschaft" ist wohl gut, aber nur, wem; es in einer sehr bestimmten Betonung gebraucht wird. Es hat dann natürlich nichts mit den;- großen soziologischen Begriff der menschlichen Gesellschaft überhaupt zu tun, es bedeutet eine nicht gerade staudesmäßige, aber doch deutlich genug a bgeg r e n z t e Ober s ch i ch t ei n e r Nation m.itfamt i h r e n besonderen E rn P f i r; d lichte i t e n u no E h rbegriss e n. Die Kraft und Nnkrast dieser Loyalitäten, wie weit sie die Bleu sehenbinden und alle sie von stärkeren Gewalten weggesprengL werden —; das ist das Thema des Stücks. Das verursacht die äußere Bewegung und die innere Spannung. Das Stück spielt iu der vornehmsten englischen G e s e l l s ch a f t s s ch i ch t, zunächst auf dem Landsitz eines Kavaliers unter seinen Jagdgästen. Zum Ehreustandpuukt dieser Kreise gehört nach altritterlicher Tradition, daß jeder akzeptierte S-tüudesgenosse ohne weiteres jegliches Vertrauen . genießt, daß Betonung von Geld und Geldwert nicht vornehur, die Entfaltung körperlicher Vorzüge aber höchst auszeichnend ist. In diese Tradition kommt ein Bruch, denn einem oer Gaste lv i r d ans dem vornehmen Sitz zur Schlafengehenszeit sein Geld gestohlen, lind er macht die Tradition, dies vornehm zu verschweigen und selbstverständlich alle Gesellschastsmitglieber _ für unschuldig zu halten, nicht mit. Was da rares folgt, ist das eigentliche Bcwegungsmotiv des Dramas. Damit das aber geschehen kann, muß 'der"B e st o h l e n e ein Außenseiter dieser Gesellschaft sein, und zwar rin neuerdings r e i ch g c \v o t b c n c x I u d e, der eitel genug ist, die Aufnahme in diese'feudalen Krebse zu erstreben, aber keineswegs schroach oder fanatisch genug, sich nun ihren feudalen Traditionen auch rmterzuordnen. Für Galsworthy, der an dieser Stelle seines Werts genau einen Menschen von dieser widerspruchsvollen Beschaffenheit gebrauchte, war es vollkommen ausreichend, daß eine solche Figur m ö g 1t ch ist. Daß es Juden von einer solchen begrenzten Eitelkeit gibt, ist gar keine Frage. Ob sie häufig sind, ob sie für jüdisches Wesen typisch sind, das interessierte Galsworthy in diesem Fall gar nicht, er hat auch nichts dergleichen behauptet, sein Stück handelt auch gar nicht davon. Dadurch aber, daß der bestohlene Jude, der überdies gereizt ist, weil er merkt, daß die vornehme Gesell doch nur so eben duldet —, dadurch, da t ihn begreiflicherweise dieser De Levis nun aus itätsprinzip dieser Geselleinem Recht besteht, kommt das Loya chaft sehr ius Schwanken. Ein Mitglied des Kreises hat d a s G e l d u ä tn I i ch w irklich g e st o hl e u. ^Ter Hauptmanu TaueY, der im Krieg etwas verwildert, von schulden bedrängt, von De Levis noch .Persönlich gereizt ist, hat sich durch ein tolles Wagestück das Geld angeeignet. Wolstbemerkt, es war ein lebensgefährlicher Sprung von Balkon zu Balkon. Die Körpertugend des Ritterstandes glanzt bei diesem Unternehmen. Galsworthy will feinen Haupt manu durchaus nicht unsympathisch, eher bemitleideusioürdig machen. Aber gestohlen hat er nun eimna-l, und trotzdem versucht die Gesellschaft, der er angehört, ihn aus Loyalität bis zuletzt zu decken. Schließlich aber kommt mit den unzweideutigen" Beioeisen seiner Schuld die Entscheidung in die Hände eines großen, alten, weisen Rechtsanwalts. Ter eigentliche Drehpunkt des Stücks liegt in dein Augenblick, loo man an ihn, den Vertreter des Hauptmauns (der den jüdischen Ankläger wegen Leiei diguug verklagt hat), appelliert, er solle doch aus „Loyalität" lieber — nichts erfahren haben. Da aber führt der mächtige Alte bedrohlich aus. Jetzt erhebt sich ln ihm das Urgebot der Wahrheit und Gerechtigkeit, durch das die ganze Gesellschaft lebt und das stärker seil! muß als die ^olidaritätsernpfiudungen einzelner Gesellschaftsschichten. Ter Alte tut seine Pflicht, er legt die' Verteidigung des Hauptmanus nieder, liefert die Beweisstücke dem Gericht ans und bringt so den Schuldigen zu Fall. Damit ist die begrenzte Alacht der „Loyalität" gebrochen, ihr Einfluß in seine Schranken verwiesen. Z u d e r F u n k t i o n d e s Juden i n dies e in S t ü ck e gehört e s, u n s y m P a t h i s ch e E i g e n - schäften zu haben, die ihn an Takt und ausgebildeter Kultur neben den Standesherren gering erscheinen lassen, aber ebenso gehört es z n s e i n er Funkt: o n, d i e N e ch t s i b c e, die eine tiefere als die loyale ist, zu verfolgen, und msistern ist er der gründlichere Mensch und kann sich nach erfolgtem ^ieg auch F rühjahrs-Neuheiten1 Jferm-MlSfgt neuen Forme„ . SO,- moderne Master, in den M. 80- 68,- 48,— Tferren-Ulstsr w,d M. 120, . 105, Mmn§Q-pM!gkHsiteuliVnl Aj>. Cheviot.M. 85, — , 65,— Sieim-BümmimMeK^slrz 19. Köper, mod.iveite Schlüpfer form, MAO,—,27,— »•> yemtt-Gttbttrßinsmäntel Schlüpferu. zweireihiger Paletotform, prima £& __ imprägnierte Qualitäten... M.85,—, 77,— pa. impragn. 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