Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1926-02-12 · 7 (12.2.1926) · p. Seite 73

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
7 (12.2.1926)
Date
1926-02-12
Page
Seite 73 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2277379-2277622-2277629--02711-2283151
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Serün, 12. Jebruar I92ö V. Jahrgang « Nr. 7 Einzelnummer IS Golüpfemiig inffol MÄ^Lrr SrWA des LKtnü-MMW ümMrKb wnvDrKeMAM. 2Ul^emeine Zeitung des Oudenrums Wonoisabonnement 40 Goldpfenirts LuzügliH Bestellgeld I Verlag u. SchrifLleiiuna: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. .-. Fernsprecher: Amt Dönhoff 8594,8595. Postscheckkonto: Berlin 30472. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel« stube 6, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Nothschrld & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Masse, Berlin 8W 49, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JIM. für die 7gespaltene Feile nach RudolfMosses Normalzsilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Leniralvereins 0,45 JIM, die 90 mm breite Neklamezeile 4,80 2Uk* Wirklich Danaidenarbeit? Von Dr. Felix Goldman« (Leipzig). Der Centralverein beschäftigt sich bereits seit dreiunddreißig Jahren mit der Bekämpfung des A n t i s e - mi t i s m u s, und selbst der Gegner muh anerkennen, daß seine Leiter und Führer in dieser Zeitspanne unendlich viel an materiellen und geistigen Kräften, an Eifer und E n e r g i e a u f g e w e n d e t haben. Es drängt sich damit ganz von selbst die Frage auf, ob so großer Mü h e auch rechter Lohn b es ch jeden war, ob es sich gelohnt hat, den Kampf aufzunehmen, ob Ergebnisse sichtbar geworden sind, ob die Verhältnisse sich in dieser recht langen Periode gebessert haben. Daß der Antisemitismus etwa a u s g e r o t t e t sei, wird in unseren Tagen gewiß kein Mensch behaupten. Aus der Tatsache aber, daß wir heute mehr als je unter den Ausbrüchen und Quälereien des Judenhasses leiden, zichen die Gegner des Cemralvereins den Schluß, daß seine Ziele unerreichbar, seine Methoden falsch und verderblich seien. Besonders ft u j n a ti o n a l j ü d i s ch e r Seite kämpft man mit dem Argument, daß die Unsummen an Mitteln und Kraft, die der Feldzug gegen den Antisemitismus verschlingt, viel besser im Sinne „positiver" jüdischer Aufgaben verwendet werden müßten, und je nach Temperament und Laune berennt man den Turm unserer Ideologie mit den Sturmböcken tiefgründiger Philosophie,, dem ätzenden Sarkasmus der Alleswisser oder der ehrlichen Grobheit, die nun einmal von jeher charakteristische Ausdruckssorm der Unwissenheit war und ist. Eine Zeitlang war es freilich damit still, denn auch die Nationaljuden empfanden angesichts der Fülle der feindlichen Erscheinungen und ihrer Tiefe, unter dem Eindruck der Pogromigesahr und der greifbaren Bedrohung des jüdischen Pechts das Bedürfnis, im Antisemitismus eine bekämpfenswerte Gefahr zu erblicken. Nun aber, da der auf den Gassen sich austobende Judenhaß hier und da zurücktritt, erklingt wieder das alte Lied. Und eine n a t i o n a l j ü d i s ch orientierte Zeitung kann es sich sogar wieder leisten, den Antisemitismus als „e i n S ch i ck s a l d e s j ü d i s ch e n B o l k e s" zu charakterisieren und die Widerlegung des Judenhasses eine D a n a r d e n a r b e i t zu nennen-. Wäre dem so, daß tatsächlich der Judenhaß ewiges jüdisches-Schicksal ist, so müßten wir die Arbeit ein siel len! Aber es ist zunächst einmal eine falsche Ausdeutung der Geschichte, wenn man — aus engem Gesichtswinkel urteilend — Erscheinungen, die sich in Jahrhunderten vollziehen, nach den Auswirkungen von Jahren begreifen will. Daß der Antisemitismus eine ungewöhnlich tiefgehende und andauernde Wirkung auf die Geschichte gehabt hat, kann kein ehrlicher Kenner ihrer verschlungenen Pfade bestreiten. Daß fernerhin der Tag, da er überwunden sein wird, noch lange nickt dämmern kann^,. ist jedem politisch geschulten Auge 6ar. Woyl aber ist der Fortschritt unverkennbar! Das neunzehnte Jahrhundert hat den Juden das bürgerliche Recht gebracht, und dieses hat in Tagen, da Haß und Verleumdung ihre Wellen über die halbe Welt sandten, sich behauptet. Abgesehen von dem gewiß furchtbaren „iwinerus clausus" in Ungarn, ist das bürgerliche und staatsbürgerliche Recht der Juden in den K u 1 t u r st a a t e n nicht angetastet worden, und ein Vergleich der europäischen Juden von 1750 mit denen von 1925 beweist auf das deutlichste, wieviel sich zum Guten geändert hat. Nun denkt der Durchschnittsmensch gewiß nicht historisch, und jeder fühlt das Leid seiner Zeit. Es kann aber nicht bestritten werden, daß wir sofern man die große Linie im'Auge behält — vorwärts gekommen sind. Und wenn das geschehen ist, obwohl die Juden selber bis in die neue Zeit hinein eine recht passive Rolle spielten und sich nur auf den Sieg des Rechts und der Vernunft wie auf gute Freunde außerhalb des jüdischen Kreises verließen, so darf man der Hoffnung sein, daß sie als bewußte Träger des Kampfes um ihr Schicksal zur Beschleuninigung der Entwicklung erheblich beitragen werden. Manchem wag gewiß der Fortschritt zu langsam reifen, aber einen Grund zum absoluten Pessimismus und zur Resignation bietet die Betrachtung der Geschichte nicht! In Wahrheit aber würde solcher Pessimismus auch den Grundprinzipien der jüdischen Religion glatt widersprechen. Wir sind keineswegs geneigt, den Judenhaß leicht zu nehmen und ihn lediglich als eine Folge von Mißverständ- KrssöemSZMMKr Wirklich Danaidenarbeit? Don Dr. Felix Goldmann (Leipzig). Die antisemitisch - völkische Vemgung in Hamburg. Don Senator a.D. Dr.Stubmann (Hamburg). Seite 75. Am den nalionaljü-ischen Palästinaaufbau.! Zuschriften vonIkabbinerDr.Fuchs (Chemnitz) undMbbinerDr.Zacob (Dortmund). Seiten. Die Alarmglocke läutet weiter. Briefe aus dem Leserkreise. Seite 77. —.-.- ■

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.