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Central-Verein-Zeitung · 1926-02-05 · 6 (5.2.1926) · p. Seite 61

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
6 (5.2.1926)
Date
1926-02-05
Page
Seite 61 (sequence 1)
Language
German
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Man stellt den Richter vor Aufgaben, denen er nicht gewachsen ist, und mißbraucht seine Autorität für Zwecke der politischen Propaganda. Aber es ist — wie gesagt — Mode geworden, daß ein bißchen von dem, was wir heute Weltgeschichte nennen, auch vor dem Schöffengericht oder vor der Strafkammer gemacht wird. Schuld daran haben fast in allen Fällen nicht die Kläger, sondern die Beklagten, die durch die Maßlosigkeit ihres Auftretens, ihrer Agitation, Dinge vor den Richter zerren, die nur im politischen Kampf, in der historischen oder psychologischen Forschung geklärt und ausgeglichen werden können. Unser ärgster Feind im Innern ist also immer und überall die Demagogie, motz e r s i e a u ch k o m m e n m a g. Ehe ihr gegenüber die anständigen und vernünftigen Seide sich nicht zu mutigem und einigem Widerstand zusammenschlicßen, ehe die besonnenen Menschen in Deutschland nicht die Gleichgültigkeit lden gefährlichsten Bundesgenossen aller Bildung) überwinden und sich Haß und Hetze, Spektakel und Lüge handgreiflich verbitten, eher gewinnen wir für unser Volk und Vaterland nicht die -reine und gesunde Luft, in der allein der sogenannte Wiederaufbau gedeihen kann, der leider durch die Wirren der letzten Jahre schon fast bis zur Phrase entartet ist. Es ist aber höchste Zeit, daß diese Forderung nicht mehr allein den Philosophen überlassen bleibt, sondern zum täglichen Handwerkszeug jedes Gebildeten wird. Wenn wir in dieser Richtung vorwärts kommen, dann werden Prozesse unmöglich sein, wie ihn die beiden Leiter des Hamburger Bankhauses Marburg jetzt eben noch führen mußten, um sich endlich der maßlosen Angriffe des Völkischen Fritsch zu erwehren, der mit feinem „Hammer" seit Jahr und Tag Nägel in den Sarg der deutschen Zukunft schlägt. Dieser völkische Graukopf ist als Zeiterscheinung gewiß charakteristisch und vielleicht sogar interessant. Aber es ist das Interesse des Arztes an der Wunde seines Patienten. Die Revolution, die alle sesten Zusammenhänge zerriß, hat viele seiner Art in allen Lagern an die Oberfläche geworfen. Er ist der wurzellose Intellektuelle, der irgendwo in den Raum seines Hirns seine gewagten Konstruktionen baut, der den Wunsch für die Tatsache, die Forderung für das Gegebene nimmt, und dann von der zitternden Tragfläche seiner Gebilde herab mit krampfhafter Leidenschaft alles verfolgt, was seinen Gedanken zu widersprechen scheint. So entstand bei ihm auch h. x r Gedanke d e r j ü d i s ch e n Weltorganisation« die nach dem großen Plan einer einheitliche'.: Verschivörung alle nationalen Kräfte niederhalte. In diesem Zusammenhänge interessiert die jüdische Frage in eigentlichem Sinne nicht. Sicher aber ist eins, daß, >ver eine solche jüdische Idee bekämpfen will, selbst von einer in seelischen und geistigen Tiefen wurzelnden Idee beseelt sein muß. Hier aber wird Kraft mit Krampf und Fanatismus mit Leidenschaft verwechselt. Die völkische Idee wird bis zur Grimasse entstellt. Denn wenn die völkische Idee heute überhaupt einen Sinn haben soll, dann kann es doch nur der sein, daß unser d e il t s ch e 3 B o l k i n s eine m I n n e r n w i e d e r lebendigen Anschluß gewinnt an die alten Kräfte seines b o d e n st ü n d i g c n Lebens, seiner Tradition, feiner Geschichte. Wir müssen zurück von einem übersteigerten Rationalismus zu den instinktiven Kräften, die uns von der Natur mitgegeben sind. Wir müssen neben den Intellekt wieder das schöpferische Gefühl setzen, das uns so völlig verlorenging. Aber diesen fruchtbaren Kampf sollten wir Leuten überlassen, die, wie jener völkische Graukopf, die lleberspannungen unserer Zeit immer weiter steigern durch die krampfhaften Zerrbogcn ihrer tragischen Phantasie? Ja, der Arzt kennt das Mittel, Gift durch Gift zu überwinden. Zweifelhaft aber scheint mir, ob die Volksseele sich zu denselben Experimenten hergibt wie der Körper. Es wäre ein Hm dem Inhalt Der Hamburger Prozeß. Von Vudolf Michaeh M. d. 23. (Hamburg)- Wo Ist der jüdische Wohlstand geweden? Von Dr. i. A. Xoefi. Seite 64. Nochmals: Facultas in jüdischer Religion. Von Dr. Heinemann (Breslau). Seite 65. Die Kolonisation im Osten, <sin Vortrag von Zustizrat Dr. Brodnih. Seite 66.

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