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Central-Verein-Zeitung · 1926-01-29 · 5 (29.1.1926) · p. Seite 49

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
5 (29.1.1926)
Date
1926-01-29
Page
Seite 49 (sequence 1)
Language
German
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linfad PMter fttri)eulfdifum^] unöludenwm SerUn, 2-. Januar I92S V. Jahrgang ♦ Nr. 5 Einzelnummer IS GolSpfenniz 'ormm des cLatral-Vereins öeutscker, StMUsvümer iüöLfcUen Slauven^a MonakSHLormement 4V GoldpfemUg zuzüglich Bestellgeld S^U^er-rieiris Zeirun^ des Oudentums «erlag u. Schriktlettung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. . Fernsprecher: Amt DSnhofs 3594,3595. Postscheckkonto: Berlin 30472. Bankkonto: Dresdner Dank, Wechselstube G, Berlin. SW 68, Üindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothlchild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Masse, Berlin 8W19, und derenFilialen. Anzeigenpreise: 0,90^ für die7gespaltene Zeile nach RudolfMoffe» Rormalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Cenrralvereins 0,45 M, die 90 mm breite Reklamezerle 4,80 Von der neuen Türkei. Die Eingliederung der türkischen Juden in ihrem Vaterlande. Motto: Wenn nur niemand fürchtete, die Sache zu sagen, so würden alle Sachen besser gehen! Das türkische Volk erlebt jetzt die größten Momente seiner Geschichte. Es entdeckte plötzlich in höchster Not, im Augenblicke größter politischer Demütigung, sich selbst und eine Fülle von nie geahnten, latent in seiner Seele schlummernden Kräften, die es zum Erstaunen Europas und der'ganzen Welt befähigten, in kürzester Zeit mit Jahrhunderte alten Traditionen zu brechen und alles schonungslos niederzureißen, was es an seiner Europäisierung, im besseren Sinne des Wortes, bis jetzt hinderte. Der Name T ü r k e, der vor wenigen Jahren noch als Schimpfname galt, ist zum Ehrennamen geworden, und wer offene Augen hat für die rasch vor sich gehende innere Wandlung des türkischen Volkes und seine rapide Entwicklung auf allen Gebieten des Wissens und der Technik, wird keinen Augenblick wehr daran zweifeln, daß die zivilisierte Welt um ein neues wertvolles Glied in ihrer Kette, und die Weltliteratur um neue Seelenschätze bereichert werden. Mit atemloser Spannung verfolgt die Welt die rasch auseinander folgenden Entwicklungsetappen, durch die unser türkisches Vaterland mit Riesenschritten geht; für die einen ist dieser Aufschwung ein Gegenstand psychologischer und soziologischer Studien, die anderen erfüllt er mit Furcht und Bangen, indem man in ihm ein Erwachen der Völker Asiens und einen gefährlichen Gegner für europäische Ambitionen erblickt. Aber nicht das Verhalten Europas diesem geistigen und politischen Aufschwung der Türkei gegenüber kann uns in diesem Zusammenhänge interessieren. Für uns fällt in erster Linie die Stellungnahme der mehr oder weniger größeren inländischen Minoritäten zu der großen Nationalbewegung der Türken aus, und besonders das Verhalten der I ud en zu d em neuen Geist in unserem lieben Wat erkunde. Das jüdische Element in steter Dankbarkeit für die freundliche Aufnahme, die seine Ahnen aus ihrer Flucht aus Spanien in der Türkei fanden, hat in allen Zeiten in Harmonie und Eintracht mit seinen Mitbürgern gelebt und erfreute sich ihres vollen Vertrauens. Regen Anteil nahmen auch die Juden an der Befreiungsbewegung der Jungtürken. Wie kein anderes Element arbeiteten sie Hand in Hand mit den besten türkischen Kräften an der Verwirklichung des Ideals „Einheit und Fortschritt", welches jene Bewegung auf ihre Fahne schrieb. Wie kommt es nun, daß dieselben Juden zu der neuen türkischen Bewegung, die es nicht so aus eine Aenderung des Regimes im Lande als auf eine totale Aenderung des Volkscharakters absieht und dem Lande Frieden, Entwicklung und Fortschritt bringen will, sich Passiv, abseits stehend und abwartend, um nicht zu sagen skeptisch verhalten? Nähren etwa unsere Juden die Hoffnung, daß die im Friedensvertrag von Lausanne vorgesehenen sogenannten Mino r i täte u r echte ihnen die Möglichkeit geben werden, auch ohne engen Anschluß an die große Majorität des Landes sich hier als eine besondere ethnische Einheit auszuleben, die ihnen dieses schweigende, ruhig abwartende Verhalten zu der Entwicklung der Dinge in der Türkei diktiert? Wir Juden kennen den Wert solcher Rechte zur Genüge, um nicht ans solche unsere Schlösser zu bauen. Haben diese Rechte bei dem heutigen Gange der Dinge, bei der völligen Verweltlichung der türkischen Staatsverwaltungssorm schon für die anderen großen Minoritäten, wie die der Griechen und Armenier, jeden Sinn und jede Bedeutung verloren, für uns Juden der Türkei hatten jene Rechte von vornherein gar keinen Wert. Don welchen Folgen sollte für uns etwa das Recht sein, unsere Schulen in unserer Muttersprache weitersühreu zu dürfen? Welche Sprache nennen wir Juden hier die unsrige? Spaniolisch? Wem in aller Welt könnte es nur inchen Sinn kommen, diese Mischsprache zur Unterrichtssprache für die jüdischen Schulen zu machen? Hebräisch etwa? Es ist wahr, daß diese Sprache, die in Gegenden, wo das Judentum die altjüdische Kultur Pflegt, die Grundsprache der jüdischen Gelehrten war, in den letzten 30 bis 40 Jahren auch zur Sprache größerer jüdischer Kreise geworden ist und heute schon eine originelle Literatur enthält, die geschätzt wird. Ader von dieser jüdischen Nationalbewegung ist das jüdische Element in der Türkei kau m berü h r t worden, und es würde keinem Juden in der Türkei einsallen, seine Kinder in einer hebräUchen Schule unterrichten zu lassen. Und neulich noch. MrsvemÄnkattr Von der neuen Türkei. Don Dr. D. F. Markus lKonstantinopel). Gefahren erkennen... Don Artur Schweriner. Seite 51. DerAuSgang des Warburg-Fritsch-prozeffeS. Seite 52. Der paWinaaufbau. Seite 53.

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