Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 1 (1.1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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enttttl $ erlitt, 1. Januar 1926 V. Fahrsang ♦ Nr. I Einzelnummer 1- GslSpfenniz Plätter sür-eutsrlitum «nvllnoentum. Monatsaborrnement 40 Goldpfemrig zuzüglich Bestellgeld Derlag u. SchrrftleiLung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. vrami des Lntrvl-Verems üeutscker StmrkvüryeriüötMeNSlLubrns «Ä ^II^sranSirns des Oudenrums ... S. Fernsprecher: Amt Dönhoff SS94,WSS. Postlcheä stube O, Berlin 8W 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co, ledfonto: Berlin 30472. , Berlin W 8. > Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel- Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Moste, Berlin 8W IS, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90^ für die 7gespaltene Zeile nach RudolfMostes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Lenrralvereins 0,45 JIM,, die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 JIM* jüdische Kolonisationen in RuKlanö. von fl. SingaloWfkp. Das Problem des osteuropäischen Judentums ist seit kurzem zu einem Gegenstand scharfer Auseinandersetzungen auch innerhalb des deutschen Judentums geworden. ' Es dringen eben beunruhigende Nachrichten aus dem Osten her, die die Gemüter in Wallung bringen und tiefe Zwistigkeiten säen. — Was sind das für Nachrichten? Hat sich eine neue Pogromwelle über das russische Judentum exgossen? Werden die Juden in Rußland wiederum massenweise abgeschlachtet? O nein! Und selbst, wenn es der Fall wäre, so würde es keine Zwietracht ausgelöst haben, denn für derartige Fälle gibt es, gottlob, eine fertige, in jedem Programm vorgesehene „Stellungnahme" . . . Die Ursache der Verwirrung, der Unruhe und des Haders ist ganz anderer, wenn auch minder tragischer, so doch bei weitem komplizierterer Natur: Man kolonisiert Inden in Rußland. Ist dies in der Tat ein so großes Unglück? Aber nein! Als Unglück wagt es kein- Mensch zu bezeichnen. Und dennoch . . . Da lese ich heute einen längeren Artikel in einer jüdischen Wochenschrift — die soundsovielte Variante eines sich letztens in mehreren periodischen Ausgaben wiederholenden Textes — in dem der Verfasser erklärt, „an sich" kein Feind der jüdischen Kolonisation zu sein. Ganz im Gegenteil. Mit einem gewissen Vorbehalte sei er sogar bereit, zuzugeben, daß man es hier mit einer sympathischen und in. gewissem Sinne auch, nützlichen Sache zu tun habe . . . Und wenn diese Kolonisierung sich beispielsweise ganz von selber machen würde, oder wenn die russische Regierung sie ganz auf eigene Faust, ohne jegliche Zuhilfenahme von auswärts durchführen würde (wie es seines Erachtens von Rechts wegen auch geschehen sollte) so hätten der Artikelschreiber und seine Gesinnungsgenossen nichts dagegen einzuwenden. Nun aber erfordert diese „Diaspora-Angelegenheit" angestrengte Aufmerksamkeit, ideelle Hingabe und intensive Mitwirkung seitens des gesamten Judentums, erfordert moralische, und was noch schlimmer ist, materielle Hilfsmittel. — Alles Dinge, die nicht zu vergeben feien, weil bereits von seinem Parteiprogramm mit Beschlag belegt. Hiermeint Verfasser des Aufsatzes übereinstimmend mit den Verfassern unzähliger ähnlicher Artikel, hier trennen sich die Geister. In puncto Hilfsmittel könne man unmöglich zustimmen. Hier gäbe es keinen „Frieden in Israel". Es tut uns furchtbar leid * Meine Stellungnahme zur Frage fällt mit keiner' einzigen von den in Deutschland kämpfenden Wchtvngen. gamzzu--- sammen. Ich gehöre zu keiner von den -am Streite beteiligten Organisationen und suche immer öffentlicher Polemikwomöglich auszuweichen, selbst dann, wenn es schwer fällt, diesem Gelüste standzuhalten. Dementsprechend möchte ich auch jetzt die freundliche Einladung der geschätzten Redaktion der „C. V.-Zeitung" nicht dazu verwenden, um polemische Kümpfe auszufechten, sondern um zur Klärung einer Frage nach Kräften beizutragen, die durch Unkenntnis oder anderweitige Absichten bereits genügend verdunkelt wurde. I. Der Uebergang der Juden zur Landwirtschaft, der in letzter Zeit in Rußland den Charakter einer Massenbewegung angenommen hat, ist an sich keine neue Erscheinung in der wirtschaftlichen Gefchichte des osteuropäischen Judentums. Dieser Vorgang bildet nur eine Seite eines allgemeinen Komplexes von historisch-wirtschaftlichen Prozessen, dessen zentrale Tendenz da hinausgeht, -die bisherige sozialwirtschaftliche Lebensgestaltung des osteuropäischen Judentums zu normalisieren und den einseitigen Vermittler ischen Charakter durch einen allseitigen zu -ersetzen. Die ersten Anzeichen dieses elementaren Prozesses, der in -der Folge die mittelalterlichi-wirtschaftliche Starrheit löste und tief-einschneidende Veränderungen in den bisherigen Habitus des osteuropäischen Judentums hineintrug, treten bereits in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zutage. Der Anfang der modernen kapitalistischen Wirtschaftsordnung in Rußland — die Aufhebung der Leibeig-enfchaft, die Cinsiührun-g der Eisenibahn-en — unterhöhlte die Grundlagen der übervölkerten jüdischen Kleinstadt mit ihren Kleinkrämern, Vermittlern und allerhand sonstigen haltlosen Existenzen. Es beginnt notgedrungen die Abwanderung nach den immer mehr wachsenden großen Städten, wo die Generationen hindurch von Schankwirtschaft, Hausiererei und Kleinkrämerei lebenden Volksmassen sich gezwungen sahen, zu werktätiger Arbeit zu greifen. Zu jener Zeit begannen die russischen Juden massenweise zu Handwerk, Kleingewerbe, Verkehrs- und Fuhrwesen, zu Die satzungssentSSe Oarrsivrrrsammltms des Leytralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. B. findet am 7. und S. März 192« in Berlin Mi. Tagesordnung und offizielle Einladungen folgen später.