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Central-Verein-Zeitung · 1937-12-30 · 52 (30.12.1937) · p. Seite 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
52 (30.12.1937)
Date
1937-12-30
Page
Seite 1 (sequence 1)
Language
German
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entral- XVI. Jahrgang / Nr. 52 Berlin, 30. Dezember 1937 Preis £0 Pfennig ALL6EN EIN E ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Sehriftleitung, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W15, Emser Str. 42. Feraspr.: 928141—45. Telegr.-Aßr.: Centralglaaben, Berlin. Postscheckkonten: Berlin 70344, Prag 7721S, ZüricH VIII 26363. Bankkonto: Gebr. Arabold, Berlin W S. Die C.-V.-Zeitang erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschlnss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt and die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die.Gebühren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis Vierteljahr!. 81 Rpf. (einschl. 22,74 Rpf. Postzeitungsgebühr) zuzugl. 18 Rpf.'Bestellgeld. Für Ausland vierteljährl. 2,30 RM (umgerechnet in die Landeswährung) einschl. Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.). Im Falle höh. Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlief, od. Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebübren: Preisl. 5 gültig. Di9 12gesp. mm-Zeile 20 Rpf., f. Stellengesuche 10 Rpf., f. Familienanzeigen 16 Rpf., weit, ermäss. Grundpreise s. Preisl. Einzefanzeigen nur geg. Vorauszahl. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platzu. Datenvorscbrit'ten ohne Verbindlichkeit. An die Juden in Deutschland! In dem nunmehr beginnenden Kalenderjahr 1938 kann der Zentralausschuss für Hilfe und Aufbau bei der Reichsvertretung der Juden in Deutschland auf eine Tätigkeit von fünf Jahren zurückblicken. In dieser Zeit hat er sich auf den fünf Hauptgebieten seines Wirkens: Wanderung — Berufsausbildung und -Umschichtung — Schulwesen — Wirtschaftshilfe — Wohlfahrtspflege zu der zentralen Planstelle entwickelt, die als öffentliche Hand aus der wirtschaftlichen und sozialen Hilfsarbeit für die Juden in Deutschland nicht mehr wegzudenken ist. Der Auflösungsprozess der Judenheit in Deutschland setzt sich fort. Etwa ein Drittel des früheren Bestandes der jüdischen Bevölkerung hat Deutschland bereits verlassen, viele stehen vor ihrer Auswanderung, viele weitere müssen folgen. Die Notwendigkeit, diesen Vorgang zielbewusst durch zweckmässige Berufsausbildung und durch geeignete Wanderungsplanung m geordnete Bahnen zu lenken und durch planmässige Aufbauarbeit den "Weg in die Zukunft zu ebnen, besteht weiter. In gleichem Umfange verbleibt die Verpflichtung, " " ".für die Zurückbleibenden zu sorgen. So ist es der Not'-des Tages zu begegnen und fi nötig, dass. die Juden in. DeuUchkhd ihr gros^>konstrakliyes "Werk ferner erhalten und hjstag&fo Mit der gieiehexi Entschlossenheit 'zB^S&vai;*. gleichen Selbstvertrauen, mit <Jep; alle - heifonden« «nd aufbauenden ^^ffe^iiMeit^wflossenen Jahren das ^erk "^^cnä^en. und getragen haben, muss die Lösungjder. verbliebenen Aufgaben i^^^^/jgä^^^ M^d^ Arbeit hierfür soll im Jahn*a 1958, unter der; - iy-x Fimf Jahre HUfe und Aufbau fortgeführt werden. Diese Parole soll verpflichtend mahnen, die Energien wach zu halten, sich keiner unberechtigten Verzweiflungsstimmung hinzugeben und nicht über den persönlichen Sorgen' die Sorge für das Schicksal der Gemeinschaft zu vergessen. Erneut rufen wir die Juden in allen Gemeinden und in allen Gruppen auf, sich dessen bewusst zu bleiben, was diese ihre Gemeinschaft von ihnen fordern darf und weiter fordern muss. Was uns „Hilfe und Aufbau" in fünf Jahren war, müssen jüdisches Verantwortungsbewusstsein und jüdischer Opfersinn aufrechterhalten und ausbauen. Fünf Jahre Hilfe und Aufbau! Helft weiter! Berlin, Ende Dezember 1937. Reichsvertretung der Juden in Deutschland A. H. Mittelbar Rechenschaftsbericht und zugleich Aufruf sind diese wenigen Sätze, mit denen die Reichsvertretung die Juden in Deutschland anspricht. Man hätte kaum nüchterner so ■ ungeheuer Erregendes aussagen können, wie es mit diesen Zeilen geschieht Die Juden in Deutschland haben auf die Stimme ihrer Führung gewartet. Sie wollten . nicht getröstet werden; sie wollten erfahren, woran wir sindj soweit unsere Arbeit, unsere Kraft, unsere Opfer und unsere Einigkeit etwas ausrichten können. Sie wissen jetzt, wie ihre Führung denkt, und zu welcher Mitwirkung sie berufen sind. Fast ein halbes Jahrzehnt schon unterscheidet sich das Programm des einen Jahres von dem des nächsten allenfalls durch die Betonung, die einmal mehr auf dieser, ein andermal mehr auf jener Tätigkeit liegt. Die Zusammenrechnung der verwirklichten Jahresprogramme zeigt trotz der wechselnden Nuancen eben das Ergebnis, von dem der Aufruf spricht. Es besteht die Gefahr, dass die Gewohnheit der Jahre zur Gewöhnung an ihren Inhalt führt, und'dass daraus Gleichgültigkeit, Abflachung, Routiniertheit entsteht. Tätige Mitwirkung ist das sicherste Mittel,' dem zu begegnen, und je länger die Anspannung währt, unter der wir leben, ein am so wichtigerer Faktor wird die seelische und geistige Haltung unserer Menschen, wenn wir an die Verwirklichung der Arbeitsprogramme gehen. Es ist wenig erreicht, wenn jemand nur gibt, weil er keine andere Möglichkeit sieht, sich der Allgemeinheit verbunden zu fühlen. Der unaufhörliche Verlust an wertvollen Menschen müsste veranlassen, neue Mitarbeiter ai die jüdische Arbeit heranzuführen oder wenigstens Vorbereitungen dafür zu treffen, dass im Bedarfsfalle die notwendigen Menschen zur Verfügung stehen. Es gibt dafür kein besseres Mittel, als der jüdischen Arbeit die höchstmögliche Oeffentlichkeit zu verleihen. Solange die grosse Menge das Empfinden hat, dass man sie mehr oder weniger absichtlich vom Einblick in die Arbeit fernhält, bleibt der Unsicherheitsfaktor gross, dass in entscheidenden Situationen die Führung isoliert ist oder doch ohne Resonanz. Es ist leicht, bei Erfolgen die Anhänger hinter sich zu wissen, ohne sich viel um sie zu bemühen. Aber in einer Lage, die im wesentlichen um so negativer beurteilt werden muss, je positiver das aufgestellte Programm durchgeführt wird, muss man sich um die öffentliche Meinung bemühen. Es ist sinnlos, jüdische Erweckung zu verlangen und bemüht zu scheinen, die jüdische Mitverantwortung einschlafen zu lassen. Es erscheint deshalb richtig, dass möglichst oft und ausgiebig auch ausserhalb der zuständigen Gremien über die Arbeit gesprochen, ihre Form gerechtfertigt und Einwänden geantwortet wird. Solange es einer Gemeinschaft so gut geht, dass ihre Führung über Kritik - lächeln kann, ist diese nicht lebenswichtig. Heute wird wohl keiner für den jüdischen Bereich diese Begründung anfuhren, wenn er "sieh gegen Kritik wehrt Es ist — jeder, den die Arbeit mit Juden zusammenführt, weiss es oder sollte es wenigstens wissen — viel Seelenlast in vielen unserer Menschen unnötig aufgehäuft, aus berechtigter und aus unberechtigter Verstimmung und Verbitterung, oft erwachsen aus ihrer Berührung mit Stellen jüdischer Arbeit. Ein grosser Fundus an Vertrauen und Bereitschalt wird vertan oder bleibt lahmgelegt, wenn man nichts als sachlich arbeitet und hinter dem Kartothekblatt nicht den Menschen sieht. Es wäre gut, eine Form zu finden, durch die sich Rechenschaft und Kritik, beide verantwortungsgetragen und verantwortungsbewusst, begegnen können, ohne dass der Gemeinschaft Schaden erwächst. Je stärker die führenden Stellen imd Persönlichkeiten innerhalb der Judenheit Deutschlands diese psychologische. Notwendigkeit zugleich auch ' als einen praktischen Faktor in ihr Arbeitsprogramm einfügen, um so begründeter wird das Vertrauensverhältnis sein, das alle Gruppen zur gemeinsamen Arbeit zusammenfasse Rcchtskahinett in Mumänien Ministerpräsident: Goga Minister ohne Portefeuille: Cuza Das amtliche Ergebnis der am 20. Dezember stattgefundenen Parlamentswa'hlen in Rumänien liegt nunmehr vor uns. Entgegen den zuerst bekanntgewordenen Resultaten hat die liberale m99?fa.Ms&iiHl.Aiuii Bestellzettel auf Seite 12 Regierungspartei nicht die 40 Prozent der Gesamtstimmenzahl erreicht,, die notwendig gewesen wären, damit die Partei die im Wahlgesetz vorgesehene Prämie von zwei Drittel der Abgeordnetensitze erhält. Die Jüdische Partei konnte 46 000 Stimmen oder 1,7 Prozent der Gesamtstimmen auf sich vereinigen. Damit hat die Partei ebenfalls nicht die Stimmenzahl von 2 Prozent erreichen können, um ein Grundmandat zu erhalten. Auch die endgültige Verteilung der Mandate, die nach einem nderen Schlüssel erfolgen musste, weil die Regierungspartei nur 38 Prozent der Stimmen bekam, hat nicht dazu geführt, dass auf die Jüdische Partei ein: Mandat entfiel. Die 800 000 Juden Rumäniens sind ohne parlamentarische Vertretung geblieben. Das hervorstechendste Kennzeichen. des endgültigen Wahlergebnisses ist der Sieg der aus der Eisernen Garde hervorgegangenen Partei „Alles für das Land". Sie erhält 66 Sitze, während dieandere antisemitische Partei, die Christiichnationale Partei, 38 Sitze zugesprochen bekam. Auf Grund des Wahlausganges ißt die Regierung Tatarescu zurückgetreten. Der Vorsitzende der Christlichnationalen Partei, Oetavian Goga, ist vom König mit der Regierungsbildung beauftragt worden. Die Regierung ist bereits konstituiert und vereidigt worden. ' Damit ist in Rumänien zum ersten Male eine ausgesprochen antijüdisch eingestellte Regierung gebildet worden, die sich in der Hauptsache aus Christlichnationalen zusammensetzt, und der auch der bekannte antisemitische Führer Professor Cuza' als Minister ohne Portefeuille angehört * Professor Cuza wurde als Senator auf Lebenszeit durch eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes bestätigt Die Entscheidung beruht darauf, dass Cuza eine lange Reihe von Jahren dem Senat angehört hat und deshalb auf Grand der Verfassung das Recht auf lebenslängliche Mitgliedschaft hat. Leo Baeek 25 Jahre Rabbiner in Berlin Als vor einem Vierteljahrhundert am 27. Dezember 1912, der Vorstand der Ber-' liner Jüdischen Gemeinde den damals noch nicht 40jährigen Dr. Leo Baeck zum Gemeinderabbiner wählte, war dessen Hauptwerk, „Das Wesen des Judentums", bereits erschienen. Dieses und der Ruf seiner Rabbiner- und Lehrtätigkeit in Oppeln und in Düsseldorf gingen ihm voran, und wenn heute, aus Anlass1 des Gedenktages, der Vorstand diesergleichen Berliner Jüdischen Gemeinde eine Leo-und-Natalie- Baeck-Stiftung für bedürftige jüdische Theologiestudenten errichtet, so ist damit In dieser Nummer finden unsere Leser u. a.: Die Aufsatze: Friedrich Brodnitz: New-Yorker Tagebuch (Forts.) — Erike Gütermann: Die Juden im Schulwesen Polens — Robert Ollendorf: Leben im Busch — Dr. Julius Eisen-. Städter: Zur Geschichte der jüdischen, Arbeit — Moritz Kaswan: Der fröhliche Baldachin (Forts.) — Berufsausbildung in Südamerika ■ Die Beilagens . Die Wanderung — Palästina - Umschau — Spörfblatt — Wirtschgft der Woche symbolisch der Beschluss von 1912 erneuert. Es ehrt den Mann wie die Gemeinde, dass Dank und Bestätigung so gewählt worden sind. ....... Wenige Jahre später war Baeck Feldrabbiner und wurde für unzählige Juden draussen menschlicher Halt und Mittler zum religiösen Erlebnis. ' Man weiss, welchen persönlichen Mut er damals oft entwickelt hat, und dass diese Eigenschaft für ihn charakteristisch geblieben ist, auch wenn es sich um Fragen de» Geistes handelt. . Aus dem Felde kehrte er zu seiner Arbeit an' der Lehranstalt für. die Wissenschaft des Judentums zurück und auf die Kanzel der Berliner Synagogen. Ihm als Lehrer auf dem Katheder und als Freund in seinem Hause sind die meisten unserer Jüngeren Rabbiner begegnet, und um ihn gruppierte sich, was an lebendigen geistigen Kräften im Berliner Judentum anzutreffen war. . Es ist ein Ruhm für die Berliner Jüdische Gemeinde, dass sie sich Leo Baeck erhielt, als seine Wirksamkeit begann, über den Bereich der Gemeinde und den des Rabbiners im eigentlichen Sinne hinauszuwachsen. Denn in kurzer Folge wurde ihm, den kein Ehrgeiz trieb. Machtpositionen einzunehmen, eine leitende Stellung des jüdischen Lebens nach der anderen übertragen. Man holte ihn. überall" dort, wo man glaubte, dass organisatorische Begabung allein nicht ausreichen können, sondern ein schöpferischer Geist hinzutreten müsse. Den „geborenen Präsidenten der Juden in Deutschland" hat ihn einmal scherzweise ein Verehrer genannt. Das Leben hat daraus Ernst gemacht Rabbinerverband, Zentralwohlfahrtsstelle, Keren Hajessod, Jewish Agency und, als der grosse. Einschnitt in unsere Geschichte erfolgte, als der Mann berufen werden musste, in dem sich unser Wesen und unsere Kraft am reinsten dokumentiert: Zentralausschuss für Hilfe und Aufbau und Reichsvertretung der Juden in Deutschland — sie alle nennen ihn Vorsitzenden, Präsidenten oder welche Bezeichnung sonst den formellen Rang wiedergibt, den Baeck einnimmt. Er steht jenseits der Form. Kaum ein Jude in unseren Reihen, den Neigung oder Beruf zu jüdischer Arbeit hinführte, hat nicht seine Begegnung mit Baeck erlebt Und wer es auch sein mag, er wird die adlige Haltung des Mannes, den Klang seiner Stimme, seine wahrhaftige Höflichkeit gefühlt haben; und die umfassende Ge- '

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