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Central-Verein-Zeitung · 1937-12-09 · 49 (9.12.1937) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
49 (9.12.1937)
Date
1937-12-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 49 * *v. Beiblatt CMIbityng 9. Dezember 1937* Seite 11, „Leise zieht durch mein Gemüt" in Brasilien / ^t^£MGshuttsm Von Herbert Rosenfeld, Ponta Drossa (Brasilien) Dieses bescheidene Geburtstagsgeschenk hat nichts mit' „literarischer Würdigung" zu tun. Nichts davon, dass Heine ein „Weltschrnerzdichter" mit romantischer Ironie und realistischem Witz, sondern die schlichte Feststellung, dass er lebt, auf jene unwägbare — Art. in der Dichter am längsten leben, tief eingesunken ins Gemüt, das Lieder singt ohne zu wissen, wer sie gedichtet hat. Und es geschieht, dass das Lied eines solchen Dichters von verborgenen Strömungen der Luft über Ozeane hinweg in ferne Länder getragen wird, und plötzlich vernehmen wir auf einem andern Erdteil, unter andern Himmeln, überrascht und erschüttert die süsse Musik seiner Verse. Es ist kaum nötig zu sagen, dass der Name Heines in der breiten Masse des übrigens für Lyrik sehr empfänglichen brasilianischen Volkes völlig unbekannt ist. Ich spreche mit einer Lehrerin: „Enrique Ebne?" Nein. Ich spreche mit polnisch- und russisch-brasilianischen Juden: „Heine?" Köpfschütteln. Ich spreche mit Studenten: „Eime?" Zögernd: Vielleicht ... Wir haben schon einmal gehört ... Ich ging in Buchläden, um mir Uebersetzungen von Heineschen Gedichten ins Portugiesische zu kaufen. Vergeblich. Ich schrieb an die grössten brasilianischen Verlage: Seatimos immensamente em näo pedar atender ao sen pedido. Wir bedauern unendlich, Ihrem Ersuchen nicht entsprechen zu können . . . Niemand weiss von ihm, niemand kennt ihn, und dennoch erlebte ich dies: T. Eine Zeitlang arbeitete ich auf der Fazenda Santa Theresa im Staate Sao Paulo, einige Stunden Bahnfahrt von Campinas entfernt. Eines Sonntags — es war im Februar 1937 — machte ich mich in Begleitung eines Kameraden auf, um das nächstgelegene Dorf, Pedreira, zu besuchen, in der Hoffnung, eiae Flasche „Antarctica" - Bieres auftreiben zu können. In glühendem Sonnenbrand* wanderten wir bergauf und bergab, bald von endlosen, mit bunten Blüten gesprenkelten Baumwollfeldern begleitet, bald die Parade einer Armee von Kaffeebäumen abnehmend, die uns ihre kirschenähnlichen, den köstlichen Kern bergenden Früchte präsentierten. Vor nicht gar so langer Zeit hatten hier noch Quimbundos", Negersklaven, gearbeitet und vielleicht zu den Klängen der Puitas, Bambulas und Marimbas einen Cacümbü oder Candombe getanzt . . . Wir wanderten drei Stunden lang, bis wir endlich, erschöpft nicht nur von dem mühevollen Weg, sondera auch von einer Woche harter Hackarbeit unter tropischer Sonne, in- Pedreira ankamen. Ein einziges Dorf, eigentlich nur eine einzige schattenlose Strasse, auf der schwarze, braune und weisse Mädchen in langen Reihen mit untergehakten Armen aur- und abstolzierten. Vergeblich Schatten suchend, schleppten wir uns am Rand der von niedrigen Die jüdische VolkslitemÜir / Leo Rein {Sek luss) Das gegebene Wirkungsgebiet des Spielrnanns sind Volksfeste: im kleineren jüdischen Raum sind es vor allem Familienfeste, wie grössere Hochzeiten, wo er willkommen ist. Diese Hochzeiten waren in der „Gasse" ein Ereignis, an dem fast die ganze Gemeinde teilnahm, und das somit einen fast öffentlichen Charakter trug. Das Abholen der Braut und des Bräutigams zur Trauung entwickelte sich zu einer Art von öffentlichem Aufzug und wurde mit einer gewissen Feierlichkeit umgeben. Der jüdische Spielmann oder Lusiigmacher hatte dabei mancherlei Funktionen zu erfüllen, welche die allmählich entwickelte Sitte ihm zuwies. Er lieferte das Hochzeitslied und trug es vor: ja, er scheint, als Kenner dieser Gebräuche, dabei hin und wieder die Aufgabe eines kleinen Zeremoniemeisters gehabt zu haben. Vor der Hochzeit wurden der Braut, nach dem damals geltenden Brauch, als künftiger Ehefrau die Haare abgeschnitten. Diesem Vorgang ging die Sitte des „Flecbtens" der zu opfernden Haare vorauf, die ebenfalls einen festlichen Charakter trug: Die Braut thronte währenddessen, von ihren Jugendfreundinnen umgeben, auf einem Stuhl, und dies war der Augenblick, in dem der beauftruagte „Singer" das Hochzeitslied vortrug. Oft spielt es auf diese Gebräuche an; „tretet herbei, tretet herbei, ihr Fräulein fein, die Kala soll man flechten", sang ein solcher „Singer". Andere betätigten sich als Lehr-und Sittenmeister: „Hört zu, Bräutigam und Braut, was ich euch sag', eure Sünden werden euch vergeben an diesem Tag, wollt ihr frei sein von der Hölle Pein, so tuet nach den Worten mein', was ich euch tu lehren-." Auch wenn sie sich „in Heimlichkeit" befinden, sollen sie doch stets züchtig bleiben. Gott sehe alles; „auch die Balken im Haus, die sagen alle eure Werke aus". Nach Ermahnungen zum WoVtun und zum Halten der Gebote bekennt sich der Häuschen gesäumten Strasse entlang, bis wir schliesslich in einem kleinen Lokal landeten. Wir bestellten eine Flasche „Antarctica" und eine Menge WTurst und Brot, denn auf der Fazenda gab es fast nur Reis, Bohnen und Kaffee oder Mate. In einer Ecke der „Bar" beginnt ein Grammophon zu spielen, brasilianische Tänze, Sombas, Rumbas, Cateretes, tolle Tänze, deren Rhythmus ins Blut geht. Dann kommt eine Pause und plötzlich ertönt, von einer schönen Frauenstimme gesungen, ein Lied in deutscher Sprache: Die Lotosblume ängstigt sich vor der Sonne Pracht. Und mit gesenktem Haupte Erwartet sie träumend die Nacht . . . So hörte ich dieses zauberhafte, aus Duft und Mondschein gewobene Lied auf der indianischen Erde der Guaranis; unbeweglich, „ans Kreuz der Entfernung geschlagen", hörte ich zu. IL Die Eisenbahn trägt mich Tag und Nacht durchs brasilianische Riesenland. Vergiss nicht: Du bist in Brasilien. Du bist im Lande der Jaguare, Strausse, Tomaduäs, Tatus und Kobras. Im Land der Urwälder, Hochhäuser, des Kaffees, Tabaks und Zuckerrohrs, der Baumwolle und des Gummis. Wo Rio in seiner Märchenbucht träumt, der Amazonas fliesst und es Indianer gibt, die noch nie einen Weissen gesehen haben. September 37. Ponta Drossa im Staate Paranä, tausend Meter über dem Meeresspiegel Auf bunten Fellsätteln reiten kupferfarbene Caboclos, bekleidet mit perlmutterbestickten Pluderhosen, Indianerponchos, riesenrandigen Hüten, Pistolen oder Messern im Gürtel. Dunkle barfüssige Frauen balancieren riesige Wäschebündel auf dem Kopf. In einer winzigen Bar feilscht ein dicker Brasilianer, die kleine Waage in der Hand, mit drei Garimpeiros um den Preis der Diamanten, die diese nicht weit von hier aus dem FIuss gesiebt haben. Auf der Hauptstrasse promenieren abends die eigenartigsten Mädchen der Welt — aus polnischem, japanischem, indianischem, aus Neger- und Portugiesenblut zu holdem Reiz gemischt. Früher Abend..Nach glühender Hitze gibt es einen Wolkenbruch mit Ueberschwemmung. Plötzlich fällt die Nacht vom Himmel herunter wie ein Sack, der über die Erde gestülpt wird. Ich wandele nach dem Abendbrot die ungepflasterten Seitensirassen entlang, um noch ein wenig das abendlich-kühle Lüftchen zu gemessen. Die Hosenränder mit roter Erde beschmutzt, stapfe ich stolpernd und glitschend durch Schlamm und Morast. Ich gehe auf ein bestimmtes Haus zu, denn ich hoffe, dass das Glück mir beisteht und ich das kleine Mulattenmädchen werde singen hören. Niemand wird mir widersprechen, wenn ich behaupte, dass es eine ent¬ Verfasser als Fahrender von Beruf: ,.er ist bekannt in allem Land, Löb Kutnim ist er genannt; seine Hoffnung steht zu Gott dem Herrn." Brauch war es auch, das Brautpaar auf dem Zuge zur Trauung, als Symbol der Fruchtbarkeit, mit Weizenkörnern zu bestreuen; diesen Wunsch der Fruchtbarkeit spricht auch der Sänger aus: „Nun führt sie hin in Ehren, Wohl heim in ihr Gemach; Ihr Samen soll sich mehren, Wie Gott zu Abraham sprach. Aide zu guter Nacht!" Manche Lieder singen das Lob des Brautpaares und verraten dabei auch etwas von dem Herzensroman, der dem Bündnis voranging. So sieht einmal der Sänger das Zusammenfinden der beiden Herzen romantisch und schildert, wie der „junge Held" „verirret war im Feld"; da rief er Gott und fand die ihm Bestimmte: „Da begegnet ihm die (Namen) zart, die ihm zum Weib gegeben ward; seine Trauer war aus, an dem Abend . . Die Braut wurde, in einer Mischung aus Feierlichkeit und Vertraulichkeit, angeredet: „Schöne Braut, ich sing' dir das Beispiel . . VIH. Purimspiele und Komödien Wahrscheinlich sind es auch die jüdischen Fahrenden gewesen, welche die Purimspiele angeregt und die ersten wohl auch geschaffen haben. Hierbei und besonders in der späteren Zeit, muss dem jüdischen „Narren" eine führende Rolle zugeteilt werden, denn alle die späteren ausgelassenen Aufzüge mit ihren Verkleidungen, die an diesem Feste beliebt waren und der Lust der Jugend mildernde Umstände sicherten, tragen sein Zeichen und verraten seine Art. Aber auch an die früheren Spielleute erinnert „ein schön neu Purimspiel", das 1697 gedruckt, aber wohl weit früher entstanden ist. Es begann damit, dass ein Vorläufer den Zuhörern viel Glück wünschte und zugleich das Erscheinen des Königs ankündigte: „Ihr werdet schauen, wie ein König wird kommen einher, —- König Abasveros ist er genannt,- Hundertundsiebenundzwanzig Länder hat er in seiner Hand . . ." In einem andern Purimspiel handelt es sich um einen Aufzug, dessen Persönlichkeiten, der jüdischen Gezückende Stimme hat. Ich stelle mich im tiefen Dunkel unter eine der mageren Palmen, die noch in dieser Höhe wachsen, versenke die Hände in die Taschen meines Regenmantels und warte. Und wirklich, meine Sängerin beginnt, als hätte sie ihrerseits auf das Erscheinen ihres stillen und bescheidenen Zuhörers gewartet. Ein kleines brasilianisches Liedchen zuerst: 0 meu bem estä mal commigo: Eu nao sei porque razao . . . Mein Schatz ist auch so bös mit mir. Weiss nicht aus welchem Grund . . . Und dann geschieht das Wunder. Sie singt, ein Lied, dessen Melodie ich nicht kenne. Es fängt so an: Leve passa pela minh'alma Suave tilintar . . . Sachte zieht durch meine Seele Sanftes Klingeling . . . Die kleine brüchige Stimme des vielleicht fünfzehn Jahre alten Mädchens klingt zum offenen Fenster hinaus. Si divisares uma rosa Wenn du eine Rose schaust . , , Sekretariat für Bildende Kunst „Künstler auf Reisen" ist das Motto, unter dem in der Marburger Strasse 5 die Dezemberausstellung des Sekretariats für Bildende Kunst eröffnet wurde. Der Berichterstatter hat . es immer schwer, über solche kollektiven Veranstaltungen zu sprechen, in denen eine sehr grosse Zahl von Künstlern und Künstlerinnen ihre Visitenkarte abzugeben pflegen. Bei der Eröffnung fanden sieb an die zweihundert Menschen ein — ein Beweis dafür, dass die Zahl der Ausstellenden auch dieses Mal sehr ansehnlich ist. Es ist in diesem Rahmen aber unmöglich, alle Namen zu nennen, will man sich nicht nur auf ein Zitieren der Ausstellerliste beschränken. Das Motto — so hübsch es klingt — ist nur der Rahmen für die Arbeiten der letzten Schaffenszeit, manchmal geht es auch um Reiseerlebnisse künstlerischer Art, die etwas länger zurückliegen. Das gilt für die Kleinplastik von Ottilie W o 11 m a n n, ihre Tänzer aus Indien und die verschiedenen, sehr reizvollen Figürchen von Somalinegern. Auch von Minna L e v i kennt man manches, ihr ganz impressionistischer „Badestrand'' jedoch ist eine neue, sehr bereichernde Bekanntschaft. Um dieses Bild herum Lotte U n g e r mit einer etwas zu malerisch erfaßten Landschaft, der es an Plastizität und Linie fehlt, Georg Wol-f .mit zwei Aquarellen von Reisen in die Nähe und Weite, sehr dekorative und saubere Proben seiner Kunst, ferner zwei weniger bekannt gewordene Namen: Elly Frank mit einem Aquarell aus Norwegen und Heinz Jakob söhn mit einem eine geschmackvolle Palette verratenden Bild „Sonnenuntergang". Im nächsten Raum viele abwechslungsreiche Begegnungen. Da malt Lotte H a g e^l b e r g zwei Aquarelle aus Basel, ganz sachlich und koloristisch in bester Ordnung, da feiert man Wiedersehen mit Landschaften von Julie Wolf th o r n, mit einem Aquarell aus Ascona und mit schichte entnommen, von einem Sprecher erklärt werden. Es beginnt wiederum mit der „Erschaffung der WTelt", d. h. in diesem Falle mit der Erzählung von den Erzvätern: „Es kommen Jakobs Kinder gegangen . . . von Jakob wollen wir singen . . /' Bei der Geschichte Josephs und der Episode mit der Frau Potifars wird Aufenthalt genommen: „Josef, der gibt linden Schein, — sein schon Angesicht lüst' ein schön Jungfrauelein, — Seine Brüder wollten ihn verdrängen, — Seines Herrn Frauelein konnte ihn nit bezwingen." Endlich kommt der Verfasser auf das eigentliche Thema des Spiels, auf Ester, Mardochai und Haman zu sprechen. Persien hat sich hier in Amalek verwandelt; es ist die Zeit, in der Hamans Todesbefehl schon ergangen ist. Da sendet Mardochai die Botschaft der Not an Ester:" Ester, die liess sich nit lang bitten, Sie trat vor den König mit hohen Sitten, Auf ihre Knie tät sie fallen, Drei Tage hatte sie ihre Speise vermieden, Doch tät sie ihm wohl gefallen. Er sprach: Liebe Ester, du Königin mein, Was ist dein Leid und grosse Pein? Das wollt' ich wissen gern. Bis an die Hälfte des Königreichs mein, Das will ich dir gewährn." Darauf Ester: Gnädiger König, ich muss euch sagen, Ueber den leidigen Haman muss ich klagen, Der mir mein Volk will umbringen, . . . Meinen Vetter will er lassen hängen. Dann wird aber — das Manuskript scheint verstümmelt — recht kurz abgebrochen und überhastet der allerdings wohlbekannte Ausgang erzählt. In der letzten Strophe nennt sich der Verfasser: „Der uns das Liedlein neu hat gemacht, Er hat es gemacht in einer Nacht, Genannt mit seinem Namen, Dem Purim hat er es zu Ehren gemacht, Genannt Josef, Sohn Benjamin." Später nehmen die Purim-Aufführungen und Aufzüge eine andere Gestalt an. Sie werden nun von den Bachurim, den Jünglingen" und Scholaren Ich stehe da, gebannt und glücklich dem Gesang des Mädchens lauschend. Es ist nicht die Musik Mendelssohns. Aber es gibt keinen Zweifel, es ist Heines unendlich liebes Frühlingslied, ein unsterbliches Gedicht mit lauter schlechten Reimen, wie das Volk sie vor sich hin zu dichten pflegt, so ganz aus Anmut und Klang bestehend, dass es sogar noch in einer schwachen Uebersetzung tönt. Leise zieht durch mein Gemüt Liebliches Geläute. Klinge, kleines Frühlingslied, Kling hinaus ins Weite ... Du bist sehr weit hinausgeklungen, kleines Frühlingslied, über ein Jahrhundert und über den Ozean Hinweg, bis du in der Hülle einer anderen Sprache aus dem Munde eines braunen Mulattenmädchens den Fremdling dort unter der Palme grüsst . . . Und von süssem Sehreck erschüttert, schaut der Einsame sehnsüchtig zum südlichen Himmel hinauf, von dem ein brasilianischer Dichter singt, dass er ein Schwengel sei, mondlichtbefiügelt, ein Kreuz von fünf Sternen auf dem blauen Haar. einem Bild „Tirol"'', das die gereifte, in der Stimmung wunderschöne Kunst der Malerin verrät. Da ist Ludwig Nunberg mit seiner „Weberei in Serajewo", ein beliebtes Industriethema, das an Liebermann erinnern lässi, da stellt aber auch Rudolf G r o w a 1 d farbige Illustrationen aus, die voller Humor stecken und an Trier denken lassen: wie da des Sommers Abschied und eine Schachpartie geschildert werden, ist wirklich ein sehr belebendes Moment in dieser Ausstellung. Unter den Zeichnungen, von denen wenige ausgestellt wurden, ist Maria Burchardt-Brick mit längst anerkannlen Julius Rosenbaum: „Das rote Segel" Fot. Karplus der Jeschiwot, bestritten, ohne ihre „närrische" Tradition zu verleugnen. Es ist meist ein Zug maskierter und verkleideter Erscheinungen, der die Häuser mit dem Festesgruss betritt. Einer von ihnen ist der „König", und sie nennen sich stolz „des Königs Bachurim", wobei die Tradition früherer Purimspiele noch durchschimmert. Der Anführer spricht: „Ich komm' herein mit meinen Schellen . . ."; er bekennt, dass die sonst so ernsten und asketischen Bachurim heute studieren ... an vollen Schüsseln — und lernen ... bei gefüllten Gläsern wollen. Nach diesem Trinklied singen sie vielleicht noch ein hebräisches Lied; und nachdem sie in der ihnen natürlich genau bekannten Familie ihre Scherze getrieben und mit einer Erfrischung bewirtet worden sind, gehen sie „ein Häuslein weiter", um dort ihr Spiel von neuem zu beginnen. Dem Purimspiel entwächst aber auch eine gewichtigere dramatische Betätigung, die immerhin einige Ansätze zu einer allerdings recht burlesken Komödie enthält. Die jüdische Literaturgeschichte, in der Gestalt Gustav Karpeles', verzeichnet einige Werke dieser Art: eine ..Acta Ester", welche 1710 in Prag herauskam und dort von den Schülern des Rabbi David Oppenheimer „auf einem ordentlichen Theatrum mit Trompeten und anderen Instrumenten" aufgeführt wurde; ein wahrscheinlich allzuderbes „Ahasverusspiel", dessen Aufführung der Vorstand der Frankfurter Gemeinde verhindern liess; eine „Geschichte von Hamans Testament und Tod"; eine „Aktion von König David und Goliat"; und J&ISe Ehre Jüdischen Bücher von Gerhard Fuchs Jüdischer Buchvertrieb jetzt: Berlin W 62, Wormser Sfr.6® am Wittenbergplatz; Versand übereil hin Telefon: 24 70 22 Jüdische Künstler zeigen;

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