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Central-Verein-Zeitung · 1937-12-02 · 48 (2.12.1937) · page 13

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
48 (2.12.1937)
Date
1937-12-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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4 Beiblatt Palästina-Umschan der C-V.-Zeitniig Seite IS 2. Dezembe 1937 Die ersten Urteile der Militär-Gerichte Die durch eine Verordnung der Mandatarmacht in Palästina eingesetzten Militärgerichte haben ihre Wirksamkeit begonnen, und es hat den Anschein, als ob diese neue Verschärfung der auf Unterdrückung des Terrors gerichteten Politik jetzt endlich Erfolg verspreche. In atemloser Spannung verfolgt das Land die Ereignisse, und es ist bedeutsam und bemerkenswert, wie sehr sich auch in jüdischen Kreisen ein innerer, moralischer Widerstand gegen das fortgesetzte Blutvergiessen im Lande und gegen die Schärfe des Vorgehens, die erforderlich geworden ist, geltend macht Das erste Todesurteil ist über den Araberscheich Farhan es Saadi verhängt worden. Der Scheich, der nach seiner Angabe 80 Jahre, nach Meinung der Behörden aber nur 60 Jahre alt sein soll, ist in der Nähe des Dorfes AI Mazar bei Dschenin von Polizeipatrouillen verhaftet worden. Es wurden bei ihm Waffen und Munition gefunden. Die Verhandlungen vor dem Haifaer Militärgericht fanden unter Ausschluss der Oeffentlichkeit statt. Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, dass er an den Unternehmungen des bekannten Terroristenführers Fauzi Bey Kaukji beteiligt gewesen sei. Der Antrag der Verteidigung auf Zubilligung mildernder Umstände wurde abgelehnt. Der Oberkommandierende der Truppen in Palästina, Generalmajor Wavell, hat das Urteil bestätigt. Urteilsspruch und Vollstreckung fanden unter starkem militärischen Schutze statt, da sich der arabischen Bevölkerung eine grosse-Erregung bemächtigt hatte. Eine Verordnung der Palästina-Regierung hat im übrigen klargestellt, dass dem High Commissioner bei den Urteilen der Militärgerichte kein Begnadigungsrecht zustehe. Auch das Verfahren gegen die drei Begleiter des Scheichs schwebt. Einer von ihnen, Abdulla Einhar, ist freigelassen1 worden. Vor dem zweiten Militärgericht das in Jerusalem seinen Sitz hat, hat gleichfalls schon eine Verhandlung stattgefunden. Sie richtete *Sch gegen Mohammed Sheikh AH, der in Jaffa fen Besitze von Schusswaffen angetroffen und verhaftet worden ist. Ein Urteil steht noch aus. Das Echo dieser Vorgänge in Palästina ist vor allem im mohammedanischen Auslande ungeheuer stark. Während die Demonstrations- und Streikversuche in Nablus, Akko, Dschenin und Hebron ohne ernsthafte Auswirkung blieben, ist es in Damaskus, Bagdad und Beirut zu schwereren Unruhen gekommen. In Damaskus demonstrierten fünfzigtausend Araber gegen die Vollstreckung des Todesurteils an Farhan es Saadi. Das britische Konsulat musste militärisch geschützt werden. In Bagdad fanden gleichfalls vor der englischen Botschaft und dem irakischen Aussenministerium Massendemonstrationen statt In Beirut haben die Unruhen noch ernstere Formen angenommen. Es ist ein Generalstreik ausgebrochen, gegen den das Militär nichts ausrichten konnte. Die nationalistischen Organisationen traten geschlossen gegen die Truppen auf. Bauern aus dem Libanon zogen in die Hauptstadt, um mit zu demonstrieren. Die Unruhen haben bereits zwei Todesopfer gefordert. Die Bevölkerung fordert den Rücktritt der Regierung. In Zusammenhang mit diesen Ereignissen ist wohl auch der Attentatsversuch auf den ägyptischen Ministerpräsidenten, Nahas Pascha, zu bringen. Der Täter ist Mitglied der Grünhemdenbewegungy er soll als Freischärler in Palästina an mehreren Terrorakten beteiligt gewesen und als Flüchtling nach Kairo gekommen sein. Am besten wird die Situation, die zu neuen Komplikationen im vorderen Orient führen könnte, durch zwei Sätze aus dem Aufruf des Scheichs AI Faruki in der arabischen Zeitung „AI Jamia-al-Islamija" gekennzeichnet: „Jeder Araber, der an Gott glaubt und sein Vaterland liebt, muss eine energische Propaganda für den Frieden, die Ruhe im Lande und gegen den Terrorismus unter seinen Freunden betreiben. Nicht im Lande selbst, sondern nur ausserhalb des Landes kann noch etwas unternommen werden, um den Frieden wiederherzustellen." In Verbindung mit der gesamten politischen Situation steht wohl auch die Tatsache, dass England zwei weitere Infanteriebataillone mit 1150 Mann nach Palästina geworfen hat. . K. J. R Immerhin führt Nashashibis Zeitung „Feiestin" heute oft eine schärfere Sprache gegen die Juden als ihre schärfste Konkurrentin, die nationalistische, der Istiklal-Bewegung nahestehende Zeitung „A Difa", die namentlich in der jüngeren Generation viel gelesen wird. Versöhnlichere und konstruktivere Töne schlägt hin und wieder die orthodox-mohammedanische Zeitung „AI Jamia al Islamia" an, die sich anscheinend bemüht, in den Leserkreis des suspendierten radikalen Aliwa einzudringen. Bei der immer noch grossen Zahl von Analphabeten unter den Arabern Palästinas ist es aber nicht möglich, aus der Presse unmittelbare Rückschlüsse auf die Volksmeinung zu ziehen. In verschiedenen Kreisen ist jetzt angeregt worden, durch eine überparteiliche Landeskonferenz der Araber Palästinas die Fragen der politischen Richtung der Klärung näherzubringen. Um den all-islamischen Kongress In der letzten Zeit war mehrfach das Gerücht aufgetaucht, dass während der Zeit der Pilgerschlft in Mekka ein Mohammedanerkongress stattfinden soll. An ihm sollte auch der Grossmufti von Jerusalem teilnehmen. Jetzt verlautet aber, dass das Stattfinden des Kongresses an dem Widerstande des Königs Ibn Saud, in dessen Gebiet die heiligen Stätten liegen, gescheitert sei. Ibn Saud, der König vonHedschas, der mit England in vertraglichen Beziehungen steht hat bisher in der Palästinafrage eine neutrale Haltung eingenommen. Der Kongress soll nun in Bagdad stattfinden. Gleichzeitig heisst es jedoch, dass Ibn Saud einen Aufruf gegen die Palästina-Teilung vorbereitet, der im Namen der Wahabiten, einer bedeutenden islamischen Sekte, Stellung nehmen soll. In unterrichteten Kreisen meint man jedoch, dass ein solches Unternehmen nur erfolgreich sein würde, wenn die übrigen Führer des Islam sich ihm anschlössen, was mit Rücksicht auf ihre stete Rivalität nicht wahrscheinlich ist. Nashashibi, der Erbe des Mufti? Seine Partei und seine Presse Von unserem ^-Palästina-Berichterstatter Tel-Aviv, 24. November. Für die innerpolitische Entwicklung Palästinas sind augenblicklich die mannigfachen Wandlungen im arabischen Lager beinahe noch interessanter, als die Vorgänge im jüdischen. Gewiss ist auch unter den Juden die Diskussion über den Teilungsplan und das sonstige politische Programm noch keineswegs zum Abschluss gelangt; aber in einem Punkte wenigstens besteht Klarheit: Ganz bestimmte Körperschaften sind, de jure und de facto, die berufenen und legitimierten Sprecher des jüdischen Palästina und des am Palästina-Werk interessierten Judentums in der übrigen Welt. Bei den Arabern gehen vielleicht die inneren Meinungsverschiedenheiten über das politische Programm nicht so tief wie bei den Juden — obwohl auch hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist — aber vor allem gibt es keine Stelle, die als unbestrittene Führerin und Sprecherin des arabischen Palästina völlig legitimiert wäre. Der Mufti und sein Oberster Arabischer Rat hatten es lange Zeit verstanden, sich wenigstens zum alleinigen Sprecher der palästinensischen Araber zu machen, indem sie alle anderen Stimmen unterdrückten. Ob und wieweit sie jemals die vorherrschende Volksmeinung repräsentiert haben, lässt sich nicht feststellen, da die arabische Parteiorganisation stets nur eine dünne Schicht von wohlhabenden, gebildeten und aktiven Kreisen, nicht aber die breiten Volksmassen erfassen kann. Bei aller Einigkeit in gewissen nationalen Grundzielen bestehen zweifellos in den Einzelheiten ganz erhebliche Meinungsverschiedenheiten unter den . A rabern. Wenn man jetzt über die mutmassliche Nachfolge des Mufti immer wieder spricht, so muss man sich zunächst vor einigen Missverständnissen hüten. Als Mufti bedarf der Mufti keines Nachfolgers, da er dieses höchste geistliche Amt Palästinas nach wie vor bekleidet. Aber sein Parteiapparat und seine politische Organisation sind lahmgelegt und eine Reihe der massgebenden Männer teils in Haft, teils ausser Landes. Trotzdem hat es den Anschein, dass noch immer zahllose Agitatoren radikalster und terroristischer Prägung im Lande wirksam sind, und man weiss schliesslich nicht, wie weit es dem Mufti vom Ausland her gelungen ist, die Araber ausserhalb Palästinas wirklich zu einer Aktivität su bewegen, die über blosse Demonstrationen hinausgeht Selbst wenn dies aber der Fall sein sollte, würde es für die Verhandlungen der Engländer und schliesslich auch für jede Möglichkeit einer jüdisch-arabischen Verständigung von entscheidender Bedeutung sein, welche arabische Zentralinstanz sich innerhalb Palästinas entwickelt - Mit einer gewissen Selbstverständlichkeit ist zunächst der bis dahin stark zurückgedrängte Nashashibi, der im letzten Jahr des Mufti-Regimes als Führer der „Opposition" galt an den verwaisten Platz getreten. Er hat, nach arabischen Berichten, die in die jüdische Presse übergegangen sind, in dieser Eigenschaft auch gewisse Sünden seines Vorgängers büssen müssen. Als er dem stellvertretenden High Commissioner, als Führer einer arabischen Delegation,, ein Memorandum überreichte, in dem er, unter Berufung auf die Forderung der arabischen. Nachbarländer, Herstellung der arabischen Autonomie und strenge Bestrafung der Schuldigen des schwarzen Sonntags von Jerusalem forderte, soll ihm Battershill geantwortet haben, die Regierung habe selbstverständlich strenge Massnahmen eingeleitet, aber im übrigen möchte er daran' erinnern, dass die jüdischen Führer es achtzehn Monate laus verstanden hätten, ihre Volksmassen zur Selbstbeherrschung zu veranlassen, wenn die arabischen Führer rechtzeitig diesem Beispiel gefolgt wären, hätten sie dem Lande viel Leid ersparen können. Nashashibi war bekanntlich, vor dem jetzt verbannten Dr. Kbaldi, Bürgermeister von Jerusalem. Seine Amtsführung war, auch von den Juden, lebhaft kritisiert worden. Aber diese Kritik geriet etwas in Vergessenheit, als in gewisser Weise auch Dr. Khakü die jüdischen Bürger seiner Stadt enttäuschte. Wie der Mufti — als Haupt der Familie Husseini — und wie Nashashibi, so hatte auch Dr. Khaldi. als Exponent einer dritten einflussreichen Adelsfamilie, seine eigene Partei gegründet die sogenannte Reformpartei. Ein Versuch, diese Partei jetzt auf einer Landeskonferenz arabischer Notabein zu neuem Leben zu erwecken, scheiterte daran, dass die meisten Eingeladenen dem Ruf keine Folge leisteten. Wieweit aber Nashashibi und seine Partei fähig sind, die Führung der arabischen Palästina-Politik zu übernehmen, untersucht im „Omer" der Bialikpreis-Träger Michael Assaf. Er kommt zu ziemlich negativen Ergebnissen. Nach seinen Ausführungen ist der Nashashibi-Partei der Stempel der Legalität den sie gewissermassen durch die Illegalitätserklärung der Konkurrenzpartei namentlich in den Augen Englands erhalten hat, nicht besonders angenehm, denn vom Standpunkt der Radikalen sind, in diesem Zusammenhang, legal und verratsverdäcbtig recht verwandte Begriffe. Vor ägyptischen und anderen ■ Journalisten hat Nashashibi auch das Gerücht, dass er in besonders naher Fühlung zum Emir von Transjordanien steht, dementieren lassen. In der Tat könnte die Teilung Palästinas zwar dem Emir gewisse Vorteile bringen, der Partei Nashashibis aber auch, erhebliche Nachteile. Die wirtschaftlichen Interessenten, die in dieser Partei stark vertreten sind, sehen mit einer gewissen Sorge, dass der künftige arabische Staat von den Segnungen des jüdischen Kapitalimports abgeschnitten sein wird Die politische Organisation würde — soweit überhaupt vorhanden — durch die neue Grenzziehung zerschlagen werden. So will Nashashibi zwar den Gefühlen der Araber Rechnung tragen und vom blossen Parteiführer zum" Oberhaupt der arabischen Bewegung aufrücken, aber die Ausführungen des ,,Omer" charakterisieren die Gruppe Nashashibis: als eine Partei, welche zwar' die Macht liebt, aber noch mehr die Ruhe. Die Unruhen Die Unruhen im Laude haben merklich nachgelassen. Gleichwohl sind noch hier und dort Üeberfälle zu verzeichnen. So wurde auf der Landstrasse Hebron — Ber Scheba ein der Regierung gehöriger5 Lastwagen durch Explosion einer Landmine beschädigt In Jerusalem waren noch mehrfach Feuerüberfälle auf jüdische und britische Polizisten zu verzeichnen. Im Schimon-Hazaddik- Viertel wurde aus einem Auto eine Bombe geworfen, deren Explosion eine jüdische Frau verletzte. Ebenso wurde an der Ecke der King- George-Avenue und der Ben-Yehuda-Street aus einem Auto eine Bombe geworfen. Mehrere Kinder erlitten Verletzungen. Ein Truppentransport wurde auf der Strasse von Nablus nach Dschenin aus dem Hinterhalt angegriffen. Drei Juden sind zwischen Haifa und N e s h e r beschossen worden. Sie trugen Verwundungen davon. Ein Patrouillenauto mit mehreren Polizisten wurde in der Nähe von Nazareth unter Feuer genommen. Ein britischer Polizist wurde erschossen- Zu beiden Seiten d^r Eisenbahnstrecken zwischen Haifa—Akko—Lydda—Samak—Tulkeren und Nablus wurde in einer Breite von 300 Metern für die Nachtzeit der Ausnahmezustand verhängt. Zwei Araberbanden sollen auf der Flucht vor britischen Truppen das Land verlassen haben.. Kleine politische Nachrichten Die Palästina-Regierung soll beabsichtigen, Teile der Altstadt, von Jerusalem niederzulegen, um die Strassen zu verbreitern. Die schmalen gewundenen Gassen der Altstadt werden von den Terroristen als Schlupfwinkel benutzt. # Es werden zur Zeit neue umfangreiche Pläne für die Reorganisierung der Palästina-Polizei, insbesondere der Abteilung für Kriminalunt.ersuchung ausgearbeitete und dem Spezialbeauftragten Sir Charles Tegard zur Begutachtung vorgelegt ¥ Einige Araber aus Shsaraan sind unter dem Verdacht der Teilnahme an der Ermordung des Bezirkskommissars Andrews verhaftet worden. In der Gegend von Beisan ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. * In der Stadt Batavia in Niederländisch-Indien ist ein arabisches Komitee gegründet worden, das für bedürftige Araber in Palästina Geld sammelt. Das Komitee, dessen Protektor der Führer der Araber in Batavia ist, hat Spendenlisten auch an Persönlichkeiten ausserhalb der Stadt versandt. Die Gelder sollen durch Vermittlung des holländischen Bevollmächtigten in Kairo arabischen Frauen und Kindern zugeführt werden, die ihre Ernährer wählend der Unruhen in Palästina verloren haben. * Um den Waffenschmuggel von Syrien nach Palästina zu verhindern, sind die syrischen Grenzposten auf Veranlassung des britischen Oberkommissars verstärkt worden. * Der Hauptleiter der Palestine Jewish Colonisation Association, Direktor G o 111 i e b, trifft demnächst in Palästina ein. Im Zusammenhang mit seinem Besuch wird die Inangriffnahme grösserer Kolonisationsarbeiten durch die Pica erwartet. Von Fritz Benjamin Wir fahren nachstehend mit der Veröffent- lichung der Palästina-Schilderung von Fritz Benjamin, die wir in den letzten Wochen unterbrechen mussten, um die aktuellen Palästina-Berichte unserer Sonderberichterstatteriii Dr. Eva Reichmann - Jungmann einzuschieben, fort. Wir erinnern noch einmal an das Vorwort, das Fritz Benjamin seinem ersten Kapitel gab, in dem er darauf hinwies, dass seine Aufsatzreihe bereits vor drei Jahren entstanden ist. Die Schriftleitung. 9. Fortsetzung VHI.EMEK Der politische Raum von Haifa ist nicht nur die Stadt, es ist auch der Emek, der Weg ins Herz des asiatischen Landes. Was vom Meere her europäisch klingt, bekommt aus der Tiefe asiatische Antwort Was aus diesem Boden zu erwarten ist, wird ebensowenig europäisch sein, wie die schwermütige Karmellandschaft etwas mit Neapel zu tun hat Schweiss-Apparaf e „Jupiter" auch zum Löten und für Dental-Arbelten Dr. Ernst Moritz «fc Co., Berlin W30, Schwäbische Str. II Felder von schwarzbraunem Schlamme dehnen sich bis zu den ringsrahmenden Gebirgen. Hier und dort wird die Ferne von einem Saume junger Bäume durchschritten. Sternförmig strahlen die Wege zu kleinen Anwesen, die dorfmässig an kurze Strassen zusammentreten. Vor dem Rasthaus an der Wegekreuzung halten die Autobusse von Jerusalem, Nazaret und Haifa, eine Tankstelle versorgt den Verkehr, und eine Polizeistation hat sich seitwärts der Landstrasse zurückgezogen. Winterstille und dunkle Aecker ringsum — Emek Jesreel, Emek, die Ebene schlechthin .. . Wie anders dies berührt als die Fruchtgärten der Küstenebene! Dort war es Garten, hier ist ein Land; dort der Ueberschuss, den der Export in alle Winde trägt, hier aber das Bedürfnis eines täglichen Lebens. Weizen und Gerste, Sesam und Mais wachsen im fruchtbaren Boden des Emek, seine hügeligen Ränder bieten die fetteste Weide. Emek ist ein Begriff geworden, Wahrzeichen der eroberten Arbeit und das Erlebnis eines werdenden Volkes. Nach Haifa öffnet der Emek seine' Hügelufer. Dort liegt das politische Zentrum für die jüdischen Siedler, und das Mittelländische Meer, über das sie kamen, bleibt ihnen wesensnahe. (Anders als ihre nomadischen Ahnen; denn jene mieden das Meer!) Wie ein elastischer Ring ist die Zone der Haifabuchtr vor ihnen ausgespannt, der den Raum ihrer Wiedergeburt schütze. * Es gilt einen Aufbau ohne den Rückhalt einer politischen Macht. Die Einsamen sind^ in das Land geschüttet und müssen vom Uranfange aufs neue erleben. Wie sie sich eine gemeinsame Sprache geschaffen haben, so wollen die Inhalte dieser Sprache von neuem erfüllt sein. Denn nichts von allem, was einmal war, ist mehr an seinem Platze: Land und Volk und Staat sind unerhörte Begebenheit Auf den fruchtbaren Lavaboden des Emek, niemandem zu persönlichem Eigen, sondern in Erbpacht vom' jüdischen Nationalfonds, schaffen sie in den mannigfachsten Wirtschaftsformen die Zelle des einzelnen. Das steinerne und wehrhafte Kinderhaus in der Mitte, dann Ge- Magister Kirsch der gute Likör, Magister München VSS meänschaftsräume und Wobnungen, wohl auch Baracken und Zelte für die Novizen, Gutshof und Kloster und Staat in einem. Eines aber unterscheidet die jungen Juden von allem anderen kolonialen Pioniertum: sie wären keine Juden, Hessen sie sich dabei genügen, die Weizenähren auf den Feldern schwerer und das Vieh stattlicher werden zu sehen! Sie sind keine Bauern, die die Substanz der Dinge verpflichtet als eine Einzelheit, die ihrem persönlichen Verteile diente, und können nicht ständisch begriffen werden neben einem anderen Berufe. Der Motor der Mähmaschine läuft, und ihr Fahrer trägt eine unfachmännische Welt im Kopfe.' — Land der Verheissung ist mehr als Eigentum und begrenzte Pflicht, es ist Bürgschaft jüdischer Umkehr, Schicksal und so denn Teil ihrer Gläubigkeit Ding und Ereignis gewinnen unmittelbare Bedeutung. Die Böden des Emek werden zur Ede, Erde zur Schöpfung und zu einer rahmenlosen unendlichen Welt Einstmals begleitete prophetisches Wort die in die Diaspora Ziehenden, heute vergeistet im gleichen unermüdlichen Sinne das erarbeitete Land in einen paradisischen Zustand. Erez Israel empfängt nicht den Heimgang seines alten verlorenen Volkes,, sondern den Aufbruch eines neuen Bekenntnisses. Keine motorische Hilfe und kein Tiefbrunnen löscht die steile Sonnenglut des Emek,

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