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Central-Verein-Zeitung · 1937-12-02 · 48 (2.12.1937) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
48 (2.12.1937)
Date
1937-12-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 C.-V.-Zeltung Nr. 48 * 2. Dezember 193? Der Unterricht ist völlig kostenfrei, man hat nur eine Anmeldekarte auszufüllen und kann sofort am Unterricht teilnehmen. Wir sind ungefähr 30 Schüler; ungefähr, denn nur ein Stamm von Teilnehmern kommt regelmässig, Gesichter tauchen auf und verschwinden nach einiger Zeit wieder aus dem Kursus. Der Stamm der Schüler wird von Einwanderern aus Deutschland gebildet, überwiegend Juden, daneben einigen Nicbtjuden. Die fudk&t Be&gSmü MmM Midi meisten sind Aerzte, die vor dem Sprachexamen stehen, aber auch eine Reihe anderer Berufe sind vertreten. Der jüngste Schüler ist etwa 16 Jahre alt, der älteste 60. Alle Abstufungen der Intelligenz, des Temperaments,, der Haltung ' sind vorhanden. Gemeinsam das mangelhafte Englisch und der Wunsch, die Sprache möglichst rasch zu lernen. Die erste Empfindung ist das Erstaunen darüber, wieviel Arten es gibt, Englisch falsch auszusprechen. Ein Fräulein aus der Tschechoslowakei mit bäuerlichem Gesicht versteht kein Wort in irgend einer anderen Sprache und produziert ein ungeheuer komisch klingendes Englisch. Ein Philosoph — so nennt er sich jedenfalls selbst — aus Lemberg zischt seitwärts durch die Zähne und ist manchmal selbst den viel Kummer gewohnten Lehrern unverständlich. In der Ecke werden Anfänger unterrichtet, zwei Jungens aus Spanien, Tschechoslova-' ken und andere. Hinten sitzt eine alte Frau, die mit gefurchter Stirn sichtlich mühsam aus einem Lehrbuch abschreibt. Anfänger unbestimmbarer Nationalität tauchen aui, werden von einem Lehrer gesondert vorgenommen, bleiben oder verschwinden wieder. Aber das ist alles die Peripherie, auf die wir, die Kerntruppe, mit der amüsierten Herablassung sehen, wie. na eben wie Kinder der zweiten Klasse auf die Anfänger der ersten. Wie es überhaupt merkwürdig ist, zu sehen, wie sich die Gesetze der Masse auch hier erfüllen. Dreissig Erwachsene benehmen sich nicht anders in der Schule als dreissig Kinder. Wir neigen zum Plaudern und müssen ab und zu ermahnt werden, etwas mehr Disziplin zu halten. Bei schriftlichen Arbeiten, die zensiert werden sollen, gehen oft verstohlene Blicke zum Heft des Nachbarn, beim Schreiben der Composition, des kleinen Aufsatzes, der vielen im Examen so schwer fällt, werden Lexiken rasch geöffnet Ein Unterschied aber besteht gegen die alte Schulzeit Wir gehen alle mit grosser Begeisterung zum Unterricht Dass das so ist, weil wir nicht nur das Gefühl haben* ausserordentlich rasch und viel zu lernen, sondern auch einen ungewöhnlichen Spass an der Sache haben, das ist ausschliesslich das Verdienst der Lehrer. Wir haben ihrer drei, von denen zwei sich in den eigentlichen Unterricht teilen, und der dritte eine Art Assistent zu sein scheint. Ihnen macht das Unterrichten sichtlich Vergnügen. Es geht sehr heiter, bei uns zu, und mit einem Scherzwort wird besser Disziplin gehalten, als es unsere Lehrer seligen' Angedenkens mit ihren finsteren Verweisen erreichten. Es ist keine einfache Aufgabe, eine solche Klasse zu unterrichten, und wie diese sehr jungen Lehrer sie lösen, das ist bewunderungswert und verrät ein sehr hohes Mass von fachlichem Können, von Allgemeinbildung und innerer Souveränität. Sie verstehen es ausgezeichnet» trotz gemeinsamen Unterrichtes auf jeden einzplnen einzugehen, jedem von der Ebene seines individuellen Könnens eine Stufe herauf zu i elfen. Wir haben schon viel Unterricht in den verschiedensten Sprachen gehabt, privaten und gemeinsamen. aber kaum je so guten. Methodik des Vortrages, Verteilung der Zeit auf die einzelnen Gebiete, Wahl der Themen alles ausgezeichnet. Neben dem eigentlichen Sprachunterricht ergibt sich Gelegenheit zur Vermittlung allgemeinen Wissens über amerikanische Geschichte, Tagesereignisse und Probleme, wobei die Schüler oft eine grosse Unkenntnis an den Tag legen. Die „New York Times" des Tages gibt Stoff zu Leseproben wie zu Debatten. Es ist keine einfache Aufgabe, vor so einer Klasse von erwachsenen, kritischen und verschiedenartigen Menschen zu stehen. Wir sind Kinder in der Sprache und Erwachsene im Denken. Daraus ergibt sich eine Fülle von komischen Situationen. Wenn der Philosoph aus Lemberg plötzlich beginnt, sich mit dem Lehrer über Adler und Freud zu streiten, und ihm immer wieder im Eifer des Disputierens die Luft ausgeht, weil er seine schönsten Argumente auf Englisch nicht sagen kann, dann gehört viel pädagogischer Takt dazu, der Heiterkeit freien Lauf zu lassen und doch den Mut zum freien Sprechen zu erhalten. Schriftliche Stilübungen .werden gleich und sehr individuell korrigiert, dem Ungewandten einfachster Satzbau erklärt dem Fortgeschrittenen die ersten Feinheiten des Stils dargelegt. So ist der erste Eindruck, den wir von dem Bildungswesen des Landes bekommen, ein sehr nachhaltiger. Wir kennen kein zweites Land, das solche Einrichtungen zur geistigen Einordnung des Einwanderers besitzt. Es spricht daraus der Wunsch, Immigranten zu Bürgern zu erziehen, die mit Verständnis am kulturellen Leben teilnehmen können. Wir konnten beobachten, wie sehr solche Schulung auch dem mit wirtschaftlichen Sorgen Beladenen Rückhalt und Ermutigung gibt. Diese Schule ist keine einzeln dastehende Einrichtung. So, wie wir, sitzen jeden Tag Tausende und Zehntausende von Schülern In den Tages- und Abendkursen eines reich verzweigten Erziehungs- und Bildungssystems. Nur ein reiches Land kann ein solches Netz von Schulen und schulähnlichen Institutionen aufbauen. Dass es diesen Gebrauch von seinen Mitteln macht, ist der Ausdruck einer die menschliche Vernunft und den Wert freien Wissens bejahenden Betrachtungsweise, die in Erziehung und Bildung das wichtigste Instrument menschlichen Fortsehritts sieht. Ohne zu dieser Auffassung als solche Stellung nehmen zu wollen, darf gesagt werden, dass sie als erster Eindruck Respekt abnötigt und den Mut zu kultureller Einfügung steigert. Vorträge zur Wanderungsfrage . Vor ,2000 Zuhörern veranstaltete der Hilfsverein der Juden in Deutschland in Frankfurt am Main eine Kundgebung, die dem Thema ..Jüdische Auswanderung" und einer Werbung für den Hilfsverein gewidmet war. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Referate von Dr. Mark Wischnitzer, Berlin, und Rabbiner Dr. Eschelbacher, Düsseldorf. Dr. Wischnitzer gab einen Ueberblick über die Arbeit des Hilfsvereins. Rabbiner Dr. Eschelbacher forderte die Organisierung der Wanderung, damit sich aus der echten Wanderschaft keine Flucht entwickle. Die Erhaltung des Judentums überall in der Welt müsse unbedingt verlangt werden, besonders unter dem Gesichtspunkt der mit der Wanderung verbundenen Erneuerung der Diaspora. Die Veranstaltung wurde von dem Vorsitzenden des Hilfsvereins, Max M. W a r b u r g, Hamburg, geleitet. Zu Beginn der Veranstaltung hatte der Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde Frankfurt, Justizrat Dr. Julius Blau, dem Hilfsverein den Dank der Gemeinde ausgesprochen. * Auch in MünGhen sprach Dr. Mark Wisch- . nitzer in zwei Veisainmlinigeii. des Hilfsver- . eine Uber das Thema der jüdischen Auswanderung. « Am 24. November sprach Dr. Kurt Julius Riegner (Berlin) Im- „Kreis" des Jüdischen Central-Vereins in Hamburg über „Fragen jüdischer Auswandeningspolitik*'. Der grosse Saal des Jugendheims vermochte nicht alle diejenigen aufzunehmen, die ihr Interesse an dem Thema und der Arbeit des C. V. durch ihr Erscheinen zeigten. Fern von den Fragen der Tagesarbeit, wie sie in erster Linie de/ Hilfsverein leistet wurde hier der Versuch unternommen, einmal die Voraussetzungen einer jüdischen Auswanderungsplanung im grossen zu prüfen. Der Redner gelangte zu der Forderung, dass die verantwortlichen jüdischen Stellen ihre Auswanderungsarbeit nicht von zufälligen Ereignissen und der zufälligen weltpolitischen Konstellation abhängig machen sollten. Er schlug vor, die Lösung der so wichtigen Frage konstruktiv anzustreben, indem man den Einwanderungsländern die Nützlichkeit der Juden für ihrem wirtschaftlichen Aufschwung zeige und die Entwicklungsmöglichkeiten der einzelnen Volkswirtschaften für die Auswanderungsplanung nutzbar mache. Erforderlich sei hierfür aber auch die Ausrichtung der jüdischen Berufsausbildung nach den Gesichtspunkten der Einwanderungsländer und nicht nach Ideologien, die bald den Landwirt, bald den königlichen Kaufmann, bald den Handwerker' als den einzig günstigen Beruf anpreisen. Dr. Riegner schloss seinen Vortrag mit einer Schilderung der zur Zeit in Vorbereitung befindlichen Auswanderungs- und Siedlungsprojekte. Die mit grossem Beifall aufgenommenen Ausführungen, ergänzte Günter Friedländer in der Diskussion mit Antworten auf praktische Fragen aus dem Hörerkreis. — r. Die Landesverbände Rheinland-Westfalen (Essen) und Rheinland-Linksrhein (Köln) des Jüdischen C e n t r a 1 - V e r e i n s setzten ihren Fortbildungskursus für jüdische Rechtsanwälte über das Recht der Auswanderung fort. 0 Bankier Simon aus Köln trug das umfangreiche und schwierige Gebiet des Wertpapier- Transfer- und Sperrmarkrechts in sorgfältig gegliederter, klarer und übersichtlicher Weise vor. Rechtsanwalt Dr. Krombach aus Essen hielt die Vorlesung über das Redchsfluchtsteuerrecht in lebendiger, durch Berücksichtigung der Entwicklung der Rechtsprechung an Hand von praktischen Fällen hervorstechender Darstellung. Es waren zu dem Kursus in Düsseldorf wiederum sehr zahlreich die Anwälte des Bezirks erschienen, so dass die Veranstaltung auch über das Fachwissenschaftliche hinaus zu einem Treffen vieler Kollegen und alter Bekannte« wurde. "Warnung. Das Jüdische Wohlfahrts- und Jugendamt Berlin sieht sich veranlasst, wiederholt darauf hinzuweisen, keiterlei Geldbeträge an unbekannte Personen für Auswanderungs- oder andere Zwecke auf Grund von persönlichen oder telephonischen Aufforderungen zur Verfügung zu stellen. Insbesondere wird darauf aufmerksam gemacht, dass weder die Herren Rabbiner, noch andere jüdische Persönlichkeiten telephonisch oder brieflich zur Hergabe derartiger Beträge auffordern. Für alle diese Aufgabengebiete — Auswanderung. Wohlfahrtsbetreuung — sind allein die hierfür bestehenden Stellen des Jüdischen Wohlfahrts- und Jugendamts oder der jüdischen Organisationen zuständig. Um sich vor Schaden zu bewahren, wird dringend gebeten, sich vor Hergabe von Geldbeträgen mit der Zentralauskunftsstelle des Jüdischen Wohlfahrts- und Jugendamts, Berlin. C.2, Rosenstrasse 2—4 (Tel. 416711 App. 45) in Verbindung zu setzen. Die Sammler der Jüdischen Winterhilfe sind mit Lichtbildausweis versehen. DetHilfsverein teiltmitt Achtet auf richtige Visa! In letzter Zeit mehren eich die Fälle, in denen Auswanderer nach verschiedenen Ländern, zum Beispiel Neu-Seeland, ausreisen, ohne ein regelrechtes Einwanderungsvisum bzw. eine Landungserlaubnis zu besitzen. Die Betreffenden verschaffen sich vielmehr ein blosses Touristenvisum und hoffen, dann im Einwanderungslande die Erlaubnis zur dauernden Niederlassung erwirken zu können. Eine solche Umwandlung von Touristenvisen in Einwanderungsvisen ist aber nur in den seltensten Fällen möglich; im allgemeinen bringt jede derartige Einwanderung ohne reguläres Einwanderungsvisum die Gefahr späterer Ausweisung mit sich und gefährdet ausserdem das Ansehen der jüdischen Einwanderung bei den Behörden des Landes. Im Hinblick auf die schweren Schäden, die . der -jüdischen Gesamtheit durch die sogenannte Touristeneinwanderung in verschiedenen überseeischen Ländern bereits erwachsen sind, warnt der Hilfsverein nachdrücklich vor jedem derartigen Unterfangen und lehnt seinerseits selbstverständlich jede Unterstützung derartiger Reisen ab. * Am 23. November starb in Dresden der langjährige Vertrauensmann des Hilfsvereins der Juden in Deutschland, Mas Estreicher. Er hat sich um die Förderung der Angelegenheiten des Hilfsvereins und damit um die Organisation der jüdischen Auswanderungsbewegung in Deutschland grosse Verdienste erworben," die ihm ein ehrendes Andenken sichern. _ Offene Auslandsstellen Genehmigt durch das Landesarbeitsamt Brandenburg. Gesucht werden: Für Ekuador jüdischer Dipl.-Ingenieur, der über Erfahrungen im Strassenbau, besonders Landstrassen bzw. Autostrassen, in schwierigem Gelände (Gebirge, Sümpfe) verfügt. Es kommen nur erste Kräfte in Frage, die organisatorisch begabt sind und sich ungewohnten Verhältnissen anpassen können. Kenntnisse der spanischen Sprache erwünscht, aber nicht Bedingung; nach Memelland jüdischer Meister für Farben und Lacke, der nach Möglichkeit .unverheiratet sein soll; für grosse Druckerei in Peru ein jüdischer junger Mann, der im Bedienen einer Maschine, die.Parfümerieschachteln, Puderschachteln und Falzschachtelpolster herstellt, durchaus perfekt ist. Es wird nur Wert auf eine erstklassige Kraft gelegt die auch selbständig eine Maschine bedienen kann; nach Turin zu einem Neugeborenen eine geprüfte jüdische S äu g I i n gssch w es t e fj ausserdem ist ein zweijähriges Mädchen im Hause. Gehalt monatlich 200 Lire. Nach einem Jahre werden die Reisekosten erstattet; für Vorort von London für nichtrituellen Haushalt jüdische H ausgeh i 1 f i n im Alter von 19 bis ,28 Jahren. Der Fünfzimmerhaushalt besteht aus zwei erwachsenen Personen und einem sechsjährigen Kind. Die Hausgehilfin hat der Hausfrau bei der Hausarbeit und bürgerlichen Küche zur Hand zu gehen. Englische Sprachkenntnisse sind erwünscht, aber nicht Bedingung. Famiiienanschluss "wird bedingt gewährt Gehalt 10 sh wöchentlich. Reisegeld wird bei einjähriger Vertragsdauer übernommen. Ausführliche Bewerbungen nur auf Luftpostdünnpapier. Zeugnisabschriften, Lebenslauf sowie Passphoto werden weitergeleitet durch die Jüdische Gemeinde, Berlin SW19. Lindenstrasse 48—50. Bewerbungen auf gewöhnlichem Postpapier werden nicht mit Luftpost befördert. Weitere Beiträge zur Wanderung«' frage s. a. „Wirtschaft der Woche", Privatmann (Nichtarier) sueht baldigst Rentenhaus in Berlin zu kaufen. Auszahlung In beliebiger Höhe. Ausführliche Angebote nur von Eigentümern erbeten. — Offerten unter B. 6635 bef. C-V.-Zeltung. Berlin W15. Adolf Imbach & Co. BRESLAU 1 Auslandstransporfe aller Art / Vor Haus zu Haus New York Dr. Waller Strauss ftth'iSS,,i' mit langj. Erfahrg. a. d. Gebiete des Devisenrechts, jetzt tätig im Anwaltsbüro Max OJesker usw., 570 Seventh Ave. Erledigung aller Rechtsauftr&se einseht Einwanderung und Transfer, unter Beachtung der devisenrechtlichen Bestimmungen. Haastacisch, Hau«- und Geschäftakauf gegen Zahlung in RM, Sperrmarkverkauf, Beteiligungen, Vermögentanlage und -Verwaltung. _ Ii ÜB IM© C-V.« Zeiten* Ihr Berate? IUI!»! Grundsfücksmarkt Wohnhäuser zn kauten gesucht. 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