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Central-Verein-Zeitung · 1937-11-11 · 45 (11.11.1937) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
45 (11.11.1937)
Date
1937-11-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XVI. Jahrgang / Nr. 45 Berlin, 11. November 1937 Preis 10 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle '(Verlag, Schriftleitern» Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W 15, Einser Strasse 42. Fernsprecher: 928141—45. Telegrammadresse: Centralglanben, Berlin. Postscheckkonto: Berlin <0o44. Die ■ C.-V.-Zeitung erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluß: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebuhren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 81 Rpf. (einschl. 22,74 Rpf. Postzeitungssebühr) zuzügh 18 Rpf. Bestellgeld. Für Ausland vierteljährlich 2,30 RM (umgerechnet in die Landeswährung) einschl. Zustellgebühren. Einzelnummer lORpf. 'Ausland 20 Rpf.). Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. - Anzeigengebühren: Preisliste 5 gültig. Die l-2trespaltene mm-Zeile 20 kpi . für Stellengesuche 10 Rpf.. für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise s. Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platzu. Datenvorschnften ohne Verbindlichkeit. Für das jüdische IIucli Mit Beiträgen von Alfeld Auerbach, Bertha Badt-Straiiss, Fritz Bamfoerger,Braiadtis, Werner Cahnmann, Leo Hirsch, Georg Ilirsehfei*!, Lucia Jacoby, Ernst G. Löwenthal, Adolf Neumann, «fakoh Picard, Karl Schönfeerg, Gerson Stern A. H. Zum zweiten Male im Verlaufe, eines halben Jahres empfindet sich die jüdische Presse als Trägerin eines besonderen jüdisch-kulturellen Auftrages. Im Sommer galt ihre Propaganda der Erneuerung und Auffüllung des Mitgliederbestandes in den Jüdischen Kulturbünden. Diesmal tritt sie für das jüdische Buch ein. Und wie damals verknüpfen sich dabei nach vielen Richtungen geistige mit materiellen Anliegen. Gebende, Empfangende, Mittler stehen in einem Verhältnis zueinander, in dem jeder auf seine Kosten kommen möchte. Die Buchfrage ist eine Brotfrage, es gilt Hunger zu stillen und Hunger zu verhindern. Wir brauchen Bücher wie das tägliche Brot, aber das Buch muss nach Brot gehen. Viele erinnern sich der einleitenden Worte in Rathenaus Von kommenden Dingen", wo er „von materiellen Dingen, jedoch um des Geistes willen" spricht. . Wir geben ihnen die notwendige Ergänzung: „... und von geistigen Dingen auch um des Materiellen willen." Die Propaganda für das Buch, auch für "das jüdische Buch, bedarf in diesem Blatt keiner besonderen Begründung. Bildung, Bildung, Bildung war hier der dreifache Ruf, der in hundert Varianten Echo und Mitrufer suchte und fand. Einem niveaulosen Judentum und der verderblichen Angleichung des Bildungsrückgangs an den Besitzrückgang ward seit je der Kampf angesagt. Wir wandten uns und wenden uns auch heute gegen eine primitive Betrachtungsweise, die meint, dass eine Zunahme des proletarischen Lebensstandards in unseren Kreisen proletarischen Bildungszustand rechtfertige, als ob es jenseits des täglichen Arbeitens keine geistige Forderungen mehr gäbe! Wir variieren Heines dreifaches Elend, das ihm aus Armut, Krankheit, Judentum zu bestehen schien, in: Bildungsferne, Kenntnislosigkeit und Judentum. Nur in solchem Zusammenhang will Judesein elendsein bedeuten. Der besondere Anlass, auf diese'Fragen einzugehen, liegt in der Neuordnung des jüdischen Buchvertriebs- und Verlagswesens Ein Berufsstand muss sieh umstellen, muss sich konzentrieren: in dem, was er bietet, und in denen, an die er sich wendet. Unser kultureller Eigenbereich hat einen neuen Sektor erhalten. Es gilt, die Umstellung so vorzunehmen, dass keiner der Beteiligten vermeidbaren Schaden erleidet — nicht der Buch-Kaufmann, sei er Verleger oder Vertrieb, nicht der Autor, nicht das Publikum. Auf den Innenseiten unserer heutigen Zeitung findet der Leser diese drei Gruppen vertreten. Wir könnten also unsere Aufgabe mit diesem Hinweis als erledigt ansehen. Jeder Beitrag mag für sich sprechen — und sofern sie in einem oder anderen Bezug gegeneinander reden, wird bald deutlich, dass sie sich doch im gemeinsamen Ziele begegnen. Aber gerade weil wir so positiv zum jüdischen Buch stehen, möchten wir dazu beitragen, Fehlleitung von Hoffnungen und Fehlleitung von Mitteln zu vermeiden. Wenn die Mittel, die zur Verfügung stehen. bescheiden sind, muss man sie möglichst zweckmässig verwenden. Wir wollen eine Reihe von Fragen anschneiden und den Versuch machen, einige in Kürze zu beantworten; andere werden wir offen lassen, weil sie nur durch die Zeit beantwortet werden können. ' Eine Forderung muss vorangehen: das jüdische Buch, also ein Druckwerk, von Juden für Juden geschrieben und durch Juden im jüdischen Bereich verbreitet, muss wettbewerbsfähig sein! Das gilt sowohl für den Inhalt als auch besonders für die technische Ausstattung. Die Freude, ein ansprechendes Erzeugnis jüdischen Fleisses. in der Hand zu haben, bereitet dem Inhalt des Buches bereits den Weg. Und man darf nicht übersehen, dass der jüdische Leser in starkem Masse ein anspruchsvoller Leser ist. Das jüdische Buch wird und soll, wie wir hoffen, nicht der einzige Buchtyp sein, der im jüdischen Kreis bekannt bleibt. Unsere Beschäftigung mit jüdischen Es werden Zehn Preise in folgender Höhe festgesetzt; 1. Preis: 200 RM, 2. Preis: 150 RM, 3. Preis: 100 RM, 4. bis 10. Preis: Bücher im Werte von je 25 RM. Die zum Abdruck erworbenen Arbeiten werden ausserdem in üblicher Weise honoriert. Es gelangen nur dann sämtliche Preise zur Verteilung, wenn eine genügende Anzahl von brauchbaren Arbeiten vorliegt. Das Preisrichterkollegium hat gegebenenfalls die Preise nach dem Wert der vorliegenden Arbeiten aufzuteilen. Bedingungen: t. Teilnahmeberechtigt ist jeder im deutschen Reichsgebiet ansässige Jude. 2. Die eingereichten Arbeiten dürfen noch nicht veröffentlicht sein und auch vor der Entscheidung des Preisgerichts nicht veröffentlicht werden. 3. Das Manuskript muss maschinenschriftlich, einseitig und zweizeilig geschrieben sowie mit Rand versehen sein.' Es soll den Um¬ Stoffen schliesst uns nicht von der Welt ab, sondern gibt uns nur eine bestimmte Betrachtungsweise für die Welt. Die stärkere Vertrautheit des Juden mit dem jüdischen Buche soll ihn bereichern, aber nicht auf Kosten des allgemeinen Wissens. In unzähligen Werken der Weltliteratur aller Sprachen werden wir Gedanken finden, die uns als Juden ansprechen und auf die wir als Juden der Welt eine Antwort zu geben wissen. Nun die Frage nach den Schaffenden: Hat unsere jüdische Gegenwart hier und auch in Zukunft mit den vorhandenen Menschen den Beruf zur literarischen Leistung? Man wird zwischen dem ursprünglich Schöpferischen und dem Reproduktiven und Sammelnden unterscheiden müssen. So wird ein Nein auf diese Frage in dem einen Falle als ungerecht, ein Ja in dem anderen Falle, als oberflächlich erscheinen. Aber seien wir' nicht undankbar, sondern prüfen wir nüchtern, was in einem fang von 25 Schreibmaschinenseiten nicht überschreiten. 4. Die Arbeiten sind lediglich mit einem Kennwort zu versehen. Name und Anschrift des Einsenders sind den. Arbeiten in einem verschlossenen, mit dem Kennwort versehenen Umschlag beizufügen. 5. Die Arbeit muss bis spätestens 15. Januar 1938 an die Redaktion der C.-V.-Zeitung (Erzählerpreis), Berlin W 15, Emeer Str. 42; gesandt werden. 6. Ueber die Zuteilung der Preise entscheidet das Preisgericht "unter Ausschluss des Rechtsweges. 7. Die Redaktion behält sich vor, auch nicht prämiierte Arbeiten zu erwerben. An allen erworbenen Arbeiten steht ihr das Erstabdrucksrecht zu. 8. Nicht prämiierte Arbeiten werden nur zurückgesandt, wenn Rückporto beiliegt. 9. Das Preisgericht setzt sich zusammen aus: Julius Bab (Berlin), Dr. Fritz Bamberger (Berlin), Dr. Hugo Lachmanski (Berlin), zwei Mitgliedern der Redaktion der C.-V.- Zeitung. 10. Die Verteilung der Preise-erfolgt bis spätestens 31. März 1938. Bereich geleistet werden kann, aus dem in * ständigem Zug der Nachwuchs fortgeht, nicht nur der " Lesernachwuchs, sondern auch der der literarisch Arbeitenden, sobald er sich die ersten Sporen verdient hat. Niemand verdenkt es den schaffenden Jungen.' Die Zeit hat sie hier jüdisch durchtränkt, aber sie möchten, wie jeder Schaffende, dass sich ihr Werk in die Weite entfalte, und sie suchen den grossen Wettbewerb. Es liegt kein Vorwurf darin, wenn wir die grosse jüdische Künstlergestalt vermissen, die auf den sicheren Lorbeer der Welt verzichtet, um unter Mitjuden hier zu leben, zu erleben, unser Leben in ihrem Werk nachzuerleben. Nur wer seine Kunst meistert, vermöchte sich mit beherrschtem Gefühl auszusprechen. Der Werdende wird an der von ihm noch nicht zu bewältigenden Inkongruenz von Willen, Können und Stoff scheitern, und deswegen geht er. Wohl gibt es Leistungen in unserem Bereich, die ehrenvoll vor dem Urteil der Literaturgeschichte bestehen werden. Aber, ein überzeitlich gültiges Werk ist. noch nicht gewachsen, auch wenn wir davon absehen, nur an die dichterische Ge* staltung unseres eigenen Schicksals in dieser Zeit zu denken. Es ist wie bei den beiden Königskindern: Autor und Stoff können nicht zusammen kommen, weil die Kluft des eigenen Erlebens zu tief und . breit ist. Dass wir die „Konjunktur-Schriftsteller ablehnen, die sich als jüdische Autoren fühlen, wenn sie ihren Gestalten - jüdische Namen geben, bedarf keiner Begründung. Sehr viel befriedigter können wir das Ergebnis der mehr reproduktiven, der sammelnden Arbeit der Autoren und Verleger beurteilen. Ganz deutlich haben sie vorerst und vordringlich die Verpflichtung verspürt, den Menschen auf den Weg zum Judentum, den selbst diejenigen, die nie von ihm abgewichen waren, heute mit einem neuen Bewusstsein schreiten, Wegweser und Stab und Stütze zu geben. Der statistische Versuch, der heute, erstmalig in der C.-V.-Zeitung unternommen wird, bestätigt diese Beobachtung. Aber die Aufgaben selbst haben noch keineswegs ihre abschliessende Behandlung gefunden. Notwendige Bücher, die unsere . jüdischen Fragen so darstellen,, dass sie den anspruchsvollen und wissenschaftlich geschulten Lesern etwas bieten, fehlen noch zum grossen Teile. Hier zu arbeiten, setzt weniger Intuition als Fleiss und Charakter voraus. Wir sind überzeugt, dass der wissenschaftliche Nachwuchs unserer Bildungsanstalten Menschen von Fleiss und Charakter hervorbringen kann. Wir sind aus Erfahrung skeptisch gegen den Wert der Organisation des Geistes. Wir glauben nicht, dass eine hervorragende Kartothek die Gewähr dafür bietet, dass sich aus ihr ein Genie herausfinden lässt. Wie sorgfältig man auch die Rubriken einer Planung einteilen mag, das Fach, das die kommenden Meisterwerke enthalten soll, wird nicht die Planung, sondern eben nur der Meister füllen können., Organisiert kann. Verleger, Schriftsteller, Buchhändler, Leser kommen in dieser Nummer der C.-V.-Zeitung, die sich in den Dienst des jüdischen Buches gestellt hat, zu Wort. Vom Buch der Bücher über das mittelalterliche Schrifttum spannt sich der Bogen bis in diese Tage. Dass er unsere Gegenwart auch mit der Zukunft verbinde, ist die Aufgabe der heute lebenden' Generation. Die C.-V.- Zeitung betrachtet es als ihre Pflicht, in diesem Sinne tätig zu sein und veranstaltet deshalb ein Preisausschreiben zur Gewinnung der Novelle eines jüdischen Autors, die sich zur Veröffentlichung in einem jüdischen Blatt eignet.

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