Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 42 (21.10.1937)
- Date
- 1937-10-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 42.* 3. Beiblatt 21. Oktober 1937 » Seite 13 Bunte Welt im Roman Kurban Said: AliundNino. E.P.Tal &Co. Verlag, Wien 1937. Dies Buch von Liebe und Tod spielt in Transkaukasien und Persien, in der Oelstadt Baku, im altersgrauen Tii'lis und in Teheran, der Stadt der vielen Kuppeln. Kreuz ringt mit Halbmond, Abendland mit Morgen- Sand. Fortschritt und Technik mit dem Schlaf der Welt. Europa und Asien können, so scheint es, nicht miteinander leben, aber erst recht nicht ohne einander. Asien wird in diesem Buch durch den jungen Mohammedaner Ali vertreten, der, vom Hauche okzidentalen Geistes berührt, doch der ungebändigte Sohn Asiens bleibt. Dem Nachfahren der "Steppenkrieger ist die Blutrache ebenso heiliges Gesetz wie die Gastfreundschaft. Für die Freiheit seiner Heimat stirbt er den Heldentod. Europagläubig ist seine Jugendfreundin und Gattin Nino, eine georgische Prinzessin. Mit den Augen des Westens betrachtet sie die abenteuerliche Welt, der ihr Mann mit allen Fasern seiner Seele verbunden bleibt. Ali und Nino reizen einander — in des Wortes zwiefacher Bedeutung. Der Roman führt durch Bazare und Paläste, durch Strassenkampf und Bergeinsamkeit, durch Harem und Wüste. Springbrunnen rauschen, Derwische geissein sich. Verse orientalischer Dichter leuchten auf. Weisheit und Fanatismus. Grausamkeit und Süsse sind verschwistert wie in den Märchen von „Tausend und eine Nacht". P. M. Michel Yieuchange: Smara. Verlag Eugen Renisch, Erlenbach-Zürich 1937. Smara ist eine Ruinenstadt in Spanisch- Marokko, von einem Maurenfürsten auf dürrem Wüstenboden errichtet, mit einer Moschee und zwei Kasbas. Meist steht sie leer, zuweilen wird sie von unbezwungenen Nomadenstämmen Süd-Marokkos belebt. Wenn man auf der Karte nachschlägt, glaubt man kaum, dass es ein Europäern unzugängliches Gebiet ist. so gering ist die Entfernung von der Küste, wären die Gegenden des Rio de Oro vom modernen Verkehr erschlossen. Michel Vieuchange, ein junger Franzose des Jahrgangs 1904, gebraucht dazu unter Strapazen, die selbst seinen eingeborenen Begleitern beschwerlich und gefährlich sind, zwei Monate des Herbstes 1930. Eine Reise mit Listen, Entbehrungen und Opfern, geben diese Aufzeichnungen wieder, die iünfunddreissig Fotos, deren Entstehung wir miterleben, und zwei Karten ergänzen. Einen Teil der Reise muss er, zwischen zwei Berberfrauen, als Frau verkleidet, zurücklegen, und beim Schlafen darauf achten, dass er ihre gekrümmte Haltung einnimmt, denn gerade auf dem Rücken zu liegen, ist dort das Kennzeichen schlafender Jüdinnen. Er erreicht sein Ziel . . . und darf es mit Mühe und Not drei Stunden lang betrachten, solange die Wüstenstadt leersteht; aber das Nahen von Nomaden droht, und Vieuchanges arabische Begleiter stehen nicht länger für seine Sicherheit ein. Auf der Rückreise erkrankt und stirbt er an der Ruhr. Vieuchanges Tatendrang mutet wie der Elan vital Henri Bergsons und Jules Romains an, obgleich er diesen Juden und seinen dichterischen Erfüller nicht zu seinen geistigen Paten zählt, als die vielmehr Flaubert und Mistral. Leonardo und Rembrandt, Nietzsche und Whiiman aufgezählt werden. Er begeistert sich an den Griechen und endet katholisierend wie Gide und Claudel, der (im Vorwort) sein Schicksal mit dem Rembrandts, Kolumbus', Napoleons und Rimbaud» vergleich!, mit einem, in dem sich Elemente des Franz von Assisi und Don Quichote mischen. Vieuchanges Aufzeichnungen sind ein Dokument europäischer Jugend. Wir erleben Rimbauds Schicksal, den Aufbruch zur Tat aus Abscheu vor der Kultur, noch einmal. Aber seine Reise ins Unbekannte ist ihm selber noch unbewusst eine Wanderung zum grossen Unbekannten, er flieht aus dem Nichts — zu Gott. Eine Vita Nuova soll aus seiner heroischen Expedition hervorgehen, die heroische Leistung dient einem romantischen Zauber, der traumhaft lockt. Es ist die Rettung aus der Verzweiflung der Glaubenslosigkeit, die er ahnend sucht. Sehr treffend bemerkt Karl Muth in seiner Einleitung, wie er in der Gläubigkeit des Islam die eigene Glaubenslosigkeit in ihrem ganzen Weh erst spürt. Wie ein echter Romantiker kann er von sich gegen Ende seiner Lebensfahrt sagen: ..Der Tod ist mir nahe vertraut." Lutz Weltmann. Otto Philipp: Morgenleuchten über dem Miitelmeer A. J. C. Verlag Atid Dr. Eugen Roth, Berlin 1937. Die drei Buchstaben im Titel des Philippschen Buches, die sich ja mit keiner geläufigen Abkürzung einer jüdischen Institution decken, werden erst recht spät erklärt, geben dann aber prägnant wieder, wie und w~o Philipp die Lösung aller palästinensischen Schwierigkeiten und das einzig erstrebenswerte Ziel sieht: in einer arabisch -jüdischen Konföderation. In seinem Roman wird dieses Ziel auch erreicht durch das Zusammenwirken, durch die Aufopferung und Selbstverleugnung einer ganzen Anzahl ungewöhnlicher Menschen, die durch ihre Arbeit, ihr Streben oder durch ihre Schicksale miteinander verknüpft werden. Ueberflüssig, an dieser Stelle auszuführen, wie hoch das Ideal einzuschätzen ist, das hier errichtet wird; überflüssig aber auch, in diesem Zeitpunkt auseinanderzusetzen, wie weit und steil und steinig der Weg ist, der zu diesem Ideal führt — wenn er überhaupt zu finden ist Nicht nur Wunsch und Werk, sondern auch Herzensneigungen und eine überaus günstige Konstellation aller äusseres Umstände müsste Prominente aus dem jüdischen, englischen und arabischen Lager ungefähr wie in diesem Roman zusammenführen, um ein Resultat von solch weltgeschichtlicher Bedeutung und Grösse herbeizuführen. Auch Alice Landsbergs Buch „Stadt bei Tel-AviV (Joachim Goldstein Verlag, Berlin 1937) hat ein hohes und lobenswertes Ziel: die Bekämpfung des Bodenwuchers in Palästina. Hier tritt aber das Missverhältnis zwischen Wollen und Können auch in sprachlicher Hinsicht so störend hervor, dass sich die Frage aufdrängt, aus welchen Gründen wohl der jüdische Büchermarkt mit solcher Erscheinung belastet wird. Wir sind, diesseits und jenseits des Mittelmeeres, ja wohl alle der Aufmerksam lesen!-- Der nun längst vergessene jüdische Schriftsteller Hieronymus Lorm", der eigentlich Heinrich Landesmann hiess und übrigens ein Schwager und Freund Berthold Auerbachs war, aatte einmal im Literaturblatt der Wiener -Presse" neue Lyrik zu rezensieren, und da all die Reimbüchlein gleich wenig taugten und nur iure Einbände und Autorennamen verschieden Ovaren, so fühlte er sich. Dichter, der er selbst wäre, begeistert, ebenfalls den Pegasus zu besteigen und den Extrakt jener Verse auf das folgendewitzige Schema zu bringen: Ballade Der Ritter sprach zum Knappen: „Auf, sattle mir den Rappen!" Drauf ritt er ms Getümmel Der Schlacht auf seinem Schimmel. Hei, wie er flog zum Tanze Mit Schwert und Schild und Lanze! Er war der Feinde Schrecken Auf seinem wilden Schecken. Da schwirrten die Geschosse —- Der Ritter sank vom Rosse; Er sank zu aller Staunen Herab von seinem Braunen; — Besah die Todeswunde Und rief: „0 Kunigunde, Ich sterbe deinethalben —" Lag tot bei seinem Falben! Diese Parodie hatte Ferdinand Kürnberl.er gerade im Kaffeehause gelesen, als er auf aie Strasse trat und Ludwig August Frankl (dem später geadelten Dichter, Jerusalem- Führer und Gründer der Jerusalemer Lämel- ^hule) begegnete. „Lesen Sie die heutige :pjesse', sagte Franki, „da steht eine Balads von Lorm, eine Fadaise, die mir unbegreifu* ist. Ein Ritter reitet in die Schlacht und prd erschossen. Das ist alles. Kein Bild, kein bedanke, keine Pointe-; ein Pfeil, der ei^en Rit- |er vom Pferde schiesst das ist die ganze PoeslV «Und es ist reizende Poesie", antwortet ihm Nürnberger, und nennt das leichte, neckische gedieht .,ein kleines Meisterstück von parodistiiCker Satire". Darauf Frankl verblüfft: „Wieso? Wie meinen Sie das?" „Mein Gott, haben Sie denn nicht gemerkt, dass das Pferd in vier Strophen fünfmal die Farbe wechselt? Dass das Ganze ein satirisches Scherzepigramm auf gedankenlose Reimschmiede ist?" Worauf Frankl ihn ansieht, stutzt, verlegen wird und verdriesslich murmelt: „Ich bitte Sie, Aver kann denn heutzutag jedes Zeitungsblatt förmlich studieren? Aber gut, dass Sie mich aufmerksam machen; ich will das Ding noch einmal lesen." „Dann", so erzählt Kürnberger diese Episode anno 1872 weiter, „an demselben Abend besuchte ich--damals besuchte ich noch! Melancholische Erfahrungen .haben seitdem gemacht, dass ich nur noch jene gewählte Gesellschaft liebe, welche man die Einsamkeit nennt. Aber der Zufall wollte es, dass ich an dem Abend desselben Tages den Dichter W. besuchte. Er fing sogleich an: Was sagten Sie heute zu der Ballade" von Lorm? Ich finde doch gar nichts daran. Das Ding ist entsetzlich leer und gehaltlos. Natürlich, weil es die Manier der Leeren und Gehaltlosen parodiert. Haben Sie denn nicht bemerkt, dass das Pferd in vier Strophen fünfmal die Farbe wechselt? Er schaut mich verwundert an . . . Du, Frau, da höre einmal, was der Doktor sagt. Das wäre freilich was anders! Geh und suche sogleich das Blatt, wenn es noch da ist. Wir müssen es jetzt noch einmal lesen. Gar nicht nötig. Ich rezitiere es Ihnen aus dem Gedächtnis . . . Der Ritter sprach zum Knappen: „Auf, sattle mir den Rappen!" Drauf eilt er ins Getümmel Der Schlacht auf seinem Schimmel . 5 » So sagte ich das Gedicht her und markierte durch die Betonung jede wechselnde Pferdefarbe. Ah, jetzt verstehen wir! Aber sehen Sie, dann liegt der Fehler des Gedichtes darin, dass diese Schlagwörter nicht durchschossen (gesperrt gedruckt) sind. Das auch noch! Mit der Nase soll man sie drauf stossen! Das wäre noch ein Witz, der sich auf den Zehen reckte, das Maul aufrisse und durchschossen schrie: ich bin ein Witz! Wie Ansicht, dass der Bodenwucher in Palästina mit Feuer und Schwert' ausgerottet werden muss. Das „Voluisse sat est" aber darf auch in der jüdischen Literatur unserer Tage keine Geltung haben. _ E. E. D. Brande: Setz Dich durch. Uebertragen von R. Copping, Verlag E. P. Tal & Co., Wien 1937. Erfolgsbücher fordern jenes ironische Lächeln heraus, wie man es Wahrsagern auf dem Jahrmarkt entgegenbringt: verständen sie ihre Kunst wirklich, so brauchten sie sie nicht so billig an den Mann zu bringen. Doch dieses Buch soll innerhalb von vier Monaten eine Auflage von 400 000 Stück erreicht haben: der Verfasserin also hilfts. Es ist gar kein schlechtes Buch, der ersten Skepsis zum Trotz. Man muss nur amerikanische Möglichkeiten vor sich haben und, wie die Amerikaner, der Meinung sein, dass der Mensch aus sich machen kann ,was er will. Insofern mag es für überlegene Leser als gute Einführung in amerikanische Denkart dienen. Ein Hauch von frischgewaschenem Optimismus strahlt von diesem Buch aus und die feste Ueberzeugung, dass gutes Zureden hilft. Die Ratschläge, die es gibt, stammen teilweise aus dem soliden Erfahrungsschatz alter Religionen, teilweise aus der gerissensten Industriepraxis; es kann nicht fehlen, dass recht gescheite darunter sind. So wird empfohlen, die Rolle der Phantasie für das tägliche Leben nicht zu unterschätzen, in Gesellschaft auf Schweigen zu trainieren, sich täglich eine halbe Stunde auf eine einzige Sache zu konzentrieren, einen Brief ganz ohne „ich" zu schreiben, seine Fehler in ein Notizbuch einzutragen und abzuhaken, wenn man einen davon ausmerzt, sich feste Programme der Zeiteinteilung zu machen, und mehr derart. Kurzum: wenn man das Buch kauft, seinen Ratschlägen folgt und einen Erbonkel in Amerika hat. kann's nicht fehlen ... Im übrigen wird ein Schuss der erfrischenden Tatkraft, die hier sprudelt, manch verdüstertem Gemüt vielleicht doch ganz gut tun. —a— Liebermann - Briefe Liebermann gehört nicht zu den grossen Briefschreibern, bei denen jeder Brief ein gehaltvolles Bekenntnis darstellt. Man kann nicht sagen, dass bei ihm Brief und Mensch sich decken. Seine Briefe sind viel weniger originell als seine Persönlichkeit, sie haben nicht die humorvolle Ornamentierung alltäglicher Dinge, die die von ihm kolportierten Witze auszeichnet. Bei seinem sicheren Sinn für Qualität steht er auch seinen eigenen Briefen durchaus kritisch gegenüber, er bemängelt wiederholt ihre Länge oder ihre Unzulänglichkeit. Aber — nach dem Negativen das Positive — kein Brief ist ohne Inhalt: „wTes das Herz voll ist, des läuft der Mund oder die Feder über" (vor Banalitäten dieser Art schreckt er nicht zurück) und so findet er in den meisten Briefen Gelegenheit, über die Dinge zu sprechen, die ihn beschäftigen. Seine Auffassung der Kunst ist ein immer wiederkehrendes Thema, seine Grundthese „die Pietät vor der Natur", dass „nur das Kunst ist, was von der Natur ausgeht41. Immer bekämpft er die „Neu-Idealisten und Symbolisten", aber ebenso bekämpft er den flachen, trivialen^ Naturalismus: „erst die Auffassung der Natur macht den Künstler und die Wiedergabe der künstlerisch aufgefassten Natur den Stil." Gegen diese beiden Fronten kämpft er in den 60 Jahren, aus denen die Briefe stammen, um so leidenschaftlicher und eroberungslustiger, je gereifter seine schöpferische Erfahrung. Auch die andere Seite seines Lebenswerkes — das tätige Wirken neben dem künstlerischen Schaffen — findet in den Briefen seinen Niederschlag. Es lässt sich herauslesen, was er durch seine Ehrenämter als Organisator und Kunstpolitiker geleistet hat. Immer spürt man das moralische und ästhetische Verantwortungsgefühl, die Wachheit und Regsamkeit eines Mannes, der Verständnis für die Realitäten hat. So spiegelt sich nicht, nur sein Lebenslauf — wir feiern mit ihm die betonten Geburtstage von 50. bis 85. —, sondern auch Milieu und Hintergrund. Und die Briefe sind nicht nur ein Reflex der künstlerischen Persönlichkeit, sondern lassen uns auch die geistigmenschliche Atmosphäre jenseits des Berufes fühlen. Er hatte ein freundliches Los; grosse häusliche Verhältnisse gaben ihm von Jugend an Unabhängigkeit; über Selbstzweifel und Misserfolge erzählt er nur in der Vergangenheit. „Tempora mutantur: es ist schön, so etwas noch' zu erleben", schreibt er beim offiziellen Ankauf eines Bildes, das 30 Jahre vorher einen Entrüstungssturm entfesselt hatte. Die Anerkennung macht "ihn nicht überheblich: alle seine Briefe sind achtungsvoll und höflich, ausgesprochen korrekt, oft "überlegen weltmännisch diplomatisch. Es mag etwas naiv wirken, wenn man das Bildungsniveau eines Menschen nach der Zahl der von ihm verwendeten Zitate beurteilt, aber wenn man liest, was und wie Liebermann zitiert, kann man dies Kriterium ruhig gelten lassen. Diese 70 Briefe schliessen sich mosaikartig zusammen zu einem Bilde, das nicht gerundet, aber anschaulich und lebensvoll fast alle Bezirke seines Lebenswerkes illustriert, dabei auch seine Einstellung zum Judentum. Juden haben ihn immer interessiert als künstlerische Objekte, so wie sie Rembrandt interessiert haben ,,den stolzesten, grcssten, freiesten Maler"; er hat auch immer bereitwillig jüdische Zwecke gefördert. Aber der Aufbau einer spezifisch jüdischen Kultur lag ihm fern, denn „er gehörte zu einer früheren Generation", wie er 1931 schreibt. Um so imponierender ist, wie zwei Jahre später der 86jährige in der Zeit tiefster Aufgewühltheit und unsicherster Zielsetzung klar, kompromisslos und entsagend die Situation übersieht und sich wirkend und werbend dafür einsetzt. — Das kleine Buch von Franz Landsberger kommentiert und einleitend charakterisiert, gewinnt an' Reiz der äusseren Erscheinung durch die Beigabe einiger Federzeichnungen. (Max Liebermann: Siebzig Briefe. Herausgegeben von Franz Landsberger. Bücherei des"Schocken Verlags, Berlin, 1937.) Dr. Margarete Steinberg Im Alter von 59 Jahren ist in New-YorE David Werbelowsky, der Gründer und Präsident der Hebrew Publishing Comp., gestorben, die u. a. eine englische Ausgabe der Geschichte der Juden von Graetz herausgebracht und Bibelausgaben in hebräischer und jiddischer Sprache veranstaltet hat. Ein Nathan-Birnbaum -Archiv wurde in London (N 16, 103 Cranwich RD.) gegründet. fein ist ohnedies der Kunstgriff, den der Dichter gebrauchte, dass das Pferd gleich in der ersten Strophe die Farbe zweimal wechselt!" Kürnberger hat diese Episode nicht ihrer Spassigkeit halber mitgeteilt, sondern um die „Dummheit der Sinne" zu kennzeichnen: So lesen „Dichter Gedichte! Wenigstens würden sich F. (Frankl) und W. sehr verwundern, wenn man sie nicht für Dichter passieren liesse, denn in Stadt und Land passieren sie dafür." (Aufgelesen in Ferdinand Kürnbergers Gesammelten Werken. Herausgegeben von O. E. Deutsch. Erster Band. München und Leipzig, 1910.) Pariser Premiere Henry Bernstein: ,Kap der Stürme5 Jedesmal in der ersten Oktoberhälfte bringt das Theater „Gymnase" auf den Grands Boulevards seit einer stattlichen Reihe von Jahren den jeweils „neuesten Bernstein" heraus. Das Ereignis ist für die Premieren-Habitues schon so selbstverständlich wie die alljährliche Premiere eines neuen Sacha-Guitry-Stückes im Theater an der Madeleine. Mit Guitry, der ä la Moliere sein Komödien schreibt und spielt, ist Henry Bernstein ohne Zweifei der zur Zeit meistgespielte und meistverfilmte Autor Frankreichs. Während in Paris die Proben seines neuen Stückes „Kap der Stürme" laufen, werden in Le Ciotat bei Marseille die Aussenaufnahmen zu dem Film „Das Gift" gedreht, der nach dem gleichnamigen Theaterstück Bernsteins („Le Venin") hergestellt ist In zahllosen Kinos in Paris und in der Provinz laufen gleichzeitig andere Filme, die auf Werken dieses erstaunlich fruchtbaren Autors beruhen, vor allem der erfolgreiche „Le Messager" (Der Bote), der mit Gaby Morlay, der französischen Bergner, und Jean Gabin, einem französischen Albers, einen Siegeszug über die Leinwand angetreten hat Jedesmal, wenn ein neues Stück Bernsteins herauskommen soll, prophezeien die Skeptiker, dass es schwächer sein würde als die bisherigen. Das 24. Opus „Kap der Stürme" hat das genaue Gegenteil erwiesen. Es ist eines seiner psychologischen Meisterstücke und wird sicherlich einige hundert Aufführungen im „Gymnase" erleben, wie „Das Herz" und „Die Hoffnung", die mehr als ein Jahr hindurch allabendlich das Haus gefüllt haben. Selten war die Pariser Kritik so einmütig in ihrem Lobe wie diesmal. Bernstein hat das literarisch gewiss nicht neue Thema der Liebe eines fünfzigjährigen Mannes zu einem jungen, hier 23jährigen Mädchen auf seine, auf Bernstein-W7eise abgewandelt Klug, menschlich, tbeaterwirksam (und dabei ohne jeden groben Theater-Effekt). Mit einem Dialog, wie ihn so flüssig, so elegant, so sprechleicht wohl nur ein Franzose schreiben kann. Das Milieu Einfache Lösung? „Das können wir uns wirklich leichter machen! Wir lassen eine Anzeige im Wohnungsmarkt der C.-V.-Zeitung erscheinen. Natürlich in der C.-V.-Zeitung: Bedenke doch ihre ausserordentlich grosse Auflage!"