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Central-Verein-Zeitung · 1937-10-14 · 41 (14.10.1937) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
41 (14.10.1937)
Date
1937-10-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XVI. Jahrgang / Nr. 42 Berlin, 14. Oktober 193V Preis 10 Pfennig LL6EM EINE ZEITUNG DES JUDENTU Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitung, Anzeigenannahme, Vertriebsabtell.ung): Berlin W 15, Emser Strasse 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 8141—45. Telegrammadresse: Centraiglauben, Berlin. Postscheckkonto: Berlin 70344. Die C.-V.-Zeitung erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt and die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 81 Rpf. (einschl. 22,74 Rpf. Postzeitungsgebühr)'zuzügl. 18 Rpf. Bestellgeld. Für Ausland vierteljährlich 2.30RM (umgerechnet in die Landeswährung) einschi. Zustellgebühren. Einzelnummer 1.0 Rpf. (Ausland 20 Rpf.) Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebühren: Preisliste 5 gültig. Die 12gespaltene mm-Zeile 20 Rpf., für Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise s. Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschiuss: Dienstag. Platzu. Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. ene / Von unserem Amsterdamer H-Berichterstatter Amsterdam, Anfang Oktober. Als Immigrationsland hat Holland seit Beginn der jüdischen Einwanderung aus Deutschland eine stets steigende Bedeutung gewonnen. Wirtschaftlich gesehen, bedeutet die Immigration rler aus Deutschland gekommenen Juden einen nicht unerheblichen Vorteil für das Land, was von den massgebenden Stellen sicherlieh nicht bestritten wird, wenn auch einzelne mitunter von der neuen Konkurrenz nicht sehr erbaut rind. Holland war als einer der unmittelbaren Nachbarstaaten Deutschlands für viele die erste Station ihrer Wanderung und ein Durchgangsiaud zu weiterer Auswanderung, für einen kleinen Teil aber das eigentliche Immigrationsziel. Die Zahl der dauernd hier lebenden Juden aus Deutschland ist mit 4000 nicht zu gering beziffert, die Zahl der sich vorübergehend in Holland aufhaltenden ist aber erheblich höher. Aus diesem Grunde sind auch vielfach Schätzungen über die tatsächliche Einwanderung im Umlauf, die viel zu hoch gegriffen sind. In der Hauptsache leben die Eingewanderten in Amsterdam, ein kleiner Teil in Rotterdam und den Haag. In den anderen Städten Hollands haben sich jeweils nur einzelne niedergelassen. Zu den sich nur vorübergehend in Holland Aufhaltenden rechnen alle diejenigen, deren Ziel es ist, sobald wie möglich wieder aus dem Lande herauszugehen. Unter diesen befinden sich viele mit genügenden Geldmitteln, andere müssen allerdings von den Hilfsorganisationen unterhalten werden. Die wichtigste Gruppe dieser Durchwanderer bilden die U m sc h i c h t- 1 e r, die hier die Vorbereitung für ihren neuen Beruf erhalten und dann nach Uebersee oder Palästina gehen. Das „Werkdorp W i e - ririgermeer" ist allgemein bekannt, und es kann nicht oft genug gesagt werden, was hier für eine tüchtige Arbeit geleistet wird. — Bei den richtigen Einwanderern, die in Holland bleiben wollen, gibt es verschiedene Gruppen: 1. die Angestellten, deren Zahl ständig im Abnehmen begriffen ist, da die Arbeitsgenehmigungen immer schwieriger zu erhalten sind. Sie sind fast durchweg in von Juden aus Deutschland neu gegründeten Unternehmungen tätig und erhalten meist geringe Gehälter. Sie sind darauf angewiesen, sich von Monat zu Monat durchzuschlagen, ihre Existenz ist verhältnismässig unsicher, da sie von der Erteilung nur zeitlich begrenzter Arbeitsgenehmigungen abhängig sind. 2. Selbständige Existenzen in mittlerem und kleinerem Umfange, von denen sich ein Teil mit dem Vertrieb von Waren ernährt, die fast durchweg in den Kreisen der Eingewanderten abgesetzt werden. Zu dieser Schicht gehören nicht allein die Verkäufer aller Arten von Lebensmitteln, Seife, Zigaretten usw., sondern auch diejenigen des teils von Eingewanderten, teils von Holländern hergestellten Drucksachenbedarfs. Ferner fallen hierunter z.B die kleinen Wäschereien und Buchverleiher, kurz eine Reihe von Betrieben, die ohne nennenswertes Kapital arbeiten, oft nur wenige Angestellte beschäftigen, deren Erträge aber in den meisten Fällen zum Lebensunterhalt ausreichen. Die wichtigste Gruppe der Einwanderer ist, allgemein wirtschaftlich gesehen, die der selbständigen Betriebe mit grösserem Kapitalbesitz. Hierunter gibt es sehr viele neuerrichtete Unternehmungen, deren Produktionszweige erstmalig für Holland sind. Besonders zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang Konfektionsbetriebe, die Metall- und teilweise auch die Filmindustrie. Die Errichtung derartiger Betriebe ist entweder durch Gründung neuer Unternehmungen oder aber durch Errichtung von Zweig- oder Filialgesellschaften holländischer Firmen erfolgt. Ein Teil dieser »Sozietäten" hat zwar Schiffbruch erlitten, und es ist bekannt dass dabei erhebliche Gelder yerioren gingen. Im allgemeinen aber haben ^e gesund gegründeten Unternehmungen, d. h. diejenigen, die genügend Kapital zum Durchhalten der Anfangsschwierigkeiten besassen, Erfolg gehabt. Das ist ja' überhaupt eins der schwierigsten Probleme jeder Neugründung, und es hat sich in einer Unzahl von Fällen auch hier bemerkbar gemacht. Es gab viele, die ihre Arbeit unter günstigen Aussichten begannen und recht gut vorwärtskamen, aber die erste normale Saisonstockung nicht aushalten konnten und dann bald gezwungen waren, den ganzen Betrieb zu schliessen. Allerdings liegen die Gründe für derartige Misserfolge vielfach bei den Eingewanderten selbst, vor allem in der Anwendung völlig falscher Massstäbe. Dass Holland nur etwa die räumliche Ausdehnung von Ostpreussen, die Einwohnerzahl von London, aber einen unendlich grossen, zur Zeit allerdings nicht sehr ertragreichen Kolonialbesitz und schliesslich eine Währung mit Weltbedeutung hat, sind Dinge, die fast immer verkannt oder — was noch viel gefährlicher ist — in ein verkehrtes Verhältnis zueinander gesetzt werden. Beim Fehlen eines bestimmten Artikels folgert man, dass seine Fabrikation hier glänzend florieren müsse, ohne zu prüfen, ob nicht ein gleichwertiges Produkt existiert bzw. ob nicht stichhaltige Gründe gegen den Absatz sprechen. Eine sehr ernste Kinderkrankheit ist auch die Anwendung falscher Reklamemethoden, die zwar in anderen Ländern lOOprozentig erprobt sein mögen, in Holland aber trotzdem nicht zünden. Die Einstellung des Holländers ist in vielem anders, und trotz seiner Ruhe und seiner Langsamkeit erreicht er sein Ziel meist besser als der Einwanderer mit all seiner Hast und seinem erprobten Talent. Insgesamt ist der Einfluss der jüdischen Einwanderung aus Deutschland auf die holländische Wirtschaft durchaus positiv zu werten. Ein grosser Teil der Einwanderer hat die erwähnten Schwierigkeiten überwunden und sich wirtschaftlich eingeordnet. Von einer Belastung des Arbeitsmarktes kann man keineswegs sprechen, da die Angestellten fast durchweg in neugegründeten Firmen tätig sind, die ausserdem noch holländisches Personal beschäftigen. Soweit Einwanderer in rein holländischen Betrieben Anstellung gefunden haben, handelt es sich vielfach um eine Auswertung von von ihnen erfundenen oder mitgebrachten Spezialitäten. Die selbständigen kleineren Unternehmungen beschäftigen zwar nicht soviel holländisches Persomal (immerhin aber viel mehr, als man glaubt), man merkt aber ihren indirekten wirtschaftlichen Einfluss auf ungezählten Kanälen. Die neu errichteten grossen Unternehmungen sind dagegen ein auegesprochen belebender Faktor des holländischen Arbeitsmarktes geworden, gibt es doch welche unter ihnen, die bis zu 200 holländische Angestellte beschäftigen, einen grossen Umsatz haben und entsprechende Steuern zahlen. E9 ist zwar richtig, dass einige dieser grossen oder kleinen Betriebe Konkurrenzunternehmengen für bestehende holländische Geschäfte sind. Diese manchmal für die Eingewanderten zu sehr unliebsamen Auswirkungen führende Tatsache verliert aber völlig ihre Bedeutung gegenüber dem gesamtwirtschaftlichen Vorteil, der von den von Einwanderern gegründeten Unternehmungen und dem' von ihnen darin investierten Kapital ausgeht. friedlich ohne Furcht vor Terroristen und bewaffneten Banden leben zu können. Auch die britischen Behörden stellen eine gewisse Entspannung und die Rückkehr des Vertrauens der Bevölkerung fest. Vielfach nimmt die arabische Bevölkerung an den Bemühungen, die Terroristen in Schach zu halten, teil. K. J. R. Ein englisches Blatt, „Evening Standard", berichtet, es sei eine feststehende Tatsache, dass Sir Horace R u m b o 1 d, der bereits der Peel-Kommission angehört hat, auch der neuen, auf Grund der Völkerbundsbeschlüsse nach Palästina zu entsendenden Kommission angehören werde. Sir Horace war seinerzeit Britischer Botschafter in Berlin, hat dann an den Arbeiten der Studienkommission des Völkerbundes teilgenommen und war stellvertretender Vorsitzender der Peel-Kommission. „Evening Standard" meint, dass mit Rücksicht auf den Tod Lord Peels die Mitwirkung Sir Horace Rumbolds die Arbeiten der neuen Kommission erheblich erleichtern wTerde. Die arabische Tageszeitung „Feiestin" berichtet über einen Beschluss der irakischen Regierung, während der Arbeiten der neuen Palästina-Kommission einen Beobachter zu entsenden, der die Entwicklung der politischen Lage im Lande verfolgen soll. ntspaiuiimg inPalästina Auf eine kurze Formel gebracht, lautet die wesentlichste Frage nach der politischen Situation in Palästina im Augenblick etwa sö: wird die Absetzung und Verbannung der bisherigen Führer der arabischen Nationalbewegung eine wirkliche Kursänderung bringen, handelte es sich bei dem von ihnen organisierten Widerstand, des arabischen Volkes gegen England und die jüdische Einwanderung um eine wirkliche Volksbewegung, oder war er nur die Massnahme einer dünnen Oberschicht von Politikern? Die vergangene Woche hat wichtiges Material zur Beantwortung dieser Frage geliefert. Unmittelbar nach den durchgreifenden Massnahmen der Mandatsverwaltung verlautete, dass ein in Damaskus bestehendes „Verteidigungskomitee für Palästina" die Könige von Aegypten, Irak, Hedschas und Jemen telegraphisch um Unterstützung der arabischen Sache in Palästina gebeten habe. Es soll auch die arabischen Verteidigungskomitees in den genannten Ländern zum wirtschaftlichen Boykott gegen Engländer und Juden aufgefordert haben. Protesttelegramme gegen die englische Politik gingen nach London und Genf. Aber es scheint, als ob eine einheitliche Reaktion der arabischen Völkergemeinschaft trotz dieser und anderer Versuche (unter denen besonders Telegramme des noch immer in der Omarmoschee befindlichen Mufti an die arabischen Herrscher zu erwähnen sind) nicht zustande gekommen ist. Die Regierung des Irak hat offenbar als einzige beim britischen Geschäftsträger freundschaftliche Vorstellungen erhoben. Ueber das Ergebnis weiss man nichts. Doch wird berichtet, dass bei einer anderen Gelegenheit der Geschäftsträger einen Zusammenhang zwischen den getroffenen Massnahmen, die nur der Unterdrückung von Gesetzwidrigkeiten dienten, und den Grundsätzen der britischen Palästinapolitik abgestritten hat Dass gerade im Irak die politische Aktivität recht stark ist, geht auch aus einer Bagdader Meldung des arabischen Blattes „A Difaa" hervor, das berichtet, dass vom Irak in den letzten Jahren zur Förderung der anti-jüdischen und anti-britischen Propaganda 20 000 Pfund ausgegeben worden seien. Eine Propaganda-Delegation der christlich-palästinensischen Araber hat in Athen Unterredungen mit Mitgliedern der griechischen Regierung und dem griechischorthodoxen Erzbischof abgehalten und die Entsendung einer Kommission nach Palästina gefordert, die die Lage an den heiligen Stätten untersuchen soll. Ein arabischer Studentenkongress in Kairo, der demnächst stattfindet, wird sich mit der zionistischen „Gefahr" befassen. Auch in Indien ist ein gewisser Widerhall der palästinensischen Ereignisse zu verzeichnen: Auf einer Konferenz der englischen Mohammedaner protestierten Abdur Rhaman Siddiqui und andere mohammedanische Führer gegen die Zerstückelung Palästinas. Man solle die Araber nicht zwingen, eine Wahl zwischen der Treue zum Staat und der Treue zum Glauben zu treffen. Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch nicht unbeachtliehe Stimmen im arabischen Lager, die Zurückhaltung bewahren. Emir Abdulla von Transjordanien hat dem Jerusalemer Berichterstatter einer englischen Zeitung in sehr vorsichtigen Wendungen erklärt, dass es immer noch Lösungsmöglichkeiten für das Palästinaproblem gebe, ohne freilich selbst Vorschläge zu machen. Der ägyptische Aussenminister Wakif Ghali Pascha, der bekanntlich in Genf vor dem Völkerbund sehr nachdrücklich für die arabischen Interessen in Palästina eingetreten war, hat seine Demission eingereicht, nachdem, wie berichtet, der Premierminister bereits vorher von seinen Erklärungen abgerückt war. Was die palästinensischen Araber betrifft, so lässt sich allgemein eine nicht unerhebliche Ernüchterung konstatieren. Die Regierungsmassnahmen haben bei allen Bevölkerungsschichten starken Eindruck hinterlassen. Besonders in den ländlichen Bezirken lebt die Hoffnung auf, jetzt wieder Die rumänische Ministerpräsident Tartarescu hat in einer Rede in Oradea Mare die Grundgedanken der Minderheitenpolitik Rumäniens in einer grossangelegten Rede dargetan, bei deren politischer Bewertung man sich freilich vergegenwärtigen muss, dass die Wahlen vor der Tür stehen und es kaum im Interesse der Regierung liegen dürfte, sich die Sympathien der Minderheiten zu verscherzen. Tartarescu bezeichnete es als den Wunsch der Regierung, den Minderheiten die für ihre Entwicklung notwendigen Bedingungen zu bieten. Andererseits müssten die Minderheiten die Bemühungen der Regierung, die Lage der rumänischen Mehrheit zu verbessern, fördern. Gegenseitiges Vertrauen und normale Beziehungen sollten zwischen der Mehrheit und den Minderheiten, die seit Jahrhunderten im Lande lebten, hergestellt werden. Missverständnisse, die unausweichlich seien,' könnten in einer Atmosphäre der Verständnisbereitschaft beigelegt werden. Die Minderheiten müssten sich die Interessen des Staates zu eigen machen, der für ihre Sprache, ihren Glauben und ihr Wohlergehen Opfer bringe, und sie dürften nicht mit scheelem Blick auf die Massnahmen zur Hebung des materiellen und kulturellen Niveaus der rumänischen Bevölkerung sehen. Es handele sich hier um einen Akt historischer Wiedergutmachung, der sich nicht gegen die Minderheiten richte. Die Rumänen, als die Unterdrückten von gestern, wollten nicht die Unterdrücker von morgen werden. In politischen Kreisen wird aus den Ausführungen Tartarescus der Schluss gezogen, dass die Regierung die Romanisierungsbestrebungen fortsetzen, dabei aber die Interessen der Minderheiten berücksichtigen werde. In dieser Nummer finden unsere Leser u. a.: Die Aufsätze: .Dr.. Hugo Lachmanski: Der Golem — Dr. Ludwig Freudenthal: Judische Gemeinde Hansestadt Hamburg — Dr. Olga Bloch: Breslauer Künstler in Berlin — Die Ueberseewanderung im zweiten Vierteljahr 1937 Die Beilagen: Wirtschaft der Woche — Sportblatt — Palästina-Umschau — Apprendam brasileiro — Schaclecke

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