Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 40 (7.10.1937)
- Date
- 1937-10-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Neue Romane Franz Körmendi: Die Sündiget*. Bermann-Fischer.-Verlag, Wien 1937. Der junge ungarische Erzähler hatte das Glück, gleich mit seinem Erstlingsroman ,, V e r - suchung inBudapes t", der in 14 Sprachen übersetzt wurde, weltberühmt zu werden. Das Glück blieb ihm treu: sein bisher umfangreichstes Werk „Abschied vom G e s t e r n", fast 1100 enggedruckte Seiten stark, wurde wieder ein best~seller überall. Jeder dieser beiden Romane gibt ein weitgespanntes, vertieftes Weltbild unserer Epoche/ „Abschied vom Gestern" umfasst die Zeit von etwa 1900 bis zur Gegenwart, gespiegelt im Leben einer Familie, -im Schicksal eines Einzelmenschen. Körmendis jüngstes Werk „Die Sündigen" hingegen erfasst nur einen Zeitraum von drei Tagen, aber auch dies, im Gegensatz zu den früheren breitepischen Büchern, dramatisch zugespitzte Werk entrollt abermals die Gegenwart in Rück- und . Ausblicken und bohrt sich, auf den Spuren Dostojewskis, in die Tiefe des Gewissens, das vom menschlichen EinzelgewTissen zum Zeitgewissen sieb weitet. Hatte Körmendi wirklich nur Glück? Er ist ein ausserordentlicher Könner. Und das Geheimnis seines Glücks ist zugleich das seines' Kön- - riens. Der Engländer hat das Wort „glamour", - das sich schwer übersetzen lässt; es bedeutet etwa: Zauber, Fascination. Man könnte sagen: in Körmendis Stil ist etwas Jagendes; Körmendi schreibt wie gehetzt; er hat keine Ruhe, sich zu sammeln, er hat keine Zeit, sich kurz zu fassen. Man könnte auch sagen: die eifrig, hastig, atem- ' los aneinandergereihten Sätze Körmendis marschieren hurtig und unaufhaltsam vorwärts, und der Leser hat das Gefühl, er marschiere mit in diesem eiligen Marsch, mit kurzen Schritten-, die weite Sicht nach rechts und links gewrähren. Körmendi erspart dem Leser nichts: nichts an Kleinigkeiten, nichts an grossen Szenen, nichts an Gesprächen, nichts an seelischer Analyse. Jede Atmosphäre wird ganz dicht geschildert, lückenlos jede Aktion entwickelt vom Punkt, der die Bewegung schafft, bis zum ausklingenden Finale. Unbarmherzig mit sich, mit dem Gegenstand und dem Leser umkreist Körmendi in Immer enger werdenden Spiralen die. Situation und die Menschen in ihr, bis er alles gefangen und gefasst hat. was zu sagen ist. Jedes schriftstellerische Mittel ist ihni recht, von der Beschreibung des Aeusseren bis zur Psychoanalyse. Er geht vom Zeitbild aus, dringt ins Seelische und endet stets im Moralischen. Er schöpft so lange aus seinem Motiv, bis er es ausgeschöpft hat; aber ohne erschöpft zu sein, schliefst er und erschliesst dabei den Weg ins Ethische. Wenn das Buch und der Autor fertig ist, hat sozusagen der Leser erst anzufangen. Des Lesers Arbeit beginnt jetzt mit der Einsicht, dass dieser fesselnde Roman der Pfad zu einem menschlichen Gewissensproblem war. Wenn das Problem Margelegt ist, schliesst zwrar die Geschichte, aber mit diesem Schluss ist das Problem erst wirklich aufgeschlossen, nicht abgeschlossen. Besonders deutlich wird diese Methode am Ende des Romans „Die Sündigen" vom Autor selbst aufgedeckt. In virtuosem und doch zu letzten Bewusstsein- und Unterbewusstseinstiefen dringendem Gegenspiel werden zwei gänzlich gegensätzliche "Menschen enthüllt: der sehr kultivierte, sehr reflektierende, komplizierte und gehemmte Fabrikdirektor und sein jüngster Arbeiter, ein unkomplizierter und ungehemmter, nicht denkender, unbedenklicher Bursche. Der reife, reiche Mann, seit Jahren geschieden von der geliebten Frau, mit der er . noch in engster und unentrinnbarer seelischer Verbindung" steht, fühlt sich schuldig am Tod, den diese Frau fern von ihm findet, wohl auch sucht, — während der Bursche sich nicht schuldig fühlt, kaum sich bewusst ist des Mordes, den er in unbefriedigtem Sexualbegehren an einem Mädchen verübt. Den Fabrikdirekior würde kein Richter, den Burschen müsste jeder Richter als Mörder verurteilen. Aber der Fabrikdirektor, der sich schuldig fühlt, weil er vielleicht einen Mord gewollt hat, nimmt den wirklichen Mord seines Arbeiters auf sich, der sich schuldlos fühlt. Und an diesem Punkt unterbricht der Autor selbst seine Geschichte, um sich, in einer anderen Drucktype, direkt an den Leser mit einer Erklärung zu wenden: „Der Verfasser nimmt hier Abschied von seinen Helden und wendet den Blick von ihnen. Er glaubt seine Aufgabe dort beendet, wo die irdische Gerichtsbarkeit ihre Arbeit zu beginnen hat. Das weitere Los seiner Helden zu verfolgen, ist nicht seine Sache, denn er ist der Üeberzeugung, dass die Frage von Sünde und Unschuld, von Sühne und Freisprechung ein jeder mit sich selbst abzumachen hat im eigenen Herzen . . . Denn all dies reicht ja nicht heran an die höchste Wahrheit und die tiefste Gerechtigkeit, die in der Seele wohnen." Aber es geht eine lange Doppelgeschichte vorher, bis die beiden Schicksale sich so dramatisch ineinander verknoten. Und dennoch hat der Autor das Kunststück fertiggebracht, Vorgeschichte und Tragödie in den Zeitraum von drei aufeinanderfolgend erzählten Tagen einzuspannen. Körmendi zeigt nicht nur, dass er viel kann, sondern zugleich, dass er viel gelernt hat, — gelernt von Stendhal bis zu Dostojewski, von Zola bis zu Freud, von Galsworthy bis. zu James Joyce. In „Abschied vom Gestern" breitet. Körmendi in vollster Breite aus, wras er gelernt hat, zeigt er das „faire la main", das Erobern des Technischen, das ihm dann die meisterhafte Konzentration der „Sündigen'' ermöglicht. Körmendi" selber erklärt, er habe in „Abschied vom Gestern'* „mit der Glaubwürdigkeit des Zeitgenossen und der Ehrfurcht des Chronisten Leben und Schicksal jener verklungenen, individualistischen Epoche zeigen wollen, deren Held schliesslich bei der läuternden Einsamkeit ankommen muss." ' Denn Körmendi meint, nur durch diese Einsamkeit führe der Weg zum neuen Leben in der Gemeinsamkeit, in der Gesamtheit. Körmendis Hauptwerk „Abschied vom Gestern" ist für uns jüdische Menschen, jenseits seines Werts, noch besonders wertvoll, weil sich in ihm plötzlich ein merkwürdiges Bekenntnis' findet. Es ist nicht viel die Rede davon, dass der Held Paul des Buches jüdischer Herkunft ist; kurz vor dem Tode seines Vaters aber (auf Seite 732 des Buches) findet Paul ihn, der zeitlebens das Jüdische in sich verdrängte und dessen Vater schon zürn anderen Glauben übergetreten war, in den Anblick der Ahnenbilder versunken. Und das Jüdische bricht mit Macht aus ihm hervor: „Was würdest du dazu sagen, wenn dein Vater zum jüdischen Glauben zurückkehren würde? beziehungsweise ... nicht zurückkehren, denn ich war ja nie Jude, also wenn ich übertreten würde zur jüdischen Religion? Nein, es ist doch nicht richtig, wie ich sage. Zurückkehren stimmt schon. Denn wie mir scheint habe ich sie ja nie verlassen, — er zeigte auf die Bilder, — und auch sie lassen mich nicht los." Zweieinhalb Seiten nur von mehr als tausend sind in diesem Buch derart dem Judenproblem gewidmet, und der jüdische Leser wird finden, dass hier der sonst so ausführliche Körmendi in Kürze, und vielleicht gerade wegen dieser unvermittelten Kürze. Tiefergriffenes und Tiefergreifendes ausspricht. Kurt Pinthus. * Vor kurzem erschien im gleichen Verlag ein viertes Werk des Dichters, der Roman ,.B e g e g n u n g"*', von dessen ungarischer Originalausgabe in zwei Monaten "zwanzigtausend Exemplare verkauft wurden. Richard Wyndham: The Gentie Savage. Cassell and Company, London, Toronto. Die Einladung eines von der Schule her be- Treühdei'en Distriktskommissars wird in einer "Aufwallung von Europamüdigkeit Veranlassung zu diesem „Ausflug" in die Bahr-el-Chazal- Provinz. Der Verfasser beherrscht die Negersprachen nicht. Mancherlei Missverständnisse haben sich vermutlich dadurch in das Buch eingeschlichen. Wyndham gibt ihre Wahrscheinlichkeit bereitwillig zu. Trotzdem bleibt es erstaunlich, wie rasch und reibungslos er sich mit diesen Stämmen, die noch vor dreissig Jahren dem Kannibalismus gehuldigt "haben, vertraut macht. Er lebt nicht neben, sondern mit ihnen. Von Hause aus Maler,, sieht er alles, die Menschen, die Dinge im Wesen malerisch. Selbst diese Einöde, die von der Tsetse-Fliege verwüstet wird — daher der Vieh-, mangel, auf den Wyndham übrigens den Kannibalismus und seit seiner Unterdrückung zahlreiche Krankheiten zurückführt — gewinnt in seiner Schilderung noch an farbigem Reiz. In der Vorrede entschuldigt er sich vor dem Leser, weil er auf sexuelle Erscheinungen eingehen müsse, die im Denken und Treiben der Wilden vorherrschen. Das geschieht aber iu so vorbildlicher Weise, dass es niemals peinlich wird. Er schildert einen Kulturzustand, an den kein europäischer Massstab angelegt werden darf. Bedauernd kommt er zu der Erkenntnis, dass diese Stämme trotz der Fürsorge der britischen Kolonialverwaliung rettungslos zum Untergang verurteilt sind. Sie sterben aus, weil es für sie bisher keine Hilfe gegen die Tropenkrankheiten gibt. Eine deutsche Uebersetzung ist. unter dem Titel „Der sanfte Wilde" im Verlag. Ernst Ro wohlt, Berlin, erschienen. Richard May. Martha Wertheimer: Dienst auf den Höhen. Jüdische Buchvereinigung, Berlin 1937. Im zweiten Buch Schemuei, Kap. 13. wird erzählt, wie Amnon, einer von den lebenskräftigen Davidsöhnen, seine schone Schwester Tamar vergewaltigt, und wie er dafür von seinem Bruder Äbschalom getötet wird. Tamar überlebt diese und alle folgenden blutigen Tragödien des davidischen Hauses und Martha Wertheimer macht, sie zur Heldin einer farbenreichen im Jahre 1932 geschriebenen Erzählung. Sie führt uns in die Spätzeit der Regierung Scheiomos, dessen glanzvolle Herrschaft uns von innen her in ihrer vielfältigen Problematik aufgezeigt wird. Zwar ist der Tempel auf dem Zionsberg fest gegründet, aber das Volk und die Grossen des Landes weihen sich dem ausgearteten Greueldienst der kanaanitischen Fruchtbarkeitsgötzen, denen man auf den Höhen opfert. Die Söhne des Landes werden zur Fronknechischaft für die königlichen Bauten gepresst. Der Königsohn Rechabam ist unzulänglich und unbeliebt und man spürt den unheilvollen Tag voraus: an dem zehn von den zwölf Stämmen Israels vom Haus Davids abgerissen und dem Ephraimiten Jarobam zugeteilt werden. Aber der geheime Führer der Opposition ist nicht dieser, sondern. Natan, der Künder, der zwischen den Felsklüften des Karmel seine Zelte aufgeschlagen hat und der dort eifsrvoll das Feuernder reinen Lehre hütet. Die Fürstin Tamar steht innerlich auf der Seite der Opposition und ihr Kampf mit dem Skeptiker auf dem Königsthron wird in einer an Verknüpfungen reichen Romanhandlung geschildert. Vom Pessachmahl in der Armengasse bis zur Prunkkarawane der Königin von Saba erscheint alles, was dem Bild der salomonischen Epoche zugezählt werden kann. Man kann sogar der Meinung sein, dass des Guten dabei ein wenig zu viel geschehe, so zum Beispiel, wenn das Hohe Lied "als eine poetische Gabe des alternden Königs an seine Schwester geschildert wird. Immerhin kann sich Martha Wertheimer darauf berufen, dass auch die Tradition die Verfasserschaft Scheiomos behauptet. Ein ganz und gar unmotivierter Anachronismus in der Umwelt des alten Orients ist dagegen der Satz „Geist braucht Freiheit", der dem Sohn des Hohenpriesters Zadok in den Mund gelegt wird. Auch sollte man nicht von Orangen und Edelzitronen sprechen, wenn mau das Bild einer Zeit mall, in der Israel unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum sass. Die Zitrusfrüchte sind in Ostasien zu Hause und wurden erst im 10. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, also zur Zeit der Araberherrschaft, in Palästina und Aegypten heimisch gemacht. Wenn auch die Konflikte nicht zum letzten Austrag kommen und der Vorhang gewissermassen mitten in die Handlung hinein zufällt, so hält das Buch den Leser doch bis zur letzten Seite cefangen. Werner Cahnmann. Im Scfcocken-Verlag, Berlin, ist das vollständige Gebetbuch für das ganze Jahr, einschliesslich aller lunsehaltungen für die ausgezeichneten Sabbate und Werktage sowie die Fasttage, mit einem erklärenden Kommentar, herausgegeben von S. Baer, als Taschenausgabe in schöner Aufmachung, für den deutsch-polnischen Ritus, auf Dünndruckpapier, er- . schienen. Die grosse Ausgabe dieses Siddur haben wir bereits in Nr. 25 der C.-V.-Zeitung vom 24. Juni 1937 besprochen. * Der als Lyriker und Balladendichter bekannt« Oberrabbiner von Ofen, Arnold K j s 5, las Anfang Oktober im B u d a pester Randfunk Dichtungen aus einem neuen Zyklus. Emst üild Alexander Oppler Ausstellung im Berliner Jüdischen Museum Im Andenken an Ernst O p p 1 e r, der in diesem Herbst siebzig Jahre alt geworden wäre und an Alexander Oppler, der kürzlich aus dem Leben schied, eröffnete das Berliner Gemeindemuseum eine Gedenkaussteliang. Sie bringt das Malwerk von Ernst Oppler, zeigt in Gemälden. Pastellen und Radierungen die - künstlerische Entwicklung dieses Meisters. Vieles, was in der Oranienburger Strasse ausgestellt ist, gehört jetzt dem Museum, das ja gerade die modernere Abteilung seiner Bestände immer mehr ausbaut und inhaltlich abrundet. Man kennt ja Ernst Opplers Landschaften, seine Strandbilder,' von denen die Ausstellung zwei gute Beispiele, vorführt. Man freut sich an den vielen Porträts, am Bildnis Hubermanns, an Alexander Oppler: Selbstporträt Fot. Grete Kar plus, Berlin einem Damenporträt mit seiner Sinfonie blauer und grüner Töne. Man feiert immer gern Wiedersehen mit dem Pastell, das die Karsavina gibt, den „Sterbenden Schwan", jene Meisterradierung Ernst Opplers, thematisch ergänzend, indem der Maler die tänzerische, überlieferte Kultur des Kaiserlichen Russischen Balletts in seine eigene Formenwelt hineinträgt. Neu in dieser Ausstellung sind.zwei Radierungen, die wohl während des Weltkriegesgeschaffen wurden: „Sabbat -im Cheder" und „Die Grosse Synagoge in Munkacz", jüdische innere Vorgänge überaus wirksam festgehalten. Im Gegensatz zu seinem Bruder kam Alexander Oppler erst spät zur Malerei. Es ist sehr interessant, zu sehen, wie er, der eigentlich Bildhauer, sich in einem Oelbild, dem Selbstporträt, und in einem Gemälde der Tochter farbig wandelt. Neben den grösseren Proben malerischen Könnens bringt die Berliner Ausstellung verschiedene PressezeicbnungeD, schnell hingeworfene, sehr typische Bildnisse von Professor James Goldschmidt, Adolf Donath, Max Osborn, der Rosa Valetti, der Dusolina Giannini, der Camilla Spira. Die eigentliche Welt aber dieses Künstlers verdeutlichen die Plastiken, vornehmlich die . Bronzen beweisen, dass er neben einer edlen Behandlung des Materials und formalem Können das Psychologische nicht ausser acht liess. Das gilt ganz besonders für die beiden „Hockenden Frauen", ein Thema, das in zwei Fassungen vorliegt, für eine Porträtbüste Geheimrat Wolfs und eines „Mannes mit Vollbart". Der Kinderkopf aus Gips war bereits in einer anderen Berliner Schau zu sehen, aus demselben Material scheint das Porträt des Verlegers S. Fischer gestaltet zu sein. Durchgeht man diese kleine Ausstellung, so gewinnt man unbedingt den Eindruck, dass hier zwei feinsinnige Künstler zu Worte kommen, die das Bild des Kunstschaffens der letzten dreissig Jahre beeinflussen konnten. O.B. * Die Ausstellung in der Oranienburger Strasse Nr. 31 ist Sonntag bis Freitag täglich Von 10 bis 14 Uhr geöffnet. _ Kunstnachrichten Die Ausstellung „Gefälschte Kunstwerke" im Kunsthistori sehen Museum in Wien führte uns zu dem Ergebnis, dass auch das berühmte Reliquiar der Renaissance aus dem Besitz des Baron Ferdinand von Rothschild, jetzt im British Museum, eine Fälschung darstellt. Dasselbe gilt auch von romantisch nachempfundenen Renaissance-Kleinkunstarbeiten aus der ehemaligen Sammlung Böhm. In Haifa sprach Architekt Dipl. ing. Kurt L e w i n s k y über „Kunst und Kultur am Mittelmeer, mit jüdischen Augen gesehen" — mit Lichtbildern von Werken aus der Sammlung des verstorbenen Professors Dr. Julius Hülsten. Auf einer Auktion bei Gutekunst u. Klip stein in Bern gab es für vier Skizzenbücher von Max Liebermann 3100 Schweizer Franken. Es handelte sich uni einen Teil der Privatsammlung Paul Caesirer. des Verlegers Liebermantis. — Unter der alten Graphik befand" eich in der Berner Versteigerung Rerohrandts „Grosse Judenbraut", der nur in wenigen Exemplaren bekannte erste „Zustand". Diese grosse Seltenheit des Reinbrandtwerkes brachte" 8200 Schweizer Franken. Eine angebliche Studie zur „Grossen Judenbraut", die in der Fachliteratur abgebildet ist, war ebenfalls hart umkämpft. In einer umfangreichen Gemäldeversteigerung bei Weinmüller in München brachfen die im Katalog abgebildeten Werke von Max Liebermann ..Mädchen aus Laren" 2000 RM und die „Holländischen Kinder" 1500 RM. In beiden Fällen handelte es sich um Arbeiten aus der holländischen Zeit des Künstlers, ein Pastell und eine Studie in Oei. Am selben Tage kamen Meisterwerke von Camille P i s s a r r o zur Ver- - Steigerung, der in seinen Werken nie jüdische Themen, anschlug. Sein Gemälde „Eselsfuhrwerk", dem die Bestätigung von Pissarros Sohn Manzana Pissarro im Münchener Katalog zugrunde liegt, erzielte den Preis von 6000 RM, der berühmt gewordene ..Blick auf die Seine" 4700 RM. " „The Burlington Magazine" (London) veröffentlicht im Septemberheft 1937 einen Beitrag des Museumsdirektors Tancred Borenius über das Gemälde ..Der Traum des Künstlers" von Antoine Watteau, das aus der Pariser Sammlung David W e i 11 in den Besitz von George Wildenstein kam. Ausserdem spricht Dr. Richard K r au t h e i m e r. dem wir ein wichtiges Buch über mittelalterliche Synagosenbauten in Deutschland verdanken, über Plastik aus dem Ghibertikreis. Ein Aufsatz von Adelheid Heimann unterrichtet über eine berühmte Handschrift in englischem Adelsbesitz, und Referate über die Frans-Hals-AUmstellung in Haarlem und die Schau „Meisterwerke der französischen Kunst" im Luxembour^ dürfen nicht unerwähnt bleiben. Wie wir ' erfahren, bringt die holländische Ausstellung das Porträt, eines jungen Mädchens aus der Züricher Sammlung Albert K o p p-e 1, das Bildnis Caspar Sibelius aus dem Besitz von Knoedler & Co., New-York, den berühmten „Narr mit der Laute" aus der Kollektion Robert deRoths child, den „Jungen Aristokraten" .aus der New-Yorker Sammlung von Mrs. Charles McCann, das Porträt „Claes Duyst", das Jules Bache m New-York besitzt, die „Heitere Geseilschaf!" aus der Galerie Ka tz in D.ieren und den neuentdeckten „Franz Hals", jene „Fischerjunsen". die die Kunsthandlung Katz ebenfalls für die Dauer der Ausstellung lieh. Unter den holländi- - sehen Privatsammlern werden Dr. Phil i p s und Frau Goekoop-de Jongh genannt. Die Pariser Ausstellung bringt Meisterwerke der französischen Kunst, u. a.' aus dem Besitz von Mrs. Meyer S a s s o o n und Sir Philip S a s - s o o n in London. „Apollo" bringt im letzten Heft einen bebilderten Aufsatz von Dr. Rudolf W i 11 k o w e r über italienische Plastik des Quattrocento in der Sammlung Mellon in Washington. Der Maler Arthur Segal eröffnete jetzt in London eine Kunstschule'. Die Bacbstitz- Gallery, Den Haag, stellt ein Meisterwerk von Rubens, das Gemälde ..Orpheus und Eurydike verlassen die Unterweil . aus. das sich früher in englischem Adeiebesilz befand.