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Central-Verein-Zeitung · 1937-10-07 · 40 (7.10.1937) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
40 (7.10.1937)
Date
1937-10-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XVL 2fe!rfgrang / Nr- 40 Berlin, 7, Oktober 1S37 Preis 10 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUNS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitung, Anzeigenannahme, Vertriebsalbteilung): Berlin W15, Emser Strasse 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 8141—45. Telegrammadresse: Centraiglauben, Berlin. Postscheckkonto: Berlin 70344. Die C.-V.-Zeituns erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 81 Rpf. (einschl. 22,74 Rpf. Postzeitungsgebühr) zazöal. 18 Rpf. Bestellgeld. Für Ausland vierteljährlich 2,30 RM (umgerechnet in die Landeswährung) einschl. Zustellgebuhren. Einzelnummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.) Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebühren: Preisliste 5 gültig. Die 12gespaltene mm-Zeile 20 Rpf., für Stellengesuche 10 Rpf.. für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise s. Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschlüsse Dienstag. Platzu. Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. Die starke Hand in Palästina Mߣ® HVoche i. A. H. William Robert Wellesley Earl Peel, ist am Mittwoch der vergangenen Woche gestorben. Niemand wusste, dass der Mann, dessen Name seit über Jahresfrist zu den meistgenannten in der grossen Politik, besonders in den Fragen des Vorderen Orients und damit Palästinas gehörte, erkrankt sei. Eben noch war davon die Rede, dass Peel auch an der neuen Palästinakommission in Ausführung der jüngsten Völkerbundsbeschlüsse mitwirken würde. Nun fehlen seine Erfahrung und sein Rat. Nichts bezeichnet Wert und Charakter dieses Mannes mehr, als dass alle beteiligten Kreise, die englischen, die jüdischen, die arabischen — jedenfalls soweit sie auf eine gesetzmässige Beendigung der Konflikte bedacht sind — den Verlust gieichermassen beklagen. Was spricht mehr für einen Politiker, für einen Staatsmann,, als die Tatsache, dass man nach sgio^-^iwä^Iclts 'EhieSvelieres \foer ihn zu sagen^weissja^^-semen Lebzeiten; und zu seinen Lebzeiten hat man Earl Peel einen gerechten Mann genannt. Welcher Jude kannte früher" diesen englischen Politiker; wer wusste, dass der fast Siebzigjährige durch seine zweimaligen Erfahrungen als Staatssekretär für Indien, als Verkehrsminister, als Verwalter wichtiger Verwaltungsposten in Kriegs- und Nachkriegszeit zu jenem kleinen, aber anscheinend unausschöpflichen Kreise englischer Persönlichkeiten gezählt werden musste, aus denen sich England seine. Männer holt, die es für die Beherrschung und Ordnung seines Weltreiches braucht: Umfassend gebildet, vertraut mit Kultur und Geschichte aller Zeiten, mit weltweitem Blick durch die Arbeit unter allen Himmeln, erfüllt mit dem Willen zur Fairness, und jeder einzelne eine Verneinung des so gern aber so selten berechtigt als Wesenszeichnung Englands zitierten Satzes: right or wrong my country. Mancher mag, als er die Zusammensetzung der Königlichen Kommission für Palästina im August vorigen Jahres gelesen hatte, gemeint haben, dass letzten Endes der Fachmann Professor Reginald Coupland die Form bestimmen würde, in der der Niederschlag der Kommissionsarbeiten der Welt übergeben werden würde. Aber wer dann beobachtete, wie Peel die- Verhöre in der Kommission leitete, und wie er bei der Oberhausdebatte im Sommer dieses Jahres zu seinem Berichte sprach, der wusste, dass nicht einem betagten Herrn ein Ehrenposten gegeben worden war, sondern dass die englische Krone ihren In dieser Nummer finden unsere Leser u. a.: Die Beiträge: Mala Laaser: Haja-Hascha streckt sich nach den Decken — Margarete Edelheim: Herbsttage in Paris (Schluss) — Karl Wiener: Fünfzig Jahre Amsterdamer Concertgebouw — Arthur Holde: New- Yorker Kunstpfiege im Freien — Hilde Marx: Mährische Skizze — Olga Bloch: Emst und Alexander Oppler — Kurt Pinthus: Franz Körmendi Die Beilagen: Das Blatt der Judischen Frau — Buch und Kunst — Der Briefmarkensammler — Sportblatt — Palästina-Umschau besten Mann für eine der heikelsten Aufgaben im Bereiche der englischen Verwaltung zur Verfügung gestellt hatte. Und der nüchterne graue Band, der seinen Namen trägt, ist zu dem Buche der Verheissung einer Ordnung jüdischer Dinge geworden, die von gutem Willen, Sachkenntnis, Gerechtigkeit getragen ist. Erst vor Wochenfrist ist in unserem Blatte aus Anlass der deutschen Ausgabe eine eingehende Würdigung dieses politischen Instruments als historischem Dokument erfolgt. Aber wann auch immer man das Buch zur Hand nimmt, — und niemand dürfte wagen, über das Palästinaproblem zu reden, der es nicht gründlich, und das nicht nur einmal, gelesen hat — jeden weht ein Hauch von sauberem Denken und sauberem Wollen aus ihm an. Niemals wrerden Juden vergessen dürfen, aber auch niemals wird man verschweigen können, welches Urteil dieser gerechte Richter über jüdische Art und Arbeit abgegeben, wie er den Sinn der jüdischen Geschichte erfasst, welchen hohen Platz innerhalb der Völkergeschichte er dem jüdischen Volk eingeräumt hat. Dabei sind das Buch und seine Urteile nicht dem Judentum zu Liebe geschrieben. Es ist keinem zu Liebe geschrieben. Und darin liegt der Wert , seiner Urteile. Nicht einmal England, dem Vaterlande, dem Auftraggeber zu Liebe ist sein Inhalt formuliert. Nur ganz indirekt schwingt ein leiser Vorwurf mit, wenn zu gewissen Versagern in der englischen Palästinaverwaitung Distanz genommen wird — so etwas entspräche nicht englischer Erfahrung — und Stolz —. wenn auf diese Erfahrung als Kraft für die. Beruhigung des Landes und die Sicherung seiner besseren Zukunft am Schlüsse des Berichtes hingewiesen wird. Kaum irgendwo merkt man deutlicher als an diesem Berichte, dass Gerechtigkeit kein in sich ruhender Zustand der Dinge oder des menschlichen Charakters ist, sondern ein unaufhörliches, auch den eignen Nachteil in Kauf nehmendes Bemühen, um in der von Menschen immer nur unvollkommen geordneten Welt ein Hochs tmass an Ausgleich zwischen Glück der einen und Unglück der anderen, zwischen Glanz und Dunkel, zwischen Stolz und Demutzu finden. Der Name des Earl Peel wird, welches auch immer die praktische Wirkung seines Berichtes sein wird, im jüdischen Volke immer mit dankbarer Ehrfurcht genannt werden. IL Wer gewohnt ist. im Geschehen, noch während es sich vollzieht, einen geschichtlichen Sinn zu suchen, ward ganz eigenartig durch die Beobachtung angerührt werden, dass die Woche, in der Peel starb, das Palästinaproblem in ein neues, verschärftes, vielleicht entscheidendes Stadium führte. Wir haben über die Ereignisse berichtet und setzen unsere Mitteilungen darüber nachstehend fort. Was sich neuerdings vollzieht, bestätigt die Analyse, die der Bericht von der Natur der arabisch - nationalistischen Führung gegeben hat. Und man erinnert sich, erschüttert durch die Morde der letzten Woche, an die Kennzeichnung, die der Peel - Bericht dem Terror dieser Kreise gibt: eine schmutzige Krankheit, mit der Nationalismus sich besudelt. Inmitten der ruhigen Diktion des Berichtes steht diese Feststellung in ihrer Schärfe Kampf dem Terror Die Auseinandersetzung zwischen dem arabischen Bevölkerungsteil und der Mandatarmacht in Palästina scheint. auf ihrem Höhepunkt angelangt. England hat scharf und nachdrücklich durchgegriffen. Das über den aktuellen Anlass hinaus bedeutsame Ergebnis der Aktion ist die Absetzung der arabischen Führung. Die Anzeichen, dass der Terror im Lande wieder aufleben würde, hatten sich bereits in der vorigen Woche erheblich vermehrt. Hier und dort waren zunächst kleinere neue Unruhen aufgeflackert, in mehreren Städten waren Drohbriefe einer angeblichen Geheimorganisation versandt worden. Selbst in arabischen gemässigteren Kreisen Hess sich eine gewisse Unruhe erkennen. Dann aber gab ein tief bedauerliches Ereignis den wohl entscheidenden Ausschlag für die Entschlüsse der Mandatsverwaltung. Der erst vor kurzem eingesetzte Distriktskommissar von Nord-Galiläa, Louis Andrews, ein Mann von besonderem Verständigungswillen,, war, wie bereits von uns berichtet, mit einem seiner Begleiter ermordet worden. Unter dem Vorsitz des Chefsekretärs der Palästina-Regierung, Batterskill, sind sofort Besprechungen abgehalten worden, an denen der Oberkommandierende der Truppen, der Leiter der Polizei und die wichtigsten Beamten der Palästina-Regierung teilnahmen. Man setzte sich mit dem Colonial Office in London in Verbindung, und das scharfe Durchgreifen der Behörden ist ein Ergebnis dieser Beratungen. Die Suche nach den Mördern blieb aber ergebnislos. Es kam immerhin zur Verhaftung von 200 Arabern und zur Aussetzimg einer Belohnung .von 10 000 Pfund. -Eine Nachrichtensperre wurde für kurze Zeit verhängt. Schliesslich haben die Feststellungen der Behörden wohl ergeben, dass die Terroristen, denenauch die Schuld an der' Mordtat zufällt, in einer zumindest intellektuellen Verbindung mit den führenden arabischen Politikern stehen. Bei* Auf ruf derRegier ung Die Palästina-Regierung vollzog darauf die Auflösung des Obersten arabischen Komitees und' erliess Haftbefehle gegen die arabischen Führer. Die Verlautbarungen sind in einem ausserordentlich scharfen Ton abgefasst. Es ist von dem Bestehen einer „organisierten Terror- und Mord- Kampagne" die Rede, die den Anlass zu den Massnahmen der Regierung abgegeben hätte. Das Attentat auf Colonel Spicer, den Generalinspektor der Palästina-Polizei, am 13. Juni und der Mord an Kommissar Andrews und seinem Begleiter, ebenso wie die zahlreichen Morde an Arabern und Juden machten es erforderlich, gegen Personen vorzugehen, deren Tätigkeit gegen die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung gerichtet ist, und die als die an dieser Terror- und Mord-Kampagne moralisch Schuldtragenden anzusehen sind. Demgemäss wird das Oberste arabische Komitee mit allen örtlichen Komitees für illegal erklärt und Haftbefehle gegen die arabischen Führer Dschemal el Husseini, Achmed Hilmi Pascha, den Leiter der Arabischen Bank, Fuad Effendi Saba, Jacub Effendi Ghussein und Dr. Hussein Fakhri. Effendi el 'Khalidi, den Bürgermeister von Jerusalem, erlassen. Besonders bedeutsam ist die Amtsenthebung des Mufti, Hadsch Emin el Husseini, über dessen Werdegang und Rolle im Spiel des letzten Jahrzehnts wir eine besondere Mitteilung bringen. Eine bedeutende Rolle bei den Entschlüssen der Regierung hat auch die Tatsache gespielt, dass vertraulichen Mitteilungen zufolge arabische Regierungsbeamte in Verbindung mit den Terroristen stehen sollten. Die Vorbereitungen zur Auflösung des Obersten arabischen Komitees und zu den Verhaftungen sind deshalb streng geheim vorbereitet und völlig überraschend durchgeführt worden. Zum äusseren Anlass für das Vorgehen nahm man nach Londoner Meldungen eine Denkschrift der arabischen Führer, die, nachdem sie kurz zuvor von dem Mord an Andrews abgerückt waren, die Freilassimg der in Verbindung mit der Tat Verhafteten gefordert hatten. Die verhafteten arabischen Führer sind an Bord des Kreuzers „Sussex" gebracht worden. Das Schiff verliess den Hafen von Haifa mit unbekanntem Ziel. Londoner Zeitungen melden aber, dass sie nach den Seychellen-Inseln verbannt werden würden, die übrigens in den „Sunday Dispatch" das wie ein glühender Block, der erkalten und eingeebnet werden muss, ehe die friedliche Pflugschar dem gepeinigten Palästina Segen geben kann. Die nächsten Wochen werden erkennen lassen, ob es sich bei den neuesten Unruhen um die Machenschaften einer kleinen Gruppe handelt, oder ob sich die grosse arabische Welt auch ausserhalb der Grenzen Palästinas mit ihnen solidarisch erklärt. Nicht nur das Schicksal der 450 000 Juden im Lande hängt davon ab. Denn für keinen Juden ist heute dieses Land nur ein Rettungshafen für anderwärts unerwünschte Juden. Sein ideeller Wert war und ist für Juden immer höher gewesen als der Grad seiner Prosperity — wie man auch zu den verschiedenen Zeiten diese Erscheinung in der Verbindung von Juden und Erez Israel bezeichnet haben mag. Man hört in jüdischen Kreisen kaum noch von der Verquickung von Ideologie und Quote, je nachdem, ob es sich um Palästina oder um Uebersee handelt. In den verantwortungsbewussten Gremien ist man sich ja seit langem darüber klar, dass die beiden Anschauungen jüdisch-legitim nebeneinander stehen: der jüdische Nationalismus mit Erez Israel als Zentrum und das Diaspora-Judentum. Aber nach der negativen Seite hin hört man in der Richtung des alten überholten Themas mitunter . Unterhaltungen, je nachdem, ob die Erschwerungen der Einwanderung das eine Mai stärker Palästina und das andere Mal mehr die Ueberseewanderung treffen. Man hält sich unerfreuliche . Meldungen und Tatsachen als Begründung für die eigene Anschauung entgegen. Es ist fast so, wie in dem traurigen Witz: Haust du mein Palästina, haue ich dein Uebersee, wo doch, wie in jenem Witz, in beiden Fällen es Juden sind, die die Schwierigkeit trifft. Die Welt ist. schwer zugänglich, jeder weiss es. Soli darin Klugheit liegen, dass Juden einander auf die verschlossenen Türen aufmerksam machen, anstatt dass sie zusammenwirken, um die Welt von der Notwendigkeit zu überzeugen, dass sie geöffnet werden müssen? I

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