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Central-Verein-Zeitung · 1937-08-26 · 34 (26.8.1937) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
34 (26.8.1937)
Date
1937-08-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 C.-V.-Zeitung Nr. 34* 26. August! 937 Brahms beschäftigen. Hier spricht, vor allem in der Betrachtung des Ibsen-Apostels, ein ebenso kluger wie eindringlicher Analytiker, der bei allen Einwänden, die er gegen die Deutung des Ibsenschen Mikrokosmus durch den manches missverstehenden und manches übersehenden Kritiker erhebt, doch bereitwillig di» eminenten Verdienste würdigt, die sich Brahm noch vor seiner direktorialen Tätigkeit um die Durchsetzung des norwegischen Dichters auf den Bühnen-erworben hat. Dr. Hugo Lachmanski. Kunstaachrichten In der französischen Zeitschrift ..Pantheon" bespricht der Archäologe und frühere Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Athen, Professor Dr. Georg Karo, zwei wichtige Neuentdeckungen des amerikanischen Gelehrten Dr. Humfry Pane, die auf der Akropolis in Athen zutage kamen. Die Bibliothek des Metropolitan Muse.um of Art in New-York erhielt von John M. Schiff als Geschenk vier Bände über die Sammlungen des verstorbenen Kunstfreundes Mortimer L. Schiff, herausgegeben von Seymour de Ricci, dem grossen Kenner der französischen Buchkunst. Ungefähr 120 kostbare französische Bucheinbände der _ Collection M o r t i m e r L. Schiff sind in dem Geschenk an das Metropolitan Museum abgebildet. Im letzten Heft der englischen Kunstzeitschrift „The Burlington Magazine" schreiben Professor August L. Mayer über spanisch-niederländische Malerei, Alfred Scharf (London) über vergessene Bildwerke des Filippino Lippi, Hans Huth über chinesische Kunst in England. Unter den vielen Buchbesprechungen interessiert ein Bericht von Professor Oskar Fischel über neue Tizianliteratur und von dem englischen Forscher A. E. Popham über den 12. Band von Max I. Fried- 1 ä n d e r s Werk zur Geschichte der niederländischen Malerei. Die Kunsthandlung D. K a t z in Dieren bei Arnheim (Holland) veranstaltet eine bedeutende Ausstellung Alt-Holländischer Meisterwerke. Es geht um Gemälde aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Ueber hundert auserlesene Werke der holländischen Kunst sind zu sehen; durch das Vorhandensein von nicht weniger als fünfzehn Gemälden von Rembrandt erhält diese Sommerausstellung ein besonderes Gepräge. Zum Teil erwarb die Kunsthandlung Katz diese Meisterwerke aus ausländischem Privatbesitz zurück, u. a. den „Accountant" aus der Sammlung C. M. Schwab (Pittsburgh), das schöne, 1636 datierte Bildnis eines Offiziers aus der Wiener Sammlung Liechtenstein und nicht zuletzt das erst kürzlich von Professor Abraham Bredius entdeckte Früh- •werk „Musikgesellschaft". Unter den drei Werken des Pieter de Hoogh fällt in dieser Ausstellung der „Innenhof" aus der Sammlung Lord Melehett auf. Die Galerie Fischer in Luzern veranstaltet vom 30. August bis zum 4. September eine Auktionswoche, in der u. a. die weltberühmte Miniaturensammlung des verstorbenen Wiener Professors Dr. E. U 11 ma nn unter den Hammer kommt. ' - * Das Jüdische Museum Berlin, das im August wegen Reinigungsarbeiten geschlossen war. wird am Mittwoch, dem 1. September, 10 Uhr, wieder geöffnet. Die Abrabanel-Ausstellung findet noch bis Sonntag, 19. September einschliesslich, statt. Geöffnet": täglich, ausser Sonnabend, 10 bis 14 Uhr. »Haben Sie schon Ihre Karte ausgefüllt?" Im Kulturbund: Werbung durch Leistung Ueber 700 erwartungsfrohe Menschen, lauter neue, dem Kulturbund unbekannte Gesichter im Zuschauerraum, fast alle Künstler und technischen Mitarbeiter des Hauses auf den Beinen, die Wandelgänge sonderbar-kunstvoll drapiert: . das sind die untrüglichsten Zeichen dafür, dass ein Abend ganz besonderer Art bevorsteht. Es ist die erste grosse Publikumsveranstaltung im Rahmen der Werbeaktion des Berliner Jüdischen Kulturbundes. Es geht um 5000 neue Mitglieder, schrieben wir in der vorigen Woche an dieser Stelle. Die zugkräftige „C z a r d<a s f ü r s t i n(i — diesmal unter der unisichtigen Leitung von Wilhelm Altmann — hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Die Stimmung war gut, das Mitgehen der Zuhörer offensichtlich, und die Mitwirkenden schienen an diesem Abend, angeregt durch die beifallsfreudigen Zuhörer, selbst besonders animiert zu sein. Nach dem ersten Akt stellte Intendant Dr. Kurt Singer mit launigen "Worten dein Publikum eine Dame vor; sie richtete als Frau und Vertreterin der jüdischen öffentlichen Meinung an die Anwesenden nachdrücklichst den Appell zum Erwerb der Mitgliedschaft. Der Kulturbund sei mehr als nur Theater, das Freude bereite, zur Besinnung anrege und jüdisch wie künstlerisch erzieherische Arbeit leiste. Es verkörpere vielmehr eine Gemeinschafisaufgabe kultureller und gleichzeitig sozialer Art. An ihrer dauerhaften Verwirklichung müssten alle, die dazu nur eben in der Lage seien, mithelfen, die Frauen, die ihren Kindern das beglückende Erlebnis des Theaters nicht nehmen dürften, ebenso sehr wie die Männer, die Menschen aus dem Westen, die vielfach aus Trägheit und Uninteressiertheit noch abseits stehen, nicht minder als die aus dem Osten Berlins. Mit solchen Worten warb die Redakteurin der C.-V.-Zeitung, Dr. Margarete Edelheim, für die Sache und den Gedanken des Kulturbundes. In den Pausen bemühten sich die an diesem Abend nicht beschiiftiglen Künstler vom Schauspiel- und Opernensemble von eigens errichteten Kojen aus und leitende Mitarbeiter der Verwaltung in den Foyers um jedes einzelne Nichtmitglied. Die Zeit Teichte kaum, um die in den Wandelgängen hergerichtete, wirklich sehenswerte Ausstellung „Vier Jahre Kulturbundarbeit" voll zu würdigen. Mit einer grossen Fülle von Kostümen, Kulissenteilen, Dioramen von Bühnenbildern, Photos und zeichnerischen Entwürfen wird hier, auf kleinem Raum, ein lebendiger Querschnitt durch das künstlerische Schaffen des Kulturbundes gegeben. Der Kulturbund kann, wenn alle seine Werbeveranstaltungen von so gutem Erfolg be«; gleitet sind wie die erste," mit Stolz als Ergebnis . verbuchen, dass seine Mühe nicht umsonst war» E. Gr. L. gust (Abt. X 12). I. September r(Abt 8, 16). „Stützen der Gesellschaft" 2. September (Premiere, Abt. 7, 17). Aula der Josel-Lehmann-Schule, Joachimsthaler Strasse 13, 20.15 Uhr: 28. August Vortrag Dr. Irmgard Schüler. Jüdischer Briiderverein, Kurfürstenstr. 115/16, 20.15 Uhr: Vortrag Dr. Anneliese Landau: 31. August und 1. September. ' Der Jüdische Kulturbund Berlin bringt als nächste Premiere Henrik Ibsens „Stützen der Gesellschaf t". Regie: Herbert Grünbaum. — In den Hauptrollen: Jenny Bernstein, Lilly Kann, Gerda Klein, Annelise Töpfer, Alfred Berliner, Fritz Melchior, Fritz Wisten. — Bühnenbild: Helmut Metzger. Woehenplan des Berliner Kulturbundes Theater in der Kommandantenstrasse 57, 20.15 Uhr: ,.C z a r d a s f ü r s t i n" 28. August (Abt. 23, 33), 29. August (Abt. 41, 51), 30. August (Sonderveranstaltung). „H o f f n u n g" 31. Au- Vorträge im Berliner Kulturbund Julius B a b, dessen Vorträge im Berliner Kulturbund sich einer besonderen Beliebtheit erfreuen, fand auch an seinem jüngsten Abend wieder ausserordentlichen Zuspruch. Das Thema bot vor allem den älteren Mitgliedern Gelegenheit das eigene Erinnerungsbild mit den Ausführungen des Redners zu vergleichen. Bab sprach über „Fünf Generationen jüdischer Schauspieler"; die erste Generation, als deren gewichtigsten Repräsentanten er — nach den jüdischen Vorläufern Eduard Jerrmann und Moritz Rott — den aus dem polnischen Ghetto stammenden, dämonischen Virtuösenspieler Bogumil D a w i s o n bezeichnete, haben wir allerdings nicht mehr erlebt. Aber schon in der nächsten finden wir, als einen zu hohen Ehren berufenen Diener echter Schauspielkunst, Adolf Sonnenthal, den ehemaligen Schneidergesellen aus Budapest, der über 50 Jahre dem Burgtheater- Ensemble angehörte. Der dritten Generation teilte Bab den radikalen Verfechter des naturalistischen Darstellungsstils Emanuel Reicher zu, der wiederum aus dem tiefsten Osten kam und der für das Ensemble Otto Brahms eine Hauptstütze wurde. In der von Max Reinhardt heraufgeführten vierten Generation taucht dann der Levantiner Jude Rudolf Schildkraut auf mit dem Temperament eines .bengalischen Tigers, wie Bab die ungebändigte Wildheit seines Spiels treffend charakterisierte, aber zugleich einer der ergreifendsten Väterspieler. Die fünfte Generation jüdischer Schauspieler, in der u. a. auch Alexander G r a n a c h , Fritz "K o r t n e r , Ernst Deutsch hervortraten, fand nach Bab ihren genialsten Ausdruck in Max Pallenberg, einem echten Abkömmling des Wiener Wursil, der aber viel mehr war als ein blosser Spassmacher, und der etwa bei Raimund, Moliere oder Pirandello die innerste Hingabe an den Dichter und seine Gestalt und zugleich eine vorbildliche Kunst der Menschendarstellung offenbarte. Bab streifte zu Beginn seines Vortrags ganz allgemein auch die Frage der inneren Beziehung von jüdischem Wesen und Schauspielkunst, ohne dieser Frage freilich weiter nachzugehen. Aber überzeugender, als es theoretische Erörterungen vermocht hätten, Hessen die menschlichen und künstlerischen Züge der vor uns ausgebreiteten Schauspielerprofile erkennen, dass es eine Brücke gibt, die die beiden scheinbar entgegengesetzten Welten miteinander verbindet. „Jüdische Abenteurer in zwei Jahrtausenden" lautete das Thema, das Dr. Arthur E 1 o e s s e r einem Vortrage im Berliner Kulturbund zugrunde gelegt hatte. Sein Verfahren konnte naturgemäss nur ein eklektisches sein; im Endergebnig aber rührte eg xü der Feststellung, dass der Jude kein richtiger Abenteurer sei, da er seinem Volke angehöre. Die einzelnen Gestalten, die Eloesser aus dem Rahmen der Bibel (Joseph, Simson) sowie besonders aus den letzten vier Jahrhunderten der Geschichte herauslöste, sollten diese Annahm« bestätigen. Selbst zwei so dunkle und zwiespältige Charaktere wie David Reubeni und Sabbatai Zwi bezeichnete der Redner als Abenteurer höchstens in der Wendung ihres äusseren Schicksals, aber nicht nach ihrer. Idee und ihrem religiösen Kern; ähnliches treffe auf den einflussreichen Mystiker des .18. Jahrhunderts, Jakob Frank, zu, der die Sekte der Frankisten gründete, und dessen magischer Name durch seihe Tochter Eva, „die einzige jüdische Abenteurerin", ^aufrechterhalten worden sei. Als einen Abenteurer der Rokokozeit, in dem das Echte aber auch die Sehnsucht nach dem heiligen Lande gewesen sei, rief Eloesser den Gross-Oheim von Heinrich Heine in Erinnerung, den „Chevalier" Simon de Geldern, von dem Heine in seinen Memoiren so anschaulich zu erzählen weiss. An den Schluss dieser Reihe stellte der Vortragende dann Lorenzo da Ponte, den Librettisten von „Don Giovanni" und „Le Nozze di Figaro", dessen unsteter Lebenslauf den Schicksalen des berühmtesten aller Abenteurer, Casanova, nicht unähnlich gewesen sei. H. L. Theater, Musik, Film In Budapest gelangte als der erste ungarische Grossfilm der neuen Spielzeit das musikalische Lustspiel .,Hotel Kikelet" zur Aufführung, zu dem Paul Abraham die Musik geschrieben hat. " ' * Joseph Rosenstock, der ehemalige Dirigent des Berliner Kulturbundorchesters, gegenwärtig Leiter des Neuen Sinfonieorchesters in Tokio, brachte -während der vergangenen Saison in der japanischen. Hauptstadt u. a. einen Beethoven-Zyklus mit fast sämtlichen Sinfonien, ferner Werke von Haydn, Mozart, Schubert, Liszt, Borodm sowie Kömpositionen moderner japanischer Musiker. Er gab ferner mit Willy Frey, dem früheren ersten Konzertmeister des "Berliner Kulturbundorchesters, der jetzt; als Lehrer an der Akademie in Tokio wirkt, ©inen Sonatenabend; Frey trat ferner zweimal in den Orchesterkonzerten als Solist auf. * Nornia Shearer, die Witwe des verstorbenen bekannten Fi Iniproduzenten Irving T h a 1 b e r g, wird im Herbst in dem Film „Maria- Antoinette" die Titelrolle spielen; ihr Partner, Louis XVI., wird Charles Laughton sein. ♦ Otto Z a r e k spricht im Sender Z ü r I c S am 27. August, 21.15 Uhr, über „Ungarn — gestern und heute", _ ..Der Grosse Bilderbogen" ist der Titel eines Kleinkunstprogramms, das jüdisches Leben aus allen Teilen der Welt projiziert und unmittelbar nach den Feiertagen von der Künstl erbt i 1 f e der Jüdischen Gemeinde Berlin zur Uraufführung gelangt. Manuskript: Leo Hirsch, Inszenierung:, Nicolai Eljaschoff. Jüdische Orehestervereinlgung, Berlin. Die Proben finden Montags, 20% Uhr. in der Synagoge Prinzregentenstr. 69170 statt. Gemeinsam mit der Jüdischen Chorvereinigung wird das Oratorium „Josua" von Händel zur Aufführung vorbereitet. Gute Streicher und Bläser (Dilettanten), die dem Orchester beitreten wollen, melden sich schriftlich beim Dirigenten Leo Kopf, Berlin- Wilmersdorf, Landhausstrasse 41. Gleiches gilt für stimmbegabte und musikalische Damen und Herren, die im Oratorium ,.Josua;' mitwirken wollen. Chorproben für Damen Donnerstags, für Herren Freitags, 20 Uhr, Synagoge Prinzregentenstrasse. Brunner". Der erste Abschnitt des Buches trägt die Ueberschrift „Mein Leben und Schaffen". Da erzählt uns Brunner von seiner Kindheit und seiner Jugend, erzählt uns von seinem Väter, einem durch aussergewöhnlich harte Schicksalsschläge verbitterten und dabei doch grundgütigen Mann, erzählt uns von seiner Mutter, einer ..der allerhöchst unschuldigen Naturen", „meinem Vater völlig entgegengemacht: den lieben langen Tag sang sie . . ., ihre eigentliche Seele war Gesang, ihre Gedanken waren wie Blumen, und schwarze Blumen gibt es nicht." Was hat diese beiden so ganz entgegengesetzten Naturen zusammengeführt? Es war "das volkstümliche Lied Chad Gadja aus der Pessach-Haggada. In humorvoller WTeise erzählt Brunner, wie seine Mutter, damals ein Mädchen von noch nicht ganz sechzehn Jahren, seinen Vater, der schon zweiunddreissig Jahre zählte und im Hause ihrer Eltern wohnte, das Lied singen hörte, wie sie von dem Lied entzückt war, und - wie dieses Erlebnis zu der Verbindung fürs Leben führte. Auch auf Brunner selbst hat Chad Gadja einen tiefen Eindruck gemacht; berichtet er doch, dass er angefangen habe, nach diesem Lied zu denken, freilich wiederum anders, als seine Eltern es gesungen. „Muss, nicht auch ich es singen, jenes alte Lied, das mein Vater gesungen, und das er meiner Mutter gesungen, und" das meine Mutter mit mir gesungen,"als ich, in ihrem Schoss, noch eins war mit ihrem Leben — es ist ein tiefes und wahres Lied: Ein Zicklein, ein Zicklein. Das ist ein Lied, ein Lied der Kinder und der Weisen, ein herzig und ein grausam schönes Lied. Aber man muss es singen, singen; und wer es singen hören kann, wie es mein Vater sang!" Keinem Menschen von Fleisch und Blut wird es völlig gleichgültig sein, wie die Mitwelt ihn beurteilt. Er wird sich freuen, wenn ihm Anerkennung zuteil wird, und Verkennung wird ihn schmerzen. Brunner macht denn auch kein Hehl daraus, dass er unter Verkennung, Missdeutung und Totschweigen gelitten habe. Er weiss aber auch, dass dies zu allen Zeiten das Schicksal grosser Geister gewesen ist. Und er zweifelt nicht daran, dass es ihm ergehen wird wie so vielen, die Grosses und Neues gedacht und verkündet haben, dass die Nachwelt ihm Genugtuung verschaffen wird. ,,Was ich Brauchbares geschaffen, in zukünftigen Tagen wird mein Vaterland und wird die Menschheit es finden und aufnehmen." „Ich werde leben nach meinem Tode." Dass Brunner aber auch schon zu seinen Lebzeiten „lebt", davon legt die Constantin-Brunner-Gemeinsc-haft Zeugnis ab, eine Vereinigung von Menschen aus den verschiedensten Kreisen und Ständen, die zu Brunner, wie zu ihrem Meister aufblicken." Wenn nun wir Juden beim Lesen seiner Schriften nicht selten auf Urteile stossen, die uns allzu scharf und schroff erscheinen, so wollen wir nicht vergessen, dass nach seinem eigenen Bekenntnis „Bangen und Liebe" ihm den Mund geöffnet haben. Sein Zürnen ist ein Zürnen aus Liebe, sein Schelten ein Schelten aus überschwäng- 1 icher Liebe. Sein liebevolles Zürnen und Schelten lässt ihn uns erkennen als einen reinen Charakter, als einen Menschen von untadeliger Gesinnung. Und so steht unser Jubilar da, wie ihn der verewigte Ludwig Holländer in seinem Festartikel zu Brunners siebzigsten Geburlstag in diesen Blättern genannt hat, als „eine lichte Erscheinung in einer trüben Zeit/' Das August-Heft des „Morgen6 Ohne sein gewohntes Niveau zu verlassen, hat der „Morgen" im Juli den Erfordernissen des Ferienmonats Rechnung getragen. Das neue Keft ist gleichsam unter dem Gesichtspunkt geschrieben und zusammengestellt worden, dass es in der Zeit zwischen Tischo b'caw und den Hohen Feiertagen in die Hände des Lesers gelangt. Ernst und Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Fragen unserer jüdischen Gegenwart und geben ihm diesmal in besonders starkem Masse das Gepräge. Der Leitartikel nimmt, wie es bei der inneren Zeitnähe des „Morgen" wohl kaum anders sein: kann, zu den' aktuellen Palästina- Erörterungen Stellung. Mit knappen Strichen zeichnet E. R.-J. die Entwicklung nach, die sich seit dem Peel-Bericht in dem „Drama: Palästina" vollzogen hat und macht dabei deutlich, dass alle dogmatischen Stellungnahmen gegenüber Palästina, mögen sie dem zionistischen oder dem nichtzionistischen Lager oder einer weltpölitisehen Schau entstammen, durch den Gang der Ereignisse überholt sind und neu durchdacht werden müssen. Einem völkerrechtlichen Teilproblem widmet Kurt Stillschweig eine ausgezeichnete Abhandlung, in der die minoritätenrechtliche Seite des Teilungsplanes erörtert wird. Der Judenstaat würde, wenn er im Sinne des Peel-Berichtes Verwirklichung findet, zum erstenmal die jüdische " Gruppe in einem staatlichen Gefüge als Majorität erscheinen lassen, der freilich eine bedenklich starke arabische Minorität gegenüberstünde. Die sich hieraus ergebenden politischen Fragen werden mit Sorgfalt geprüft und gelöst werden müssen, wenn man den politischen Erfordernissen ebensosehr wie den Lehren der zweitausendjährigen Galut gerecht werden will. Hans Weil (RECCO) schildert in einem längeren Aufsatz „Die Lage der jüdischen Jugend betrachtet" und legt dabei an ein viel erörtertes Thema einen neuen Massstab an, wobei er sich freilich der Unzulässigkeit einer einseitigen Betrachtungsweise bewusst bleibt. Fritz Aronstein schildert die Trauergesänge und -gebete der Juden, die „Kina", als einen Ausdruck ihres geschichtlichen Schicksals, in dem tiefste Elemente der jüdischen Seele um Gestaltung ringen. Uri Rosenheim veröffentlicht aus „Elegien einer Jugend" einen „Trauergesang zum 9. Aw", der in eindrucksvollen Hexametern die Fürsprache der biblischen Gestalten für das jüdische Volk darstellt und in hoffnungsfrohe messianische Stimmung ausklingt. Der übrige Inhalt des Heftes trägt den Charakter des literarischen Essays. Hans Tramer schildert die historischen Begebenheiten, die zu der von Shakespeare verdichteten Shylok-Legende geführt haben. Felix Falk stellt das Leben eines vergessenen jüdischen Schriftstellers und Uebersetzers der Renaissance Maestro Calo dar. Die Amsterdamer Tagung der World Union for Progressive Judaism wird von Wolfgang S. Matzdorff in einer scharf geschliffenen Studie die „Stromliniensynagoge" in ihrer religiösen und reformatorischen Bedeutung gewürdigt. Hanns Reissner zeigt den bedauerlichen Mangel an Produktivität auf, der auf dem Gebiete der jüdischen Familien- und Territorialgeschichtsschreibung bemerkbar ist. Auch an Ludwig Tietz wird anlässlich der Besprechung zweier aktueller Veröffentlichungen erinnert. Eine Reihe von Buchbesprechungen, sowie eine kurze Würdigung des Werkes Alfred Adler durch Schaffung der Individualpsychologie durch Erich Rosenthal vervollständigen das inhaltsreiche Heft. Kurt Julius Riegner Aus den Verlagen Der Herbert Reichner-Yerlag, Wien, veröffentlicht sein reichhaltiges, interessantes Herbstprogramm, das u. a. Franz Mo Laars ungarische Liebesgeschichte „Der grüne Husar", Paul Stefans Bücher über ..Don Giovanni", „Die verkaufte Braut'1 und „Die Zauberflöte11, Stefan Zweigs „Magellan" und Moritz Scheyer.s Essays über sonderliche Schicksale berühmter Dichter und Künstler enthält. Vom Phllo-Lexikon, dem Handbuch des jüdischen Wissens, das nun schon in vierter, von A—Z revidierter und erweiterter Auflage vorliegt, sind drei Jahre nach Erscheinen nahezu 30 000 Exemplare verkauft. — Von der Phiio-Bücherei lebender jüdischer Autoren liegt als Doppelbändchen Nr. 718 die Gedichtsammlung von Anna Joachimsthal-Schwabe vor. Vor kurzem erschien im gleichen Verlag eine Arbeit von Moritz Stern „P a I ä s t i n e n s i s c he Altertiime r" mit 64 Abbildungen, eine wertvolle Ergänzung zu Professor Franz Landsbergers „Einführung in die jüdische Kons t". Diese Angaben entnehmen wir einem neuen Katalog des Philo-Verlags, dessen Autorenverzeichnis 50 Namen umfasst, von denen Leo Baeck, Julius Bab, Ignaz Maybaura, Max Wiener, Leo Hirsch, Max Samter genannt seien. Die Jüdische Buch-Vereinigung, Berlin, bringt als dritte Veröffentlichung des Jahres 1937 die deutsche Ausgabe von Simon Dubnows „Lebenserinnerunge n" , übersetzt von Elias H u r v i cz und BernhardHirschberg-Schrader, heraus. Der Joachim Goldstein Verlas:, Berlin, kündigt .folgende Neuerscheinungen an: Fritz Cohn: Von Pinsker zu Weizmann: Rudolf Melitz: Das ist unser Weg {Junge Juden berichten von Umschichtung und Haehscharah); Bertha Badt- S t r a u s s : Jüdinnen: Alice Landsberg:' Neue Stadt bei Tel-Aviv (Roman): Käthe Kaufmann: Von Nissan zu Nissan (Gedichte).

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