Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 34 (26.8.1937)
- Date
- 1937-08-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XVr.Sra!irgang / Nr. 34 Berlin, 26. August 1937 Prel« 10 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitnng, Aazeigenannalime, Vertrietsattenung^: Berlin W15, Emser Strasse 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 8141—45. Telegrammadresse: Centralglaaben, Berlin. Postscheckkonto: Berlin 70344. Die C.-V.-Zeitang erscheint wöchentlich am Donnerstag. RedakÜonsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt and die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 81 Rpf. (einschl. 22,74 Rpf. Postzeitungsgebühr) zuzügl. 18 Rpf. Bestellgeld. Für Ausland vierteljährlich 2,30 EM (umgerechnet in die Landeswährung) einschl. Zustellgebühren. Einzelnummer lORpf. (Aasland 20 Rpf.) Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferang oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebüluren: Preisliste 5 gültig. Die 12gespaltene mm-Zeile 20 Rpf., für Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise s. Preisliste. Einzelänzeigen nur.gegen Vorauszahlung.—Anzeigenschlnss: Dienstag. Platzu. Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. Jewish Agency vor neuen Aufgaben ZÜRICH, 20. August. I- A. H. Kernen Augenblick war während der .vier Tage, die einschliesslich des sitzungsfreien Sabbat das Plenum oder die Kommissionen des Council der Jewish Agency sich um die Einigung bemühten, die Billigung der vom Kohgress beschlossenen Politik in der Paiästinafräge zweifelhaft; die Festlegung der zionistischen Council- Mitglieder auf die politische Kongressresolution und der ihnen grundsätzlich angenäherte Standpunkt der nichtzionistischen Council-Mitglieder aus den Ländern jüdischer Massensiedlung bedeuteten eine sichere Mehrheit. Was mehrfach ernstlich gefährdet schien, war die Existenz der Jewish Agency selbst. Eine Reihe in ihrer Bedeutung verschiedenwertiger, in. ihrer Addition jedoch gewichtiger Gründe waren teils Vorbelastung teils akute Komplikation der Beratung. Mit Recht fühlten sich die Non-Zionists durch die Exekutive schlecht behandelt Man hatte sie gar nicht QcLer höchst ungenügend über wichtige Gegenstände und -Vorgänge informiert, deren Kenntnis für die schwere vor ihnen liegende Entscheidung unerlässlicti war, und sie hatten^ wie ja auch der ' Eongress vorher, das unbestimmte Empfinden, dass die ■ Exekutive' in gewisser Richtung bereits sehr weitgehend 'Bindungen eingegangen sei, die die nachfolgenden Ehtschliessungen stark präjudizieren müsse. Sicherlich war diese negative Stimmung durch die Erfahrungen genährt, die der Council und dabei im engeren die Non- Zionists bei früheren Tagungen empfangen hatten. Man wusste früher oft nicht recht, was man eigentlich nach den langen Verhandlungen der vorhergehenden Zionisten-Kongresse an Eigenem für die Palästinaarbeit noch zusteuern könne, und die Exekutive hatte in der Regel den Council mit einer gewissen Distanz und Gleichgültigkeit behandelt. Aber diese teils Taktteils taktischen Beschwerden verloren bei dieser Council- Tagung ihre Begründung. Man nahm den Council und dabei vor allem die. Non- Zionists so ernst, wie die zur Behandlung stehende Frage es zum Zwange machte. Man informierte die politische Kommission in ihren vielstündigen .Sitzungen auf das genaueste.. Die Exekutive stellte sich den Kommissionen und dem Plenum jederzeit zur Verfügung.. - Die. Organisationskommission beschloss, . einen bedeutsamen Umbau. des Council und seiner Arbeit vorzubereiten. Und letztlich:Die entscheidende politische Frage fand * durch die Agency einen bei aller Anpassung und Rücksichtnahme auf die Kongressresolution selbständigen Ausdruck, und die Zusammensetzung der neuen Executive berücksichtigte in einem die Mitarbeit der Arbeiterpartei gefährdenden Ausmasse die Wünsche der Non-Zionists. II. Die politische Resolution, die' das Council-Plenum am 21. August um Mitternacht schliesslich angenommen hat (wir bringen den Text nebenstehend), ist kein •Kompromiss, obwohl 48 Stunden in offiziellen und inoffiziellen Besprechungen an ihr gearbeitet worden ist, dazu ist sie vor allem in ihren Forderungen nach Verhandlungen mit den Arabern zu unterschieden von der Kongressresolution. In ihr liegen mehr als nur Nuancen jener gegenüber vor. Weizmann zeigte in einer als psychologische und oratorische Leistung bewundernswerten Rede nach Mitternacht des ersten Sitzungstages die Kennzeichen des echten Realpolitikers, indem er von sich aus die Aufnahme neuer Verhandlungen mit den Arabern akzeptierte, falls der Council solche wünsche. Diese Erklärung fand sich inmitten eines Schlusswortes, in dem. sich.ein in einzelnen Partien fast.bis züm. Hohn gesteigerter Sarkasmus ausdrückte und eine schneidende Schärfe, so bei der Klassifizierung von „besseren" und „schlechteren" Juden, Stimmungen, die in der tiefen Bitterkeit ihre Erklärung finden, die den Mann erfüllen mussten, der nach vierzehn Tagen Kampf, den er eben siegreich beendet zu haben glaubte, erneut um die gleichen Fragen mit einem noch völlig frischen Gegner zu ringen gezwungen ist. III. Die Generaldebatte, die dieser Weizmann-Rede vorangegangen war, ermöglichte unter anderem einen ungewöhnlich unterrichtenden Einblick in eine gewisseamerikanische politisch-ideologische Getsteswelt. , So etwa, wie der Rektor der Hebrä-. ischen Universität in Jerusalem,' Dr. Magr - nes, mit reinstem Herzen und klarer Logik einen politischen Idealismus in Richtung der Zusammenarbeit mit den Arabern entwickelte, so mag Woodrow Wilson gedacht haben, als er 1917 und 1918 in drei grossen politischen Reden die Grundlagen einer Welt des inneren Ausgleichs, . der wirt- ' schaftlichen Vernunft und des nationalen Friedens .zu entwickeln, meinte, bevor er -" den Konferenzsaal von Versailles betrat.'. Das Ergebnis weist die Geschichte aus! ■ Der Idealismus des Führers eines Volkes; von hundertzwanzig Millionen ist Die V. Council-Tagung der Jewish Agency hat folgende politische Resolution angenommen: Diese Nummer enthält u. a.:^ Die Züricher. Tagung .der Jewish Agency — Die 3. Kenessio Gedaulo in Mariehbad'— Als Student in Kalifornien von Heinz Berg.grün — Constantin. Brunner zum 75. Geburtstag von :.-.,■ _ . , Rabbiner Dr. Norden, ■ * .• , , .\ Die BeilagenBüctaiiTdh' Kunst — Spprtblatt — Apprendam brasileiro — Wirtschaft der Woche U n s e r e R o s c h-H a s c h a n a-N u m m e r erscheint in der nächsten Woche in erweitertem Umfang Sie wird u. a.. enthalten.- Feiertagsbetrachtungen von Dr. H e r z f e I d- Essen und Rabbiner Dr. Hugo H a h n - Essen — Die Brüder Beer, Novelle von Alfred Auerbach, mit Zeichnungen von Horst Moratz — Den Beginn einer illustrierten Aufsatzreihe von Fritz B e n j a m i n : Zwischen Ost und West: Palästina — Alte Feiertagsweisen von Oberkantor Magnus D a vi d s o h n , mit Notenbeispielen — Von alten und neuen Kalendern, mit zahlreichen Illustrationen Ferner die Beilagen: Blatt der jüdischen Frau —- Kinderblatt — Wirtschaft der Woche — Sportblatt — Palästina-Umschau Schachecke und vieles andere' - - 1. Die fünfte Tagung des Council der Jewish Agency for Palestine nimmt die vom XX. Zionistenkongress angenommene Politische Resolution zur Kenntnis und drückt ihre Zustimmung zu deren wesentlichen Schlussfolgerungen aus. 2. Der Council weist die Behauptung der Palestine Royal Commission, dass das Palästinamandat sich als undurchführbar erwiesen habe, zurück. Der Council beauftragt die Exekutive, sich jeder Beeinträchtigung der durch die Balfour-Deklaration und das Mandat international garantierten Rechte des jüdischen Volkes zu widersetzen. Der Council verurteilt die von der Königlichen Kommission als eine Politik zur Durchführung des Mandates vorgeschlagenen „Palliativmittel", welche eine willkürliche Einschränkung der jüdischen Einwanderung, die Aufgabe des Prinzips der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit als Grundlage der Einwandenmgspolitik und scharfe Beschränkungen der jüdischen Kolonisation verursachen wird. Der Council drückt seine schärfste Gegnerschaft gegen den BescMuss der Britischen Regierung aus, ein politisches Höchstmass der jüdischen Einwanderung aller Kategorien für die nächsten acht Monate festzusetzen, und betrachtet dies als Verletzung der jüdischen Einwanderungsrechte und der von der Britischen Regierung in dieser Hinsicht wiederholt eingegangenen und vom Völkerbund bestätigten Verpflichtungen. 3. Der Council bestätigt nochmals die Erklärungen seiner früheren Tagungen, welche die Bereitwilligkeit ausdrücken, ein friedliches Uebereinkommen mit den Arabern in Palästina' zu erzielen, gegründet auf die freie Entwicklung sowohl des jüdischen als auch des arabischen Volkes und die gegenseitige Anerkennung ihrer beider Rechte. Der Council beauftragt die Exekutive, ihre auf dieses Ziel gerichteten Bemühungen fortzusetzen, und im Hinblick darauf die Britische Regierung zu ersuchen, eine Konferenz von Juden und Arabern zustande zu bringen, um die Möglichkeiten eines friedlichen U eher einkomm ens zwischen Juden und Arabern innerhalb und zugunsten eines ungeteilten Palästina auf der Grundlage der Balfour-Deklaration und des Mandates ausfindig zu machen. 4. Der Council sieht den von der Königlichen Kommission vorgeschlagenen Teilungsplan als'Junannehmbar an und bevollmächtigt die Exekutive, in Verhandlungen einzutreten, um den genauen Inhalt der von der Britischen Regierung vorgeschlagenen Schaffung eines Jüdenstaates festzustellen. In diesen Verhandlungen darf die Exekutive weder für sich selbst noch für die Jewish* Agency eine Verpflichtung eingehen, sondern, falls ein endgültiger Plan für die Errichtung eines Judenstaates zu^ stände kommt, soll dieses Projekt einer besonderen Tagung des Council zu* Beratung und Beschlussfassung vorgelegt werden. darum wenig riskant, weil er oder seine Mitarbeiter hinter eine Aenderung seines Standpunktes in jedem Augenblick die- Macht treten lassen können. Es muss aber gesagt werden, dass die glänzende und geistvolle Rede von Dr. Magnes den aktuellen jüdischen politischen Standpunkt sehr unwesentlich, die arabische Argumentation gegen ein jüdisches Palästina dagegen sehr wesentlich bereichert hat. Und hinter Dr. Magnes steht nicht, wie seinerzeit hinter Wilson, die Macht, wenn es nicht so geht, wie er gemeint, es anders mit Gewalt zu erreichen. Wir würdigen eine jüdische Position, wie sie in Dr. Magnes ihre zugespitzte Repräsentation findet, •durchaus. Sie ist bestes Geistesgut jüdischen Prophetismus, und es ist kein Zu- . fäll, dass dieser ja gerade auch in der angelsächsischen politischen Terminologie häufig anzutreffen ist. Wir müssten unsre eigne Vergangenheit' verleugnen, wenn wir in solchen Gedanken nicht unendlichviel unsrer eignen Auffassung vom jüdischen Sein und Wesen; wiederfänden. Aber, zur aktuellen Frage meinen wir: entweder ein jüdisches Palästina auf politischer Basis, im Augenblick gleichgültig, ob „Judenstaat" oder „nationale Heimstätte" und weltliche Politik, oder aber:. Verzicht auf diese Form jüdischen Zukunftsbaus und lediglich .gläubiges Vertrauen auf die Verheissung. Eine Mischung, bei der auf der einen, der jüdischen Seite, der Idealismus, auf der anderen, der arabischen, der Realismus und die Macht bestehen, scheint uns von Uebel. Wir möchten weder ein ohnmächtiges noch ein machiavellistisches jüdisches Palästina. Was Weizmann aufzeigt, ist Realpolitik, von jüdischem Ethos getragen. Wenn nun einmal ein nationales jüdisches Palästina sein soll, scheint uns das eine gute Grundlage für eine Staatsgründung. IV. Der Riss, der auf dem Kongress zwischen Ja- und Neinsagern quer durch die Parteien ging, zog sich auch auf - der Agency-Tagung durch die Delegationen der Non-Zionists. Es mochte manchmal so scheinen, als ob, je entfernter der Vertreter einer bestimmten Judenheit von jüdischer Not und staatsbürgerlicher Gefährdung war, er um so prinzipienfester in der Darstellung seines Nein-Standpunktes war. In der Diskussion fanden sich jedoch innerhalb ■ derselben Delegationen die entgegengesetztesten- Standpunkte: Alexander Kahn warv.entschiedener Gegner von Felix M. War bürg und Magnes, und Simon Marx'/imd Lord Meichett unterschieden r sich.- sehr wesentlich von Ansichten. Neville , L a s k i s und Norman Ben t w i c h:s. Fast geschlossen für' den Ja-Standpunkt traten die Vertreter, der o s t europäischen Judenheit auf. Bei; der Leidenschaftlichkeit und den Argumenten, mit denen diese ihre Zustimmung begründeten, mochte es, mitunter scheinen,-, als ob es sich um einen inner jüdischen Klassenkampf handle:, die Juden im Glück, und Glanz und Recht gegen die Juden in Sorge und Not und Gefährdung. Selbst Weizmann unterlag einen Augenblick diesem verführerisch vereinfachenden Eindruck. Dass er sich sofort wieder von ihm freimachte, beweist wiederum seine staatsmännische Kraft. V. Es wäre ein dankbares Beginnen, den Unterschied der Atmosphäre aufzuzeigen,