Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 33 (19.8.1937)
- Date
- 1937-08-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2277379-2277516-2277549--12150-2281736- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 33* 3. Beiblatt 19. August 1937 * Seite 13 Der Das Echo in Palästina Von unserem »-Palästina-Berichterstatter Kongresse Tel-Aviv, 11. August. Ungefähr eine Woche lang ist in Zürich gerungen worden, um eine Formel für das zu finden, was von jüdischer Seite aus zu dem Teilungsvorschlag der Peel-Kommission zu sagen ist. In dieser Entscheidung haben nicht die wenigen hunderttausend Juden, denen Palästina heute schon die Heimat geworden ist, sondern die Millionen, denen es erst eine Hoffnung bedeutet, den Ausschlag gegeben. Nicht ein Organ des „Jischuw", also der jüdischen Bevölkerung Palästinas, sondern das völkerrechtlich zuständige Organ der zionistischen Weltorganisation und der sonst am Palästina-Werk interessierten jüdischen Kreise aus mehr als vierzig Ländern spricht das letzte Wort — von jüdischer Seite. Diese seltsame Verkettung entspricht durchaus der einzigartigen Situation der Jüdischen Heimstätte in Palästina. So wie Millionen von Juden, zum mindesten geistig und seelisch, von der Hoffnung auf Palästina leben, so lebt Palästina, bis zu einem gewissen Grade auch politisch und wirtschaftlich, von der Hoffnung auf die kommenden Einwanderer. Es wäre eine falsche Parallele, wollte man darauf hinweisen, dass auch die arabische Welt sich in Genf im wesentlichen von Nichtpalästinensern vertreten lässt. Dynastische und machtpolitische Erwägungen, Empfindungen der Religion und der nationalen Solidarität haben die, an sich ja territorial saturierten, arabischen Nachbarländer zur Einmischung bewogen, nicht aber ein unmittelbares eigenes Interesse von lebenswichtiger Bedeutung. Und es ist bezeichnend, dass abgesehen von der sehr aktiven Regierung des Irak, die anderen Staaten wesentliche Unterschiede in ihrem politischen Vorgehen erkennen lassen und im Wesentlichen eine Politik der vorsichtigen Zurückhaltung befolgen. Jedenfalls kann man ohne Uebertreibung sagen, dass sich das öffentliche Interesse und das politische Leben Palästinas gegenwärtig auf die Brennpunkte der Entscheidung, die ausserhalb der Landesgrenzen liegen, konzentriert hat. Die Aufmerksamkeit der jüdischen Bevölkerung richtet sich in erster Linie nach Zürich; selbst die Genfer Beratungen des Völkerbundes sind in den Hintergrund getreten. Das Echo der Züricher Debatten ist ausserordentlich stark, und obwohl die massgebenden Repräsentanten des Jischuw schon längst ausser Landes weilen, wird der Kampf der Meinungen auch hier mit grosser Lebhaftigkeit fortgesetzt. Genau wie in Zürich ist auch hier die Frage des Ja- oder Nein-Sagens keine Angelegenheit der Parteizugehörigkeit. Vom parteipolitischen Standpunkt aus ist es sogar überaus interessant, welche Gegnerschaften und Bundesgenossenschaften sich in dieser Schicksalsfrage herausgebildet haben. Dass selbst innerhalb der Exekutive die Meinungen geteilt sind und dass Mitglieder wie Rabbi Fischmann und Professor Brodetski erheblich von dem Standpunkt der beiden Vorsitzenden, Weizmann und Ben Gurion, sowie von der Stellungnahme Schertoks abweichen, ist bekannt. Seltsamer ist schon, dass der rechteste Flügel des Kongresses, die Judenstaatspartei, dieses erste Angebot eines Judenstaates ablehnt, weil sie davon eine schwer widerrufbare Festlegung auf ein Minimum befürchtet, und dass sie darin die Bundesgenossenschaft der äussersten Linken, des Haschomer Hazair, gefunden bat. Der Vorsitzende der Arbeiterpartei, Ben Gurion, befürwortet Verhandlungen auf Grundlage des Teilungsplanes, sein einflussreichster Kollege in der Parteileitung, der Chefredakteur der Parteizeitung, Dr. Berl Katznelson, gehört zu den entschiedensten Gegnern solcher Verhandlungen. Er steht also auf einer Linie mit dem Leiter des Keren Kajemet und des gegenwärtigen Kongresses, . M. Ussischkin, der an sich eher dem rechten Flügel zuzurechnen ist, neben seinem Freund und Gegner Weizmann vielleicht die populärste überparteiliche Persönlichkeit der zionistischen Organisation. Der bekannte Bauernführer Mosche Smilinski vertritt den positiven Standpunkt, der Misrachi-Führer Rabbi Berlin und Dr. Bugraschoff, Mitgründer des Herzl-Gymnasiums und Organisator einer seinen Namen ' tragenden Siedlung in Tel-Aviv, haben sich den Neinsagern angeschlossen. Mit grosser Genugtuung beobachtet man hier im Lande die ritterliche Form, in der die Gegensätze vor dem Kongress ausgetragen werden. Ussischkin hat für sich und seihe Gefolgsleute erklärt, dass sie auch nach einer etwaigen Abstimmungsniederlage weiter positiv im Rahmen der zionistischen Organisation mitarbeiten werden, also Sezessionsdrohungen ablehnen, und dieser Standpunkt wurde namens der amerikanischen Neinsager von Dr. Wise und namens der Judenstaatspartei von Dr. Grossmann ausdrücklich bekräftigt. Auf einen gleichen Ton ist auch die jüdische Tagespresse Palästinas abgestimmt, die aber trotzdem einer angeregten Aussprache Raum gibt. Ein paar aufschlussreiche Beispiele dafür seien hervorgehoben, lieber den Gegensatz zwischen-den beiden höchsten Funktionären der zionistischen Organisation Weizmann und Ussischkin,, gibt ein Teilnehmer der Sitzungen, Dr. Asriel Karlebach, einen ebenso anschaulichen wie erschütternden Bericht; übrigens lassen diese und andere Berichte, im Verein mit den vom Kongressbüro ausgegebenen Communiques dem palästinensischen Publikum die NichtÖffentlichkeit der Züricher Sitzungen kaum zum Bewusstsein kommen. Karlebach beschreibt den tiefen Eindruck, den es auf alle Anwesenden machte, als Weizmann in äusserster Bewegung gewissermassen zugab, in seinem jahrzehntelangen Vertrauen zur .Mandatarmacht enttäuscht worden zu sein, wie er sich aber sofort nicht nur zu einer positiven Politik,, sondern auch zu einer gerechten und abwägenden Stellungnahme dem englischen Volke gegenüber durchrang. Der Verfasser erzählt, wie alte Mitglieder der Bewegung sich immer wieder fragen: Ist dies wirklich Weizmann, der in diesem Tone vor der Weltöffentlichkeit spricht, der beherrschte Politiker, der hier zum ersten Male in seiner Laufbahn seinem Zorn und seiner Bitterkeit offen Ausdruck gibt?. Nicht der Professor, nicht der Diplomat, sondern der Jude aus Pinsk habe gesprochen, und gerade damit die Herzen erobert. Ussischkin habe p , dichter gehabt. Von ihm sei man Worte des Zornes und der Anklage gewohnt, gegen das eigene Volk, weil es von der Möglichkeit der Bodenerlösung zu wenig Gebrauch mache, und gegen England, weil es seinen Mandatspflichten nicht gerecht geworden sei. Der Beobachter habe nicht einem Widerstreit von Argumenten, sondern einem Bekenntnis innerster Gefühle beigewohnt. Bezeichnend für den Tenor der Ussischkin- Rede sei es gewesen, dass er u. a. sagte: „Wenn ihr ,ja' sagt, spielt ihr Komödie vor euch selber, denn auch ihr werdet niemals eure Kinder lehren, dass die wirklichen Grenzen des jüdischen Palästinas am Rande der Stadt Tel-Aviv liegen. Und wenn ihr meint, unser Anspruch auf ein ungeteiltes Palästina sei unmoralisch, so erwidere ich, dass die Geschichte andere Massstäbe hat und dass es viel unmoralischer ist, wenn eine Million Araber eine riesige Bodenfläche brachliegen läset, während man 17 Millionen Juden mit einem winzigen Fleck Erde abspeisen will." Ebenfalls im „Haare z" meinte Medzini: ,.Gerade weil jede Gruppe der anderen von vornherein den guten Glauben zubilligt, und gerade weil in einer Debatte, bei der es sich im wesentlichen um die Bewertung von Zukunftsmöglichkeiten handelt, kaum ein Redner exakte Beweise vorbringen kann, ist nicht zu befürchten, dass sich aus der Abstimmung eine Krise der Organisation, ähnlich wie seinerzeit beim Austritt der Revisionisten, ergeben wird." Dagegen sieht Medzini eine Krisengefahr in einem anderen Punkte. Die am Palästina-Werk beteiligten Nichtzionisten haben ihren Anspruch auf stärkere Beteiligung an der Leitung der Jewish Agency erneut angemeldet. Da diese Kreise vorwiegend einen scharf ablehnenden Standpunkt gegenüber allen Teilungsplänen einnehmen, bestünde bei Erfüllung dieser Forderungen die Gefahr, dass die neue Executive, die nach dem Beschluss des Kongresses ineinem iuehr oder minder positiven Sinne in London und Genf verhandeln solle, zu einem erheblichen Teil aus Vertretern der negativen Richtung zusammengesetzt sein werde. Der „Dawar" betont in einem Leitartikel die staatsrechtliche Stärke der jüdischen Portion. Es liegen gegenwärtig nur Vorschläge einer Untersuchungskommission vor, an welche die einzige für die Entscheidung zuständige Stelle, nämlich der Völkerbundsrat, in keiner Weise gebunden sei. Die englische Regierung oder die Mandatsverwaltung habe kein Recht, diesen Entscheidungen vorzugreifen und durch Uebergangsmassnahmen. wie etwa Festsetzung eines „politischen" Einwanderungs-Maximums, den Völkerbund vor eine vollendete Tatsache zu stellen; denn es sei noch gar nicht klar, ob denn wirklich ein Uebergang zu einem neuen Zustand eintreten werde. In der „P a 1 e s t i n e Post" entwickelte sich eine Kontroverse über einen Vorschlag Neville Barbours, zur Entspannung des Palästina- Problems, der jüdischen Einwanderung nach anderen Ländern mehr Aufmerksamkeit zu widmen. In dem gleichen Blatt schlägt der bekannte Quäker und Kenner nah-östlicher Verhältnisse, Daniel Oliver, vor, das britische Mandat aufrechtzuerhalten und unter Führung des Universitätskanzlers Dr. Magnes von jüdischer und des Emirs von Transjordanien, Abdullah, von arabischer Seite eine Round Table Konferenz von zwölf überparteilichen Männern zu bilden. Oliver bemüht sich seit langem, gemeinsam mit dem arabischen Schuldirektor Dr. Tot ah aus Ramalla (bei Jerusalem), eine jüdisch-arabische Verständigung zu propagieren. Die Redaktion des Blattes kritisiert an diesem Vorschlag — bei aller objektiven Würdigung seiner Tendenz —• die vorgeschlagenen Namen. In der Tat gehört Dr. Magnes politisch zu dem kleinen Kreis von Univers.itätslehjernj ieren Verständigungspolitik in der palästinensischen Oeffentlichkeit nur ein geringes Echo findet, und gegen den Emir Abdulla wird namentlich in Syrien und im Iran eine lebhafte Kampagne geführt. Man sagt, dass der palästinensische Parteiführer Naschaschibi in Uebereinstimmung mit dem Emir auf' eine gemässigtere Lösung hinarbeite, aber der Mufti von Jerusalem sowie sein Anhang innerhalb und ausserhalb Palästinas habe alle derartigen Vorschläge strikt abgelehnt. Neben diesen Auseinandersetzungen. in 'der Presse findet auch eine lebhafte Versammlungstätigkeit statt, namentlich in Kreisen der Einwanderer aus Deutschland sowie in revisionistischen Kreisen, die auch in ihrer Wochenschrift „Hajarden" eine heftige, in ungewöhnlich scharfem Ton geführte Propaganda gegen jede Erörterung oder Kompromisslösung auf Grund der Peelschen Vorschläge entfalten. Der Ausklang des Kongresses Der Kampf um die Entschliessung Die Kongresssitzuhg vom 11J August, die zu der bereits in der vorigen Nummer des Blattes veröffentlichten Annahme der Mehrheitsresolution führte, brachte in der der Abstimmung vorhergehenden Debatte noch einige dramatische Höhepunkte. -Nachdem Kaphmsky den Antrag der Mehrheit begründet hatte, wandte sich Dr. Stephen Wise in einer leidenschaftlichen Rede gegen den Ermächtigungsantrag der Mehrheitsresolution. Er verlas die gleichfalls an. dieser-Stell« schon wiedergegebene_ Minderheitsentschliessung und setzte sich für ihre Annahme ein. „Wir sind gegen die Teilung, aber nicht gegen den Judenstät", rief er im Laufe seiner Rede aus, dieser Judenstaat allerdings bedeute eine Verantwortung ohne Macht. Gegen die Erteilung von Vollmachten an die Exekutive wandte er ein, dass sie dieser Vollmachten nicht bedürfe, weil sie sich Vollmachten nehme, ob man ihr sie gegeben habe oder nicht. Das habe sie in den Verhandlungen der letzten sechs Monate bewiesen. Wenn er mit aller Energie gegen jede Art der Teilung auftrete, so sei er überzeugt, damit die breiten Massen der jüdischen Oeffentlichkeit Amerikas zu vertreten. Es sprachen dann noch David Remez für die Arbeiterpartei Palästinas und Louis Lipsky (Allgemeine Zionisten Gruppe A) für den Mehrheitsantrag, Rabbi Meir (Berlin) gegen die Mehrheitsresolution. Der Amerikaner Chaini Greenberg bekannte sich als Gegner der Teilung, aber Anhänger der Mehrheitsresolution, da diese keine Entscheidung über die Teilungsfrage darstelle. Ben Doy begründete den ablehnenden Standpunkt des Hasehomer Hazair und Robert Stricker in einer scharfen Attacke gegen Weizmann den gleichfalls ablehnenden Standpunkt der Judenstaatspartei. Die Abstimmung selbst wurde namentlich vorgenommen. Es wurde dabei die Bezeichnung ".Resolution A" für - die Resolution der Mehrheit und „Resolution B" für die Resolution' der Minderheit verwandt, um das Wort Teilung strikt zu vermeiden. Auch der Verlauf der Abstimmung selbst brachte noch einige Zwischenfälle, vor allem, als Ben Gurion das .Wort zu einer persönlichen Erklärung verlangte, was von den Teilungsgegnern als Provokation aufgefasst und mit stärkster Unruhe im Saal beantwortet wurde. Nach der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses, das bekanntlich eine Mehrheit von 300 :158 Stimmen für die Mehrheitsresolution ergab, gaben die Mihderheitsparteien sowie die Judenstaatspartei je eine Erklärung ab. Am Spätnachmittag hielt Referent Goldblom einen Nachruf auf die während der Palästinaunruhen gefallenen Juden. Dann sprach Eh*. Arthur Ruppin über Wirtschaftsfragen Er betonte, dass Palästina aus der Krise des abessinischen Krieges ungeschwächt hervorgegangen sei. Er behandelte die Einwanderungsfragen unter besonderer Berücksichtigung des Kapitalszustromes der letzten zwei Jahre. Das unter seiner Leitung arbeitende Institut für Wirtschaftsforschung habe u. a. die Fragen der natürlichen Bodenschätze, der Landwirtschaft, der Industrie, des Aussenhandels, der Bauten und der Sozialpolitik behandelt. Jetzt werde man sich vorzugsweise Zollfragen, Steuerproblemen, Fragen des Sozialschutzes und der wirtschaftlichen Verteidigung zuwenden. In bezug auf die Behandlung von Bevölkerungsfragen sei es falsch. Palästina mit anderen Ländern einfach zu vergleichen. Au&sschlaggebend für die Entwicklung Palästinas seien seine industriellen Möglichkeiten. Es handele sich nicht darum, wieviel Land man besitze, sondern wieviel Kapital. In Beer Scheba brauche man 1000 Dunam, im kultivierten Teil Palästinas 50 Dunam Boden; eine Fabrik aber, die Hunderten von Familien Lebensmöglichkeit gebe, benötige nur einen Dunam Boden. Die Wanderungsbeschränkung der Kgl. Kommission sei schon deswegen abwegig, weil der natürliche Bevölkerungszuwachs der Juden gegenüber dem der Araber im Jahre 1936 um '21000 Personen zurückgeblieben sei. Soviel« Menschen also könnten einwandern, ohne dass der prozentuale Anteil der Juden im Lande sich verändere. In der Plenarsitzung vom 12. August sprach Eiieser Kaplan über Finanzen und wirtschaftliche Aufbauarbeiten und ging davon aus, dass trotz der infolge des abessinischen Konflikts und der Unruhen entstandenen Schwierigkeiten die wirtschaftliche Lage in Palästina heute besser sei als vor zwei Jahren. Er behandelte dann die Tätigkeit des Jewish Colonial Trust, der Anglo Palestine Bank und der Agrar-Bänk" und stellte fest, dass seit dem letzten Kongress weitere 15 landwirtschaftliche Siedlungen errichtet worden seien. Eine besonders wichtige Errungenschaft sei die Schaffung des Hafens in Tel-Aviv. Um in den nächsten zwei Jahren 200 000 Juden in Palästina anzusiedeln, sei es notwendig, ein Kapital von 35 Millionen Pfund aufzubringen. Aufgabe des Kongresses sei es, die Wege zu zeigen, die zur notwendigen Erweiterung der wirtschaftlichen Tätigkeit führen. Es folgten Referate des Agronomen Wilkansky über B e w ä s s e r u n g s p r o b 1 e m e und ihre Bedeutung für die jüdische Landwirtschaft und von Abraham Harzfeld über Boden und Kolonisationsprobleme. Harzfeld wies darauf hin, dass es notwendig sei, neue Bodengebiete zu erwerben und so schnell wie möglich neue Siedlungspunkte zu gründen. Von der jüdischen Aktivität in der jetzigen entscheidenden Epoche werde es abhängen, welche Teile des Landes in jüdischem Besitz bleiben. Am 12. August nachmittags vertagte sich das Plenum, um die folgenden Tage ausschliesslich der Arbeit der Kommissionen vorzubehalten. Es wurden insgesamt 10 Kommissionen eingesetzt: eine politische Kommission, der Permanenz- Ausschuss, die Einwanderungs-, Arbeits-, Organisations- und Nominierungskommissionen, ferner die Kommission für die Fonds, die Finanzkommission, die Kolonisationskommission und die Kommission für Jugend- und Kulturarbeit. Ihre Arbeitsergebnisse kommen in den weiter unten veröffentlichten Resolutionen zum Ausdruck. Kurt Blumenfeld über den Keren Hajessod Nachdem der 14. August, ein Sonnabend, wie in voriger Woche durch Arbeitsruhe begangen worden war, trat am Sonntag, dem 15. August, das Plenum des Kongresses wiederum zusammen. Der geschäl'tsführende Direktor des Keren Hajessod. Kurt B1 u m e n f e 1 d, hielt ein. Referat über „Ergebnisse und neue Aufgaben der Arbeit des Keren Hajessod"'. Obgleich Blumenfeld in dieser gross angelegten Rede es an Exaktheit der Zahlenangaben in keiner Weise fehlen Hess und sich aller Pflichten eines Finanzreferenten getreulich unterzog, gab er doch viel mehr als nur einen Bericht über die Arbeit des ihm anvertrauten Fonds. Er stellte vielmehr die Keren-Hajessod-Arbeit in den grossen Zusammenhang der zionistischen Idee und der zionistischen Wirklichkeit und gab so einen Querschnitt durch die Bewegung in ihrer Ganzheit und in ihrer aktuellen Problematik. Bei der Gründung des K.H. sei man vom Maasser-Prinzip ausgegangen, aber die Durchsetzung der Maasser-Forderung sei nicht gelungen. Der Grund dafür habe wahrscheinlich darin gelegen, dass die palästinensische Realität nach der Gesetzmässigkeit, in der Realität und Bewegung in jeder grossen politischen Aktion zueinander stehen, die zionistische Bewegung geschwächt und oftmals auch gestört habe. Die Feststellung dieser Tatsache tue der jüdischen Leistung in Palästina, die ausserordentlich und beispiellos sei, keinen Abbruch. Tatsache sei jedenfalls, dass die Leistungen für Palästina reinen .Spendencharakter .tragen und dass es sich nicht um Opfer handele, die sonst von Völkern für " die neu zu erkämpfende Freiheit gebracht würden. Das jüdische Privatkapital habe den Weg nach Palästina nicht gefunden, und zu Einwanderungsstürmen sei es immer nur gekommen, wenn grosse Katastrophen in der Galut sie ausgelöst hätten. Kurt Blumenfeld stellte dann fest, dass die politische Welt, in der der Zionismus entstanden sei, der Vergangenheit angehöre. Die neue Form, die der Nationalismus überall angenommen habe, zwinge zu neuer Auseinandersetzung. Eine neue Situation sei auch dadurch geschaffen, dass der Schwerpunkt der Geldaufbringung sich von Europa nach Amerika verlagert habe. Mit dieser angelsächsischen Welt aber habe sich der Zionismus noch kaum auseinandergesetzt. Eine Aufhaltung aller dieser neuartigen Gegebenheiten werde nötig sein, um den Finanzaktionen der kommenden Jahre zum Erfolg zu verhelfen. Auch die mögliche Schaffung eines Judenstaates stelle die zionistische Ideologie auf eine neue Probe. Durch den Judenstaat werde und dürfe keine staatsrechtliche Veränderung im bürgerlichen Status der Welt erfolgen. Man werde mit aller Deutlichkeit erklären müssen, dass der Zionismus nicht der Schöpfer, sondern der Erkenner der Judenfrage ist. Diese Judenfrage aber könne niemals aufgehoben werden. Als echte menschliche Bewegung sei der Zionismus nur zum Teil beweisbar, zum anderen, vielleicht grösseren Teil gehöre er in die' Welt der grossen Geheimnisse des menschlichen Lebens. Es sei deshalb vielleicht die feinste Aufgabe Alle Ihre Bücher belletristische u. fachwissenschaftliche jeder Art von der Buchhandlung am Zoo Fritz Rmg Charloftenburg, Joacbimsihaler Sir. 43-44 Mitglied der jüdischen Gemeinde Telefon: 91 65 06 Zusendung nach allen Sfadiieilen I