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Central-Verein-Zeitung · 1937-08-19 · 33 (19.8.1937) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
33 (19.8.1937)
Date
1937-08-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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XVI. Jahrgang / Nr. 33 Berlin, 19. August 1937 Preis 10 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Sehriftleitang, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W 15, Emser Strasse 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 8141—45. Telegrammadresse: Centralglauben, Berlin. Postscheckkonto: Berlin <0o44. Die C.-V.-Zeitune erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 81 Rpf. (einschl. 22,74 Rpf. Pöstzeitungsgebühr) zuzüd. 18 Rpf. Bestellgeld. Für Ausland vierteljährlich 2,30 RM (umgerechnet in die Landeswährung) einschl. Zustellgebühren. Einzelnummer lORpf. (Ausland 20 Rpf.) Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebähren: Preisliste 5 gültig. Die ISgespaltene mm-Zeüe 20 Rpf., für Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise s. Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschlüsse Dienstag. Platzu. Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. ^ulturhuiMl—Sache der Gemeinschaft Dr. M. E. Am Beginn seines fünften Spieljahres tritt der Jüdische Kulturbund Berlin mit einer Werbewoche vor die jüdische Bevölkerung Berlins. Weshalb Werbung? fragt man sich. Ist denn nicht jeder Jude, der nach Vermögen oder Einkommen dazu in der Lage wäre, schon längst Mitglied des Kulturbundes? Hat das schicksalhafte Erleben der letzten Jahre die jüdischen Menschen noch nicht so stark zur Gemeinschaft verbunden, dass sie die Mitgliedschaft im Kulturbund als eine Selbstverständlichkeit, als ein nobile officium empfinden? Wer aber das Theater des Kulturbundes, seine Konzerte und Vorträge regelmässig besucht, sieht, -dass — neben den Unbemittelten — gewisse Teile des jüdischen Publikums immer wieder fehlen. Wenn sich der Kulturbund gelegentlich in den Dienst der Winterhilfe oder eines anderen ausgesprochen wohltätigen Zweckes stellte, dann erschienen allerdings auch Menschen dieser Kreise. Da zahlten sie die Eintrittspreise für die ersten Par- . kettreihen, die an solchen Festabenden in gesellschaftlichem. Rahmen ein Vielfaches des sonstigen Monatsbeitrages betragen, und träumten sich wohl zurück in jene Zeiten, da sie bei keiner Premiere im Deutschen .Theater oder in den Kammerspielen fehlten. Ja, es gibt noch heute jüdische Aussenseiter, männlichen und weiblichen Geschlechts, und die Anonymität der Grossstadt, die ihnen mehr Bewegungsfreiheit gibt als die Kleinstadt oder das Land, leistet ihrer Anschauung, sie hätten den Kulturbund nicht nötig, Vorschub. Was heisst aber heute „nicht nötig haben"? Heisst es, dass man sich so auf eine Insel der Einsamkeit zurückgezogen hat, dass man die geistige Abwechslung und Auffrischung eines Theaterabends oder eines Konzerts nicht braucht? Oder heisst es, dass man im ausserjüdischen Bereich noch die Zerstreuung findet, die man im Kulturbunde suchen sollte? Lassen wir es bei der Fragestellung genug sein. Die Antwort mögen sich die geben, die es angeht — aber nein, sie geht uns alle an. Kurt Singer sagt an anderer Stelle dieses Blattes, „glücklich und stolz" seien die Mitarbeiter des Kulturbundes „als Bannerträger eines grossen Gemein-. schaftsgedankens der Juden von gestern und morgen". Die Durchsetzung eines Gemeinschaftsgedankens erfordert die Mitarbeit eines jeden Mitgliedes der Gemeinschaft und verträgt keine Aussenst eilenden. Ja, sie verpflichtet. sogar die, die mehr leisten können, durch Patenschaften und ausserordentliche Beiträge denjenigen das wenn auch passive Mitwirken an der Gemeinschaft, das Hören, Sehen und Miterleben, zu ermöglichen, die den Monatsbeitrag selbst nicht aufbringen können, und Die Beilagen: Der Kulturbund wirbt mit Beiträgen von Wilhelm Altmann, Rita Aiiasz, Julius Bab, Hans Buxbaum, Heinz Condeli, Hans Freyhan, Hugo Lachmanski, Kurt Singer, Hans Sondheimer, Herbert Wiesenthal Buch und Kunst mit Beiträgen von Jsmar Elbogen, Max Eschelbacher, Manfred Swarsensky u. a. Apprendam Brasileiro Der Züricher Kongress — Sportblatt Wirtschaft der Woche Aufruf der Organisationen Der Jüdische Kulturbund, der vor vier Jahren in Berlin gegründet wurde, ist nun seit langem Besitz und Lebensnotwendigkeit für alle grossen und kleineren jüdischen Gemeinden in Deutschland. Es hat sich erwiesen, dass der Wert der Kulturbünde weit über die Möglichkeit hinausgeht, jüdischen Künstlern Betätigung, jüdischen Zuhörern Zerstreuung zu verschaffen. Hier ist ein Bund gegründet, der im Zeichen lebendigen geistigen Interesses jüdische Menschen sammelt und vereint, und der dies Interesse immer entschiedener und reiner in eine besonders jüdische Richtung zu lenken strebt. Die Existenz der Kulturbünde ist für alle Juden von innerster Bedeutung. Man kann es daher weder verstehen noch billigen, dass es immer noch Juden in Deutschland gibt, die nach ihren materiellen Lebensbedingungen wohl dazu imstande wären, Mitglieder ihres Kulturbundes zu sein* aber dennoch beiseite stehen. Der Verlust, den jedes Jahr den Kulturbünden unvermeidlicherweise bringt, kann und muss wettgemacht werden durch den Eintritt dieser noch Aussenstehenden. Dem Kulturbund Treue zu halten, dem Kulturbund neue Mitglieder zu werben, scheint uns gemeinsame Ehrenpflicht aller Juden. Reichs Vertretung der Juden in Deutschland, gez. Dr. Baeck Preussischer Landesverband jüdischer Gemeinden, gez. Kammergerichtsrat i. R. Wolff — Jüdische Gemeinde zu Berlin, gez. Heinrich Stahl — Verband Bayerischer israelitischer Gemeinden, gez. Dr. Neumeyer —• Oberrat der Israeliten Badens, gez. Friedrich A. Straus — Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, gez. Dr. Gumbel — Jüdischer Gentral-Verein, gez. Dr.Herzfeld — Jüdischer Frauenbund, gez.Ottilie Schönewald (Bochum), Hanna Karminski — Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, gez. Dr. Leo Löwenstein — Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland, gez. Dr. Kurt Singer, Benno Cohn, Dr. Max Wiener — Zionistische Vereinigung für Deutschland, gez. Benno Cohn, Dr. Hans Friedenthal nilil!l!lli!l!l!llillllll!ll!il so den Kreis der Gemeinschaft zu schliessen. Die Kulturbundarbeit beruht und muss beruhen auf einem gegenseitigen Geben und Nehmen. Der Gedanke des Kulturbundes wurde vor vier Jahren aus der Notwendigkeit geboren, den arbeitslosen Künstlern Brot und, was für sie ebenso lebenswichtig ist, das Podium, die Möglichkeit des Wirkens zu verschaffen. Inzwischen haben die Künstler vier Jahre lang gewirkt und sind an ihrem Werk zu einer Gemeinschaft, zu einem Kollektiv gewachsen, das nur einen Ehrgeiz hat und nur eine Freude kennt: dem Publikum ihr bestes Können zu geben. Und die Menschen im Parkett — die meisten von ihnen Stammgäste seit vier Jahren, die gleich dem ersten Rufe folgten — nahmen das, was ihnen die Künstler gaben, von Monat zu Monat und von Jahr zu Jahr mit immer stärkerer Aufnahmebereitschaft und immer wachsender Zufriedenheit. Nicht dass sie blind gegen, die Darbietungen waren. Viele von ihnen hatten ja noch die Grössten der Bühnen der ganzen Welt gesehen und glaubten sich erst in ein Provinztheater versetzt. Aber sie lebten mit dem Bjisemble, sahen sein Reifen und bedauerten das Fortgehen des einen oder anderen ihrer Lieblinge von Schauspiel und Oper. Auch sie konnten ablehnen — wie ja auch wir in unserem Blatte, wenn es nottat, abgelehnt und kritisiert haben — und man sah manchmal leere Reihen, wenn ein Stück nicht gefiel. Aber sie, die Treuen, kamen sofort wieder, wenn eine neue und immer bessere Leistung sie in ihr Theater zurückrief. Doch da gab es auch Treulose, Ungeduldige, die es nicht abwarten zu können meinten, bis die Leistung ihren höchstgeschraubten Ansprüchen entsprach. Sie sehen in dem Theater lediglich die Befriedigung ihres eigenen kulturellen Bedürfnisses und vergassen das soziale Moment darüber. An anderer Stelle dieses' Blattes ist von der „Theater-Wirtschaft" die Rede. Da wird die Bilanz gezeigt. Man hört von dem anscheinend grossen Umsatz, aber man sieht auch, wenn man zu dividieren und zu subtrahieren versteht, mit wie geringem Einkommen sich dieser Stab von künstlerischen und technischen Mitarbeitern zufrieden gibt, um ihrerseits dazu beizutragen, dass das soziale Institut des Theaters bestehen kann. Da sind Schauspiel- und Opernensemble, Orchester und Chor, Beleuchter und Dekorateure, Logenschliesser, Garderobieren, Friseure und Portiers und alle, die anderen jüdischen Menschen, die von diesen Quellen mittelbar wieder gespeist werden. Sie alle gilt es, vor Not zu schützen. Und wenn schon die Menschen, die heute aufgerufen werden, um die Lücken zu füllen, die ja vor allem dadurch entstanden sind, dass auch aus den Reihen der Kulturbundmitglieder viele Tausende in diesen vier Jahren Deutschland verliessen, glauben, nicht schon um der Kunst willen, Mitglied des Kulturbundes werden zu sollen, dann sollen und müssen sie es endlich werden um der Erhaltung des sozialen Instituts wegen. Aber für den Juden ist der Geist immer wichtiger gewesen als das Brot. Und so ist es auch sehr typisch, dass aus dem sozialen Gedanken, der der Entstehung-der Kulturbünde zugrunde liegt, sich immer deutlicher die geistige und kulturelle Aufgabe herauskristallisierte. Man konnte naturgemäss vor vier Jahren noch nicht übersehen, wie bald die Kulturbunddarbietun- Itie J. Tagung der JetvisU Agemey A. H. Zürieh, 18. August, teleph. Die 5. Tagung des Council der Jewish Agency for Palestine ist heute gegen 11 Uhr vormittags eröffnet worden. Weizmann hielt das einleitende politische Referat, wie er. selbst sagte, in Form kurzer einleitender Bemerkungen. Sehr prägnant gab er die bekannten vor dem Kongress ausgiebig erörterten Probleme wieder. Trotz Ablehnung aller wesentlichen Vorschläge des Peel-Berichtes sei er prinzipiell als Verhandlungsgrundlage anzuerkennen. Weizmann ging dann auf die Resolutionen des XX. Zionistenkongresses ein. Die Mehrheitsresolutioii sei dem- Council vorgelegt zur Begutachtung und zur Genehmigung, Abänderung oder Ablehnung. Mit dieser Mitteilung hat Weizmann eine in den Couloirs lebhaft diskutierte Frage bereits entschieden: dass nämlich der Council durch den Kongress in keiner Weise präjudiziert w-erden solle, und ferner — auch ein Entspannungsmoment vor dem Beginn —, dass, falls der Council die Exekutive zur Verhandlung mit der englischen Regierung ermächtige, die dann festgestellten Pläne vor der endgültigen Annahme auch einem neuen Council unterbreitet werden sollen. Weizmann gab der Gewissheit Ausdruck, dass die im Mandat verankerten Aspirationen prinzipiell auch in die neuen Abmachungen hineingearbeitet wTerden könnten. Es gäbe bei allem nur einen Aspekt: den des Vorteils für die Entwicklung des jüdischen Volkes. Sehr eindrucksvoll unterstrich Weizmann den jüdischen Verständigungswillen mit den Arabern auf der Basis der Reziprozität, das heisst wechselseitige Freundschaft, und wechselseitige friedliche Gesinnung. Weizmann schloss mit dem Wünsch, dass der Council ebenso ' geeint' aus den schweren Beratungen hervorgehen möge, wrie die Zionistische Organisation' aus den Kämpfen des Kongresses. Mit dieser Bemerkung hat Weizmann einen gleichfalls überwundenen Konfliktspunkt vor Eröffnung des Councils berührt. Es sah nämlich eine Zeitlang so aus, als ob die amerikanischen Non-Zionists nicht erscheinen würden. Sie sind unter Führung von Felix W a r b u r g im Saal. Es wäre auch schwer verständlich gewesen, wenn sich diese wichtige Delegation der Möglichkeit beraubt hätte, an einer Gestaltung der Richtlinien für die Exekutive mitzuwirken, in denen die Notwendigkeiten der Non-Zionists sowohl im Hinblick auf den Aufbau eines Judenstaates als auch in Rücksicht auf ihre staatsbürgerliche Stellung in ihren Heimatländern berücksichtigt werden. In dieser Frage liegt die Sonderbedeutung der Counciltagung neben der Kongressdebatte. In der Form, wie der Council sie behandelt, wird der Nachweis seiner Daseinsberechtigung auch unter veränderten rechtlichen Unterlagen liegen.

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