Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 32 (12.8.1937)
- Date
- 1937-08-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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CYZeihinq Der Züricher Kongress Weizmanns Rede Zu der grossen politischen Rede Dr. W e i z - manns in der Plenarsitzung vom 4. August, deren Inhaltsangabe bereits in der vorigen Nummer mitgeteilt wurde, tragen wir noch die folgenden Einzelheiten nach: In seiner Analyse der politischen Situation bezeichnete Weizmann die. Unruhen des Jahres 1936 als einen politischen Angriff, der sich, nachdem die wirtschaftlichen Einwendungen durch die Prosperität Lügen-gestraft worden waren, direkt gegen das Mandat richtete. In diesem Zusammenhang erhob Weizmann schwerste Vorwürfe gegen die Palästinaverwaltung, deren Mangel an fester Haltung die Unruhen über Gebühr ausgedehnt habe, und die somit an einem starken Prestigeverlust Englands in Palästina schuld sei. Nicht das wahre Kräfteverhältnis, sondern diese unverständliche Haltung der' Palästinaverwaltung sei es gewesen, die an der Lage die Schuld trage, die die Königliche Kommission in Palästina vorfand. Die Folge davon war, dass auch die Schlüsse der Königlichen Kommission teilweise fehlgehen mussten, denn sie musste eine Bewegung überschätzen, die die organisierten Kräfte des Britischen Reiches scheinbar mit Erfolg herausgefordert hatte. Aus dieser Sachlage wird.die~von der Kommission aufgestellte und von den Juden abgelehnte These, dass das Mandat undurchführbar sei, verständlich. Das kühlere Verhältnis zwischen der Palästinaverwaltung und der Zionistischen Organisation rühre von der Episode des Legislative Council Generalmajor Wavel Palästinas netierOberkommandierender Zum Nachfolger des Generalleutnants John G. Dill als Oberkommandierendem der palästinensischen Streitkräfte wurde Generalmajor Wavel ernannt. Der neue Oberkommandierende steht im 54. Lebensjahr. Er hat unter Feldmarschall Lord Allenby in Palästina gedient und ist sein offizieller Biograph. Er hat ein Werk über die Feldzüge in Palästina verfasst. Seit 1935 kommandiert er die zweite Division in Aldershot. Bei seiner Ernennung im Jahre' 1933 war er der jüngste General in der englischen Armee. her. Die arabischen Extremisten 'fühlen sich durch die schlechter werdenden Beziehungen ermutigt, und so, so.sagte Dr. Weizmann wörtlich, „haben Dschenin und Nablus Downing- Street den Krieg, .erklärt, und sie haben den Krieg gewonnen". Weizmanns bereits in der vorigen Nummer widergegebener Appell an Grossbritannien, mit den Juden ehrlich zu verfahren,, war ausserordentlich eindrucksvoll. Er sprach den Wunsch aus, dass die britische Regierung lieber den Juden offen sagen möge, dass ihrer Meinung nach die Zeit für ein Jüdisches Nationalheim noch 'nicht gekommen sei, als dass sie mit jüdischem Blut spiele. Er erinnerte daran, dass trotz der den Juden geschehenen Ungerechtigkeit man nicht vergessen dürfe, dass die Palästinaverwaltung, die so viele Unterlassungssünden begangen habe, mit dem* britischen Volk nicht identifiziert werden dürfe. „Es gibt", sagte Weizmann, „Gott sei Dank noch ein anderes England, das England, das im Unterhaus und in dem House of Lords gesprochen hat." In den letzten Pariamen tsdebatten sei der wahre Geist Grossbritanniens zum Ausdruck gekommen. Kein Jude hätte ohne Rührung den guten Willen und die Hilfsbereitschaft feststellen können, die diese Debatten beherrschten. Mit Entschiedenheit wandte sich Weizmann gegen den Vorschlag Lord Samuels. Er erklärte sich peinlich berührt dadurch, dass dieser kein einziges Wort gefunden habe, um die.tragische Lage der Juden zu schildern. Um zu einer Verständigung mit den Arabern zu kommen," worauf nach Ausschaltung der arabischen Extremisten durchaus eine Hoffnung'bestände, brauchte man nicht den Rat Herbert Samuels. Dieser Rat hätte sich an die arabische Adresse wenden sollen. Weizmann formulierte dann die bereits wiedergegebenen zwei Bedingungen, die den Teilungsplan seiner Ansicht nach zu einer diskussionsfähigen Basis machen würden: er müsse erstens den Juden die Möglichkeit ihres unabhängigen nationalen Lebens geben und zweitens zur Lösung der Judenfrage in anderen Ländern beitragen. Wenn das Projekt so umgestaltet werden könne, dass Palästina in absehbarer Zeit zwei Millionen Menschen aufzunehmen in der Lage sei, so würde er nicht zögern, dazu ja zu sagen, und er hoffe, dass auch der Kongress es tun würde. Da endgültige Vorschläge von der britischen Regierung noch nicht formuliert worden seien, habe der Kongress noch nicht über einen bestimmten Plan abzustimmen. Er solle vielmehr die neue Exekutive ermächtigen, mit der britischen Regierung und mit dem Völkerbund Verhandlungen auf Grund der genannten beiden Hauptprinzipien aufzunehmen. Ussischkin gegen Weizmann Der mit stürmischem. Beifall aufgenommenen Rede Weizmanns trat in der Nachmittagssitzung des 4. August als Führer der Opposition und entschiedenster Teilungsgegner M. M. Ussischkin entgegen. Er erklärte sich mit aller Wucht gegen den von Weizmann geforderten Ermächtigungsbeschluss. Das Ziel des jüdischen Volkes sei es, ganz Palästina zu erlangen. Es sei ein unsittlicher Zustand, dass die arabische Welt über Millionen Acres unbebauten Bodens verfüge, und dass die Juden, die in so vielen Ländern in Not seien, nichts haben sollen. Die Schaffung eines Judenstaates sei grundsätzlich zu akzeptieren, aber dem Vorschlag, "dass auf der Basis der zwei Punkte Weizmanns Verhandlungen mit der . Mandatarmacht eingeleitet werden, sei. ein festes Nein entgegenzusetzen. Die jüdischen Grenzen müssten von Dan bis Beer Schewa reichen. Der Schwur, den die Juden vor 2000 Jahren an den Wassern Babylons geleistet haben: „Wenn ich Dein vergesse. Jerusalem, vergesse ~ meine Rechte den Griff", könne an den Ufern der Themse nicht entkräftet werden. In Ergänzung des Antrags Weizmann auf Ermächtigung der Exekutive fasste die stärkste Fraktion des Kongresses, die Arbeiterfraktion, eine Entschliessung, in der sie fordert, dass der Kongress die Exekutive nur zu Verhandlungen über die Klarstellung von Einzelheiten über den Die grosse grundsätzliche Aussprache wurde alsdann am 6. August nachmittags in geschlossener Sitzung fortgesetzt. Der erste Spreeher war der Misrachiführer Meir, Berlin. Im Namen des gesamten Misrachi erklärte er seine Gegnerschaft gegen die Weiztnannschen zwei Punkte. Der Zionismus, so führte er aus, habe nicht nur gewisse geistige und materielle Bedürfnisse zu befriedigen, sondern ein inneres Bedürfnis der jüdischen Seele. So unverkennbar einige klare Vorteile in dem Berichte der Kommission seien, so stehe doch fest, dass man für das ganze Erez Israel gebetet und gekämpft habe, und dass auch Dschenin und Sichern Teile dieses Erez Israel seien. Als nächster Redner sprach für die Allgemeinen Zionisten (Gruppe A) Dr. Kleinbaum. Er erklärte die Fragestellung, ob Teilung oder nicht Teilung, Judenstaat oder nicht Judenstaat, für falsch. Die Gegner der Teilungmüssten sich vielmehr die Frage vorlegen, welche Antwort es nach dem Nein gäbe. Ehe man sich darauf verlasse, später gegen diese. Antwort anzukämpfen, solle man jetzt schon gegen die Verengung der Grenzen des Judenstaates kämpfen. Dieser Kampf sei erfolgversprechender als ein Kampf um die Interpretation des Mandats, in dem man . sich seit 20 Jahren einen Misserfolg nach dem anderen geholt habe. Gegen die ausschliesslich ideell fundierte Rede Üssischkins wandte -Kleinbaum' ein, dass es ausser dem Glauben an die Heiligkeit des Landes ein Pathos der jüdischen Not gäbe, ein Pathos der hungrigen, erniedrigten und beleidigten Juden. Selbst wenn man erwarten müsse, dass man nach 15 bis 20 Jahren starker Einwanderung in den Judenstaat dort die Enge zu spüren bekommen werde, so sei die Möglichkeit einer so langbefristeten Einwanderung etwas ausserordentlich Positives. Die Entscheidung komme auf die Frage heraus, ob man die Begrenzung der Arbeit nach 15 Jahren will oder 'schon morgen. Als Weizmann seine Vollmachten verlangt habe, da habe man in seiner Rede nicht die Stimme des Diplomaten von London und des Professors von Zürich Gehört, sondern des Juden von Pinsk. Und die Juden von Warschau. Przytyk und Brest würden dieser Stimme folgen. Ais Vertreter der palästinensischen Arbeiterschaft erklärt David Remez den Teilungsplan in der vorliegenden Form für unannehmbar, bei Abänderung aber würde er erneut geprüft werden müssen. . Auch der Vorsitzende der Allgemeinen Zionisten, Gruppe B, Dr. J. Schwarzbart, sprach sich gegen die Ermächtigung aus. Der Arbeiterführer Salman Rubasehow erblickte in dem Teilungsplan einen Beitrag für die Lösung des jüdisch-arabischen Problems und forderte deshalb zu seiner Prüfung auf. ~: Als letzter Redner in dieser Sitzung trat Kurt Blumenfeld für eine genaue Erwägung des Teilungsplanes ein. Wäre es möglich, Engiand auf den Weg. der Erfüllung des Mandats zurückzugewinnen, so würde man das Recht zur Ablehnung haben. Aber diese Möglichkeit sei nicht gegeben. Die Chancen für eine rasche und grössere Kolonisation seien bei eigener Staatlichkeit höher, als bei einer Fortdauer der bisherigen Art des Bodenerwerbs. Zwar müsse man bei einer Rückschau sagen, dass die Juden enttäuscht worden seien. Doch, wenn Herzl heute leben würde, würde er in der gegenwärtigen Situation die grösste Chance für das jüdische Volk erblicken. Auch er stellte sich einen Charter nur als ersten Schritt zum Judenstaat vor und dachte an eine Eroberung Schritt für Schritt. Nur unechte Eroberungen fallen jemandem in den Schoss. Echte Eroberungen seien allmähliche Prozesse. Die Jasager seien von ihrem Ja bedrückt, aber ihre Entscheidung würde ein Zeichen politischer Reife bedeuten. In der Sitzung vom 6. August ergänzte Dr. Aron Barth (Misrachi) Hie gefühlsmässigen Argumente Rabbi Meir Berlins gegen den Teilungsplan durch verstandesmässige. Er wies darauf hin, dass in dem geplanten Judenstaat die innere und äussere Sicherheit sehr gering sein würde. Entweder man müsse auf Masseneinwanderung durch Industrialisierung hinarbeiten, dann würde der landwirtschaftliche Unterbau fehlen; oder man werde die landwirtschaftliche Basis zu stärken versuchen, dann würde man keine Massen ins Land bringen können. Wenn die Gesamtfläche Teilungsplan ermächtigen solle. Das Ergebnis dieser Verhandlungen solle einem neuen Kongress zur Entscheidung vorgelegt werden. In der Begründung dieser Resolution heisst es, dass die Exekutive nicht das Recht habe, vor der Entscheidung des neuen Kongresses sich oder die Zionistische Organisation auf irgendeinen Plan oder Vorschlag festzulegen, der zu dem Mandat im Widerspruch steht oder es beeinträchtigen könnte. Die Vormittagssitzung des 5. August begann mit der .Diskussion eines Geschäftsordnungsantrages der Judenstaatspartei, die weiteren Sitzungen des Kongresses mit der Erörterung des Teilungsprinzips und der Ermächtigung der Exekutive in öffentlicher Sitzung stattfinden zu lassen. Mit der Ablehnung dieses Antrages mit 285 gegen 115 Stimmen konstituierte sich der Kongress als politische Kommission. Palästinas zur Küste nicht im richtigen Verhältnis stehen würde, dann würden Küste und Seehandel ein Uebergewicht gewinnen und alles, was man in 20 Jahren an Umschichtung vom Handel zu produktiven Berufen geleistet habe, würde in sich zusammenfallen Die bisherige Rechtsbasis, für die das feierliche^ Versprechen von 52 Nationen gebürgt habe, sei alles in allem sehr gut gewesen. Dafür, dass das Mandat nicht erfüllt worden sei, habe man eigentlich das Recht, Schadensersatz zu fordern. Die Grundlage aller weiteren Verhandlungen müsse das Mandat und seine Erfüllung sein. Nachdem für den Weltverb.and Allgemeiner Zionisten (Gruppe B), Nathan Gesang (Argentinien), die Benutzung der durch die Kommissionsvorschläge geschaffenen positiven Chance gefordert hatte, ergriff wieder Weizmann das Wort. Als Ergänzung seiner Ausführungen wies er auf die i90 Seiten seiner Zeugenaussage vor der Königlichen Kommission hin, die viele der in der Debatte vorgebrachten Gesichtspunkte berücksichtigt habe. Es sei ein schwerer Kampf dazu nötig gewesen, sich zu der Ansicht durchzuringen, dass man bei einer Aenderung des Kommissionsprojektes vielleicht das werde erreichen können, was man bei einer guten Durchführung des Mandates erreicht haben würde. Wenn man nämlich den überaus günstigen Fall setze, dass man 10 bis 12 Jahre je 60 000 Menschen ins Land bringen könne, so werde die Kolonisation fast ausschliesslich in dem" Landesteil vor' sich gehen, der den Juden jetzt zugewiesen sei. Man würde miteiner Minderheit von 45 Prozent Arabern zu rechnen haben, die sich vorwiegend im Hinterland der Küste vorfinden würden, und es würde gleichfalls eine Art Teilung zustande gekommen sein, ohne dass sie ausdrücklich vorgenommen worden wäre. Wenn es darüber hinaus auf Grund eines neuen Projektes tatsächlich möglich sein werde, innerhalb der nächsten 20 Jahre zwei Millionen Menschen ins Land zu bringen, so würde das eine Immigration von 100 000 pro Jahr bedeuten und das.sei günstiger, als man es je zu hoffen gewagt habe. Unter dem früheren System habe man im Höchstfalle damit gerechnet, in den nächsten 20 Jahren eine Million Dunam zur Verfügung gestellt zu erhalten. Gegenüber dieser Möglichkeit aber enthalte das neue Projekt nicht nur keinen Nachteil, sondern gewisse Vorteile: man werde mehr als eine Million Dunam haben, zu Hause sein -Tind die Möglichkeit der Umsiedlung besitzen. Als notwendige Aenderungen des Teilungsplanes nannte Weizmann zunächst den Punkt Jerusalem. Dort leben 70 000 Juden und es gäbe dort neue, fast rein jüdische Stadtteile, auf die man einen Anspruch habe. Der zweite wichtige Punkt sei die Frage der Souveränität. Die vier temporären Mandate über Safed, Akko, Haifa und Tiberias müssten auf eine ganz bestimmte Zeit, höchstens zwei bis drei Jahre befristet werden.. Nach einer derartigen Aenderung biete der Plan u.. a. auch grössere Chancen für den Frieden mit Arabern, denen man zum erstenmal eine gewisse Kraft entgegenzusetzen habe, die ihnen für ein Entgegenkommen etwas bieten hönne. Hier liege eine der wesentlichsten Vorzüge des ganzen Projektes. Die Ausführungen Weizmanns über die Kolonisationschancen unterstrich Dr. Arthur Ruppin. Er erklärte, den Negew für ein Kolonisationsobjekt fünfter Ordnung, um das man sich erst bemühen werde, wenn alle andern Kolonisationsmöglichkeiten Palästinas ausgenutzt sein würden. Es gäbe aber noch zwei Millionen Dunam bewässerbaren Bodens, die die Möglichkeit der Ansiedlung von 100000 bis 130 000 Familien böten. Auch Dr. Ruppin unterstrich die Vorteile eines eigenen jüdischen Staates besonders im Verhältnis zu den Arabern. Selbst ein grösseres Palästina aber würde für alle die Juden, die in den nächsten Jahrzehnten ihre Wohnländer verlassen müssten, keinen Raum gewähren. Würden jedoch erst zwei Millionen in Palästina leben, so wäre es denkbar, dass eine Verständigung mit den Arabern nach der Richtung herbeigeführt werden würde, dass viele weitere Millionen in den Ländern des vorderen Orients eine Zufluchtsstätte finden können. Im Laufe der weiteren Debatte sprachen Berl Katznelson (Arbeiterflügel), H. Farbstein (Misrachi) und J. Chasan (Haschomer Hazair) sowie Elieser Kaplan im Namen der Exekutive. Am 7. August, dem Sabbat, ruhten die Arbeiten des Zionistenkongresses. Offizielle Sitzungen fanden nicht statt. Der ganze Kongressapparat stand still, alle Büros hatten ihre 12. August 1937* Seife IT Tätigkeit eingestellt. Dagegen waren, die Synagogen und Bethäuser in Zürich überfüllt. Unter den Betern sah man eine grosse Zahl führender zionistischer Persönlichkeiten. Am Abend wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen und dauerten bis 1 Uhr nachts. Sie brachten als einen Höhepunkt die kontradiktorische Herausarbeitung der Auffassungen des Vorsitzenden der Judenstaatspartei, Meir Grossman und des Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive, David ben Gurion. Zuvor hatte sich der Führer der ostgalizischen Allgemeinen Zionisten. (Gruppe B) Dr. Emil Schmorak als Gegner der Teilung ausgesprochen, da er die von Weizmann genannten beiden Kriterien nicht für erfüllbar halte. Er erklärte deshalb, dass die von ihm vertretene Gruppe der Exekutive die gewünschten Vollmachten verweigern werde. Sehr temperamentvoll vertrat Meir Grossman die Position der Teilungsgegner. Er bezeichnete die Rede Weizmanns als Eingeständnis des Misserfolges und seinen Rat als gefährlich. Der Gedanke der Teilung sei abgeleitet von dem früher von Weizmann vertretenen Paritätsprinzip. Wie man einmal der leeren Formel „Jüdisches Nationalheim" zugestimmt habe, wolle man auch jetzt wieder einer leeren Formel zustimmen. Dieser Judenstaat aber werde ein Vasall des britischen Reiches sein. Wenn man den Plan aus Gründen der akuten Judennot befürworte, so beweise das, dass man sich durch ein Phantom täuschen lasse. In keinem Fall dürfe man Vollmachten Menschen geben, die zu sich selbst kein Vertrauen haben. „Unsere Generale sind geschlagen, und zu Gebietsabtretungen bereit", schloss Grossmann. „Annahme der Teilung ist ein selbstmörderischer Pakt. Keine Vollmachten für Weizmann und seine Kollegen!" Ben Gurion bezeichnete den Zionismus als einen allmählichen Prozess, der von politischen und internationalen Verhältnissen beherrscht werde. So sei auch der jetzt angebotene Judenstaat nur eine Etappe in' der Verwirklichung des Zionismus. Aufgabe des Kongresses sei es, vor der ganzen Welt 'die historische Verknüpfung des jüdischen Volkes mit Palästina erneut zu bekräftigen und zu erklären, dass die Juden um die volle Verwirklichung der Balfour-Deklaration kämpfen werden. Es solle weiter erklärt werden, dass man ohne Schädigung der Araber auf dem Recht auf ganz Palästina bestehen bleibe. In Wahrung dieser Grundsätze werde die Exekutive mit der Regierung verhandeln müssen, um zu sehen, ob "ihr Angebot einen wirklichen Judenstaat beinhalte, der gross genug ist, um jüdische Massensiedlung zu ermöglichen, dessen strategische Sicherheit gewährleistet wäre und der Jerusalem mitumfasse. Der geplante Judenstaat sei nicht ein Ende, sondern ein Anfang,' er sei der Beginn der Erlösung, auf die. das jüdische Volk 2000 Jahre lang gewartet habe. Nachdem am Sonntag, dem 8. August, 'die Delegierten von der Festsitzung in Basel zur Erinnerung an den I. Zionistenkongress (wir berichten hierüber an anderer Stelle) zurückgekehrt waren, wurde die politische Debatte in Zürich wieder aufgenommen. Die Beratungen begannen um 9 Uhr abends mit einer scharfen Attacke des Präsidenten der" Zionistischen Organisation Amerikas, Dr. Stephen Wisc, gegen den Teilungsplan. Nachdem soe'i-nn der Vorsitzende, Dr. Schmorak, im Namen des Kongresses Ussischkin zu seinem 75. Geburtstage beglückwünscht hatte, sprach der palästinensische Arbeiterdelegierte Baratz für die Erteilung der Vollmachten an die Exekutive. Seine Argumente bestanden hauptsächlich in der schwierigen wirtschaftlichen Situation in Palästina, die eine Aenderung dringend notwendig erscheinen lasse. Nachdem dann noch der amerikanische Delegierte Rabbi Aba Hillel Silver und der Misracbist Gedalja Bublik gegen die Teilung gesprochen hatten, nahmen zwei Angehörige der Exekutive für und wider den Plan das Wort. Als Pro-Redner wies Jizchak Grünbaum darauf hin. dass die Aufrechterhaltung des Palästinamandates unmöglich geworden sei, nachdem alle übrigen A-Mandate bereits aufgehoben worden seien. Man müsse sich jetzt entschliessen, ob man einen kleinen selbständigen Judenstaat haben, oder Minderheit in einem arabischen Lande bleiben wolle. Das Mitglied der Exekutive, Rabbi I. L. Fischmann (Misrachi) polemisierte gegen Weizmann und warf der Exekutive vor, dass sie keine Protestaktion grossen Stils gegen den Teilungsplan unternommen habe. So hätte man ihn zunichte machen können. Er sprach dann gegen den Plan, und schloss mit den Worten, dass die Einheit der zionistischen Organisation von der Einheit Palästinas abhängig sei. Zum Schluss der Aussprache, die nach Mitternacht beendet wurde, wurde eine entere politische Kommission aus 4S Mitgliedern eingesetzt, die gemeinsam mit dem Präsidium und* der Exekutive die dem Kongress vorzulegende politische Resolution ausarbeiten solle. Am Montag, dem 9. August, wurde die Aussprache m einer geschlossenen Plenarsitzung fortgesetzt. Wieder traten eine Reihe von Rednern für die Annahme der Teilung unter veränderten Bedingungen und der Ermächtigung der Exekutive ein — es waren Dr. Mayer Ebner (Bukowina- Weltvereinigung), Dr. Rosmarin (Ostsralizien) und Goldberg (Amerika) -, während dfe palästinensische Arbeiterführerin Goldie Mverson den Teilungsgedanken scharf ablehnte. Die Mitte zwischen beiden Auffassungen hielt dss Mitglied der Exekutive Professor Brodetsky. Er bezeichnete zwar den Optimismus Weizmanns hinsichtlich einer Sesshaftmachung von zwei Millionen Menschen in dem jüdischen Landesteil sowie einer von der Errichtung des Judenstaates Die grosse Aussprache