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Central-Verein-Zeitung · 1937-08-12 · 32 (12.8.1937) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
32 (12.8.1937)
Date
1937-08-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seife A C.-V.-Zeftung Nr.32* 12.Äugust1937 'des Oberrates der Israeliten Badens zurückgetreten ist, eine wissenschaftliche Sammelechrift herauszugeben, an der sämtliche Rabbiner, die während seiner Amtszeit in Baden tätig waren, mitarbeiten. Jüdische Gemeinde-Autonomie in der Tschechoslowakei Am 1. August endet die Frist, die das Innenministerium den jüdischen Kultusgemeinden zur Ueberreichung von Vorschlägen über ihre Organisation gestellt hat. Der Oberste Rat der jüdischen Kultusgemeindeverbände in Böhmen und Mähren-Schlesien hat einen Entwurf ausgearbeitet, durch den das allgemeine und geheime Proportionalwahlrecht in den jüdischen Gemeinden eingeführt wird. Höchstes Vollzugs¬ und Kontrollorgan soll der Oberste Rat der jüdischen Gemeindeverbände mit einem Rabbinerkollegium und einem Rabbinatsgericht in religiösen Fragen sein. Die Verhandlungssprache des Obersten Rates soll nach dem Entwurf tschechisch sein. Jüdisches Jugendtreffen in Skandinavien Am 26. Juli wurde in Kopenhagen der Kongress des Jüdischen Jugendverbandes Skandinaviens, dem die meisten jüdischen Jugendvereine in Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland angehören, feierlich eröffnet. Auf der Tagesordnung des Kongresses stand der vom Pariser Verband angeregte Plan, einen Weltverband der jüdischen Jugend zu schaffen. Der Kongress dauerte bis zum 30. Juli. Er beschloss, auf dem nächsten Kongress, der 193S in Stockholm stattfinden soll, die Frage des Beitritts zum Weltverband der jüdischen Jugend endgültig zu behandeln. Die Aufforderung der von Lord Cecil geleiteten Friedensorganisation „International Peace Campaign1', dieser Organisation beizutreten, wurde an die lokalen Vereinigungen zur Beschlussfassung weitergeleitet. ORT und OSE-Konf erenzen in Paris Die Exekutive des Weltverbandes ORT (Gesellschaft zur Förderung von Handwerk, Landwirtschaft und Industrie unter den Juden) hat ihre vierte Weltkonferenz zum 24. August nach Paris einberufen. Der französische Minister für Volksbildung wird den Vorsitz führen, die Eröffnungsrede wird der bekannte französische So- _ zialpolitiker Professor William 0 u a 1 i d halten und etwa hundert Delegierte und viele Gäste aus dem Auslande werden an dem Kongress teilnehmen. Auf der Tagesordnung der Konferenz stehen Reden des Vorsitzenden der Zentral exekutive Dr. Leo Bramson, des Vizepräsidenten Dr. A. S y n g a 1 o w s k i, ferner der Herren Dr. L wo witsch, Dr. Jaszons k i und anderer mehr. Die Referate werden sich mit der bisherigen konstruktiven Tätigkeit des ORT-Verbandes und mit Grundfragen der jüdischen Wirtschaftspolitik befassen. Die Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden, OSE, die jetzt ihr 25jähriges Bestehen feiert, hält ihre Jubiläumskonferenz am 2S. August in Paris ab. Die OSE hat einen Bericht über ihre Tätigkeit in den verschiedenen osteuropäischen Ländern verfasst, aus dem hervorgeht, dass sie 60 allgemeine Kliniken, 40 Zahn- Miniken. S3 Kinderkolonien, 15 Tuberkulose- Heilanstalten, 41 Höhensonnenstationen, neun Röntgenstationen, 58 Beratungsstellen für Mütter- und Säuglingsschutz und 88 Schulhygienezentren unterhält. Die Speisung von Schulkindern wird in 113 Schulküchen und zahlreichen Milchverteilungs- und Säuglingspflegestellen durchgeführt. Die Zentralexekutive der ORT veranstaltete in Paris einen Empfang zu Ehren des Präsidenten der Jewish Telegraphic Agency George Backer und seiner Gattin Dorothy Schiff-Backer. Dr. Backer haite die entscheidende Rolle bei dem Zustandekommen der Vereinbarung zwischen dem American Joint Distribution Committee und der ORT gespielt. Vor dem Empfang hatten Herr und Frau Backer den ORT-Pavillon bei der Pariser Weltausstellung besichtigt. Auslandsnachrichten Griechenland Der erste Jahrestag der Einsetzung der griechischen Nationalregierung unter General Metaxas wurde von den Juden Griechenlands festlich begangen. Bei einem feierlichen Gottesdienst in der Salonikier Hauptsynagoge Bet Schaul sprach der Oberrabbiner ein besonderes Gebet für König Georg II. und Ministerpräsident Metaxas. Die Teilnahme an dem Gottesdienst war ausserordentlich stark. Holland Bei der Grundsteinlegung der neuen Synagoge in 'sllertogenbosch wurde die Erinnerungstafel vom Bürgermeister der Stadt in einer feierlichen Zusammenkunft eingemeisselt. Rumänien Im Auftrage der Union rumänischer Juden hat ihr Generalsekretär M. Zelter-Sarat e a n u in Panciu, wo es vor kurzem zu schweren judenfeindlichen Ausschreitungen gekommen ist, eine Erhebung durchgeführt. Aus seinem Bericht geht hervor, dass die Opfer zum grössten Teil jüdische Kriegsteilnehmer und Kriegerwitwen sind. Häuser und Geschäfte sind vernichtet, die Einrichtungen der Werkstätten zertrümmert oder gestohlen. Der „Curierul Israelit"*, das offizielle Organ der Union, veröffentlicht einen Aufruf zur Unterstützung der Opfer. Ministerpräsident Gheorghe Tatar e s c u hat an die Behörden von Panciu die Aufforderung gerichtet, sofort Massnahmen zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung in dem Distrikt zu treffen. Die Aufnahmen für das Konservatorium in Jerusalem (,,The Palestine Conservatoire of Music and Dramatic Art") sind durch seinen Leiter, Professor Emil Haus er, erfolgt. Da noch eine kleine Anzahl von Zertifikaten zur Verfügung steht, können noch einige Musikstudierende unter vorteilhaften Bedingungen aufgenommen werden. Professor Hauser wird, in Zusammenarbeit mit der Künstlerhiife der Jüdischen Gemeinde zu Berlin voraussichtlich Anfang September eine nochmalige Aufnahmeprüfung abhalten. Bewerber mögen sich nur schriftlich unter Beifügung eines Lebenslaufes, einer ausführlichen Darstellung des bisherigen Studienganges und fachmännischer Referenzen bei der Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde, Berlin- Charlottenburg 2, Kantstrasse 159, melden, die über die Aufnahmebedingungen Auskunft erteilt und Mitteilungen über den Prüfungstermin ergehen lassen wTird. Telephonische Auskünfte werden nicht erteilt, Reisegelder nicht erstattet. Lehrhaus Berlin Sprachkurse: Es laufen zurzeit englische Sprachkurse Marburger Strasse 5, Kurfürstendamm 108/109, Fasanenstrasse 80, Prinzregentenstrasse 69/70 und Lindenstrasse 48/50. Besonders in die Kurse Kurfürstendamm und Fasanenstrasse können noch Teilnehmer mit geringen Vorkenntnissen sowie Fortgeschrittenere aufgenommen werden. Ein Anfängerkursus in Englisch beginnt am 10. August in der Lindenstrasse 48. Englische Stenographiekurse beginnen am 17. August, 19 Uhr und 20.30 Uhr in ~der Meinekestrasse 22. — Auch in die spanischen und portugiesischen Sprachkurse können noch Teilnehmer aufgenommen werden. Bei genügender Meldung von Teilnehmern ist ein Anfängerkursua in Portugiesisch zum 1. September (Fasanenstrasse) in Aussicht genommen. Intensiv-Kursus (englisch): - Der Kursus hat am 2. August eingesetzt; Teilnehmer mit Vorkenntnissen können noch aufgenommen werden. Wanderung in der Natur: Sonntag, 15. August (Leitung: Otto Treitel), Treffpunkt 9 Uhr vor U-Bahnhof Ruhleben: Wanderstrecke: Spandau—Heiligensee—Tegel.' Auskünfte über alle Arbeitsgemeinschaften und Sprachkurse, söwie Meldungen hierfür sind an das Sekretariat umgehend erbeten. Sprechstunden: Montag bis Donnerstag 10 bis 13 und 16 bis 18 Uhr, Marburger Strasse 5, III; Tel. 24 04 84 und 24 55 87. Hebräische Vorbereitungskurse für palästinensische Lehrerseminare in Breslau. Nachdem das Hebräische Lehrerseminar Beth-Hakerem, Jerusalem, nur solche Hörer aus Deutschland aufnimmt, die an einer jüdisch-theologischen Lehranstalt eine Prüfung in Tenach, Mischna, hebräischer Sprache, Grammatik und Literatur und jüdischer Geschichte abgelegt haben und darüber ein Zeugnis beibringen, wird auf die an dem Jüdisch-Theologischen Seminar Breslau bestehenden Vorbereitungskurse zur Aufnahme in die palästinensischen Lehrerseminare hingewiesen. Die Ausbildungszeit in Breslau dauert etwa zwei Jahre. Aufnahmebedingungen sind die mittlere Reife und vollkommene Gesundheit. Die Kurse unterstehen dem Dozentenkollegium des Jüdisch- Theologischen Seminars in Verbindung mit dem Hebräischen Sprachverein. Das Schulgeld beträgt 20 RM monatlich. Semesterbeginn 11. Oktober. Baldige Meldungen an Dozenten Dr. Lewkowitz, Breslau, Wallstrasse 14. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums eröffnet das Winter-Semester am 19. Oktober. Das Vorlesungsverzeichnis, das sowohl in der theologischen als auch in der allgemeinen Abteilung wiederum sehr reichhaltig ist und wieder eine Reihe von Vorlesungen enthält, die mit dem Rabbinerseminar gemeinschaftlich veranstaltet werden, wird Ende August im Druck erscheinen. Es enthält zum ersten Male auch Kurse für Leibesübungen. Das Vorlesungsverzeichnis ist durch das Sekretariat der Lehranstalt für dio Wissenschaft des Judentums, Berlin N4, Artilleriestr. 14, unentgeltlich zu beziehen. Folia Clinica Orientalia. Im Verlag Omanuth Company Ltd., Tel-Aviv, erschien soeben das erste Heft einer medizinischen Zeitschrift, die unter der Redaktion des Dozenten Dr. J. Kleeberg (Jerusalem), von Dr. K. B e r n f e 1 d (Jerusalem), Professor Dr. L. H a 1berstaedter (Jerusalem), Professor Dr. A. Kutzinski (Tel-Aviv), Dozent Dr. M. Marcus (Tel-Aviv), Professor Dr. L. F. Meyer (Tel-Aviv), Professor Dr. B. Zondek (Jerusalem und Professor Dr. H. Zondek (Jerusalem) herausgegeben wird und Aufsätze in englischer, französischer und deutscher Sprache enthält. Das Heft bringt Originalartikel von Schachaufgabe Nr. 104 von A- Schiffmann (Berlin). Matt in vier Zügen Weiss: Kb7. Tdl. Lb6, Lgi, Sd3, Bbö, e5 (7) Schwarz: Ke4, Bgo (2) Schachaufgabe Nr. 105 von A- Schiffmann (Berlin). Matt in vier Zügen Weiss: Kb7, Tdl, Lb6, Lg4, Sd3, Be5 (6) Schwarz: Ke4, Bg5, g6 (3) Die beiden vorstehenden Aufgaben, ein Zwillingspaar, sind nur äusserlich sich sehr ähnlich, die Lösungen sind verschieden. Lösung der 'Aufgabe Nr. 103: 1. Kb7—a7, (drohend 2. Sd8—b7f, 3. L<i5—c6 matt). . . . Leo—b8f; 2. Ka7—a6 u. 3. SdS—b7 matt. . . . Sd~—b8; 2. Ld5—c6 u- 3. D oder S matt. Gegenseitige Verstellung des schwarzen L und S auf bS. Richtige Lösungen gingen ein von: Michael Levy (Krefeld), Dr. med. Theodor Gernsheimer (Mannheim), Adolf Schuck (Breslau), Rechtsanwalt Dr. Ernst Böhm (Brieg), Siegmund Austerlitz (Giessen), Gottfried Gumbei (Stuttgart), Karl Nussbaum (Rheydt), Max Pniower (Hindenburg). Landgerichtsrat a. D. Dr. Karl Ulrich (München), Karl Bechhöfer (Nürnberg), Bernhard Loeb ■ (Bingen), Gustav Lewi (Berlin), Frau Tilde Adler (Landsberg). B. Zondek (Jerusalem), F. Mainzer und E. Yaloussis (Alexandria) und E. Nassau (Berlin) sowie Sitzungsberichte und Referate. Am Landsclmlheim Florenz, das von zahlreichen jüdischen Schülern aus Deutschland, Oesterreich, Ungarn und Polen besucht wird, haben jetzt die ersten Reifeprüfungen für das italienische Abiturientenexamen und das englische school certificate stattgefunden. Wie die italienische Prüfungskommission mitteilt, hat die Examenskandidatin — eine Jüdin aus Deutschland, die seit zwei Jahren das Landschulheim besucht hat — das Examen mit Erfolg bestanden. Die englischen Examensergebnisse stehen noch aus. was sie nicht erfahren sollte, festlich gestimmt war. „Ich gehe heute aus, Mutter", sagte Karl „und damit du auch im Bilde bist: Ich habe die Absicht, mich endlich mit .Manci zu verloben." „Das ist recht, Karl", sagte Frau Brinkmann glücklich, „koch7 ich für zwei, koch' ich auch für drei, das macht mir nichts aus." Und zum erstenmal seit langer Zeit gab sie ihrem grossen Jungen einen Kuss auf die Backe. Karl fuhr mit der Stadtbahn bis zum Zoo. Er kaufte bei einem verspäteten Strassenhändler ein paar Blumen und schlenderte gemächlich durch die Stadt bis zu Mancis Kneipe. Am Ausschank stand Frau Waskowa und empfing ihn augenzwinkernd. Manci war gerade in der Küche. „Nehmen Sie inzwischen Platz", riet Frau Waskowa und wies ihm einen Tisch in der überfüllten Gaststube. „Lauf, da ist ein neuer Gast gekommen",' sagte sie später, als Manci aus der Küche kam. Manci pflegte die Gäste nicht gross zu beachten. Karl sass mit dem Rücken zum Lokal und spielte mit eine»m Bierdeckel. Sie beugte sich ein wenig über seine Schulter und fragte höflich: „Bitte, was darf ich Ihnen bringen, mein Herr?" Karl schob langsam den Kopf zu ihr herum, sah sie über die Brille hinweg an und lachte. „Zwei Wermut, wenn ich bitten darf", sagte er dann weich. Aber sie stand da, mit blassem Gesicht, und rührte sich nicht von der Stelle. „Warum gleich zwei?" brachte sie endlich hervor. „Für dich einen und für mich einen", erwiderte Karl leise, „süss und bitter gemischt, das ist schon das Richtige heute abend." Dann ging er mit ihr an die Jüeke, und Frau Waskowa selber, goss die. Gläser voll. Sie tranken hinter dem hohen Garderobenständer neben den Toiletten. Süss und bitter! War es wirklich Wermut, was sie da herunterschlürften? Oder war es einer jener geheimnisvollen Säfte, die das Leben selber in seinen tausend Tiegeln bereitet? Literarische Notizen Fritz Rothgiessers „Knabenschiff', ein Roman, der vor etwa einem Jahr in der C.-V.- Zeitung und dann als Buch im Philo-Verlag (Berlin W 15) erschien, wird demnächst in englischer Sprache bei der Jewish Publication Society, Philad elphia, herauskommen. Eine italienische Uebersetzung der Toscanini- Biographie von Paul Stefan ist im Verlage Bocoa in Mailand soeben erschienen. Sie enthält auch den Toscanini-Essay von Stefan Zweig. Walther Victor, der am 10. August im Radio Beromünster zum 100. Geburtstag des Dichters Hans-Jacob spricht, ist vom gleichen Sender aufgefordert worden, das Programm für die Feier am 75. Geburtstag Gerhart Hauptmanns im November zu entwerfen und die Ansprache zu halten. Elieser S c h e r m a n n hat in New-York ein Buch Erinnerungen an Bialik erscheinen lassen, es heisst „Der Mensch Bialik" und enthält viele eigenartige Eindrücke, Anekdoten, Aussprüche und Episoden von Wert. Es gibt bereits eine Fülle ähnlicher Publikationen, der Verfasser dieser neuesten ist kein Schriftsteller, sein Jiddisch ist nicht eben klassisch, aber die gewinnende Persönlichkeit Bialiks tritt hier wahr und in vollem Lichte in Erscheinung. Von dem Jahrbuch „Polnische J u - d e n", das die Föderation polnischer Juden in Amerika unter S. T i g e 1 s Redaktion herausgibt, ist der fünfte Band erschienen. Darin findet man u. a. eine novellistische Darstellung Naftali Herz Imbers durch I. Opatoschu; überhaupt ist ein grosser Teil des Sammelwerkes der Literatur gewidmet. M. Mieses behandelt die Frage, seit wana Judei* iß Bolen leben, Lazar Kahan „die innere Tragödie der polnischen Juden und die Lichtseiten ihres Daseins". Der zweite Band der „Sammelbücher" (New-York, 1937), herausgegeben von I. Opatoschu und H. L e i w fk, enthält einen Roman aus dem amerikanisch-jüdischen Leben „West Side" von B. Demblin; einen über hundert Seiten starken Essay von B. Riwkin, „Grundtendenzen der jüdischen Literatur", der, von den Klassikern des Ostens ausgehend, die jiddischen Autoren Amerikas darstellt im Verhältnis zu den literarischen Tendenzen des Realismus, der Territorialisierung und der Traditionswahrung; eine psychoanalytische Studie über den ungewöhnlich begabten und komplizierten jiddischen (er schrieb anfangs deutsch) Dichter Mosche Leib Halpern von Leibusch Lehrer; schliesslich eine vielseitige und inhaltreiche Anthologie neuer jiddischer Lyrik von neuen und bekannten Autoren, u. a. Chajim Grade, Joseph Rolnik, Ester Schumacher und Melech Rawitsch. Die Warschauer Jüdische Kultusgemeinde — mit über 350 000 Mitgliedern die grösste der Welt, zumal die amerikanischen Juden keine einheitlichen Stadtgemeinde-Organisationen haben — beginnt jetzt ein Gemeinde b 1 a 11 herauszugeben. Uns liegt die soeben erschienene erste Nummer vor, ein umfangreiches, grossformatiges und gut ausgestattetes Zeitsehriftenheft, dreisprachig, hebräisch, jiddisch und polnisch: „Die K e h i 11 o-S t i m m e". Es enthält Aufsätze, Statistiken und Rechenschaftsberichte . massgeblicher Persönlichkeiten der Warschauer Gemeinde, planmässige Darstellungen aller Gebiete der gemeindlichen Tätigkeit, der Verwaltung, des Budgets und eine Chronik der Veranstaltungen aus polnisch patriotischen Anlässen, der Einrichtung einer Soldaten-Synagoge für die Warschauer Garnison, von Seder-Abenden für die Soldaten, der Massnahmen zur Organisation einer Flugzeug-Eskadron der jüdischen Jugend, zur Unterstützung jüdischer Akademiker, von Remonten und Bauarbeiten, von Schwimmkursen in den Gemeindeschulen, der Opfer von Exzessen in anderen Gemeinden, der Errichtung von Sommerkolonnen, der Vergrösserung des Berson-Museums, der Eianehkuig eines gresse-Referats h, & m, Lotte Baerwald Am 22. Juli entschlief Lotte Baerwald in Jerusalem. Sie war die Witwe des Regierungsbaumeisters Alexander Baerwald, des Erbauers des Haifaer Technikums und vieler anderer schöner und eigenartiger Bauten in Palästina. Mit dem Gatten ging sie schon vor dem Kriege, als das Technikum gebaut werden sollte, hinüber. Den Krieg, den Alexander Baerwald bei der deutschen Marine mitmachte, verlebte sie wieder in ihrem schönen Dahlemer Heim. Kurz nach dem Friedensschluss zogen sie aber wieder hinüber nach Palästina, das sie schon damals als zweite Heimat empfanden, und erlebten nun den Aufbau des Landes, noch lange ehe das grosse Heer der Juden aus Deutschland hinüberströmte. Mit Lotte Baerwald durch die Altstadt von Jerusalem zu wandern, war ein besonderes Erlebnis, denn sie sah das Land nicht nur mit der Liebe des Menschen, der jedes Haus und jede Siedlung hat entstehen sehen, sondern zugleich mit den Augen des Malers und des Dichters. Feine zarte Gedichte und köstliche Federzeichnungen wie in. dem Band „Von kleinen Göttern und Menschen", einprägsame Novellen — unsere Leser werden sich ihrer Novelle „Transjordanische Reise" in der C.-V.-Zeitung erinnern — und schliesslich lustige Puppenspiele wie „Esther" sind Zeugnis ihrer feinsinnigen künstlerischen Natur Sie ist dem Gatten, mit dem sie eine bis auf den letzten Lebensnerv gehende seelische und geistige Gemeinschaft verband, nach knapp sieben Jahren in den Tod gefolgt. Die vielen Freunde, die Alexander und Lotte Baerwald stets um sich sammelten, wissen, dass Lotte Baerwalds Leben eigentlich erlosch, als der Lebensgefährte die Augen für immer sehloss, und ihre letzten Jahre galten neben einer fast überstürzt erscheinenden literarischen Produktion nur dem Andenken des Gatten und der Erhaltung seines Namens im Lande. Die Eröffnung des Haifaer Alexander- Baerwald-Parks wird ihr in diesem Sinne die letzte wirklich glückliche Stunde gewesen sein.

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