Mannheim
Compact Memory

Kinderblatt · 1937-07-29 · 5 (29.7.1937) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kinderblatt
Volume
1937
Issue
5 (29.7.1937)
Date
1937-07-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9449368-9643128-9643147--115-2281671
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

dass 'die jüdischen. Indianer die ersten Bewohner dieser südamerikanischen Inselwelt gewesen waren. Später seien zu ihnen auch andersgläubige rote Männer mit ihren Herrschern, Kaziken genannt, gestossen und eine Anzahl von Zauberern. Diese „Mohänen“ reizten ihre heidnischen Artgenossen zum Kampfe gegen die jüdischen Indianer auf. Doch die Angreifer unterlagen, und lebten von da an friedlich mit den ersten Inselbewohnern beieinander. Pablo blieb lange Zeit mit den Anhängern seiner Religion zusammen. — Er erlebte erstaunt und gerührt das Laubhüttenfest unter ihnen, das in herrlichen, mit Blüten verzierten Hütten begangen wurde, die aus dichtbelaubten Baumstämmen zusammengezimmert worden waren. Selbst an primitiven Chanukkaleuchlern, die jedoch aus herrlichem Material bestanden, fehlte es den jüdischen Rothäuten nicht, obschon ihre Gebräuche sich nicht ganz rein erhallen hatten. * Ich musste Onkel Frilzjosef das Buch von Anfang bis zu Ende vorlesen, und als ich an die Stelle kam, an der Pablo seine Gastfreunde wieder verliess, um weiterzuziehen, sagte er nur: Schade, jetzt wird das Buch bestimmt langweilig!“ Damit behielt der Onkel auch recht. Und damit ich nicht auch langweilig werde, komme ich jetzt auch zum Schluss und hoffe, dass Pablos Reiseerlebnisse euch gut gefallen haben. Von der Zahl „Sieben“, die manche eine Unglückszahl nennen, habe ich in manchen ABC-Büchern folgenden Spruch gelesen: „Die Sieben ist eine heit'ge Zahl, Iln Volke Israel allzumal.“ Es scheint also, als ob die Zahl Sieben, über die soviel Widersprechendes behauptet wird, eine ganze besondere Zahl sei, und wir wollen das einmal untersuchen. Es gibt, wie jeder weiss, sieben Wochentage und sieben Planeten, das sind die Weltkörper, die mit der Erde um die Sonne kreisen. Schon deshalb hat man angenommen, dass die Sieben eine besonders wichtige und geheimnisvolle Zahl sei. Aber in der Antike haben die Griechen und Römer die Planeten ganz künstlich und eigenmächtig auf die Zahl Sieben gebracht: man hatte damals noch kein Fernrohr und hat am Himmel mit blossem Auge nur fünf Planeten erkannt, hat also ganz falsch Sonne und Mond dazu gezählt, damit eine heilige Sieben herauskäme. Auch vom Regenbogen hat man behauptet, er habe sieben Farben, obwohl es nur sechs sind. Sehr merkwürdig, nicht wahr? Dass die Sieben eine heilige Zahl geworden ist, hat wahrscheinlich eeinen Grund in der — Mathematik. Dieser trockenen, nüchternen Wissenschaft. Die Babylonier und Sumerer, von denen auch die Juden den Glauben an die .besondere Bedeutung der Sieben genommen haben, waren schon in sehr aller Zeit grosse Gelehrte. Sie versuchten bei ihren Forschungen denjenigen Winkel zu finden, durch den man, wenn man seine Spitze in den Mittelpunkt eines Kreises verlegt, die Kreisperipherie — die Linie, die den Kreis begrenzt — in lauter gleiche Teile aufteilen kann. Jeder, der etwas davon versieht, wird sagen, es ist das Leichteste, einen rechten Winkel von 90 Grad zn nehmen, dann zerfällt die Kreisperipherie in vier Teile. Aber das wussten die Babylonier nicht, sie konnten einen rechten Winkel nicht Abb. l genau zeichnen, was auch gar nicht so leicht ist, wie wir alle schon gemerkt haben. Sie fanden heraus, dass die Kreisperipherie genau in sechs Abschnitte zerfällt, wenn man sie mit dem Zirkel aufteilt, und zwar genau mit der gleichen Zirkelöffnung, mit der man den Kreis gezogen hat. - Die einzelnen Punkte auf der Kreisperipherie und der Mittelpunkt, im ganzen also sieben Punkte, sind dann voneinander alle gleich weit entfernt. (Abb. 1.) So löste die Sieben-Zahl ein grosses geometrisches Problem, und man begann, sie für heilig zu halten. Auch das Mögen Dovid, das Zeichen der Juden, ist, wenn man es auch nicht immer so klar sieht wie auf unserer Zeichnung, nach dem Geheimnis der Zahl Sieben entworfen (die gestrichelte Linie in Abb.l). Auch bei dem siobenarmigen Leuchter, den ihr ja aus der jüdischen Geschichte kennt, kommt die Zahl Sieben vor. Von dem eiebenarmigen Leuchter im Tempel in Jerusalem gibt es eine Abbildung aus aller Zeit; sie ist auf dem Titusbogen in Rom, einer Triumphpforte für die Besieger der Juden, die auch die Tempelschätze erbeutet hallen, zu sehen. Da ist der siebenarmige Leuchter so abgebildet, dass die Lichter, wie beim Chanukkaleuchler, nebeneinander in einer Reihe stehen. Aber das Bild am Ti lusbogen ist wahrscheinlich nicht ganz genau. Vielmehr darf man annehmen, dass die Lichter so angeordnet waren wie die sieben Punkte in Abb. 1, nämlich sechs im Kreis um das siebente, und der Bildhauer in Rom hat seine Abbildung nur so gemacht, weil er den Leuchter im Triumphzug des Titus nur von weitem und von der Seile gesehen hat. Aus der Beschreibung des siobenarmigen Leuchters in der Bibel kann man nicht ganz eindeutig entnehmen, ob die Lichter in einer Reihe oder im ‘Kreise standen, wie die Ecken des Mögen Dovid, und die Gelehrten streiten sich darüber. Aber das wichtigste für uns ist, dass die merkwürdige Zahl Lieben auch hier eine Rolle spielt. K. L. W. Anficht Vryv^ Ganz unter uns gesprochen, sagt mal selber, staunt ihr nicht Bauklötzer, dass das, was ihr jetzt hier eben zu lesen anfangt, nicht an fängt mit „Es war einmal“ oder mit „Ein Rabbi ging“ usw.? Nein, Hand aufs Herz, jetzt wollen wir mal von ernsten Dingen reden, die sich die Grossen nicht träumen lassen, jetzt wollen wir den Erwachsenen mal ganz ohne Märchen und Geflunker auf die Fersen treten, dass es nur so quietscht. Wir machen eine Verschwörung, aber wir fangen gleich richtig an. Seht mal, da gibt es so merkwürdige Dinge, die den Erwachsenen passieren und die wir Nichterwachsenen uns nicht leisten dürfen, sonst werden wir nicht versetzt. Wenn unsereins sich beispielsweise verschreibt, im Aufsatz oder im Diktat, dann setzt der Lehrer gleich einen roten Strich an den Rand, dass es einem blau vor den Augen wird. Aber wenn der Vater einen Geschäftsbrief bekommt, dann sind gewöhnlich ein paar Tippfehler darin, und am weissen Rand ist doch keine Spur von einem Rotstift zu finden, und dem Tippfräulein, das doch meistens ganz erwachsen ist, sagt niemand einen Ton. Und wenn die Zeitung kommt, dann hagelt’s manchmal Druckfehler, und wer kräht danach? Kein Hahn. Aber deswegen fällt es uns nicht ein zu glauben, dass es so in Ordnung ist, nur weil gerade kein Hahn kräht, im Gegenteil, wenn wir gross sind, dann soll uns kein solcher Fehler passieren. Aber wie macht man das? Eben dazu haben wir unsere Verschwörung. Offen gestanden, wir sind nicht die einzigen, wir haben da ein paar ganz gewiegte Helfershelfer in dieser Verschwörung, die schon eine ganze Zeit an der Arbeit sind. Da ist so ein Professor, der hat seinen Studenten, lauter angehenden Architekten und Ingenieuren, folgende Frage vorgelegt: Wenn zehn Arbeiter eine Arbeit in d r e i s s i g Stunden vollenden, wieviel Zeit brauchen dann für die gleiche Arbeit h u n - der t Arbeiter? Wenn er uns das gefragt hätte, dann hätten wir wahr-, soheinüch: „drei Stunden“ geantwortet, und von uns wäre das vielleicht verständlich gewesen, denn man fragt uns ja viele Fragen, worauf wir ähnlich zu antworten haben. Die angehenden Ingenieure und Architekten aber hätten die Frage als unsinnig zurückweisen müssen, schnauzte der Professor, denn, meine Herren, stellen Sie sich zum Beispiel vor, dass „die Arbeit“ das Ausschachten eines Brunnens wäre, ja, wie sollten denn da hundert Arbeiter mitmachen? Und dann arbeiten die Arbeiter ja doch nicht jeder gleich schnell usw. Wie sinnlos die Frage ist, merkt jeder, wenn man sie so stellt: Wenn zehn Arbeiter eine Arbeit in dre 1 8 8 ig Stunden vollenden, wieviel Zeit brauchen dann für die gleiche Arbeit zehn Millionen Arbeiter? Verstanden? Und jetzt sind wir schon mitten in unserer Verschwörung. Warum haben die angehenden Ingenieure drauflos gerechnet, anstatt die Frage zurückzuweisen? Warum tippt das Tippfräulein verkehrt, warum macht der Zeitungssetzer Druckfehler? Aber wir wollen unsere fehlermachenden Erwachsenen erst noch besser aufs Korn nehmen. Uns kann doch niemand weismachen, wir meinen: kein Erwachsener kann uns weismachen, dass er in der Schule nicht Geographie gelernt hätte, nicht wahr? Nun, die Geographie-Studenten haben gewiss Geographie gelernt, und einigen Hundert von ihnen wurde ein solcher Zettel übergeben, wie wir ihn hier nachbilden. Bevor wir weiterlesen, versuchen wir selbst, die darin gestellten Aufgaben zu lösen. Es ist doch ganz einfach, nicht wahr? Und besonders für Geographiestudenten. 'Aber von je hundert von ihnen konnten etwa neunzig die Aufgaben nicht richtig lösen. Warum? Man könnte meinen, die guten Leute* hätten eben viel vergessen von dem, was sie einmal gelernt haben. Aber das ist nicht ganz richtig. Wenn man einen bei einer anderen Gelegenheit fragte, was er sich dächte, wenn er das Wort Kordilleren hörte, so sagte er prompt: Gebirge in Südamerika. Amazonenstrom? Fluss in Südamerika. Montevideo? Stadt in Südamerika. Also ganz vergessen? Keineswegs, er weiss ja, was der Amazonenstrom ist, auch ungefähr, wo er ist. Und kann ihn doch nicht einzeichnen? Jetzt haben wir ihn am Schlafittchen: der gute Mann hat nur ein halbes Wissen, ein ungefähres Wissen um die Tatsachen, statt des Wissens der Tatsachen ein Scheinwissen. Es ist nicht sein Gedächtnis, dem etwas abhanden gekommen ist, sondern sein Wissen war von Anfang an scheinbar, Scheinwissen, er hat es sich in der Schule nämlich nur zum Schein, nur so obenhin angeeignet, und wie ihr seht, ist er bisher so durchgerutscht. In Wirklichkeit hat er nie genau gewusst, wo der Amazonenstrom fliesst, aber weil er auch nicht wusste, dass er es nicht genau wusste, hat er jahraus, jahrein mit dem besten Gewissen immer mal wieder das Wort Amazonenstrom verwendet, und so machen es die meisten Menschen, nicht bloss mit dem Amazonenstrom, sondern mit vielen Dingen, von denen sie sprechen. Du sichst hier den schematischen Umritt von Südamerika. Du sollst die untenstehenden Gebirge, Städte, Flüsse und Länder cinzeiohnen. Du setzt dann stets die linke Nummer in die Zeichnung. Weißt Du es nicht, so machst Du ein Fragezeichen hinter das betreffende Wort. \ Als Zickzacklinie Anden j einzeichnen \ \ Als Punkte lala- I einzeichnen Hand \ Als Striche Rom J fiiuzftichiieu 7. Buenos Aires 8. Rio de Janeiro 9. Montevideo 10. Santos 11. Argentinien 12. Brasilien 13. Peru 14. Chile 15. Kolumbien . Als Striche einzcichnen Grenzen einzeichnen und in die Mitte Nummer setzen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.