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Central-Verein-Zeitung · 1937-07-29 · 30 (29.7.1937) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
30 (29.7.1937)
Date
1937-07-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite4 C.-V.-Zeitung Nr. 30 * 29JuIH937 Bildungsarbeit Von Dr. Selig Auerbach, Bezirksrabbiner in Recklinghausen Seit vier Jahren ist das Judentum Deutschlands in seinem geistigen Schaffen auf sich gestellt. Seit vier Jahren bemühen sich die in Deutschland lebenden Juden um ihr Judentum. Und wenn in diesen Tagen die Bilanz dieses Schaffens und Mühens gezogen wird, so wird meist resigniert festgestellt, dass sich nicht erfüllt hat, was man 1933 bei der ersten, meist hingebungsvollen Begegnung zwischen Juden und Judentum erwartete. Besonders aus den Klein- und Mittelgemeinden werden die Klagen über die Stagnation laut, während in den Grossgemeinden der „Betrieb" über die beträchtliche Zahl der Abseitsstehenden oder der Wiederabseitsstehenden hinwegtäuscht. Diese Klagen gelten insbesondere dem Lernen im Sinne des liimaud ulelammed. Diese Klagen sind zu beheben, wenn die Lernarbeit nur richtig aufgezogen wird. Gewiss gibt es einen grossen Kreis von Menschen, der für keine intensive geistige Arbeit zu gewinnen ist. Es sind dies einmal Menschen, die bestenfalls nur mitreden wollen, zum anderen solche, die durch die Aufregung und Sorge des Berufs so in Anspruch genommen, so zermürbt sind, dass sie sich trotz, guten Willens abends zu keiner geistigen Tätigkeit mehr aufraffen können. Ueber sie wollen wir den Stab nicht brechen. Vielleicht sollten für sie Kurse mit besonders leichter Fasslichkeit eingerichtet werden. Als ich mein Amt im heutigen Wirkungskreis übernahm, muss^e ich mir auf dem Gebiet geistiger Fortbildung erst alles schaffen. Nachdem sich die erste Begeisterung für das Neue gelegt hatte, kristallisierten sich drei Lernkreise heraus, von denen jeder sich eines befriedigenden Zuspruches ununterbrochen erfreut. Es handelt sich um einen Midraschs c h i u r. um einen Chumi'schschiur und um eine Arbeitsgemeinschaft über die T e f i 11 o h. Am wertvollsten erscheint mir der Chumischschiur. Einmal, weil ihm ein verhältnismässig zeitlich unbegrenzter Raum gewährt ist; dann aber auch, weil er eine wirkliche Arbeitsgemeinschaft ist. Es wird jeweilig ein im voraus" bekannter Abschnitt der Wochensidrah an Hand des Textes und der hauptsächlichen Kommentatoren Vers um Vers durchgenommen, wobei natürlich bei den Mitlernenden keinerlei oder keine zu grossen Kenntnisse vorausgesetzt werden dürfen. An fast jeden Vers entspinnt sich eine Diskussion, die z. T. neben den festgesetzten Schiurabenden einen weiteren eigenen Ausspracheabend erforderlich machte. Trotz zweijähriger Dauer hat nach der Konsolidierung des Hörerkreises dieser nicht ab-, sondern zugenommen. Etwas anders liegt es bei den anderen beiden Kursen, weil ein wesentlicher Teil der Hörer durch den Besucherkreis des Gottesdienstes bestimmt ist. Der Midraschs c h i u r findet in Form eines Lehrvortrages im Anschluss an den Freitagabend-Gottesdienst statt. Sinn dieses Kursus ist Kenntnisgeben von der jüdischen Ethik, besonders auch in der praktischen Ausübung mehr oder minder vernachlässigter Religionsvorschriften. So dient dieser Lehrvortrag auch dem Mussar. Er soll aufrütteln, soll zeigen, wie manches, was uns bedrückt, uns fehlt, bei uns vernachlässigt wird, auch schon in früherer Zeit die Geister beschäftigte und diese damit fertig wurden. Ebenfalls in der Synagoge, aber in zwangloserer Form, nicht von der Kanzel herab, findet die Arbeitsgemeinschaft über die Tefilloh statt. Der heutige Jude will und muss wieder beten lernen. Dazu muss er zumeist die Gebete kennen, nicht nur in ihrem Wortlaut, sondern noch mehr in ihrem Geist, in dem Sinn ihrer Bedeutung und aus dem Anlass ihrer Entstehung. In dieser Weise kann in fast allen Gemeinden gearbeitet werden, auch in kleinen. Meine Gemeinde zählt 17 Familien. Wir haben also noch genug Wirkungsmöglichkeiten auf dem Gebiete jüdischer Bildung, wenn wir nicht selbstgenügsam sind und nicht resignieren. Dass neben der eigentlichen Lernarbeit, die die Grundlage bilden muss, die grossen Veranstaltungen der Vorträge u. ä. nicht vernachlässigt werden sollen, ist selbstverständlich. Auch jüdische Kunst gehört zur jüdischen Bildung, und hier bietet sich unseren Kulturbünden ein grosses Feld. Sie müssen noch mehr als bisher in die Klein- und Mittelgemeinden gehen und dort die Menschen um sich sammeln. Freilich werden sie weniger jüdisches Wissen als jüdisches Erleben vermitteln. Aber auch das ist notwendig, denn das Wissen kann des Erlebens nicht entraten, und mancher kann über das Erleben zum Wissen geführt werden. Ueber die Möglichkeit dieses Weges kann in diesem Rahmen nicht gesprochen werden. Es sollte nur gesagt werden, dass Kulturbund, Vortrag und Kleinarbeit des Lernens alle dem gleichen Ziele der Festigung jüdischer Tradition in uns dienen sollen, damit wir in unserem Judentum unseren Lebenshalt finden. Anträge auf Nachsendung Beschwerden über das Ausbleiben der C.-V.- Zeitung, Umleitewämche sind stets dem zuständigen Postamt (Zeitungsstelle) zu unterbreiten. Die Bezugsgebühren sind an den Briefträger zu zahlen Ein jüdisches Settlement in London-Whitechapel London, Juni 1937. Aus kleinsten Anfängen heraus, mit einem einzigen Raum ist das „Bernhard Baron St. George's J e w i s h Settlement" in Whitechapel entstanden, das heute ein nicht mehr fortzudenkender Faktor im jüdischen wie im englischen Kulturleben ist. Der Anfang des Settlements ist der Klub für 14- bis 16jähr-ge Jungen, den Basil Hendriques, noch heute der warmherzige Leiter und Förderer des Settlements, im Jahre 1514 geschaffen hat. Im Laufe der Jahre ist dann das jetzige Settlement entstanden, das täglich über 300 "Menschen betreut: Kleinkinder, Schulkinder, Jugendliche Erwachsene. Das grösste Kontingent stellen die Jugendlichen, Jungen und Mädels. 1931 kam zu"'dem nun schon viele Jahre bewohnten vierstöckigem Haus in der Bernerstreet ein gegenüberliegendes slum, das der damalige Prince of Wales instandsetzen Hess und feierlich eröffnete. Dies Haus war der Anfang des slum-clearing, dem die Instandsetzung anderer slums, gefolgt ist. Das Settlement wird fast ausschliesslich aus Spenden erhalten, jährlich fliessen ihm an freiwilligen Gaben 8000 Pfund zu. Aber aus erzieherischen Gründen werden die Betreuten angehalten, als Mitglieder des Settlements-Clubs einen kleinen Beitrag nach ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten von einem. halben bis zu sechs Pennies wöchentlich zu zahlen. Fast alle Helfer arbeiten unentgeltlich, viele von ihnen sind frühere Klubmitglieder. Acht bis zehn Sozialpfleger wohnen laufend im Settlement. Es ist den ganzen Tag geöffnet: am Vormittag der Säüglingsfürsorge mit Vorträgen, am Nachmittag dem Kindergarten für Kinder bis zu neun Jahren und von 1% bis 10 Uhr am Abend den Jugendlichen. Ihnen stehen Klubräume und Werkstätten zur Verfügung. Da sind die Klubräume, in denen wir Jugendliche Schach und Tischtennis spielen sehen, der Musik- und der Malraum; da ist ihre Kantine, in der sie Obst und Schokolade und Sandwiches zu sehr kleinen Preisen kaufen können und an hübsch gedeckten Tischen sitzen, da ist der Tanzsaal, in dem.einmal wöchentlich die über Neunzehnjährigen mit ihren Gästen aus dem Wohnviertel tanzen können. Und da sind ihre Werkstätten für Metall, Holz, Buchbinden, die Wasch- und Plätträume für die Mädchen, die Bade-, Dusch- und Ankleideräume und das- Arztzimmer mit Medikamenten und allen Vorrichtungen für erste Hilfe. (Das Settlement hat eine eigene Krankenversicherung mit 250 Mitgliedern.) Und da ist — last not least — der Stolz der Jungen und Mädels: der weite und gut gepflegte Dachgarten. Die Klubs werden von den Jugendlichen selbst verwaltet. Sie wählen einmal im Jahr ihre Vertreter, die die Klubgeschäfte zu erledigen und für Disziplin bei der Arbeit und in der Gemeinschaft zu sorgen haben. Auf Disziplinlosigkeit werden Strafen angesetzt, die bis zu einer Woche Ausschluss auf dem Settlement verfügen. Zu einem völligen Ausschluss aber, der mitunter von den jugendlichen Richtern gefordert wird, kommt es nie, da die sichtbare und unsichtbare Führung der Lehrer und des Leiters, den Jungen durch gute Kameradschaft verbunden, das zu verhindern weiss. Die weltanschauliche Richtung des Settlements ist eine jüdisch-liberale. Das Settlement — die einzige liberale Gemeinde in Whitechaple — hat mit über 1000 Mitgliedern eine eigene liberale Synagoge, in der zuweilen auch Predigten von Nichtjuden stattfinden. Die vo«i Settlement Betreuten aber kommen fast ausschliesslich aus ostjüdisch-orthodoxem Milieu, sprechen häufig nur Jiddisch und haben mituuter ausser der Kenntnis des Cheders und der Gebete weder Kenntnis noch Beziehung weder zur jüdischen noch zur englischen Geschichte und Kuliur. Hier ausgleichend und fördernd zu wirken und die ihr anvertraute Jugend zur Leistung für die Gemeinschaft zu erziehen, sehen Leiter und Helfer des jüdischen Settlements als ihre Aufgabe. _____ FM" Vom ersten Friedhof der Juden in Amerika Weit unten im Ostviertel der Stadt New-York, ganz nahe dem Chinesenviertel, liegt der erste jüdische Friedhof Amerikas, eingebettet zwischen alten Häusern. Steinplatten, Sarkophage und aufstrebende Steine sind hier im wilden Durcheinander,, dazwischen wachsen Blumen und Sträucher. Die Soldatengräber sind mit kleinen amerikanischen Flaggen geziert. Rabbiner, Dok- KALENDER August 1937 Aw5697 6. Freitag 7. Sonnabend 29. Jörn Kippur Katan 30. 1. TaS Rösch Chodesch Wochenabschnitt: Re'eh 5. B. M, 11,26—16,17 und 4. B. 15. 28,4-15 Haftara: Jes. 86 " Ellul 5697 8. Sonntag 14. Sonnabend 1. 2. Tag Rosch Chodesch 2 Wochenabschnitt: Schoftim 5. B. M. 16,18—21,9 Haftara: Jes. 51,12—52,12 . 21. Sonnabend 14.-Wochenabschnitt: Ki teze 5. B. M. 21,10—25,19 . Haftara: Jes. '54,1-10 28. Sonnabend 21 Wochenabschnitt: Ki tawo 5. B. M. 26,1 — 29,8 Haftara: Jes. 60 29. Sonntag 22. Beginn der Slichoth tores, ein Don Jossa Sepultado, Soldaten, sie alle zeigen, dass sie dem neuen Land ein "Segen wurden. Ein schmaler Torbogen steht an der hoch umgitterten Mauer und trägt folgende Inschrift: This Tablet marks what remains of the first Jewish Cemetery in the United States concentraded in the year 1656 when it was described as outside the city. Düring the war of the revolution it was fortified by the patriots as one of the Defenses of the city. Deutsch: Diese Tafel zeigt, was vom ersten jüdischen Friedhof in den Vereinigten 'Staaten vereint auf das Jahr 1656 übrigblieb; der Friedhof lag ausserhalb der Stadt und wurde während der Revolution von den Patrioten als eine Verteidigungsstätte beiestigt. Die Friedhofsmauer zeigt die Worte: The first Cemetery of the Spanish and Portuguese Synagogue Shearith Israel in the City of New-York 1656-1833. (Deutsch: Der erste Friedhof der Spanish und Portugiesischen Synagoge Sherith Israel in der Stadt rNew-York 1656-1833.) M. Ü. Personalien In hohem Alter ist in A r t a (Griechenland) der Oberrabbiner der dortigen Jüdischen Gemeinde, SamuelDaniel, gestorben. An der Beisetzung nahmen alle Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, der griechisch-orthodoxe Bischof, der Bürgermeister der Stadt, der Polizeidirektor und Vertreter aller Zivil- und Militärbehörden teil. Der Sarg wurde von einem Ehrenbataillon der griechischen Armee begleitet, der städtische Chor sang Trauerchoräle. * In Marseille ist in hohem Alter der aus Saloniki stammende... Finanzier und Philantrop Alfred Mi zr ahi :gestorben. Er war der Gründer der „Banque de Salonique", die er jahrelang geleitet hat. Der Leitung des grossen Tabakkohzerns ,,The Commercial Company of Salonica Ltd." gehörte er bis zu seinem Tode an. Jüdische und nichtjüdische Wohlfahrtseinrichtungen wurden stets in reichem Masse von ihm gefördert. war gefallen, und es war Pflicht aller gutgesinnten Bürger der Stadt, etwas für die Stadt zu tun, Herr Nathanson hatte gerade 20 000 Taler in einer deutschen Lotterie gewonnen, er ging daran, aus Helsingör einen modernen Badeplatz zu machen. Er kaufte Land, reiste ins Ausland, um die führenden Plätze.zu besuchen, kam zurück, mietete das Schloss, errichtete Kabinen am Strande, Bazarläden im Schlosspark; in der Morgenfrühe spielte Musik auf den Baikonen des Schlosses und mittags war table d'höte in grossem Stil. Die ersten Gäste kamen, Luftschlösser wuchsen in seiner Phantasie. Die Verlobung eines hannoveranischen Generals mit einer steinreichen Dame aus Westindien gab Reklamestoff für alle Erdteile. Ein grosses Hotel wurde gebaut. Die ersehnten Könige kamen zu Gaste, Diplomaten gaben sich ein Stelldichein. Aber Herr Nathanson war festgefahren. Er ging in Konkurs und verliess die Stadt verarmt. „Marienlyst" ging für billiges Geld in fremde Hände; als „Marienlyst Kur- und Seebad" ist es noch heute der sommerliche Anziehungspunkt der guten Stadt Helsingör. „Obwohl es schief ging", so schreibt unser Gewährsmann, „verdiente Herr Nathanson doch vielleicht eine bescheidene Gedenktafel an dem Etablissement, das seine Gründung seiner Initiative und aufopfernden Energie verdankt." Es wird Abend in Helsingör, ein leichter Wind erhebt sich. Man hört die Wellen des Sundes an die Steine des Strandes schlagen. Das Wasser ist ein silbernes Grau, in dem sich der Himmel spiegelt, denn es ist die Zeit der lichten Nächte. Das Schloss hebt sich als dunkle Silhouette ab; die Mauern stehen kahl, nur das Gitterwerk der Fenster zeichnet sich deutlicher, in der Perspektive sieht man etwas von dem reichen Gesims unter dem Dache. Die Schatten werden länger, zwischen den Holundersträuchen ' geht die Wache. „Helsingör. Eine Terrasse vor dem Schlosse..." Hamlet ist gegenwärtig. Old Vic's Schauspieler spielen ihn erstmals in der Sprache Shakespeares hier am sagenhaften Schauplatz seines tragischen Leben?. Aus jedem Wort dieser gewaltigsten Dichtung spricht uns Gegenwart an. Ob Hamlet wirklich gelebt hat, war auch in Helsingör zuverlässig nicht zu erfahren; sicher ist aber, dass er noch nicht gestorben ist, so wenig wie der Dänenheld Holger Danske, der nach einer alten Sage im Schloss Kronborg schläft und dessen Bart durch einen Tisch gewachsen ist. Es ist nämlich historisch nachweisbar, dass der Steinhaufen, der sich irgendwo in Helsingör befindet und das Grab des berühmten Prinzen von Dänemark vorstellen soll, von einem benachbarten Ziegelwerk stammt, also eine historische Fälschung ist, die übrigens ganz zu Unrecht dem früher erwähnten Herrn J. S. Nathanson in die Schuhe geschoben wird (vgl. Galschiöt „Helsingör", herausgegeben Kopenhagen 1921, Seite 170, Anmerkung 1). Dr. Fritz Bauer. Shakespeare - Uebersetzung „Sein oder Nichtsein" Von Moses Mendelssohn Die erste Verdeutschung Shakespeares stammt aus dem Jahre 1741, eine TJebertragung des „Julius Cäsar" in nicht üblen Alexandrinern, dem Versmass der französischen klassischen Tragödie, und ein geistreiches Vorwort ist dieser Arbeit vorausgeschickt. Als der Cäsar-Uebersetzer seine einsame Tat vollbrachte, beherrschte Moses Mendelssohn noch nicht die deutsche Sprache. Aber bereits im Jahre 1757 leistete er die erste Shakespeare- Uebersetzung in Blankversen, dem Versmass der Urschrift — anlässlich einer Abhandlung über den „Hamlet", den er den Helden" des französischen Theaters gegenüberstellt und, da er von deren Schablone abwiche, über sie stellte. In der „Bibliothek der schönen Wissenschaften" finden wir seine Nachdichtung des berühmten Harnlet-Monologe3, vier Jahrzehnte vor der romantischen Shakespeare-Uebersetzung, des Vergleiches nicht unwert; denn neben der musischeren, klassisch gewordenen, besteht die des Vorgängers durch ihren männlich harten Tonfall, die der Knappheit und Gedrungenheit des Originaltextes ausgezeichnet gerecht wird. Mendelssohns lautet: „Sein oder Nichtsein, dieses ist die Frage! Ist's edler, im Gemüt des Schicksals Wut Und giftiges Geschoss zu dulden; oder Sein ganzes Heer von Qualen zu bekämpfen Und kämpfend zu vergehen? — Vergehen? — Schlafen! Mehr heisst es nicht. Ein süsser Schlummer ist's, Der uns von tausend Herzensangst befreit, Die dieses Fleisches Erbteil sind. — Wie würdig Des frommen Wunsches ist vergehen, schlafen! — Doch schlafen? — Nicht auch träumen? Ach, hier liegt Der Knoten; Träume, die im Todesschlaf Uns schrecken, wenn einst dies Fleisch verwest, Sind furchtbar. Diese lehren uns geduldig Des langen Lebens schweres Joch ertragen. Wer litte sonst des Glückes Schmach und Geissei, Der Stolzen Uebermut, die Tyrannei Der Mächtigen, die Qual verschmähter Liebe, Den Mißbrauch der Gesetze, und jedes Schalks Verspottung der Verdienste, mit Geduld? Könnt uns ein blosser Dolch die Ruhe schenken, Wo ist der Tor, der unter dieser Bürde des Lebens länger seufzte? — Allein Die Furcht vor dem, was nach dem Tode folgt, Das Land, von da kein Reisender zurück Auf Erden kam, entwaffnen unsern Mut. Wir leiden lieber hier bewusste Qual, Eh' wir in jene Ungewissheit fliehen. — So macht uns alle das Gewissen feige! . Die Ueberlegung kränkt mit bleicher Farbe Das Angesicht des feurigsten Entschlusses, Dies unterbricht die grösste Unternehmung In ihrem Lauf, und jede wichtige Tat Erstirbt..." Eä entbehrt nicht der historischen Ironie, dass gerade Gundolf in seiner Monographie über die Shakespeare-Rezeption die Mendelssohnsche Arbeit nicht erwähnt. .(Mitgeteilt von Lutz Weltmann.); Das Rafobinerseminar in Rhodos Der neue Gouverneur der Insel Rhodos, Conte D. Vecchi di Val Cismon, einer der höchsten faschistischen Würdenträger, persönlicher Freund und Mitarbeiter Mussolinis und Mitglied des Quadrumvirats, das die faschistische Bewegung gegründet bat, stattete, wie die ITA meldet, nach seinem Amtsantritt dem Rabbinerseminar in Rhodos einen Besuch ab. In Beantwortung einer Begrüssungsansprache eines Hörers erklärte der Gouverneur: „Ich bin an dieser Hochschule nicht nur interessiert, weil sie meiner Jurisdiktion als Gouverneur unterliegt, sondern hauptsächlich, weil sie eine religiöse Institution ist. Selbst ein zutiefst Gläubiger, empfinde ich die höchste Achtung für alle anderen Glaubensbekenntnisse. Die kgl. Regierung und ihr hiesiger Vertreter, der Gouverneur, verfolgen ihre Arbeit mit grösster Sympathie. Euch glaubenserfüllten jungen Männern kann ich versichern, dass Italien kein Imperium sein könnte, wenn es. nicht Achtung hätte für alle religiösen Bekenntnisse der Völker, die unter seinem Schutz leben." Das am 20. September 1927 gegründete Rabbinerseminar von Rhodos wird von der italienischen Regierung und von der Jüdischen Gemeinde in Rhodos erhalten. Das Haus, in dem es untergebracht ist, ist die ehemalige Residenz des Wali (türkischer Gouverneur). Es gehört dem Staat, der nur eine Anerkennungsmiete von einer Lire pro Jahr erhebt. Ausserdem gewährt der Staat der Hochschule eine Jahressubvention von 70 000 Lire. In dem Seminar sind bisher fünfzehn Hörer zu Rabbinern ausgebildet worden. Von den Absolventen ist einer Vorsitzender des Bet Din von Rhodos und Hebräisch- Lehrer, ein anderer ist Rabbiner in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo, ein dritter setzt seine judaistischen Studien an der Hebärischen Uni- YßTsität in Jerusalem fort. Auch die übrigen Absolventen haben eine ihrer Ausbildung entsprechende Laufbahn jringejsphlageofc

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