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Central-Verein-Zeitung · 1937-07-22 · 29 (22.7.1937) · page 17

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
29 (22.7.1937)
Date
1937-07-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 29 C-V.- Zeitung WIRTSCHAFT DER WOC Seite 17 22. Juli 193Z Zahlen zur Auswanderung In Nr. 20 der C.-V.-Zeitung hatten wir die Auswanderungsstatistik wiedergegeben, die in „Wirtschaft und Statistik" für das ganze Jahr 1936 veröffentlicht wurde. Nunmehr liegen in der gleichen Zeitschrift (Heft Nr. 11, 1937) bereits die Ergebnisse über den überseeischen Wanderungs- und Reiseverkehr im ersten Vierteljahr 1937 vor. Uns Juden interessieren dabei wieder im wesentlichen die Zahlen der Ueberseewanderung. Sie dürften nach wie vor zu einem sehr erheblichen Teil jüdische Menschen umfassen und stellen somit einen wichtigen Ausschnitt aus der gesamten jüdischen Aus Wanderungsbewegung dar. Es bleibt aber zu beachten, dass es sich nur um einen Ausschnitt handelt, denn die Statistik erfasst nur Auswanderer über die wesentlichsten deutschen und ausserdeutschen Nordseehäfen, so dass wichtige andere Ausgangspunkte der Auswanderung (insbesondere die Mittelmeerhäien) nicht mit berücksichtigt sind. Diesmal ist noch eine weitere Einschränkung zu machen, denn von ausserdeutschen Häfen lagen für das erste Vierteljahr 1937 nur die Ziffern der Auswanderung über Rotterdam vor, während diejenigen von Antwerpen und Amsterdam noch fehlten. Hierauf mag es auch zu einem Teil zurückzuführen sein, dass die Auswanderung über die Nordseehäfen im ersten Vierteljahr 1937 vier Prozent geringer, als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres war, wobei interessant *.st, dass sich der Rückgang auf den Monat Februar (weniger 30 Prozent) beschränkt, während im Januar und März die Auswanderung lebhafter als im Vorjahr war. Die absolute Zahl der im ersten Vierteljahr 1937 in den genannten Häfen gezählten Auswanderer betrug 2539 Reichsdeutsche, die sich nach Uebersee (also nicht die Eüropawanderung) gewandt haben. In den zwölf Monaten vom 1. April 1936 bis 31. März 1937 war trotz des erwähnten kleinen Rückganges im ersten Quartal 1937 die Zahl der reichsdeutschen Auswanderer um 2458 höher als im entsprechenden Zeitraum vorher. Von 100 reichsdeutschen überseeischen Auswanderern gehörten in der Zeit von Januar bis März 1937 mehr als die Hälfte dem weiblichen Geschlecht an. Der starke Anteil des weiblichen Geschlechts an der Auswanderung war schon in den vorhergehenden Zeiträumen festzustellen, wenn er allerdings auch im Zurückgehen begriffen zu sein scheint. Wie schon in den früheren Berichtsperioden, so stand auch im ersten Vierteljahr 1937 die Auswanderung nach Nordamerika an der Spitze der über die erfassten Nordseehäfen erfolgten Auswanderung. Das hat selbstverständlich zum Teil seine Ursache darin, dass der Verkehr nach den Vereinigten Staaten sich im wesentlichen nur über diese Ausgangspunkte abwickelt. Rund 60 Prozent der reichsdeutschen Auswanderer (1455 Personen) hatten die Vereinigten Staaten von Nordamerika zum Wanderungsziel gewählt. Gegenüber dem ersten Vierteljahr 1936 ist hier allerdings ein Rückgang festzustellen; damals betrug die Prozentziffer 70 Prozent und die absolute Zahl 1744 Personen. Es kann sich hierbei natürlich auch um eine zufällige Verminderung handeln. Ob ihr darüber hinaus strukturelle Bedeutung beizumessen ist, wird sich erst im weiteren Verlauf der überseeischen Wanderungsbewegung für das Jahr 1937 zeigen können. Als Auswanderungsziel stand an zweiter Stelle auch jetzt wieder Südamerika, wohin sich ungefähr ein Drittel der über die Nordseehäfen auswandernden Reichsdeutschen (746 Personen) wandte. Davon gingen 381 nach 0 Argentinien und 203 nach Brasilien. Die grösste Zahl an reichsdeutschen Auswanderern stellte auch im ersten Vierteljahr 1937 mit 1296 wieder Pieussen, es folgt Bayern (271), Baden (216), Hamburg (202), Württemberg (157), Hessen (95), Sachsen (74), Thüringen (50) usw. Die Reihenfolge ist damit ungefähr die gleiche geblieben, wie im ersten Vierteljahr 1936. In Heft 7 von „Wirtschaft und Statistik" war darauf hingewiesen worden, dass die Auswanderung nach einzelnen Ländern deshalb zum Teil höher als ermittelt sei, weil auf Grund der Einwanderungsbestimmungen verschiedener überseeischer Staaten ein Teil der Auswanderer nur als Reisende mit vorübergehender Aufenthaltsgenehmigung, für die die Einreisegenehmigung leichter erteilt werde, erfasst werden könne. Diese Anmerkung dürfte auch für die vorliegenden Ziffern noch Gültigkeit haben. hw. Die Entwicklung der Uebersee-Wirtschaft Alle Berichte, die in letzter Zeit aus überseeischen Ländern kamen, sprachen ziemlich einheitlich von einer weiteren Besserung der Wirtschaftslage in diesen Staaten oder doch zum mindesten von einer Stabilisierung des bisherigen günstigen Standes. Nur ganz wenige Länder machen davon eine Ausnahme, und das sind im wesentlichen solche, bei denen Sonderumstände im Spiele sind oder die, durch ihre Abhängigkeit von einem einzigen Robprodukt aufs engste mit dessen Entwicklung verknüpft sind. Zu den ersteren gehört z. B. Palästina, wo die Unruhen des vergangenen Jahres und die Ungewissheit der zukünftigen Entwicklung noch immer hemmend auf die Wirtschaftstätigkeit wirken, oder,in Südamerika Paraguay, das die Folgen des Krieges im Gran-Chaco bisher nicht völlig überwinden konnte. Zu den Ländern, bei denen die Abhängigkeit von einem Rohprodukt für die Wirtschaftslage entscheidend ist, kann man einmal Bolivien rechnen, wo die geringe Zinnerzeugung die gesamtwirtschaftliche Entwicklung hemmt, ferner Ekuador, für das die Schwankungen am Kakao- und Kaffeemarkt eine Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Entwicklung bedeuten, und schliesslich Siam (geringere Reisernte). Diese Angaben, die einer Sonderbeilage zu Heft 12 von „Wirtschaft und Statistik", die die Weltwirtschaft Mitte 1937 behandelt, entstammen, zeigen, dass vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus gesehen, die Einordnungsmöglichkeiten für Einwanderer in den meisten überseeischen Ländern infolge des allgemein hohen Standes der Wirtschaftstätigkeit als im allgemeinen günstig betrachtet werden können. Die nachfolgende Zusammenstellung, die wir der bereits oben erwähnten Sonderuntersuchung entnehmen, gestattet einen ungefähren Ueberblick über die wirtschaftliche Situation in den wichtigsten Ländern. Bemerkt sei jedoch, dass wir von der interessanten Arbeit lediglich einige Angaben aus der Rubrik „Gesamtlage" verwenden. Für jedes Land werden darüber hinaus noch eingehende Angaben über die Situation in den einzelnen Wirtschaftszweigen (Industrie, Landwirtschaft, Aussenhandel, Preise. Kredit, Währung, Staatsfinanzen, Wirtschaftspolitik) gegeben, die für Auswanderungsprojekte unter Umständen von grosser Bedeutung sein können, und auf die deshalb ausdrücklich aufmerksam gemacht sei. Unter der Rubrik ^Industrieländer" erscheinen zwei überseeische Staaten: Japan: Fortdauernde Prosperität bei nicht unbedenklichen Spannungen. Sinkende Reallöhne führen zu Lohnforderungen (zum Teil unter Streiks), die sich teilweise bereits durchzusetzen beginnen. Selbstkosten der japanischen Wirtschaft infolge Lohnerhöhungen und verteuerter Einfuhr, im Wachsen, Vereinigte Staaten von Amerika: AuFschwungstempo hält unvermindert an. Hohe. Investitionen und hoher Auftragsbestand der Industrie im Verein mit befriedigender Lage an den Kreditmärkten sichert lebhaften Geschäftsgang noch auf längere Zeit. Gewisse Gefahren drohen der Wirtschaft jedoch aus den sozialen Spannungen, die jüngst sehr stark in Erscheinung traten (Streikwellen). Grösser ist die Zahl der aussereuropäischen bzw. überseeischen Agrar- und Rohstoffländer, die in der Zusammenstellung behandelt werden. Ausser den nachstehend im einzelnen aufgeführten Staaten ist auch in nachstehenden Gebieten eine weitere Besserung der Wirtschaftslage zu konstatieren: Britisch-Indien, Britisch-Malaya, Ceylon, China, Iran, Niederländisch-Indien und Aegypten. Für die Auswanderung wichtiger sind folgende Länder; hierbei führen wir die bereits eingangs erwähnten Gebiete mit weniger günstiger Wirtschaftslage aus Raumgründen im einzelnen nicht mehr auf: Argentinien: Allgemeiner Wirtschaftsaufschwung setzt sich kräftig fort, getragen von anhaltend günstiger Ausfuhrentwicklung, steigender Kapitaleinfuhr, gesicherter Finanz- und Währungslage. Brasilien: Binnenkonjunktur greift mehr und mehr auf bisher zurückgebliebene Zweige der Wirtschaft über, seitdem wachsender Weltrohstoffbedarf, der auch die Ausfuhr kräftig belebte. Nach Besserung der Finanzlage bilden nur noch die anhaltenden Schwierigkeiten in der Kaffeewirtschaft einen schwer zu beseitigenden Störungsfaktor. Canada: Aufschwung hält an bei guter Ausfuhrlage für landwirtschaftliche und industrielle Rohstoffe. Chile: Auftriebskräfte unter dem Einfluss der Hausse an den Rohstoffmärkten wieder verstärkt. Kupfer im Mittelpunkt. Soziale Spannungen infolge anhaltender starker Preissteigerung bestehen jedoch fort. Columbien: Wirtschaftsanstieg setzt sich unter geringen Schwankungen fori. Im allgemeinen erhöhte Umsatztätigkeit bei steigenden Preisen. Steigender Bedarf der Industrie an Rohprodukten und Halbfertigwaren durch erhöhte Einfuhr gedeckt. Cuba: Mitte Januar begonnene Zuckermahlsaison wirkt sich günstig auf alle Geschäftszweige aus. Mexiko: Aufwärtsbewegung seit Ende vorigen Jahres verstärkt. Mittelamerika: Infolge befriedigender Kaffeesaison Wirtschaftslage gegen Vorjahr überwiegend gebessert, in Honduras jedoch, teilweise infolge von Unruhen und allgemeiner Unsicherheit, noch gedrückt. Peru: Starke Aufwärtsbewegung vor allem infolge steigender Weltmarktpreise für wichtige Ausfuhrerzeugnisse. Uruguay: Bei fortgesetzt steigenden Umsätzen im Inland und günstiger Exportlage, vor allem im Wollgeschäft setzt sich der Aufschwung fort. Venezuela: Wirtschaftsbelebung hält an, jedoch seit März, vor allem infolge stockender Kaffee- und Kakaoausführ, leicht abgeschwächt. Starke Bemühungen der Regierung, die Belebung zu verstärken. Union von Südafrika: Aufschwung setzt sich fort. Zunehmende Industrialisierung. Australischer Bund: Kräftige Erholung, getragen von der Rohstoffhausse. Neuseeland: Wi>tschaftsaufschwung' setzt sich fort auf der Grundlage steigender Erlöse für Ausfuhrerzeugnisse. Diese Zusammenstellung lässt nicht nur die allgemein günstige Wirtschaftslage der behandelten Länder erkennen, sondern gleichzeitig die für ihre wirtschaftliche Situation schon immer geltende besondere Problematik, die nicht übersehen werden darf: starke bis stärkste Abhängigkeit von der Weltwirtschaft und dem Welthandel dadurch, dass die für sie entscheidende Lage der in ihnen gefundenen oder angebauten Rohstoffe zu einem sehr entscheidenden Teil von den Ausfuhrmöglichkeiten und damn't der Aufnahmefähigkeit der vornehmlich europäischen Industrieländer abhängt. h. w. Anfechtung der Ehe In einem Urteil stellt das Reichsgericht fest, der Irrtum eines Ehegatten darüber, dass der andere Ehegatte kein jüdischer Mischling, sondern Volljude sei, berechtige zur Anfechtung der Ehe. Die Tatsache der rein jüdischen und nicht gemischten Abstammung stelle eine persönliche Eigenschaft dar, die einen Deutschblütigen wegen der Bedeutung der Rasse bei verständiger Würdigung des Wesens der Ehe von einer Heirat abhalten könne. Der Kläger dürfe natürlich seinen Irrtum nicht länger als sechs Monate vor Erhebung seiner Klage "gekannt haben. Offene Auslandsstellen zur Besetzung genehmigt durch das Landesarbeitsamt Brandenburg. Gesucht wird für Wirkwarenfabrik (Rundstühle) ein jüdischer Rundstuhlmeister, der in Kettenstühlen, wie auch Interlockmaschinen gewandt ist Ausführliche Bewerbungen auf Dünnpapier mit Zeugnisabschriften, Lebenslauf und Passbild werden weitergeleitet durch die Jüdische Gemeinde, Berlin SW19, Lindenetrasse 48—50. mi Iii Geben Sie diesen Bestellzettel Ihren §11 Bekannten, die die C*~V.-Zeitung üi noch nicht lesen! Senden Sie mir bis auf Widerruf die C-V.-Zeitung 66 Pfennig für August und September zahle ich bei Vorlage der Postquittung an den Briefträger. Die beiden letzten Julinummern gehen mir kostenlos zu. Name: Ort:_ Strasse:_ Ausschneiden und mir 3 Pfg. frankiert (oder auch unfrankiert) senden an: C.-V.-Zeftung, Vertrieb, Berlin W 15, Emser Strasse 42. Tel. 92 81 41. Aus dem Arbeitsrecht Verhältnis zwischen Betriefes¬ und Tarifordnung Die Betriebs- und die Tarifordnung gehören ihrer Begriffsbestimmung nach zu den Gesamtarbeitsverträgen, das heisst sie wollen, im Gegensatz zu dem Einzelarbeitsvertrag, die Arbeitsbedingungen für eine Mehrheit von Beschäftigten regeln, und zwar die Betriebsordnung für die "Gefolgschaft eines Betriebes, die Tarifordnung für bestimmte Wirtschaftsgebiete oder Wlrischaxtsgruppen. Dass der Einzelarb ei ts vertrag in seinem Inhalt von den Gesamtarbeitsverträgen beeinflusst wird, ist wohl bereits Gemeingut geworden. Viel schwieriger jedoch ist oft die Frage nach dem Verhältnis zwischen Betriebs- 1837 100 1S37 Ernst Lochner & Horkheimer Frankfurt a. M., Liebfrauenljerg 89, 1. Stock. Tel. 29288 KerrensMfe in den altbekannt ersten Qualitäten und Tarifordnung. Welche von beiden Ordnungen hat den Vorrang zu beanspruchen, wenn sie in gewissen Teilen "kollidieren*? Zunächst ist daran festzuhalten, dassdie Bestimmungen der Tarifordnung Mindestbedingungen sind. Die Tarifordnung ist gegenüber der Betriebsordnung die umfassendere Norm. Deshalb sind auch Bestimmungen in Betriebsordnungen, die der Tarifordnung entgegenstehen, nichtig. Sind allerdings Bestimmungen einer Betriebsordnung günstiger als die der geltenden Tarifordnung, dann stehen sie der letzteren nicht entgegen, sind also wirksam. Dies hat das Reichsarbeitsgericht neuerdings wieder ausgesprochen. Die Betriebsordnung kann aber noch einen Schritt weitergehen. Sie kann bestimmte Teile der Arbeitsbedingungen, so z. B. den Urlaub, erschöpfend regeln. Ist aus der Betriebsordnung ein solcher Wille unverkennbar zu entnehmen, dann werden — was die Rechtsprechung betont — die ungünstigeren Bedinfungen der Tarifordnung über diese rage ausser Kraft gesetzt. Damit dürfte das Verhältnis zwischen Tarif- und Betriebsordnung in seinen Grundzügen umrissen sein. Zu beachten bleibt also, dass eich grundsätzlich die Betriebsordnung der Tarifordnung unterordnen muss. Nur wenn die Betriebsordnung für die Beschäftigten günstigere Arbeitsbedingungen festsetzt, dürfen die Normen der Tarifordnung zurücktreten. mg. :StbB^£^;?Ä^^ WßMi^s^^^^mwi^^^^^^- Bankhaus GEBR. ARNHOLD BerlinW85Behrenstr. 62/63 Telephon: 11 00 46 Eigene Vertretungen in London und New York SSSSSBiSSSBSBSBBSBGBaBaBSBBBBBBBZS Bankkmu H&. SUdd Gegr. 1868 Eisen ach i. Thüringen BBBSBBBBflflBBBBBBBBSSBBBBflBBSBBBI Heinrich & Huso Marx Bankgeschäft — München gegr. 1898! In festem Auftrage i schnelientschlosien« Käu ohnhäuser gesucht / Barauszahlung / Hypotheken zu kauf. ges. 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