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Central-Verein-Zeitung · 1937-07-15 · 28 (15.7.1937) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
28 (15.7.1937)
Date
1937-07-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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y\ XVI. Jahrgang / Nr. 28 Berlin, 15. Juli 1937 Preis 10 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUNS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitang, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W 15, Emser Strasse 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 8141-45. Telegrammadresse: Centraiglanben, Berlin.. Postscheckkonto: Berlia <034i. Die C.-V.-Zeitung erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 81 Rpf. (einschl. 22,74 Rpf. Postzeitungsgebühr) zuzügl. 18 Rpf. Bestellgeld. Für Ausland vierteljährlich 2,30 RM (umgerechnet in die Landeswährung) einschl. Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.) Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Kachlieferung oder Rückvergütung <ier gezahlten Beträge. — Anzeigengebühren: Preisliste 5 gültig. Die 12gespaitene mm-Zeile 20 Rpi„ für Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise s. Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platzu. Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. «■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■^^ Mie neuen Grenzen i. A. H. Der Peelb.ericht geht alle Juden an, innerhalb Palästinas, des ungeteilten und des geteilten, und ausserhalb des Landes, Zionisten und Nichtzionisten. Ist er in die Reihe der Ereignisse einzuordnen, die zerstörend in unserer Geschichte gewirkt haben, oder ist er. den Dokumenten zuzurechnen, aus denen erneuerter jüdischer Aufbau erwachsen konnte? Mühsam erwehrt man sich der andrängenden Fülle geschichtlicher Vergleiche. Der bevorstehende Tiseho B'aw legt sie besonders nahe. Haben die Mauerreste der alten Davidsstadt vergeblich für die jüdische Sache gezeugt? Wird uns ein neuer Esra erstehen, der, wie jener grosse Neuschöpfer des jüdischen Volkes vor fast 2400 Jahren, mit dem Plan und den Vollmachten eines fremden Machthabers in der Hand, ein verarmtes, verkleinertes Land zu neuer Blüte wecken konnte, weil er vermied, die Juden zu einem Volk wie alle anderen Völker zu machen? Wird in den nüchternen Sälen von Genf jäh eine kurze Wirklichkeit zerrinnen, kaum, dass sie aus Träumen emporgestiegen war? .Ist das Judentum am Ende seiner Aufgabe, daran mitzuarbeiten, dass der jüdische Mensch Jerusalem hört den Peel-Bericht Sonderfcerieht für die C.-V.-Zeitung / Von Dr. Erwin Rawicz In dieser Nummer finden unsere Leser u. a.: Unsere Palästina-Berichterstatter melden! Ferner die Aufsäize: Die Amsterdamer Tagung der World Union for Progressive Judaism, von Dt. Heinz Kellermann. — Mein erster Fasttag, von Binjamin Segel. Die Beilagen: Das Blatt der jüdischen Frau. — Sport der Woche. — Wirtschaft der Woche. Der Briefmarkensammler. . der Gegenwart auch für ein jüdisch erschlossenes Leben in der Welt erzogen wird, weil es sich künftig darauf konzentrieren muss, ein jüdisches Staatsvolk innerhalb enger Grenzen zu schaffen? Oder ist es gerade infolge der neuen Ereignisse am Beginn einer umgestalteten und verbreiterten jüdischen Aufgabe? Ist der grosse Gedanke der Jewish Agency seines Inhalts beraubt, ehe er seine ganze Fruchtbarkeit als gesamtjüdische Einsatzstelle erweisen konnte, weil seine Aufgabe als politische Vertretung des jüdischen Volkes aufhören muss, wenn der jüdische Staat seine verfassungsmässigen Vertreter nur aus Bürgern innerhalb seiner Grenzen wählen wird? Der Peelplan hat nicht nur in die Karte Palästinas neue Linien .eingezeichnet. Er zieht für das jüdische Denken überhaupt neue Wege, er seh äfft durch seinen Gedankeninhalt jüdische Abgrenzungen, ehe er noch politisch-geographische Realität geworden ist. Man muss sich diese Fragen stellen, die der Bericht neben unzähligen anderen aufwirft. Es wäre sinnlos, auf eine Argumentation einzugehen, die solche Erörterungen als störend bezeichnet und die einen Burgfrieden verlangt, - aus dein erfahrungsgemäss nur die lauteste, und radikalste Stimme verfälschend-, repräsentativ hinaustönt. Wir glauben, da!ss es. die Kraft des jüdischen Einsatzes, den wir möglichst stark und geschlossen wünschen, für die bevorstehende entscheidende Auseinandersetzung erhöht, wenn man deutlich sagt, auf welchen Punkt man sie hinlenken will und bis zu welcher allgemeinen Rückwirkung man seinen Standpunkt verantworten kann. II. Die Systematik unserer Betrachtung ist durch die Alternative des Peelberichtes Jerusalem, den 8. Juli 1937. Am Morgen des 7. Juli wird bekannt, dass der High Commissar am Vorabend nach Jerusalem zurückgekehrt ist, er lässt sogleich bekanntgeben, dass er unmittelbar nach Verlesung der amtlichen Verlautbarungen des Berichts der Royal Commission und der neuen politischen Richtlinien des englischen Kabinetts selbst zu einer Rundfunkansprache das Wort ergreifen wird. Für 9 Uhr hiesiger Zeit ist der Beginn der Sendung festgesetzt, genau eine Stunde früher sind die Vertreter der jüdischen, arabischen und auswärtigen Presse in das Gebäude der Mandatsregierung am Damaskustor bestellt, um dort die schwerwiegenden Dokumente in Empfang zu neh- . men. Die Strassen Jerusalems, sonst um diese Stunde, wenigstens im Zentrum, menschengefüllt, sind fast leer, jeder bemüht sich, am Lautsprecher selbst Ohrenzeuge der Urteilsverkündung sein zu können. Oeffentliche Lautsprecher, wie sie sich in den letzten Jahren in Europa durchgesetzt haben, gibt es hier nicht, so ist die Ueberzahl in Privatwohnungen oder in Cafes usw. versammelt. Schlag neun Uhr beginnt — zunächst in englischer Sprache, danach in arabischer und dann in hebräischer — die Verlesung. Schon die ersten Sätze bestätigen die Gerüchte, die in den letzten Tagen immer konkreter durchgesickert waren: die Kommission empfiehlt die Beendigung des Mandats und die Schaffung souveräner, völlig unabhängiger Staaten der Juden und der Araber. Es folgt die Bekanntgabe der Stellungnahme der englischen Regierung, . die sich die Schlussfolgerungen der Königlichen Kommission im allgemeinen zu eigen macht. Und dann spricht Sir Arthur, in ruhiger, überaus sympathischer Stimme bittet er um besonnene Betrachtung der Argumente, es ist nur im Rahmen seiner wohlverstandenen Pflicht, wenn er unterstreicht, dass die Mandatsregierung etwaigen Unruhen, wo auch immer sie herkommen mögen, sofort mit aller Energie entgegentreten werde, im Falle der Notwendigkeit militärischer Intervention werde der Oberbefehl in die Hände des Kommandierenden Generals gelegt werden. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die mehrfach zum Ausdruck gebrachte Tatsache, dass die englische Regierung gewillt sei, Unruhen dieses Mal wirklich im Keime zu ersticken, ihre Wirkung nicht verfehlt hat. Aber dieser Wille zur energischen Durchsetzung der Staatsautorität, wenn nötig unter Zuhilfenahme der vorhandenen militärischen Machtmittel, 'ist es nicht allein, der bisher glücklicherweise Streik oder politische Verbrechen im Stile der vorjährigen Unruhen verhindert hat, obzwar nicht verkannt werden soll, dass die gesamte Bevölkerung an die Unerbittlichkeit eines erst einmal verhängten Ausnahmezustandes glaubt. Im arabischen Lager hat aber die Tatsache des eben erfolgten Auffliegens des sogenannten Arab Higher Committees durch das Ausscheiden der Nashashibigruppe recht ernüchternd gewirkt. Wenn auch der Mufti, in seiner künftigen Stellung politischer Natur bedroht, heute neben anderen Repräsentanten der Bevölkerung vom High Commissioner empfangen wurde, so ist er durch die Loslösung der „Verteidigungspartei" bereits jetzt in seiner Machtausübung sehr beschränkt, ein Faktum, das zur Entgiftung der Atmosphäre ihr Gutteil beiträgt. Und noch ein drittes trägt zur Beruhigung bei, vielleicht nicht nur zu einer Augenblicksberuhigung. Das ist die Tatsache, wie der nun gedruckt vorliegende Auszug des Berichts der Königlichen Kommission aufgenommen worden ist. Es gibt wohl niemanden, der mit Unbefangenheit an seine Lektüre herangeht, und der nicht schon nach wenigen Seiten zu der Ueberzeugung gelangt, dass hier von sechs, klar sehenden Männern eine wirklich saubere, ehrlich bekennende, niemanden schonende Arbeit geleiset worden ist, eine Arbeit, die das ernsthafte Bemühen zeigt, allem gerecht zu werden, sei es in der positiven, sei es in der negativen Bewertung der Fakten, wie sie nun einmal sind. Es war sehr klug und weitschauend, dass die Regierung diesen Auszug des Berichts noch heute früh in alle Kreise der Bevölkerung gebracht hat. Es wurden nämlich sämtlichen Zeitungen des Landes — in jeder Sprache — Freiexemplare des „Summary of Report" — etwa 30 Seiten Umfang — zur Verfügung gestellt, die ohne Kosten jedem Zeitungsbezieher und jedem Käufer auf der Strasse mit in die Hand gegeben wurden. Beigefügt ist eine bunte Karte mit den vorgeschlagenen Grenzen — jeder kann sich sofort ein Bild von den praktischen Wirkungen der Vorschläge machen, jeder liest in seiner Sprache die schwerwiegenden Gründe, die die Kommission zu ihrer so überaus pessimistischen Beurteilung einer Zusammenarbeitsmöglichkeit von Arabern und Juden brachte. Niemand, der guten Willens an die Schlussfolgerungen, die Lord Peel zieht, herangeht, wird ihm und seinen Kollegen das Zeugnis verwehren, dass sie sich ehrlich mit dem Knäuel von Fragen, die sie lösen mussten, abgemüht haben. Und um diesen guten Willen bat eben Lord Peel in seiner Rundfunkansprache, die heute abend von London übertragen wurde und die auf viele ihren Eindruck nicht verfehlt haben wird. Aber bei allem Verständnis, bei aller Würdigung der Schwierigkeiten . bleiben tiefe Sorgenfalten auf den Stirnen der Juden. Gewiss ist der Gedanke eines eigenen jüdischen Staates, seine Auferstehung nach 2000 Jahren etwas, das die Seelen aufrührt, aber die geographische Wirklichkeit dieses Staates weicht doch von dem Traumbilde eines wiedererstandenen Judea weit ab. Ein jüdischer Staat ohne Jerusalem, das ist doch unvorstellbar, ein jüdischer Staat, dem alte jüdische Siedlungen nicht einverleibt werden sollen, ein Torso, ein so schmales Land kann doch selbst die dringendsten Immigrationshoffnungen nicht erfüllen, die nach jüdischer Auffassung das soviel grössere Palästina und das transjordanische Hinterland ohne Schädigung der arabischen Mitmenschen hätte bewältigen können. Zu diesen territorialen tiefen Sorgen kommt die unmittelbar wirksam werdende Beschränkung der Einwanderung auf 1000 Menschen monatlich für alle Kategorien; es sei daran erinnert, dass 1935 etwa 5000 Menschen im Monat Aufnahme in Palästina gefunden haben! Aber über allen diesen Beklemmungen steht die jüdische Selbstdisziplin,, die nicht von oben her befohlen zu werden braucht, sondern die aus sich heraus da ist und sich im vorigen Jahre schon bewährt hat. Auch in dieser Stunde tiefster innerer Erregung verlassen sich die Juden auf die Kraft ihrer moralischen Ansprüche, sie wissen, dass ihre anerkannten Führer das Gewicht der jüdischen Argumente in unermüdlichen Verhandlungen vorbringen werden, sie wissen, dass auch in diesem Stadium des Kampfes um Lebensraum die jüdische Zuversicht sie nicht verlassen darf, die allen Generationen jüdischer Menschen in allen Zeiten immer wieder die Kraft zum Weiterbauen an einer Zukunft für ihre Jugend ge^ geben hat. So selbstverständlich es ist, dass es von Seiten der Juden nicht zu irgendwelchen gewaltsamen Ausbrüchen derer kommt, die sich mit den Schlussfolgerungen der Kommission nicht glauben abfinden zu können, so begründet sind auch die Hoffnungen, dass im arabischen Lager die gemässigteren Elemente sich durchzusetzen scheinen. Eben wird bekannt, dass sich das bisher so radikale, nun geschwächte Arab Higher Committee, in seiner verkleinerten Form auf einen geschickten Ausweichst Standpunkt gestellt hat. Es hat nämlich beschlossen, "den Fall im grösseren Kreise zu diskutieren; d. h. nicht nur. mit den arabischen Führern in Palästina selbst, sondern mit den arabischen Königen und Fürsten des Vorderen Orients, . deren Stimme man zu hören wünscht,, bevor man' offiziell auf die neue Politik der englischen Regierung reagiert. Da die Kundgebung in einem Appell zu Ruhe und Beherrschung ausklingt, so ist zu hoffen, dass dem' Man-' datsgebiet Erschütterungen ähnlicher Art - wie im Vorjahre erspart bleiben. selbst gegeben: Judenstaat — so wie im Plan vorgezeichnet oder mit gewissen Modifikationen — auf der einen Seite; auf der anderen Seite: Fortsetzung des. Mandats in einer Form, die Paläsiina für die Bewältigung der jüdischen Situation unter Umständen ausserordentlich uninteressant machen würde. Das Echo, das der Plan in der Welt gefunden hat, ist charakteristisch. Die Objekte — Juden wie Araber — sind unzufrieden; die interessierten grossen Mächte glauben, dass ein vernünftiger Vorschlag vorliegt. Es ist müssig, metaphysische Betrachtungen über Gerechtigkeit anzustellen. Es ist schon sehr bestritten, ob die Geschichte in ihrem Verlauf Gerechtigkeit bringt. Unbestritten scheint uns zu sein, dass aktuelle politische Lösungen auf der Basis der Macht bestenfalls relativ gerecht sein können. Zweifelsöhne ist in einer Reihe von Punkten auch die relative Forderung nach einer Gerechtigkeit, soweit die jüdischen Notwendigkeiten in Frage stehen, nicht erfüllt. Blühende jüdische Siedlungen, durch jüdische Initiative und jüdisches Geld geschaffene industrielle Unternehmungen fallen ausserhalb der vorgesehenen jüdischen Grenzen. Geistige und politische Zentren der jüdischen volkiichen Erneuerung Jerusalem mit seiner Mehrzahl jüdischer Bewohner sollen Mandatsgebiet bleiben, entwertet durch den Fortfall der Balfouf-Deklaration. Die jüdische Bodenreserye wird durch die Grenzziehung im Süden minimal. Der erstrebte gesunde Aufbau der sozialen Struktur eines erneuerten jüdischen Volkes auf eigener Erde ist dadurch'erschwert, wenn nicht gar unmöglich geworden. Indem wir diese sachlichen Fragen stellen und sie damit zu Forderungen erheben, zeigen wir den Standpunkt, von dem aus wir die Behandlung des Planes auf jüdischer Seite angefasst sehen möchten und zugleich, welche Kombinationen wir ablehnen: Wir glauben nicht, dass sich unter dem Eindruck des Berichts Juden und

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