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Central-Verein-Zeitung · 1937-07-01 · 26 (1.7.1937) · page 15

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
26 (1.7.1937)
Date
1937-07-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 26 C.-V.- Zeitung WIRTSCHAFT DER WOCHE Seite 15 1. Juli 1937 Wirtschaftliches für Englandinteressenten London, Ende Juni 1937. Die englische Wirtschaft hat sich Im letzten Jahr stark belebt. Trotzdem ist die Arbeitslosigkeit noch keineswegs beseitigt. Es ist eine eigentümliche Erscheinung, wenn trotz dieser Tatsache viele englische Geschäftsleute darüber klagen, dass sie keine geeigneten Arbeitskräfte finden können. Vor allem an jüngeren Kräften scheint stellenweise ein erheblicher Mangel zu herrschen. Das heisst aber nun nicht, dass es für einen Ausländer leicht wäre, eine Arbeitsgenehmigung zu bekommen. Es ist im Gegenteil sehr schwer, und in den meisten Fällen — wenn nicht ganz besondere Spezialkenntnisse vorliegen, die für die fragliche Stellung, für die ein gleichbefähigter Engländer nachweisbar nicht zu finden ist, notwendig sind — sogar völlig unmöglich. Auch " ^jlnstler und andere freie Berufe sind Arnigungen jetzt kaum mehr zu er« bei hinzukommt, dass für manche Ben Berufe die Arbeitsbedingungen in England völlig verschieden" von den konti- ^ental-ei^ppäischen sind und eher den ameri- * pyiafrl^sieht es in England, wie fast überall, füjtjjje^te mit grösseremKapital aus, feegonderj.n.wenn sie nachweisen können, dass ErigilÄsrä*'tiisher schon für sie ein grosses Abratggflhiofc~war. Zwar sind auch hier viele j§£h$£££gg|:eiten zu überwinden, aber die Aus- ^igjj^^ejne Genehmigung zur Eröffnung eines feetriebes, wenn in ihm eine grössere Anzahl englischer Arbeitskräfte beschäftigt werden sbll,3^|6?talten, sind nicht so schlecht, wie für Menschen, die ohne Kapital Stellung oder freie Beschäftigung suchen. Zu beachten bleibt ftber, 4^ss auch die Frage, was grösseres Kapital f^^ih England ganz anders beantwortet sverden muss als auf dem Kontinent. England isj^in reiches Land und — wie Ichon %e'Sagt — an grosse Zahlen gewöhnt. Peshäib kann es leicht vorkommen, dass jefnaifäy^er sich auf dem Kontinent als kapital- Icr pfe^ Betrachtet, drüben feststellen muss, ffiggSPer keineswegs zu den „reichen Leuten" fdSWtXK kommt, dass das Leben in Engbesonders in London, keinesi 11 i g ist, dass in den Grossstädten —• und auch hier wieder vor allem in London mit seinen gewaltigen Entfernungen — Fahrgelder eine weit grössere Rolle im Budget des Einzelhaüshalts spielen als bei uns, und dass schliesslich auch, die Wohnungsfrage ganz anders gelagert ist. Das Ziel des Engländers, der sich in fast allen seinen Lebensgewohnheiten als grosser Individualist entpuppt, ist das eigene Haus. Daraus erklärt sich zum Teil auch die Riesenausdehnung Londons. Denn wenn man den verhältnismässig kleinen Umkreis der City und des Westens verlässt, begegnet man kaum noch höheren als zweistöckigen Häusern, die im allgemeinen von nur einer Familie bewohnt werden. Erst in neuerer Zeit werden moderne Häuser mit kleinen bis mittelgrossen Wohnungen in grösserer Menge gebaut, aber die Mietpreise sind hier sehr oft so, dass sie von dem Durchschnittsverdiener nur schwer aufgebracht werden können. Und ein Häuschen kann sich natürlich auch nicht gleich jeder leisten, obwohl die Miet- oder Kaufbedingungen dabei durch wöchentliche Teilzahlungen oftmals sehr erleichtert werden. Es gibt allerdings auch billigere kleinere Wohnungen,, aber sie sind schwer zu bekommen, liegen oft in verkehrsmässig oder auch sonst ungünstiger Lage und erreichen in den meisten Fällen an Ausstattung längst nicht das, was wir zu gleichen Preisen gewohnt sind. Die Wohnungsfrage ist für jeden „Beginner", besonders wenn er Familie hat, in England (und vor allem in London) ein grosses und schwieriges Problem. Auch in der Technik des Wirtschaftsverkehrs unterscheidet sich England in vielem vom Kontinent. Er ist in mancher Hinsicht einfacher, in mancher aber auch wesentlich komplizierter. Der sollicitor — der in seinen Funktionen teilweise unserem Anwalt entspricht — ist bei vielen Vertragsabschlüssen und anderen wirtschaftlich-rechtlichen Handlungen ©in« absolute Notwendigkeit, und auch die Form, in der solche Dinge abgewickelt werden, ist oft von den uns vertrauten sehr verschieden. Das gleiche gilt zum Teil für den Verkehr mit den Banken, da das Bankwesen in England anders organisiert ist als in den meisten übrigen europäischen Ländern. Alle diese Dinge muss jeder, der sich in England wirtschaftlich betätigen will, kennen und beachten, er muss sich auch in den äusseren Formen des Geschäftsverkehrs, angefangen vom Briefbogen, der Geschäftskarte und vielen sonstigen Kleinigkeiten, den englischen Sitten anzupassen versuchen. Er muss vor allem aber Land und Leute kennenlernen, um die Aufnahmefähigkeit für einen Artikel oder eine Ware beurteilen zu können. Sonst geht es ihm wie dem Manne, von dem berichtet wird, dass er mit einem ausgezeichneten neuen Patent zur Imprägnierung von Strohdächern nach England gekommen ist, zu seinem Leidwesen aber feststellen musste, dass es dort Strohdächer so gut wrie gar nicht gibt. W—L Erleichterte Unterstützungszahlung an Juden in Deutschland Neue Bestimmungen der Reichsstelle — Förderung der Auswanderung Die Palästina-Treuhand- Stelle zur Beratung deutscher Juden GmbH, Berlin, teilt folgendes mit: Nach den geltenden Devisenbestimmungen dürfen unter gewissen Voraussetzungen Unterstützungszahlungen nach Deutschland mit sogenannter Registermark bewirkt werden. Durch einen Erlass der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung ist gestattet worden, dass von jüdischen Spendern zugunsten jüdischer Empfänger auch Haavaramark für diesen Zweck verwendet werden darf. . Haavaramark ist diejenige Mark, die von jüdischen Auswanderungswilligen auf die in Deutschland geführten Transfer-Sonderkonten der Trust & Transfer Office ,Haavara' Ltd., Tel- Aviv, eingezahlt wird. Die genannte Gesellschaft transferiert unter Mitwirkung ihrer deutschen Schwestergesellschaft, der Palästina-Treuhand- Stelle zur Beratung deutscher Juden GmbH (Paltreu), Berlin W 35, Potsdamer Strasse 28, auf Grund eines von der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung geregelten Verfahrens diese Beträge in ausländische Währung. Die Haavaramark wird für Unterstützungszahlungen von den ausländischen Banken, die Registermark vertreiben, verkauft werden. Dies bedeutet, dass der ausländische Spender die Haavaramark, die er seinen inländischen Freunden und Verwandten zukommen lassen will, zu dem Registermarkkurs, d. h. sehr günstig erwerben kann. Die Haavara ist dadurch, dass ihr der Gegenwert der Reichsmarkspenden in ausländischer Währung zufliesst, in der Lage, einer grossen Anzahl der bei ihr vorgemerkten Anwärter zur Auswanderung zu verhelfen. Durch die hierauf aufgebaute Werbung im Auslande wird die Gebefreudigkeit der ausländischen Juden für ihre hiesigen Freunde und Verwandten vergrösert werden. Die Abwicklung ist sehr einfach. Der ausländische Geber zahlt bei seiner Bank den Gegenwert der von ihm beabsichtigten Spende in Devisen ein und unterschreibt ein Formular, aus dem sich ergibt, dass es sich um eine Leistung ohne kommerziellen Gegenwert handelt. 1. Es dürfen nur bis zu. 200 RM je Monat und Person voll in Haavaramark gezahlt werden. Ehepaare gelten hierbei als eine Person. In der Hausgemeinschaft lebende Kinder sind dann als Einzelpersonen anzusehen, wenn sie eine gewisse wirtschaftliche Selbständigkeit besitzen. Bei Zahlungen, die über den Betrag von 200 RM hinausgehen, ist die Zahlung in Haavaramark davon abhängig, dass für die Hälfte des gesamten angewiesenen Reichsmarkbetrages Devisen für den gleichen Zeitraum und Zweck nach Deutschland gesandt werden. 2. Darüber hinaus dürfen Geschenke bis zu weiteren 200 RM monatlich aus folgenden Anlässen in Haavaramark gezahlt werden: a) Zu Pessach, Purim, Roschhaschanah, Chanuka, b) anlässlich von Hochzeiten, Barmizwoth, Mädcheneinsegnungen, silbernen und goldenen Hochzeiten, c) für Grabpflege (ausser Begräbniskosten). 3. Ferner können im Auslande lebende Juden jüdischen gemeinnützigen und wohltätigen Organisationen in Deutschland Spenden unter Verwendung von Haavaramark zugehen lassen. Ueber die hierbei zulässige Höchstgrenze erteilt die Paltreu im einzelnen Auskunft. Massgebend dafür, ob der Spender und der Zahlungsempfänger als Juden gelten, sind die Bestimmungen des Reichsbürgergesetzes. Entscheidend ist daher nicht die Zugehörigkeit zur jüdischen Religionsgemeinschaft, sondern die jüdische Abstammung. Personen mit nur zwei jüdischen Grosselternteilen gelten aber nur dann als Juden, wenn sie der jüdischen Religionsgemeinschaft angehören oder mit einem Volljuden oder mit einer der jüdischen Religionsgemeinschaft angehörigen Person verheiratet sind. Vor Entgegennahme der Spende hat der Empfänger wie bei der Registermark eine Erklärung zu unterschreiben, in welcher er bestätigt, dass die an ihn von dem Spender geleistete Zahlung nicht zur Erfüllung einer rechtlichen oder vertraglichen Verpflichtung des Geldgebers oder einer anderen im Auslande wohnenden Person (z. B. auf Grund testamentarischer Bestimmungen als Rentenzahlung, für Warenlieferungen und sonstige Leistungen, für Versicherungsprämien, Hypothekenzinsen usw.) oder zur Einzahlung auf ein Konto zugunsten des Schenkers oder einer im Ausland wohnenden Person oder zum Erwerb von Liegenschaften oder zur Bezahlung von Schiffspassagen für eine solche Person u. a. mittelbar oder unmittelbar verwandt wird. Eine Rückvergütung des Betrages darf in keiner Form stattfinden, auch nicht durch Verzicht auf eine bestehende oder noch entstehende Forderung. Der Betrag darf vielmehr lediglich zur Bestreitung der persönlichen Ausgaben des Empfängers dienen und von ihm auch nur für solche Zwecke verwandt werden, d. h. also, dass die Unterstützungsmark nicht für Zahlungen verwendet werden darf, zu denen der Spender verpflichtet ist und gesetzlich gezwungen werden könnte. Hingegen darf der Empfänger mit dem gespendeten Gelde natürlich seine eigenen Hypothekenzinsen bezahlen, seine eigenen Versicherungsprämien, rückständige Rechnungen usw. Blick in dieWirtschaft Berlin, 29. Juni. Die aussenpolitisehen Ereignisse der jüngsten Zeit haben das Bild der Börse weder am Aky tienmarkt noch am Rentenmarkt wesentlich verändern können. Natürlich waren Abschwächun j.- gen bemerkbar, die aber bald wieder von eine r leichten Kurserhöhung abgelöst wurden. Di « grosse Stille, an der Börse hängt natürlich auc /b mit der Ruhe der Sommerszeit zusammen. Wei im:- man aber die Situation überblickt, so kann m ^an zusammenfassend sagen, dass das an der Bö vse. interessierte Publikum im grossen und ganzen " am Aktienbesitz festhält, wozu wohl auch die Ausdehnung der steuerlichen Besitzfreiheit hinsichtlich der Kursgewinne auf ein Jahr beiträgt. Das Publikum ist selbstverständlich auch an den Währungsproblemen der Welt interessiert wenn * wir auch in keiner Weise davon betroffen wer- den. Es ist aber begreiflich, dass die Frage de *r Erhöhung des englischen Währungsausgleichs?- fonds von 200 Millionen Pfund Sterling auf 55i p Millionen auch in Berliner Börsenkreisen eifrig besprochen wird und dass man der Rückwir- - kung dieser Massnahme im englischen Untei '- haus mit Spannung entgegensieht, zumal d' er Schatzkanzler im Zusammenhang damit auf die Kapitalflucht in die englische Währung und auf das grosse Goldangebot hingewiesen hat. \ Von nicht minderem Interesse ist die Zukunft a "es Francs, zumal zuverlässig gemeldet wurde, dass 5 schon während der Rückreise des neuen französischen Finanzministers ein diesbezüglicher Steuertermine im Juli 5. Juli: Abführung der einbehaltenen Lohn- und Bürgersteuer für Arbeitnehmer (ganzer Juni bzw. zweite Junihälfte). 10. Juli: Umsatzsteuer-Voranmeldung und -Vorauszahlung für Monatszahler und i. *r Vierteljahrszahler. \ 15. Juli: Grundvermögens- und Hauszinssteuer für Juli. Lohnsummensteuer für Juni. 20. Juli: Abführung der . einbehaltenen Lohn- und Bürgersteuer für Arbeitnehmer für die erste Aprilhälfte. Ausserdem sind bei den von den.Jüdisch en Gemeinden erhobenen Gemeindesteuern Vorauszahlungen für 1937 an den in den einzelnen Veranlagungsbenachrichtigungen aufgeführten Terminen zu leisten. Telegrammwechsel zwischen ihm und dem Ministerpräsidenten stattfand. Die Pariser Presse rechnet danach mit einer Stabilisierung des ' Francs auf Grund eines 43 Milligramm Goldgehaltes, was einem Sterlingkurs von 113 Francs entsprechen würde; darauf ist offenbar auch die starke Steigerung der französischen Renten zurückzuführen. Im übrigen erwartet die Börse Anregungen von der gegenwärtig in Berlin r stattfindenden Tagung der Internationalen Handelskammer. Der Geldbedarf war in letzter Zeit ( etwas stärker. Es wird jedoch angenommen, dass die Verknappung am Geldmarkt nur vorübergehender Natur ist. Einmal gehörte der Juni im Hinblick auf die Einkommens- und Körperschaftssteuer zu den sogenannten starken Steuermonaten, dann ist ja nicht nur mit einem Monatsultimo, sondern mit einem Halbjahresultimo zu rechnen. Die Schätzungen allein bezüglich der genannten Steuern belaufen sich auf / über 700 Millionen Reichsmark. In Börsenkreisen nimmt man an, dass das Anlagebedürfnis wieder ein stärkeres wird, sobald diese Auswirkun- / gen einschliesslich des Halbjahresultimos überwunden sind; das gilt sowohl für den Aktien- £r wie auch für den Rentenmarkt. p ... n. ' i TEXTILIEN rOtto &%ud.cKaufmann\ AACHEN — LONDON W 1 Orkatuche j— Herrenstoffe erster Qualität —^ HERBERT RICHTER Annaberg [Erzgebirge) Posamentenfabrik Hermann Nätebuscii Fabrikation von Knöpfen u. Schnallen, Berlin SW 68. Lindenstr. 26. 17 26 74. Yorkaur nur an Grossisten. Gebr. Goeritz 11.6. 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