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Central-Verein-Zeitung · 1937-07-01 · 26 (1.7.1937) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
26 (1.7.1937)
Date
1937-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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XVI. Jahrg. / Nr.2S Berlin, 1. Juli 1937 Preis 10 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Scbri Weitung Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W 15. Emser Strasse 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 8141-45. Telegrammadresse: Centraiglauben Berlin. Postscheckkonto. Berlin .0o44. Die C.-V.-Zeituns erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durcü aen roseboten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 81 Rpf. (einschl. 22,74 Rpf. Postzeitungsgebühr) zuzüsl. 18 Rpf. Bestellgeld. Für Ausland vierteljährlich 2,30 RM (umgerechnet in die Landeswahrung) einschl. ^usteügeDiUiren. tin/einummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rof.) Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigcngcbüliren: Preisliste o gültig. Die ligespakene mm^eiie -U upu für Stellengesuche 10 Rpf., für'Farailienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise s. Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzcigenschluss: Dienstag. Platzu. Datenvorschntten onne veruinancnkcu. Pausen A. H. Die .oft zitierten ältesten Leute erinnern sieh nicht, einen so wenig sommerlichen Sommeranfang erlebt zu haben, wie er uns in diesem Jahre beschieden ist, und die gedächtnisstärksten Zeitungsleser werden lange in ihrer Erinnerung nachsuchen müssen, bis sie auf eine Sauregurkenzeit stossen, die so wenig diesen Namen verdient wie unsere Jahreszeit. Niemand denkt daran, aus Langeweile oder aus Stoffknappheit etwa nach der berühmten Seeschlange Ausschau zu halten, die sonst zu Beginn der grossen Ferien im fernen Ozean aufzutauchen begann. Die Wirklichkeit von heute ist sehr viel bewegter als es früher die Phantasie war. Was mitunter Schwierigkeiten bereitet, ist nur, dass so häufig ausserhalb unserer Erfahrung liegt, wie sich der Ablauf unseres Schicksals in den verschiedensten Bezirken abspielen könnte. Aber gerade dafür ist es vielleicht nicht ohne Nützlichkeit, dass in unseren Beziehungen zum Geschehen um unser Schicksal keine Sommerpause eintritt Es ist so oft zu beot achten gewesen, wie wenig sich die Ereignisse in ihrem Ablauf dadurch beeinflussen Messen, dass sogenannte Die Jewish Affeney berichtet dem Völkerbund In dieser Nummer finden unsere Leser u. a.: Die Aufsatze Dr. Bruno Sommerfeld: Das jüdische Sozialwerk in Deutschland — Bezirksrabbiner Dr. Ernst Jacob, Augsburg: Die zweiten | Hundert — Marc Chagall, zu seinem 50. Geburtstag — Wirtschaftliches für Englandinteressenterr Die Beilagen Palästina-Umschau — Buch und Kunst — Sportblatt — Wirtschaft der Woche Pausen festgelegt worden sind. Nur zu häufig ergab sich am Pausen-Ende, dass derjenige im Nachteil war, der an sie geglaubt hatte, und nun einer völlig veränderten Situation gegenübersteht — unterlegen jenem, der während dieser Zeit in ununterbrochenem Kontakt mit denEreignissen geblieben war. Wer sich gern überraschen lässt, kommt dann freilich kaum auf seine Kosten. Aber dafür steht er auch nicht an der Schwelle zwischen unangenehmen und angenehmen Ueberraschungen. Seine Aktivität ist in ihm wirksam geblieben, sie hat sozusagen mit den Ereignissen Schritt gehalten und ihn in den Stand gesetzt, während der einzelnen Entwicklungsphasen zu neuen Entschlüssen, zumindest zu neuen Plänen zu gelangen. Manche verwechseln Kontakt mit der Wirklichkeit und Kontakt mit der Phantasie. So sehr die geistige Energie durch die Berührung mit den Tatsachen auch noch so beunruhigender Art gestärkt werden kann, so sehr ist ein Grübeln über Kombinationen geeignet, Kräfte sich verzetteln zu lassen. Es ist sehr aufschlussreich, die Haltung zu vergleichen, die gegenüber den tatsächlichen Ereignissen in Palästina von seiten der Juden eingenommen wurde, und die gegenüber der nun Monate wahrenden Auseinandersetzung über den möglichen Inhalt des Kommissionsberichtes. Ganz ohne Frage entsprechen diese Rückwirkungen den Wünschen der Mandatsmacht; ehe Die Jewish Agency hat soeben ihren Bericht über die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims im Jahre 1936 veröffentlicht. Diesem Bericht, der vor allem zur Information der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes bestimmt ist kommt in diesem Jahr naturgemäss erhöhte Bedeutung zu. Das Memorandum der Jewish Agency ist durch den Generalsekretär des Völkerbundes, Avenol, allen Mitgliedern der Mandatskommission, die Ende Juli ihre mit Spannung erwartete Ausserordentliche Tagung über die in Palästina gegebene Lage abhalten wird, zugestellt worden. Ihm ist ein Begleitschreiben des Präsidenten der Jewish Agency, Dr. Chaim W eizmann, beigegeben, das das Datum des 4. Mai 1937 trägt und einen allgemeinen Ueberblick über die politische Entwicklung und die Haltung der Palästina-Regierung enthält. Weismaswas Brief Das Schreiben Dr. Weizmanns ist an den Generalsekretär des Völkerbundes mit der Bitte um Weiterleitung an die Mandatskommission gerichtet worden und bringt zunächst eine kurze Darstellung der Ereignisse bis zum Ende des ersten Vierteljahrs 1937. Weizmann stellt fest, dass im Augenblick der Niederschrift seines Briefes Leben und Eigentum in Palästina noch immer ungesichert seien. Sehr bedeutsam sind die Zweifel an der Wirksamkeit der von der Regierung zur Unterdrückung der Unruhen getroffenen Massnahmen, die in dem Schreiben Dr. Weizmanns vorgebracht werden. Noch einmal werden die Massnahmen der Palästina-Regierung, ihr Zögern, den politischen Streik der Araber für ungesetzlich zu erklären, einer politischen Würdigung unterzogen, wie sie schon oft aus jüdischen Kreisen zu hören war. Das Bestehen und die Tätigkeit des Obersten arabischen Komitees, ja sogar seine Unterstützung durch eine Anzahl arabischer Regierungs-beamter., sei trotz seines aufrührerischen Charakters geduldet worden, und man habe seine Mitglieder, soweit sie amtliche Stellungen innegehabt hätten, in ihren Aemiern belassen. Die Regierung habe das Komitee sogar wie eine anerkannte Vertretungskörperschaft empfangen. Scharfen Ankündigungen von Gegenmassnahmen zur Herstel-' lung der Ordnung habe die Regierung trotz ihrer ausserordentlichen Befugnisse keine Taten folgen lassen. Die Verstärkung der Sicherheitskräfte sei verzögert worden, so dass sich die Unruhen hätten ausbreiten können. Die Untersuchungsergebnisse über die während der Unruhen verübten Verbrechen seien spärlich geblieben, von den Arabern, die man im Zusammenhange mit der Ermordung von 82 Juden verhaftet habe, sei nur einer endgültig verurteilt. Ueber die Landesgrenzen seien ungehindert bewaffnete Abenteurer eingedrungen und hätten das Land terrorisiert. Erst spät seien starke Streitkräfte seitens der englischen Regierung entsandt worden, um die Situation zu meistern. Unter den Forderungen der Jewish Agency an die Mandatsregierung ist zunächst die nach Entschädigung der Hinterbliebenen der bei den Unruhen Gefallenen, Verletzten und materiell Geschädigten zu erwähnen, ferner die Eingliederung der jüdischen Hilfspolizisten in das Sicherheitskorps des Landes auf Regierungskosten. Die Genehmigung zur Verladung und Ausladung von Gütern auf der Reede von Tel- Aviv begrüsst Weizmann als eine glückliche Massnahme, die geeignet sei, nicht nur einen plötzlichen Notstand zu beheben, sondern auch Südpalästina von Jaffa unabhängig zu machen. Weizmann verlangt im Anschluss hieran gewisse Erleichterungen für die Entwicklung des Tel- Aviver Hafenverkehrs und der Eisenbahn. Weiterhin übt Weizmann Kritik daran, dass die Regierung bei der Bemessung der Einwanderungsquote sich nicht an den Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes gehalten habe. Die unruhigen Verhältnisse hätten, besonders auch im arabischen Sektor, der Wirtschaft des Landes ihren Stempel aufgedrückt Die wirtschaftliche Lage der jüdischen Gemeinschaft sei zwar nicht unberührt geblieben, aber eine wirtschaftliche Schwächung hätten die Unruhen nicht bewirkt. Sie hätten vielmehr die Kraftreserven der jüdischen Wirtschaft mobilisiert, so dass sie jetzt solider fundiert sei als zuvor. Keine jüdische Siedlung sei während der Unruhen verlassen worden, vier seien neu begründet worden. Die Arbeitslosigkeit unter den Juden sinke, und man habe festgestellt, dass in einer Beihe von Industrien bereits Bedarf nach weiteren Arbeitskräften bestehe. Selbst bei vorsichtiger Schätzung hätte die Regierung nach Meinung der Jewish Agency bei objektiver. Wertung der Nachfrage nach Arbeitskräften höhere Arbeiterschedulen bewilligen müssen. Man hoffe auch weiterhin, dass der Grundsatz der Aufnahmefähigkeit die einzige Grundlage für die Regelung der jüdischen Einwanderung bilde, weil jedes Abweichen von diesem Prinzip'politischen Einflüssen und willkürlichen Entscheidungen Tür und Tor öffnen müsse. Im Interesse des jüdischen Volkes und eines dauerhaften Friedens in Palästina sei es lebenswichtig, dem jüdischen Nationalheim durch Einwanderung und Ansiedlung eine ■ weitere Entwicklung zu ermöglichen, die jeden Versuch, sein Wachstum gewaltsam aufzuhalten, vergeblich mache. ©er JaltresfeerieM Der Jahresbericht der Jewish Agency an die Mandatskommission umfasst diesmal 55 Seiten und ist .zweisprachig — englisch und französisch — erschienen. In der Einleitung wird betont, dass trotz der Verwicklungen des vergangenen Jahres die Judenheit Palästinas Anpassungsfähigkeit und Kraftreserven bewiesen habe. Die eigentliche Denkschrift fasst in neun Abschnitten mit 125 Punkten ein umfangreiches Tatsachenmaterial über die Entwicklung des Landes auf allen Lebensgebieten zusammen. Der Anhang gibt, einen Ueberblick über die Verluste der Juden während der Unruhen, die Terrorakte der Aufrührer und das Wirken der Königlichen Kommission. Aus den in dem Bericht dargestellten Einzelheiten ist hervorzuheben, dass die Bevölkerungsentwicklung Palästinas sich weiterhin in schnell aufsteigender Richtung bewegt. Ende des Jahres 1936 lebten 404 000 Juden oder 30,6 Prozent der Gesamtbevölkerung in Palästina gegenüber 375 000 zu Anfang des Jahres. Ein Drittel der jüdischen Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre, etwa mehr als die Hälfte zwischen 15 und 45 Jahre alt. Der Geburtenüberschuss ist beträchtlich, die Kindersterblichkeit gering. Dreiviertel der jüdischen Bevölkerung leben in Städten, ein Viertel in Dörfern und grösseren Siedlungen. Von den 29 727 Einwanderern stammen zwei Drittel aus Polen undDeutsch- 1 a n d. Die Zahl der Einwanderer aus Deutschland, 8180, ist absolut etwa die gleiche wie im Vorjahre. Ohne dass die Einwanderungsbestimmungen geändert wären, sind praktisch neue Beschränkungen durchgeführt worden. Die Verteilung von Verwandten-Zertifikaten wurde eingeengt, ebenso die von Handwerker-Zertifikaten. Die Jugend-Zertifikate für Jugendliche aus Deutschland wurden nicht mehr ausgegeben. Arbeiter-Zertifikate wurden in erster Linie Unverheirateten zugeteilt. Das Zentralbüro für die Ansiedlung von Juden aus Deutschland hat eine sehr ausgebreitete Tätigkeit entfaltet. Seine Gesamtausgaben seit Oktober 1933 betragen 477 000 Pfund. Auch 1936 wurden neue Bodenflächen für das jüdische Aufbauwerk erworben. Der jüdische Bodenbesitz umfasst jetzt 1 237 000 Dunam. 30 Prozent gehören dem Keren Kajemeth. 30 Prozent der Pica, der Rest Privaten. Ende 1936 gab es 203landwirtschaftliche Siedlungen mit 97 257 Einwohnern, von denen 54 035 in der Landwirtschaft tätig waren. Es gab ferner 8974 Einzelbetriebe und 48 Kwuzoth mit einer Bevölkerung von 9000 Seelen und einem Besitz von 130 000 Dunam. Auf dem Boden des Nationalfonds wurden 1936 zehn neue Arbeitersiedlungen mit (bis September) 921 Einwohnern gegründet. Der Keren Hajessod verausgabte 1936 für landwirtschaftliche Kolonisation 130 500 Pfund. Die Malariabekämpfung im Emek Chefer und die Entwässerung eines angrenzenden Gebietes . wurden fortgeführt. 1035 Dunam hat der Nationalfonds aufgeforstet, sein Waldbesitz beträgt 81771 Dunam. 54 000. Bäume wurden während der Unruhen in den Wäldern des Nationalfonds ausgerodet, im laufenden Jahre sollen 400 000 neugepflanzt werden. Die Städte Tel-Aviv, Jerusalem und Haifa befinden sich in ständigem Wachstum. Im Hafen von Tel-Aviv wurden 1936 täglich 400 Arbeiter beschäftigt und im ganzen 27 500 Tonnen ausgeladen. An der Levanthe- Messe beteiligten sich 26 Länder als Aussteller. Die Bautätigkeit in Tel-A-viv nahm ab, in Jerusalem und Haifa stieg sie. Eine Reihe von Ursachen führten zu Rückschlägen in der Industrie, die Ende 1936 grösstenteils überwunden waren. Dreizehn Fabriken und Werkstätten wurden von den Arabern zerstört. Der Rückgang der Bautätigkeit, die Transportschwierigkeiten, die Kaufunlust und das ausländische Dumping bereiteten der Industrie Sorgen; hierzu trat der arabische Boykott der jüdischen Produktion. K. J. R. sie selbst ihre Karten auf den Tisch gelegt hat, könnten in solchen Situationen die Partner möglicherweise ihre besten Trümpfe schon ausgespielt haben. Aber es erscheint zu entgegenkommend, sich das Gesetz des Vorverhandelns in solchem Ausmasse vom Gegner auferlegen zu lassen! Man muss wünschen, dass das Echo auf den Peel-Bericht selbst einheitlicher und geschlossener erfolgt als das lange Geraune um den Peel-Bericht es erwarten lässt. Wenn es eine jüdische Autorität gäbe, die alle Gruppen zu verpflichten imstande wäre, so müsste sie anordnen, dass die jüdische Stellungnahme zum Peel-Bericht erst dann in die Oeffentlichkeit kommt, wenn sich die hierfür entscheidenden jüdischen Persönlichkeiten und Gruppen darüber verständigt haben. Was aus Palästina wird, geht die Gesamtheit an und greift über die politischen und ideologischen Interessen bestimmter zionistischer Gruppen weit hinaus. Es werden viele Wachträume ihr Ende finden, es wird viel Vorwurf und Kritik eine verspätete Rechtfertigung finden. Aber darauf kommt es im Augenblick nicht an. Die zentrale Aufgabe bleibt die Forderung nach dem „make the best of iV\ Ganz ohne Zweifel war das Denken der zionistischen und nichtzionistischen Juden-

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