Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 25 (24.6.1937)
- Date
- 1937-06-24
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seife 16 24. Juni 1937 WIRTSCHAFT DER WOCHE Nr. 25 C.-V.- Zeitung Welthandel in Textilien Der allgemeine Wirtschaftsaufschwung in der Welt hat sich u. a. besonders auf die Welttex t i 1 Wirtschaft ausgewirkt. Rüstungs- und Verbrauchskonjunktur zusammen haben eine neue Belebung für den Welthandel in Textilien eingeleitet, wenn dieser auch mit der textilen Welterzeugung noch lange nicht Schritt halten kann. Die Welttextilerzeugung lag nach den Berechnungen des Instituts für Konjunkturforschun2 Ende 1936 um 15 Prozent über dem Stand von 1929. In den meisten Staaten hat die 100$ 1937 Ernst Lochner & Horkheimer Frankfurt a. M., Liebfrauenberg 39, 1. Stock. Tel. 29288 HerrenStOffS In den altbekannt ersten Qualitäten Erzeugung von Textilien jetzt den Stand des Hochkonjünkturjahres 192S wieder erreicht, teilweise so^ar überschritten. Auf den Welthandel in Textilien konnte sich dieser Aufschwung jedoch noch nicht genügend auswirken, da die Welttextilwirtschaft im" letzten Jahrzehnt einen erheblichen inneren Strukturwandel durchgemacht hat. Zwei wesentliche Merkmale dieses Wandels sind der von Jahr zu Jahr gestiegene Anteil der jungen Industrieländer an der Textilerzeusuns der Welt einerseits und der Aufschwung der künstlichen Faserstoffe andererseits. Zur Charakterisierung des ersten Merkmals genügt es anzugeben. dass sich beispielsweise die japanische Industrieproduktion insgesamt von 1928 bis 1936 um rund 81 Prozent vergrössert hat und dass sich ein ähnliches Bild bezüglich des industriellen Fortschritts in den anderen industriellen Neuländern zeigt, wie in einigen europäischen, in den lateinamerikanischen Staaten. Britisch-Indien, Chile. Neusüdwales und der Südafrikanischen Union. Besonders stark an dieser Industrialisierungstendenz ist die Textilwirtschaft beteiligt. Man ersieht es schon aus den Zahlen über den Welthandel mit Textilmaschinen: 1929 wurden fast 60 Prozent der Weltausfuhr von Textilmaschinen in den gleichen Ländern abgesetzt, die den Weltmarkt mit Textilmaschinen versorgten, also vorwiegend Grossbritannien, USA. Deutschland. Schweiz. 1935 ist dieser Anteil auf etwa 45 Prozent gesunken: die neuen Industrieländer sind in verstärktem Ausmass als Käufer solcher Maschinen aufgetreten. Noch deutlicher geht der Anteil der Welttextilwirtschaft an der Industrialisierung in den neuen Industrieländern aus folgendem hervor: Die argentinische Textilindustrie, deren eigentlicher Aufbau während des Weltkrieges begann, beschäftigte nach Angaben der amerikanischen Handelskammer in Buenos Aires 1930 29 000 Personen, 1934 schon 46 700. In Finnland erhöhte sich der Produktionsindex der Textilindustrie der Menge nach von 100 im Jahre 1926 auf 150 im Jahre 1935, dem Werte nach auf 144. Besonders deutlich zeigt sich auch in den Ländern Südosteuropas das~stärkere Wachstumstempo der Textilindustrie gegenüber der Gesamtindustrie in den letzten Jahren. Die Textilindustrie ist heute mit der wichtigste Zweig Südosteuronas: Jugoslawien beispielsweise führte 1925 1909 ts Wolle ein gegenüber 3531 ts 1935. An Baumwolle führte es" 1925 5753 ts ein, 1935 dagegen 14 899 ts. Demgegenüber ging die Einfuhr "von Geweben aus Baumwolle von 15 6S1 ts im Jahre 1925 auf 2918 ts 1935 zurück. Dieses Beispiel gilt auch im wesentlichen für die anderen iungen Industrieländer und bedeutet: Hand in Hand mit der Eigenversorgung der Länder in Textilwaren ging die Einfuhr von Textilfertigwaren zurück, während die Rohstoffeinfuhr zunahm. Dass dieser Prozess noch nicht abgeschlossen ist, sondern weiter fortschreitet, sollen nur einige wenige Berichte der Reichsstelle für den Aussenhandel belegen, die aus allerletzter Zeit stammen: in Ungarn wurde vor kurzem eine Garnspinnerei errichtet, die eine Produktionskapazität von 30 000 kg hat. — Innerhalb des Australischen Bundes wurde mit 100 000 engl. Pfund Kapital in Melbourne eine Gesellschaft für die Herstellung von Seiden-, Woll- und Baumwollwaren gegründet. — In Manchukuo wird eine Spinnerei in Tientsin gebaut. Die Kosten des Projekts werden auf zwei Milionen Yuan veranschlagt. Während die jungen Industrieländer viele Jahre dazu brauchten, um ihre Textilindustrie aufzubauen und so am Welthandel in Textilien noch nicht wesentlich teilnehmen konnten, da sie erst den eigenen Markt zu versorgen hatten, sind nach den letzten Meldungen heute schon. die Binnenmärkte vieler solcher Länder bezüglich ihrer Eigenversorgung mit Textilien fast gesättigt. Deshalb streben sie danach, am Welthandel in Textilien immer mehr Anteil zu nehmen. So berichtet das Institut für Konjunkturforschung von Argentinien, dass dort die Zahl der Spindeln von 60 000 Ende 1933 auf 250 000 1936 gewachsen ist. Dieses Land ist heute schon in der Versorgung mit Geweben nahezu selbständig. Brasilien muss bereits auf den Weltmarkt vorzusiossen versuchen, wenn es seine Erzeugung weiter rasch ausdehnen will. Durch den Aufschwung der Textilproduktion in diesen Ländern in den Vorjahren ist jetzt eine gewisse Stagnation in der Erzeugung eingetreten, was zu den bereits erwähnten Verstössen solcher Länder auf den Weltmarkt, führen und damit die Konkurrenz im Welthandel in Textilien für die Zukunft verschärfen wird. Das zweite Merkmal des Strukturwandels beim Welthandel in Textilien wird durch zwei synthetische Fasern gekennzeichnet: Kunstseide und Zellwolle. Die Kunstseide war schon in der Vorkriegszeit bekannt, ist durch die Kriegswirtschaft gefördert worden und hat in der Nachkriegszeit eine grosse wirtschaftliche Bedeutung für die Welt erlangt, die sich in folgenden Zahlen zeigt: 1913 wurden in der Welt 16 000 ts Kunstseide erzeugt, 192S das Zehnfache 166 000 ts) und 1936 450 000 ts. Die Kunstseide wurde damit ein wichtiger Konkurrent gegenüber den ..alten" Textilien auf dem Welttextilmarkt. dem sich in jüngster Zeit noch ein weiterer hinzugesellte, die Zeihvolle. Die Zellwollproduktion der Welt betrug 1936 mit. 143 500 ts bereits ein Drittel der Kunst- ' seidenerzeugung. Der Anteil der Kunstfasern an der Weltproduktion von Textilrohstoffen ist nach den Berechnungen des Konjunkturinstituts von 2 Prozent im Jahre 192S auf 7 Prozent 1935 gestiegen. Dadurch hat der Weithandel in den „alten" Textilprodukten zweifellos eine Einbusse erlitten, und zwar sowohl mengenals auch wertmässig. Ersteres erkennt man aus dem Rückgang des Baumwollwelthandels, für den die Kunstseide ein besonders scharfer Konkurrent war. Er betrug 1929 3 205 000 ts, 1935 2 93S 000 ts. Wertmässig ist der anhaltend niedrige Preisstand für Seide zu erwähnen, der ebenfalls auf die Konkurrenz der Kunstseide zurückgeführt werden muss. So hat der Strukturwechsel innerhalb der .Welttextilwirtschaft auf die Preis- und Marktentwicklung im Welthandel in Textilien gewirkt, und man weiss nicht, ob diese Wandlung und ihre Wirkungen schon abgeschlossen sind; allem Anschein nach nicht. Denn von der Zellwolle her, deren ökonomische und technische Entwicklung noch nicht beendet ist, dürfte für den Welthandel in Textilien künftig mit verschiedenen .Wandlungen zu rechnen sein. Um das richtig zu erfassen, muss man sich vergegenwärtigen, dass schon heute der Zellwollpreis in der Welt nur etwa die Hälfte des Kunstseidenpreises beträgt. Ausserdem sind die Verwendungsmöglichkeiten der Zellwolle grösser als die der Kunstseide. Deshalb hat die Zellwolle nicht nur für die rohstoffarmen Länder Bedeutung, sondern auch für die mit natürlichen Textilrohstoffen reich versorgten. Dr. Erich Gottfeld. Notizbüch des Kaufmanns Allgemeines Am 12. Juni hat der Präsident der Akademie für Deutsches Recht einen Ausschuss für die Rechtsfragen des Handelsstandes und der Handelsgeschäfte eingesetzt, der sich u. a. mit den Problemen des Registerrechts, des Firmen-, des Buchführungs- und Bilanzrechts und ferner mit dem Begriff des Kaufmanns zu befassen haben wird. In einer Arbeitstagung des Reichsverbandes der Werbungtreibenden sprach Ministerialrat Gottschick vom Reichswirt^chaftsministerium über „Keine Angst vor guter Werbun g". In diesem Vortrag brachte er insbesondere zum Ausdruck, dass Zurückhaltung in der Werbung volkswirtschaftlich bedenklich und privatwirtschaftlkh kurzsichtig sei. Eine amtliche Mitteilung des Reichsfinanzministeriums besagt, dass demnächst eine Verordnung erscheinen wird, durch die Geltungsdauer des Umw an d l.u n g s - S t e u er g e se t zVs letztmalig in der Weise verlängert werden wird, dass Umwandlungen und Auflösungen von Kapitalgesellschaften steuerbegünstigt auch in der Zeit zwischen dem 3 0. Juni und 31. Dezember 1 9 3 7 vorgenommen werden können. Der Leiter der Fachgruppe Beherbergungsg e w e r b e hat eine Anordnung für die Leistungsarten im Beherbergungsgewerbe erlassen („Reichsanzeiger1 Nr. 138/1937). Devisenfragen Die Rcicbsstclle für Devisenbewirtschaftung hat in einer Bekanntmachung vom 14. Juni 1937 den Depotzwang au elf für die Schuldverschreibungen der N. V. F i n a n t i e e 1 e Maatschappij ,.M c t a f i n a t11, Amsterdam, angeordnet. Die Einlegungsfrist läuft bis zum 21. Juni 1937 einschliesslich. Der Reichsausschuss für Fremdenverkehr hat ein Merkblatt über die deutschen Devisenb e s t i m m u n g e n unter der Ueberschrift ..Welche deutschen Devisenbestimmungen muss der ausländische Reisende bei einer Deutsc'hlandreise kennen?" herausgegeben. Das Merkblatt ist u. a. durch die Grenzzollstellen, Devisenstellen. Reichsbankanstalten, Banken, Reisebüros, Verkehrsunternehmungen usw. erhältlich. Ueberwachungsst eilen Die UeberwachungsstoHe für Russ hat eine Anordnung über die Einschränkung der Verwendung von aktivem G a s r u s s erlassen („Reichsanzeigei-" vom 35. Juni 1937). Die Uoberwachungsstelle für unedle Metalle veröffentlicht im „Reichsanzeiger" Nr. 134. 135, 136/1937 die Bekanntmachungen KP 3481350 über Kurspreise für unedle Metalle. lieber Anforderung und Ein reicherung der Formblätter zur Verordnung über die Verbilligung von Stickstoff- und Kalidüngemitteln gibt eine Bekanntmachung vom 16. Juni 1937 (..Rcichsanzcicer^ Nr. 135/1937) Auskunft. Die Uoberwachungsstelle für Leder wirts c h a f t gibt eine Anordnung über allgemeine E i n k a u f s g e n e h m i g u n g e n für die Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 1937 bekannt („Reichsanzeiger" vom 17. Juni 1937). Verkehrswesen Die Tarifbestimmungen über 60prozentige F a h r - Preisermässigungen für Ausländer sind neu herausgegeben worden. Die Sommerausgabe 1937 des Werbeheftes „Schnellste Beförderung von Frachtgutladungen auf der Deutschen Reichsbahn von Ausland zu Ausland" ist nunmehr erschienen. Ebenso werden die Verzeichnisse der Postscheckkunden bei den Postscheckämtern im Deutschen Reich nach dorn Stande vom I.April 1937 in den nächsten Tagen erscheinen. Die Reichsbahn hat jetzt einen lOtägigen Vorverkauf für Fahrkarten eingerichtet, um den einsetzenden F e r i e n r e i s e v e r k e h r zu bewältigen. BÄNKE Offene Auslandsstellen '(Genehmigt durch das Landesarbeitsamty, 1. Für Paris wird jüdischer Edelmetallcheniikei gesucht, der möglichst Spezialist für Zahngoldlegicrungea ist. 2. Druckereifachmann für Broschüren und Formu- Iardruek. welcher über die entsprechenden Maschinen hierfür verfügt, spanische Sprachkenntnisse hat, nach Cali (Columbien) gesucht. Ausführliche Bewerbungen auf Dünnpapier, Zeugnisabschriften, Lebenslauf und Passphoto werden weitcrgcleitet durch die Jüdische Gemeinde, Berlin SW. 19, Lindenstrasse 48/50. Der Familienschutz Der Familienschutz, Eingetragener Verein für Hinterbliebenenfürsorge der Mitglieder jüdischer Gemeinden, legt seinen Geschäftsbericht Tür das Jahr 1936 vor. Der Familienschutz hat im Berichtsjahr in 159 Todesfällen 54 094 RM ausgezahlt. Vom Beginn seiner Tätigkeit bis zum Ende des Berichtsjahres sind "in 608 Todesfällen zusammen 197 556 RM zur Auszahlung gebracht worden. Die Prämieneinnahmen beliefen sich auf 269 867 RM, die Anzahl der Mitglieder betrug rund 10 000, die Gesamtversicherung s s u m m e rund 4 32S 000 Reichsmark. Anmerkungen zur Weltwirtschaft Innerhalb der Preisauftriebstendenzen auf den Weltmärkten in der letzten Zeit ist jetzt die Entwicklung des Weltindex für Agrarprodukte vom Institut für Konjunkturforschung und vom Internationalen Landwirtschartsinstitut in Rom näher untersucht worden. Danach ergeben sich als Hauptgründe der Preissteigerungen: 1. die geringere Erzeugung infolge von Witterungseinflüssen u. ä., 2. das'starkö Abnehmen der Vorräte im letzten Jahr. Der Index der Weltmarktpreise für Nahrungsmittel stieg innerhalb der letzten drei Jahre folgendermaßen an (1929 - 100): 1933: 4$,7: 1934 : 62,5; i935: 67,0: März 1936: 70,6: März 1937: 85,4. Für den internationalen Weizenmarkt stellte das Landwirtschaftsinstitut in Rom fest, dass die Weizenausfuhr besonders in Argentinien und Australien stark zugenommen hat. Zu den Preisnotierungen an den internationalen Weizenmärkten stellte das Landwirtschaftsinstitut in Rom fest, dass die Weizena.usfuhr besonders in Argentinien und Australien stark zugenommen hat. Die Preisnotierungen an den internationalen Warenmärkten ' konnten sich im wesentlichen in der Berichtswoche behaupten. Nur an den MetalJmärkten und für Baumwolle war die Tendenz sinkend. Die Nachfrage war auf den meisten Märkten zurückhaltend. An wichtigen internationalen Zusammen k.ü nften ist jetzt der Abschluss der britischen Reichskonferenz zu melden. Die wirtschaftlichen Fragen machten nur einen Bruchteil der Beratungen aus. Ueber Einzelergebnisse ist noch nichts verlautet. Es sollen besonders Verhandlungen mit den Dominien über das Zustandekommen eines Bankhaus GEBR. ARNHOLD Berlin W 8, Behrenstr. 63 Telephon: 11 00 46 EigeneVer tretungen in London und New York [Bankhaus August Stern & Cie? 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