Kinderblatt
- Journal
- Kinderblatt
- Volume
- 1937
- Issue
- 4 (17.6.1937)
- Date
- 1937-06-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Jedes kleine Kälbchen bekommt ein paar Schöpfkellen voll Milch in einem Eimer. Den Eimer muss man festhalten, bis jedes fertig getrunken hat, denn sie sind noch so klein und zappelig, dass sie sonst die gute Milch umschütten. Die grösseren Kälber bekommen ihre Milch schon in den Kummen gegossen und trinken sie allein. Wenn die Kleinen ihre Eimer leer haben, lecken sie sich gegenseitig ihre Schnauzen ab, damit nur nichts übrig bleibt.. Das sieht immer sehr niedlich aus. Sehr oft gehe ich in den Schweinestall. Die Schweine sind, wenn man, wie ich, zeichnen lernen will, die sympathischsten Tiere. Denn sie liegen fast immer still und laufen nicht so viel herum wie zum Beispiel die Pferde oder die Schafe. Eines Abends sollte eine Sau ferkeln (d. h. Junge bekommen), und Meta und ich wollten gern sehen, wie das ist. Als wir nach dem Abwasch in den Stall kamen, waren schon zwei Ferkel geboren und mindestens fünf sollten noch kommen. Aber wir standen und standen und warteten und keins kam. Und schliesslich war es 10,Uhr und wir mussten schlafen gehen. Am nächsten Morgen rannten wir gleich wieder hin, und inzwischen waren alle angekommen. Wie rosa Batten sahen sie aus, quiekten und piepsten und krabbelten übereinander und untereinander. Wenn sich die Sau bewegte, hatten wir immer Angst, dass sie die winzigen Tierchen totquetschte. Aber sie ist so vorsichtig, dass nichts passierte. Jetzt sind die Ferkel schon so gross wie kleine Hunde und wenn ich im nächsten Jahre wiederkomme, sind sie sicher schon so gross, dass sie verkauft werden können. Diesmal haben wir hier eine Masse Küken. 80 Stück sind von einem andern Ort, wo sie in Apparaten ausgebrütet wurden, geschickt worden, als sie einen Tag alt waren. Sie kamen in Pappkartons an. Stellt euch das mal vor, 80 lebende Wesen in zwei Pappschachteln, die zusammen so gross waren, wie ein halber Küchentisch. Und in den ersten Wochen blieben sie auch in diesen wohnen. An den Schachteln ist vorn eine Art Balkon, wo Futter und Wasser hineinkommt, und die Küken stecken ihre Köpfchen durch runde Fenster, um so zu essen. Vorige Woche hat eine Klucke Entenküken ausgebrütet und vorher eine andere Putenküken. Und inzwischen sind nochmal Hühnerküken geschlüpft. Wir haben jetzt also Küken in allen Arten und in jedem Alter. Und jede Sorte bekommt ein bisschen anderes Futter. Und alle paar Stunden müssen sie was zu fressen haben. Die Meta ist hier die Kükenmama und hat wirklich viel Arbeit mit ihren Kindern, das könnt Ihr Euch denken! Aber leider sind meine Ferien bald zu Ende und ich hoffe nur, dass ich im nächsten Jahr wiederkommen darf. WtAw Es schickt der Herr den Morgen aus, Der soll die Dämm’rung holen, Der Morgen scheucht die Fledermaus Mit seinen Strahlensohlen. Es schickt der Herr den Mittag aus, Der soll den Morggn brennen, Der Morgen weint, ein Kind nach Haus, Das kann nicht schneller rennen. Nachmittag wird; der Herr schickt aus Den Abend mit den Strahlen, Nachmittag schwebt so bleich nach Haus Im Lilienlicht, dem fahlen. Da schickt der Herr die Nacht hinaus, Den Abend zu beschatten, Der schwimmt, ein Goldfisch, schnell nach Haus, Die Nacht liegt auf den Matten. Dort blüht sie wie ein Veilchenstrauss Mit immer Dunkler-werden- Da geht der Herr denn selber aus Mit seinen Sternenherden. RÄTSEL Silbenrätsel Aus den Silben: a — da — c — c — c — gnt — gc — ho — i —* kra — kcl — lu — I»! — Io — me — inaz — mo — na — na — nu — o — on — ran — sa — sau — sc — so — si — so — sus — Ster — (es — tlian — vos — zo — z.crn sind 15 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, einen jüdischen Gelehrten ergeben. Die Wörter haben folgende Bedeutung: 1. Jüdisches Symbol; 2. Verwandter; 3. Berg in Palästina; 4. Biblischer Frauenliame; 5. Griechischer Gelehrter; (!. Jüdisches symbolisches Gebäck; 7. Biblischer Männername; 8. Süsse Masse; 9. Schweizer Kurort; 10. Hebräischer Monat; 11. Stadt; 12. Biblischer König; 13. Südfrucht; 14. Einer der zwölf kleinen Propheten; 15. Gestalt aus einem Drama von Leasing. Helga Blumenfeld, Berlin-Beinickendorf-Ost. 11. Jahre. Auflösungen der Silbenrätsel aus Nr. 3 des Kinderblatts: Offen« b a e h. 1. Orgel, 2. Fagott, 3. Fledermaus, 1. Etüde, 5. Note- (J. Beethoven, 7. Auber, 8. Cello, 9. Händel. — K i n d e r h 1 a t t. 1. Kiepe, 2. Isidor, 3. Nurgileh, 1. Damaskus, 5. Ernte, 0. Kodein, 7. Bahre, 8. Luminator, 9. Abraham, 10. Tanne, 11. Tinte. Auflösung des Tierliihlcr-Tcekcssel H: Von linke nach rechts: Remitier, Pillendreher, Kröte. M A/\aaaJ Mw Gerade als Schwuppdiwupp an einem besonders grünen Grashalm entlang krabbelte, geschah das Unglück: Ein Lastauto kam die Landslrasse enllanggefahren. Nun kann man im allgemeinen bo etwas nicht als Unglück anselien. ln unserem Falle aber war es so. Denn Schwuppdiwupp war nur ein Grashüpfer, und ein ganz junger noch dazu. Darum war er auch in keiner Weise dem Windzug gewachsen, den das Lastauto verursachte. Er wurde von der Spitze des Grashalms fortgerissen, wirbelte einige Augenblicke durch die Luft und landete mit einem unsanften Prall in einer leeren Konservenbüchse im Strassengraben. „Du meine Güte!“ dachte er und wollte mit einem energischen Hops sich aus dem unheimlich blanken, klebrigen Ding entfernen, aber es ging leider nicht; das Hopsen nämlich. Das eine Bein war scheusslich verstaucht und die Fühler ein bisschen zu Spiralen verbogen. „Du meine Güte!" wiederholte er darum eine Oktave tiefer und überlegte, ob er vor Entsetzen in Ohnmacht lallen sollte. Aber ehe er noch dazu kam, bekam sein glänzendes Gefängnis einen kräftigen Sloss und rollte vorwärts, bis es mit dem oberen Rand in einer Pfütze liegen blieb. Schwuppdiwupp klammerte sich entsetzt am Boden fest und überlegte verzweifelt, wie er wohl jemals wieder herauskommen sollte. Denn mit dem Hopsen war es nichts, und in eine Pfütze — eine tiefe nasse Pfütze — krabbelt ein anständiger Grashüpfer auch nicht, denn er kann nicht schwimmen. Draussen, das heisst ausserhalb seines klebrigen Gefängnisses, wehte ein ganz energischer Wind. Zuerst riss er das lockere Etikett von der Konservenbüchse ab. Und das war auch ganz in Ordnung: denn ein gefangener lahmer Grashüpfer ist keine „prima Ana- SßKF."MM -4M nas", wie auf dem Zelle! Stand. Dann griff der Wind mit frechen Zügen alle Bäume rechts und links der Landslrasse an. Daraufhin flogen harte Gegenstände durch die Luft. Es war nicht genau festzustelleu, ob dio Bäume das als Abwehr gegen die Windslösse meinten, oder ob sich die Aepfel, Eicheln und Nüsse nur nicht gut genug feslgehallen hallen. Jedenfalls kullerte eine schöne grosse Walnuss mit dicker, gerippter Schale quer durch die Pfütze und blieb direkt am Eingang der Konservenbüchse liegen. Schwuppdiwupp hob abwechselnd ein Bein nach dem anderen hoch; sie taten ihm alle schrecklich weh und nicht einmal an einen ganz kleinen Hopser bis auf die Walnuss konnte er denken. Also duckte er sich wieder verzweifelt in die Ecke und hörte den Wind toben und «ein ängstliches kleines Herz wie eine Pauke im Kopf dröhnen. Er wusste später nicht mehr, wie lange er so dagesessen halle; ein plötzlicher Knall weckte ihn aus seiner Verzweiflung: die (Walmiss war offen. Sie sperrte einen weiten, einladenden Eingang auf, und zu allem Ueberfluss begann sie auch noch zu schwimmen, und schaukelte direkt auf Schwuppdiwupp in der Ecke zu. „Nur der Zufall ist das Leben", fuhr es Schwuppdiwupp durch den Kopf. „Teufel, Teufel, wer hat denn das bloss gesagt", dachte er noch, dann aber hob er wieder eins von den schmerzenden Beiiichen und setzte es zögernd in die Nussschale, die Bich still vor ihn hi ulegte. Nach und nach gelang es ihm, alle sechs in der Nuss unlerzubringen, und mit einem energischen Entschluss benutzte er den verbogenen Fühler zum Abstossen. Jlurra, er schwamm und fing an, sich schon gerettet vorzukommen, da klappte der freundschaftlich geöffnete Deckel zu, und -Schwuppdiwupp sass ganz im Finstern. Aber eine tiefe, sanfte Stimme raunte ihm zu: „Dir soll nur Gutes geschehen, du brauchst dich nicht zu fürchten." Da atmete der Grashüpfer tief und erleichtert, und mit jedem seiner Atemzüge dehnten sich die Wände ein bisschen. „Puste mehr", sagte die Nuss wieder, „ich bin noch lange nicht gross genug.“ Und Schwuppdiwupp pustete, bis die Nuss ein grosser glasiger Luftballon war, der sich mit rasender Schnelle in die Höhe erhob. Schon war er weit über den Bäumen und sali die alte Wiese nur noch als grünen Fleck — dann kamen sie in eine Wolke, und als man wieder etwas klar sehen konnte, waren sie über d6n Wolken, und die Sonne strahlte in reinem Glanze über die unzähligen Wolkenbänke unter ihnen. „Hallo, du Nussballon", sagte Schwuppdiwupp, „was soll das werden mit uns beiden; ich kann mich nicht rühren vor verstauchten Füssen, und du scheinst auch nicht, zu wissen, wohin die Reise geht." „Doch, doch", sagte die sanfte Stimme der Nuss um ihn herum, „ich bin ein Bote des Weisen. Er hilft den Tieren wo er kann." „Da bist du also nicht ein Zufallstreffer? Ich meine, du komische Nuss bist mit Absicht zu mir gerollt? Und wozu bekomme ich jetzt gratis diesen schönen Höhenflug?" „Damit du wieder hüpfen lernst und meinen weisen Herrn siehst!" Mit der Antwort wusste Schwuppdiwupp nichts rechtes anzufangen, und weil er sich ungern blamierte, schwieg er lieber. Und dann begann die fliegende Nussschale die Richtung zu ändern, sie senkte sich ein wenig, und aus der rasenden Fahrt wurde ein rauschendes Gleiten, und plötzlich tauchten sie wieder ein in die Wolken. Fort war die Sonne, die dem kleinen Schwuppdiwupp die steifen Betuchen gewärmt hatte, kalte feuchte Nebel waren um ihn und ein dumpfer Donner grollte und rollte von weither. Und immer schneller wurde ihr sausender Gleitflug. Schwuppdiwupp glaubte schon ernsthaft, dass der Nussballon keine Gewalt mehr über die Fahrt habe, und dass der Flug ein Absturz sei. Da fuhr vor ihnen ein blendender Blitz aus dem schwarzen Nebel. Er spaltete die Dunkelheit und zeigte die Umgebung in bleichem Licht. Eine grosse Wasserwüste sah Schwuppdiwupp, am Horizont endlich einen Streifen Land und auf dem Streifen Land ein Schloss. Schnell war das Licht des Blitzes wieder verschwunden, nur der Donner dröhnte lauter als zuvor um sie herum. Aber der Nussballon sauste weiter, schneller und schneller näherte er sich der dunklen Wasserfläche, die nur hin und wieder von fernen Blitzen malt beleuchtet wurde. Und endlich berührte der durchsichtige Boden des Nussballons die Wasserfläche. In demselben Augenblick war alle Dunkelheit zu Licht geworden, aus dem Ballon war wieder eine vernünftige Nuss entstanden; auf dem Schaumkamin einer Welle fuhr sie mit offenem Deckel dem Ufer zu. Ein schmales Bächlein mündete ins Meer; darauf fuhr das Nussschifflein weiter unter dunklen Bäumen hindurch bis in den Park eines kostbaren Schlosses. Dort sass auf einem Thron von blanken Muscheln, umgeben von leuclilenden Blumen aus aller Well, der weise Meister. Unzählige Vögel sangen in den Bäumen und bunte kleine Affen liefen geschäftig umher. „Komm näher, kleiner Schwuppdiwupp", sagte eine Stimme, so sankt und herzlich, dass der kleine Grashüpfer vorsichtig seine schmerzenden Glieder aus der Nussschale heraushob und langsam und scheu über den Boden aus schimmernden Steinen zum Thron hinkroch. Und der ■Jä