Kinderblatt
- Journal
- Kinderblatt
- Volume
- 1937
- Issue
- 4 (17.6.1937)
- Date
- 1937-06-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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helfende Freund der Tiere 15eugte sich herunter zu ihm und hob ihn vorsichtig auf seine Hand. Es schien dem kleinen Schwuppdiwupp, als sei er wieder oben über den Wolken im Lieht der reinen, glühenden Sonne, so warm und gut strahlten die Augen des Weisen. Der aber setzte Schwuppdiwupp auf eine dicke Platte aus reinstem Kristall. So rein, dass sie klar wie Luft schien. Auf ihrem Grunde war ein Spiegel. In diesem Spiegel war in fahlem Licht all das zu sehen, was Tiere leiden; jedes ängstliche Herz eines Tieres, das in Not ist, war zitternd dort zu sehen, und Schwuppdiwupp wurde ganz elend, als er sah, wie vielen Tieren es schlecht ging. Wie viele gequält, geschlagen, hungrig und misshandelt waren, und als er gerade meinte, es gar nicht mehr mit ansehen zu können, fiel ein Tropfen warmen Regens auf den Kristall, verwischte das Bild und lief als winziger Strom an den sechs Füsschen des Grashüpfers vorüber. Da waren alle Schmerzen verschwunden und seine Beine trugen ihn besser als je zuvor. „Nun geh", sagte der Weise zu ihm, „spring zurück auf deine Wiese und vergiss mich nicht. Wenn du ein Tier in Not siehst, dann glaube, dass der Kristall es mir zeigt, und dass ich es retten werde, wenn ich kann. Und ich habe viele Boten, die mir dabei helfen." „Also nicht nur die komische Nuss? Wie heissen deine anderen Boten, guter Weiser?" „Sie haben alle Namen, die es gibt. Man nennt sie Glück und Zufall oder Vorsehung, mitunter aber auch ein gutes Herz." Und damit hob der Weise Schwuppdiwupp wieder auf die Spitze seines linken Zeigefingers, ergriff einen Regenbogen, der gerade in der Luft stand, drehte ihn ein wenig zusammen, dass er fest und bunt gestreift wurde, und setzte den Grashüpfer darauf. Mit kühnen Sprüngen hüpfte Schwuppdiwupp vorwärts, bis er wieder auf einem Grashalm sass. Noch immer waren winzige Tröpfchen des Wunderwassers an. seinen Füssen, und erst bei seinem nächsten Sprung, der eine frisch erblühte wilde Rose zum Ziel hatte, sprühten sie alsschillernder Hauch über die duftenden Blätter. "Text und Zeichnungen von Gcwie OM!-- MMmm ‘Ülvi'Utt'fßMi'ft 4m (MUmmm Die Freude am Rätsel ist uralt. Schon in ältester Zeit haben witzige Köpfe Vergnügen daran gefunden, durch Verkleidung und Umschreibung der Begriffe den Scharfsinn ihrer Zeitgenossen auf die Probe zu stellen, also Rätsel zu bilden und aufzugeben. Schon die Bibel weise von mancherlei Rätseln zu berichten. Eins der ältesten und bekanntesten Beispiele dieser Art ist das Rätsel des Simsen. Der starke Simsen hatte einen Löwen erschlagen, in dessen Kadaver sich ein Bienenschwarm ansiedelte. Simsen . ass von dem Honig und gab dann seinen Ilochzeilsgästen das Rätsel auf: „Speise kam von.dem, der frisst, Süsses kam vom Grimmigen!“ Man muss zugeben, dass dieses biblische Rätsel noch etwas einfach ist, auch verstösst es gegen die wichtigste Forderung der Rätselkunst, die Eindeutigkeit der Lösung, denn für dieses Rätsel kann man alle möglichen Lösungen vermuten. Die Gäste haben das Rätsel denn auch nicht lösen können, sondern sind erst dadurch hinter seinen Sinn gekommen, dass eie Simsons Gattin veranlassten, ihm die Lösung zu entlocken. Die Bibel berichtet auch von der Rätselkunst des Königs Salomo, der sowohl als Verfasser wie als Löser von Rätseln weithin berühmt war. Er hat diese Gabe nicht nur im' Verkehr mit dem Volke, sondern auch mit anderen gekrönten Häuptern seiner Zeit vielfach erprobt. So erzählt die Bibel von einem Rätselkampf zwischen Salomo und der Königin Bilkis von Saba (1. Kön. 10). Eigens um den Scharfsinn Salomos auf die Probe zu stellen, besuchte die Königin ihn mit grossem Gefolge und reichen Geschenken, und bat um die Lösung einer Anzahl schwieriger Rätselfragen. Salomo löste sämtliche ihm vorgelegten Rätsel zur Bewunderung der Königin. Auch mit Hirain, dem Könige von Tyros, den die Bibel vor allem deswegen erwähnt, weil er Salomo das edle Holz zum Tempel bau lieferte und mit ihm auch Handels- und Erkundigungsfahrten nach dem goldreichen Lande Ophir unternahm, trat der jüdische König in einen Rätselwettbewerb ein, in dem sogar Lohe Preise ausgesetzt wurden. Iliram konnte die ihm vorgelegten Rätsel nicht lösen und musste daher den Preis bezahlen. Aber er rächte sich, indem er von einem scharfsinnigen Untertan andere Rätsel anfertigen liess, die selbst Salomo nicht lösen sonnte, so dass dieser nun auch zahlen musste. Leider hat die Bibel diese Rätsel nicht wiedergegeben. In der späteren Geschichte des jüdischen Volkes erlangte besonders Juda Ha-Lewi, der bedeutende jüdische Dichter des Mittelalters, hohen Ruf als Verfasser schöner und scharfsinniger Rätsel. Zum Beispiel dieses: Was lst’s, das nackt ins Grab man legt Und dennoch nicht den Tod erleidet, Dort Kinder zeugt, sie sorgsam pflegt, Bis sie erscheinen, wohlbekleidet? Die Auflösung lautet: Das .Weizenkorn! Das Rätsel entspricht allen Forderungen der Rätsolkunst, hat tiefen Sinn und die Lösung zu finden ist nicht ganz leicht. Auch die anderen orientalischen Völker übten sich schon zeitig in der Kunst des Rätsels. Sie entsprach der geistigen Veranlagung jener Völker, die in Rätseln und Rälselspriichen gern den Ausdruck höherer geheimnisvoller Weisheit und Erkenntnis sah und das um so mehr, je dunkler und geheimnisvoller das Rätsel war. Unter den Arabern wird besonders der Gelehrte Hariri (um 500 unserer Zeitrechnung) als Rätselkundiger gerühmt. Eins seiner Rätsel lautete: Wie ist der Name jener Frucht, Die jedem Gaumen trefflich schmeckt, Doch, wenn sie sich dem. Ohr vermählt, Nur bittren Klageton erweckt? Wer sie sich dann gefallen lässt, Der ist, was in dem Namen steckt. Auflösung: Feige, Ohrfeige, feige. Dieses altarabische Rätsel zeigt uns übrigens auch, dass, wie im Deutschen so auch in jener alten Sprache die drei ganz verschiedenen Begriffe, die die Lösung des Rätsels darstellen, doch dieselbe sprachliche Bezeichnung hatten. Noch ein weitere« Rätsel des weisen Hariri sei erwähnt: Was gestern war und heute gewesen Stellt morgen sich als Erstes ein, Gebt acht, gemeinschaftlichen Namen Mit einem hat's von diesen Drein. Auflösung: Der Morgen. Noch heute gehen die zahlreichen Rätsel des Hariri bei den Arabern von Mund zu Mund. Auch ein Rätseldichter der alten Perser, Firdusi, sei erwähnt, der grösste Dichter der Perser überhaupt, der um das Jahr 1000 unserer Zeitrechnung lebte. Eins seiner Rätsel lautet: Farbe, Geschmack und Geruch Wie Smaragd und Zucker und Moschus, Ambra ist für die Zunge, Ein Farbengewand für das Auge. Teile in Spalten sie ein, Und jede gleicht dann dem Neumond Doch bleibt sie ungeteilt, Ist sie dem Vollmonde gleich! Auflösung: Die Melone. So manches schöne Rätsel aus jener Zeit ist zu anderen Völkern gelangt und taucht heute noch immer wieder im Volksmunde wie auch in den Rätselbüchern auf. Dr. Th. Wolff, 3. Beiblatt * Nr. 4 Berlin, 17. Juni 1937 Ihr erinnert euch sicher noch daran, dass ich euch im vorigen Jahr von meinen Ferien auf dein Land erzählt habe. Und weil es mir so gut gefallen hat, habe ich mich natürlich sehr gefreut, als ich diesmal wieder eingeladen wurde. Mein Entenküken von damals ist inzwischen eine schöne, grosse feile Ente geworden. Immer, wenn es Entenbraten geben soll, habe ich grosse Angst, dass sie diesmal dazu ausgesucht wird. Weil ich schon weiss, dass die Tiere mit leerem Magen geschlachtet werden, stehe ich dann besonders früh auf, um mein Entchen zu retten. Erst ärgern mich die Mädels dann noch ein bisschen, und sagen, me ins wäre das Fetteste und würde den feinsten Braten geben. Dann nehme ich es und renne damit fort und die Mädels hinterher. Und am Ende der aufregenden Jagd schlachten sie dann doch ein anderes, und meins ist wieder einmal gerettet. Die Fohlen, die im vorigen Jahr wie niedliche kleine Kinder waren, sind inzwischen schon ziemlich gross geworden und machen manchmal richtige Dummheiten. Neulich haben sie uns zum Beispiel einen tollen Streich gespielt. Eines Morgens war schon vor fünf eine solche Aufregung auf dem lief, dass ich aufwachte. Gleich darauf wurde meine Freundin Vera gerufen, und man sagte uns, in der Nacht seien die sechs Fohlen ausgebrochen. Vera, die eine sehr gute Reiterin ist, sollte sofort ein Pferd satteln und sich auf die Suche machen. Ausser ihr wurden noch einige Leute mit Rädern und Pferden ausgeschickt. Mein Onkel rief alle Nachbarn, die Telefon hatten, an, ob sie nicht vielleicht sechs fremde Fohlen gesehen hätten. Aber niemand wusste etwas. Man konnte auch keine Spuren finden. Erst nach ungefähr drei Stunden, inzwischen war es 8 Uhr geworden, kam einer der Arbeiter angeritten und erzählte, er hätte die Ausreisser sehr weit weg auf der Wiese eines fremden Bauern friedlich grasen sehen. Nun mussten wir alle dahin reiten oder radeln, um sie nach Hause zu treiben. Aber das war nun gar nicht so einfach; denn erstens rannten die Tiere immer in der verkehrten Richtung und zweitens mussten unsere Leute sich sehr vorsehen, dass sie beim Reiten die junge Saat nicht zu sehr zertrampelten. Die Jagd ging nämlich über die Felder. Um 11 Uhr hatten wir dann die Fohlen endlich auf den Hof gebracht und landeten schweisstriefend, denn es war ein ordentlich heisser Tag. Wisst ihr noch, was für eine Angst ich im letzten Jahr vor den Kühen hatte? Damals mochte ich nicht in den Stall, weil die immer so mit den Schwänzen um sich schlagen. Diesmal kam es mir aber doch zu dumm vor, dass ich schon so oft hier war, ohne melken gelernt zu haben. Ich bat also meinen Onkel, dem Schweizer, der die Hauptperson im Kuhstall ist, zu sagen, er solle mir das Melken beibringen. Und so geschah es auch. Vierzehn Tage lang ging ich jeden Nachmittag uin 5 Uhr, angetan mit einer besonderen Kuhstallkluft, in den Stall. Da bekam ich ein kleines Hockerchen in die linke Hand und einen Eimer in die rechte, Und dann ging’s los. Erst setzte sich der Schweizer hin und zeigte mir genau, wie man das macht. Also man muss sich ganz dicht an die Kuh setzen und zwar so, dass man sie mit der Stirn fast berührt, und die Knie unter ihr sind. Eigentlich sieht doch so eine Kuh gar nicht gefährlich aus; aber wenn man zum erstenmal ganz dicht dran sitzt, und sie atmet plötzlich tief, dann hat man das Gefühl, als ob ihre Bauchseite wie eine riesige schwarze Wand auf einen zukommt. Und ganz dicht hinter einem steht auch wieder eine, denn die Kühe stellen alle in einer Reihe. Na, direkt gemütlich fand ich es zuerst nicht! Und dann das Melken! Wenn der Schweizer das macht, sieht das so einfach aus, aber als ich anfing, konnte ich midi noch so sehr anstrengen, ich bekam nur ein paar Tröpfchen Milch raus. .? Man braucht nämlich dazu ordentliche Muskeln. Zuerst traute ich mich auch nicht so sehr, an dem Euter zu drücken und zu ziehen, weil ich dachte, das täte der T<uh weh. Aber nachher merkte ich, sie kümmert sich gar nicht darum, vorne frisst sie ruhig weiter und auch am andern Ende erledigt sie alles, was sie grade zu erledigen hat und in der Mitte lässt sie sich gleichzeitig melken. Wenn abends alle Kühe leergemolken sind, dann kommt das Kälber tränken. Das macht grossen Spass. (r?V CI ■Vl( itn