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Central-Verein-Zeitung · 1937-06-17 · 24 (17.6.1937) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
24 (17.6.1937)
Date
1937-06-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Kr.24 * 17Junn937 C.-Y.-Zeifung Seite 9 Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums Am 14. Juni hielt "die Gesellschaft ihre ausserordentlich stark besuchte alljährliche Mitgliederversammlung ab. Nachdem der Vorsitzende, Professor Eugen Mittwoch, der verstorbenen Mitglieder gedacht hatte,. erstattete er seinen Geschäftsbericht, aus dem der Hinweis auf das Erscheinen verschiedener von der Gesellschaft veranlasster und herausgegebener wissenschaftlicher- Arbeiten . zu erwähnen' ist. .Von der grossen Mendelssohn -Ausgabe sind zwei Bände hebräischen Inhalts fertiggestellt bzw. im Druck; ein weiterer Band steht kurz vor der Beendigung. Die Arbeiten am II. Bande der „Germania Judaica", der die Zeit von 1238 bis 1350 umfassen wird, schreiten vorwärts. Die von Professor Isaak Heine mann (Breslau) redigierte „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" hat, besonders dadurch, dass zwei Hefte als Festschriften zu Jubiläen erschienen, dem Inhalt und dem Umfange nach eine bedeutende Ausweitung erfahren. Den Festvortra? hielt Rabbiner Dr. Benno Jacob über den „Dekalog" Zu mannigfach sind die Probleme, die sich aus "dem „Zehngebot" für den Philologen, den Historiker und den Theologen ergeben, um sie im Rahmen eines kurzen Vortrags insgesamt zu erörtern. Deshalb begnügte sich der Redner damit, nur zwei Gebote — das 4. und das 5. — näher zu erläutern, um dann einige allgemeine Bemerkungen über den Dekalog anzuknüpfen. Das 4. Gebot, das Gebot der Heiligung des Sabbats, des Ruhetags in Gott, hat, wie man gegen die Originalität dieser Schöpfung aus jüdischem Geiste glaubte anführen zu müssen, kein Vorbild im Altertum gehabt. Die Babylonier kannten einen Tag im Monat Elul, der für sie ein „böser Tag" war, an dem sie die Ausführungen von Handlungen vermieden, aber nur deshalb, weil er Unglück bringen sollte. Sie hatten auch einen Tag, den sie sabbatum nannten („um nush libbi"). Aber gerade aus dem Gegensatz jüdischer Sabbatauffassung zu dem babylonischen sabbatum, gerade aus der Erkenntnis dessen, was für Israel der 7. Tag, der Tag der Ruhe und der Sammlung, bedeutet, zeigt sich vom apologetischen Standpunkte aus die Tiefe und die Grösse unserer Lehre. Der Sabbat ist die genialste schöpferische gesetzgeberische Tat, das grosse Wunder der Religion. Er ist es, der dem Menschen seinen göttlichen Adel zurückgibt, indem er den Unterschied zwischen Knecht und Freien an einem Tage der Woche aufhebt. Die selbstgesetzte Ruhe nach der Arbeit, das ist der tiefere Sinn des erfüllten Lebens. Nicht aus der Humanität hervorgegangen ist der Sabbat, er hat Humanität geschaffen. Israel ist die Probe dafür, was der Sabbat der Menschheit bedeuten kann, er hat dieser Gemeinschaft die Kraft gestählt, nicht durch die Ruhe nach der Arbeit schlechthin, sondern durch die Ruhe in Gott. Er hat die Familie und das Familienleben geheiligt und ist ein Mittel der Erziehung zum sozialen Frieden geworden. Durch ihn ist die Synagoge zur wahren „Volksschule" geworden und somit zum Wegweiser für die „Volksbildung". Das Wunder "der Erhaltung des Volkes Israel ist durch den Sabbat erfüllt worden. Sabbat, das ist die Sehnsucht jeder Menschenseele. — „Ehre Vater und Mutter!" Die Verpflichtung zur Ehrfurcht vor Vater und Mutler, das ist gleichsam etwas Naturgegebenes. Der psychologische Grund für die Ehrung der Eltern hegt aber nicht darin, dass die Eltern dem Kinde das Leben gegeben haben, auch nicht in der Dankbarkeit, sondern darin, dass sie die erste unmittelbare Autorität sind, die dem Kinde entgegentritt. Ariftoles hat das Wort geprägt: „Wer in Zweifel zieht, ob man die Götter und die Eltern lieben soll und ob der Schnee weiss ist, für den gibt es keine logische Belehrung." Ehrfurcht vor den Eltern, Pietät, das ist das „sanctissimum fundamentum omnium virtutum". Auf zwei Tafeln aus Stein sind die zehn Gebote eingegraben. Die ersten fünf Gebote sprechen vom Göttlichen, die anderen vom Nebenmenschen. Zu welchen Geboten gehört nun das der Ehrung der Eltern? Die Tafeln, so hören wir, waren auf beiden Seiten beschriftet. Der Redner deutete diese Tatsache dahin, dass das Elterngebot dadurch einmal zu den Geboten vom Göttlichen, einmal zu den Geboten vom Nebenmenschen ge-' gehörten. So ständen die Eltern für die Kinder; gleichsam als Mittler zwischen dem Göttlichen und den Nebenmenschen. Der Dekalog, das ist, wie der Redner sagte, das nationale Erlebnis einer grossen Geschichlstat. Seine Verpflichtungen fliessen aus dem einen Begriffe: des einzigen Gottes, in dessen Ebenbilde der Mensch geschaffen ist. Die zehn Gebote sind Kompass und Panier Israels, des "Gottesvolkes geworden. Aber nicht Israel, sondern Millionen und aber Millionen Menschen stehen immer wieder am Fusse des Sinai. E. Fr. Für die foratreue Volksschule. Von sämtlichen konservativen Kanzeln der Berliner Jüdischen Gemeinde wurde im Sabbatgottesdienst am 5. Juni das Thema der konservativen Schulen in der Predigt der Rabbiner behandelt. Es wurde einmütig der Forderung und der Erwartung Ausdruck gegeben, dass seitens der Schulverwaltung der Jüdischen Gemeinde die Gründung konservativer Volksschulen, die eine Lebensnotwendigkeit für die toratreue Bevölkerung darstellen, in Angriff genommen werde. Der jüdische Religionsrerein der nördlichen Vororte Berlins hält am 19. Juni um 20 Uhr in der Synagoge Hermsdorf, Albrechtstr. 10, seine ordentliche Generalversammlung ab, auf der u. a. Rudolf Melitz über seine Palästinareise sprechen wird. Der Vorstand (Frohnau, Markgrafenstr. 64) fordert gleichzeitig zum Beitritt und zur aktiven Unterstützung der Arbeit des Vereins auf, dessen Synagoge und Religionsschule der jüdische Mittelpunkt der nördlichen Vororte Berlins ist. Der Bund agudistisch-chaluzischer Jugend hat einen Aufruf an alle Eltern und Jugenderzieher gerichtet, die Jugendlichen seinen Institutionen anzuvertrauen, die ihren Menschen ihre Stellung in der Welt und ihre Pflichten gegen Mensch und Gott weisen wollen. In der Jeschiwa, den Beth Chinnuch, der mittleren Hachschara, der Lehrwerkstätte, dem Mädchenseminar und der Haushaltschule soll diese geistige und fachliche Ausbildung geleistet werden. Eine Broschüre des Keren Hajischuw zeigt diese Ausbildungsstätten in W.ort und Bild. Ausbildungsstätten und Wohnheime befinden sich ausser in Belgien und -Holland in Halberstadt, Darmstadt, München, Frankfurt a. M., Berlin, Fulda, Hamburg. Ein Mitteilungsblatt der Bundesleitung des Noah Agudati berichtet über die Arbeit in Palästina. In Privatbriefen wird ein Bild von der Tätigkeit im Kibbuz gezeichnet. Aus der wissenschaftlichen Welt Zu unserem Aufsatz „Kopenhagens jüdische Bibliothek" (C.-V.-Zeitung Nr. 20 von 1937) werden wir von einem Leser darauf hingewiesen, dass nicht der dort genannte Abraham Wolf, sondern der Lexikograph Professor Dr. Jacob L e v y der erste Rabbiner mit dem Doktortitel gewesen sei, da er ihn bereits im Jahre 1845 in Halle erworben habe. * Die „Jiwo-Blätter" des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts in Warschau veröffentlichen eine Aufstellung von 580 jüdischen Zeitungen und Zeitschriften, die dort in den Jahren 1935 und 1936 eingingen und in siebzehn Sprachen geschrieben wTaren. * Die Akademie der Wissenschaften in Wien hat der jungen jüdischen Chemikerin Dr. Marietta Blau, die am physikalischen Institut der Universität tätig ist, für ihre Forschungen auf dem Gebiet der Pholochemie der Atome den Lieben- Preis, die höchste ihr zu Gebote stehende wissenschaftliche Auszeichnung, verliehen. Zwei .jüdische Aerzte, der Orthopäde und Chirurg Dr. Alfred Saxel und der Pathologe Dr. Robert Wilhelm, sind zu ausserordentlichen Professoren der Wiener Universität ernannt worden. Aus den Familien Babetta Reinhold (Förth b. Nürnberg) feiert am 20. Juni ihren 80. Geburtstag. — Julius Hammerschlag (Göttingen) begeht am 21. Juni seinen 70. Geburtstag. — Frau Bina G o 11 s c h o geb Simon vollendet am 24. Juni ihr 75. Lebensjahr. — Adolf Stern (Frankfurt a. M.) wird am 24. Juni 80 Jahre alt. HOTELS ♦ SANATORIEN PENSIONEN HEIM DR. FRITZ M. MEYER Berlin-Wilmersdorf, Günfzeistraste 57 Seelische Behandlung | Ambulant- und klinisch | BAD NAUHEIM Sanatorium Dr. Schoenewaii Herzu. Stoffwechselkrankheiten. Alle Diätkuren. Sanatorium Dr. Kohnstamm KSnigstein i. Taunus -Telefon 548- Nerven- und innere Erkrankungen. Diätkuren Dr. M. Friedemann Dr. B. Spinale Dr. H. Weiss (früher Bühlerhöhe) Es ist jetzt möglich, Reisen nach dem Innern Norwegern auszuführen. 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