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Central-Verein-Zeitung · 1937-05-20 · 20 (20.5.1937) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
20 (20.5.1937)
Date
1937-05-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Ferne Länder Grover Clark: China am Ende? Verlag Wilhelm Goldmann, Leipzig. Aus langjähriger persönlicher Kenntnis heraus hat der Verfasser den Versuch gemacht, die chinesische Frage, die ja in den letzten Jahren wieder stark in den Vordergrund getreten ist, nicht nur aus sich selbst heraus zu erklären, sondern in allgemeinen geschichtlichen Zusammenhang zu setzen. Von 1910 bis 1917 war er Lehrer an der Universität Peking, dann Herausgeber einer chinesischen Zeitung und gehörte zuletzt der internationalen Kommission gegen die Hungersnot an. Als Berater für die fernöstlichen Angelegenheiten ist er auch heute noch in seiner amerikanischen Heimat tätig. Persönlich interessiert ihn die kulturelle Entwicklung in der Vergangenheit wohl stärker als die politischen Streitfragen, doch lässt sich das eine vom anderen nicht, trennen. So zerfällt das Buch in zwei Teile: in eine sehr ausführliche und von hoher Warte aus geschriebene Betrachtung dessen, was das Reich der Mitte kulturell und namentlich in künstlerischer Hinsieht der Menschheit gegeben hat, und in eine Erörterung der Schwierigkeiten, die sich jetzt durch das Eindringen der europäisch-amerikanischen Zivilisation in dieses gewaltige Menschenreservoir ergeben haben. Der Originaltitel ..Die Grosse Mauer zerbröckelt", erscheint besser als der deutsche, der die Auffassung des Verfassers nicht genau wiedergibt. Clark ist der Ansicht, dass China die Krise dieser Zeit trotz ungeheurer Belastung doch voraussichtlich von innen heraus überwinden wird, wie es früher all die Eroberervölker in sich aufgesogen und damit in seinem Sinne unschädlich gemacht hat. Wie es sich bei den gegebenen Verhältnissen von selbst versteht, ist ihm der Gegensatz mit Japan weit wichtiger als der zu Europa. Dabei kommt er zu einem Urteil, das sich nicht nachprüfen lässt und über das erst die Geschichte das letzte Wort sprechen wird. Er schätzt die Kraft Nippons nicht so hoch ein, wie es allgemein geschieht, sondern glaubt, dass Japan doch so etwas wie ein Köloss auf tönernen Füssen ist, wobei er auf die finanziellen und wirtschaftlichen Notstände des Inselstaates be- , sonders hinweist. Dabei rechnet er hauptsächlich auf das Beharrungsvermögen der Chinesen, die selbst die ungeheuerlichsten Schicksalsschläge wie die Hochwasser mit Millionen Menschenverlusten stoisch hingenommen haben, ohne sich in ihrer Entwicklung stören zu lassen. Erwähnt sei, dass Clark die erste jüdische Ansie.dlung in China auf die Zeit um 30 n. Chr. ansetzt, aber annimmt, dass semitische Einflüsse sich schon früher geltend gemacht haben. Richard May. Dr. Anton Mayer: Kanada. Kurt- Wolff-Verlag, Berlin. Ein sachliches und klares Buch, ausgezeichnet geeignet, über Kanada zu informieren, über dies weite Land, „einsam, gewaltig und still", mit dessen geographischen und wirtschaftlichen Gegebenhelten wir meist weit weniger vertraut sind als mit den noch aus der Kindheit bewahrten Erinnerungen an Pelzjägererlebnisse und blutige Fehden zwischen Indianerstämmen in diesem nördlichsten Teile Amerikas. In vier grossen, übersichtlich geordneten Kapiteln gibt Mayer eine Darstellung der das heutige Kanada bestimmenden Faktoren. Der erste Teil behandelt die Geschichte des Landes, von den kolonisatorischen Anfangsbestrebungen der Franzosen im sechzehnten Jahrhundert bis in die neueste Zeit, für die die erfolgreichen SelBständigkeitsbestrebungen des Dominions charakteristisch sind. Das zweite Kapitel, „Aus den Erinnerungen eines Pelzhändlers" betitelt, vermittelt an Hand eines Reiseberichtes aus dem achtzehnten Jahrhundert ein anschauliches Bild von dem kanadischen Leben dieser Epoche, das sich, wie der Verfasser meint, trotz dem Eindringen von moderner Kultur und Zivilisation noch heute in weiten Strecken des riesigen Gebietes in den gleichen Formen bewegt wie einst. Der dritte, rein geographische Teil schildert ..Das Land und die Landschaften4'. Im vierten Abschnitt schliesslich referiert der Autor über ..Die staatsrechtliche Stellung und das Wirtschaftsleben des Dominions". Dieser Abschnitt ist für den jüdischen Leser, der ein solches Buch heute vorwiegend unter Auswanderungsgesichtspunkten in die Hand zu nehmen geneigt ist, sicher der interessanteste. Er findet hier ausgezeichnetes, zum Teil tabellarisch zusammengestelltes Material über die Ausbreitung der einzelnen Wirtschaftszweige Kanadas. Deutlich geht daraus hervor, dass auch Kanada zu den Ländern gehört, deren wirtschaftliche Möglichkeiten noch längst nicht erschöpft sind; vor allem dem Siedler bietet es mannigfaltige Möglichkeiten. Eine Fülle von ganzseitigen, vortrefflichen Photographien ergänzt und belebt den höchst instruktiven Textteil. Edgar Lajtha: Welterleben. Rowohlt Verlag, Berlin 1937. Durch die ganze Welt, über grosse Kontinente und grosse Ozeane, begleiten wir den jungen Ungarn Edgar Lajtha. Er ist kein Romantiker und nicht aus auf Abenteuer. Er staunt und himmelt die Dinge nicht an, die ihm in fremden Ländern begegnen, sondern untersucht sie, mit der Routine des echten Reporters, auf das. was an ihnen Schein ist und was Wirklichkeit. Er lässt sich nicht bluffen; mit ebenso nüchterner Unerbittlichkeit schildert er den Business-Betrieb, der heute die Hawai-Inseln beherrscht, wie die Karriere einer „Kirchengründerin" in Los Angeles. Oft findet Lajtha scharfe und treffende Formulierungen, bemerkenswert sind vor allem seine Aeusserungen über Japan und japanische Mentalität. Eine Reihe von ausgezeichneten Photos unterbricht die Momentaufnahmen der Sprache, die der Verfasser von seiner Weltreise gibt. Peter Fleming: „Mit mir allein" und „Tataren-Nachrichten", beide Ernst Rowohlt Verlag, Berlin 1936/37. Zu den unumstösslich festen, aber keineswegs immer ganz treffenden Vorstellungen, die man von anderen Menschen hat, gehört "auch die des reisenden Engländers: Shagpfeife im linken Mundwinkel, karierte Mütze auf dem Kopf, in der ■Hand einen Baedeker mit einem Rundreisebillett von Cook als Lesezeichen, in einer italienischen Gemäldegalerie stehend und ein verständnisloses „wonderful!" murmelnd. Will man sich davon überzeugen, dass Engländer ganz anders reisen, sehr bewusst und klug als die Angehörigen eines machtvollen Weltreiches, ganz vorurteilsfrei und zugleich mit scharfem kritischen Empfinden für alles Fremde und Neue, das ihnen begegnet, dann nehme man das neue Buch von Peter Fleming, in dem er eine Reise nach China beschreibt. Wir kennen Fleming schon aus seinen „Brasilianischen Abenteuern". Diesmal ist er in der entgegengesetzten Richtung gefahren: quer durch Russland in die weiten und entlegenen Gegenden Innerchinas. Wie beim Brasilienbuch (besprochen in Nr. 2 der C.-V.-Zeitung vom 9. Januar 1936) überrascht auch hier die Art des jungen Autors, Situationen, Begegnungen, Menschen zu schildern: witzig und ohne Anmassung, mit einem sicheren Instinkt für das, was interessant und zu berichten lohnend ist. „Es ist leicht"', schreibt Fleming in der Einleitung, „sich kategorisch zu gebärden, wenn es sich um Entferntes handelt." Um den Leser aber nicht irrezuführen, verzichtet er darauf. So hat sein Buch nicht jenen peinlichen Beigeschmack mancher Reiseschilderungen, in denen auf Grund flüchtiger und unkontrollierbarer Eindrücke abschliessende Urteile über „Land und Leute" gefällt werden. Und so bleibt für uns China der „Ferne Osten", wie wohl auch für den Autor selbst. Nicht umsonst nennt er sein Buch ..Mit mir allein". Mit sich allein reist er in einer sehr fremden AVeit. Er beobachtet, bestaunt, belächelt — schreibt es auf. Oft gerät er. in heikle, in schwierige Situationen. Was ihm dann weiterhilft, ist Selbstironie und Humor. Wer eine Probe dieses Humors haben will, schlage die erste Seite auf und ergötze sich an der „Warnung an den Leser". Sie lautet: „Die Geschichte der chinesischen Kultur ist viertausend Jahre alt. Die Bevölkerung Chinas wird auf 450 Millionen Menschen geschätzt. . China ist grösser als Europa. Der Verfasser dieses Buches ist sechsundzwanzig Jahre alt. Er hat in allem etwa sieben Monate in China verbracht. Er spricht nicht chinesisch." Soll man sich daraufhin noch fragen, ob sich das Buch zu lesen lohnt? H. B—n. * Ueher das neueste Buch von Peter Fleming berichiet man am besten durch einige Zitate aus dem Vorwort des Verfassers: . . . „Es beschreibt einen unverdient erfolgreichen Versuch, über Land von Peking in China nach Kaschmir in Indien zu reisen. Die Reise dauerte sieben Monate und erstreckte sich über dreitausendfünfhundert englische Meilen . . . Das Schlimme am Reisen heutzutage ist, dass es leicht zu bewerkstelligen, aber schwer zu rechtfertigen ist . . . Eigennutz war natürlich der wahrhaft treibende Faktor. Ich sagte, dass wir nur aus zwei Gründen diese Reise unternahmen . . . Der zweite, viel zwingendere, war einfach der, dass wir reisen wollten, weil wir auf Grund früherer Erfahrungen glaubten, dass wir Spass daran haben würden. Es zeigte sich, dass wir uns nicht getäuscht hatten. Wir hatten in der Tat sehr viel Spass daran ... Ich habe nie etwas, das ich geschrieben habe, sonderlich gern gemocht oder gar bewundert, und ich kann nur" hoffen, dass dieses Buch dem Leser mehr zusagt als mir." Der Leser darf dem Autor bestätigen, dass seine Hoffnung sich erfüllt. Man wird später Jakob Steinhardt in seinem Jerusalemer Atelier Fot. Sonnenfeld, Berlin Der bekannte Maler, auf dessen vielfältigem Schaffen Porträts alter Juden und schöne Berliner Städtebilder in stärkster Erinnerung sind, wählt seine Motive jetzt besonders aus der palästinensischen Landschaft und aus Menschentypen des alten Jischuw. Sehr eindrucksvolle Holzschnitte und Oelbilder aus der letzten Zeit seines Schaffens legen Zeugnis davon ab, wie sehr der jetzt Fünfzigjährige (23. Mai) in seiner neuen Heimat eingewurzelt ist. nni!lll!i!!lllllll!lllll^l!lllS[!!ilISllil!Illill!iiil!I!lllI!i!ll!Sllll!Il!SlllillIII einmal vielleicht den Beginn einer neuen Art der Reiseschilderung von Fleming ab datieren. Eine Fülle von plastischen Sätzen voll trockenen Humors bleiben in der Erinnerung haften. Kann man eine uralte, verfallene Brücke über einen gefährlichen Abgrund besser und knapper charakterisieren, als durch die Schilderung: Sie war eine Konstruktion aus Lehm und Massensuggestion? Fleming selbst bezeichnet sich einmal als einen Spezialisten in Vorgenüssen. Wirbeneiden die Leser, die die Lektüre dieses Buches noch vor sich haben, und wir freuen uns selbst auf den nächsten Band Flemings. —rg. Literarische Notiz Das erfolgreichste chinesische Buch der letzten Jahre ist ein Roman „Liebe und Pflicht" von einer Frau namens Ho Ko Se. Der Roman ist auch englisch und französisch erschienen, und von der chinesischen Ausgabe sind mehr als eine halbe Million Exemplare verbreitet Natürlich kannte ich das Buch, erzählt M. Rawitsch von seiner Weltreise, und als ich in Peking mit einigen Schriftstellern zusammen- Kopenhagens jüdische Bibliothek Von Heinz Berggrün 1S74, einundzwanzigjährig, kommt ein bescheidener junger Mann, David Simonsen aus Kopenhagen, nach Breslau ans Rabbinerseminar. Mit "sich bringt er einen scharfen Verstand, ungeheuren Fleiss und — eine Bücherkiste. Die Kollegen lachen ihn aus. Heisst das nicht Eulen nach Athen tragen? Was will er denn mit diesen paar Schriften, wo doch die ganze riesige Bibliothek des Seminars zur Verfügung steht?! David Simonsen lächelt und schweigt. Packt seine Kiste aus, vertieft sich in die Bücher, die er mitbrachte, versieht sie mit Anmerkungen am Rande, — wer würde ihm das bei Büchern aus fremder Bibliothek gestatten? — erwirbt neue hinzu, vermehrt die Sammlung. Als er 1932 hochbetagt stirbt, einer der angesehensten jüdischen Wissenschaftler der Welt, der Nestor der jüdischen Orientalistik, ist aus der Breslauer Bücherkiste eine Bibliothek von etwa 100 000 Bänden entstanden. Nur wenige wussten damals ihre Bedeutung zu schätzen. W7enn man von den bedeutendsten jüdischen Buchsammlungen der Welt sprach, nannte man die Bibliotheken in Frankfurt, London, Amsterdam undT New-York. Heute fügt man die „Bibliotheca Simonseniana" hinzu. Nicht umsonst trägt sie, wie es sonst nicht oft üblich ist, einen persönlichen Namen, nämlich den Simonsens und bringt damit zum Ausdruck, dass sie in ihrer Einmaligkeit ganz das Werk ihres Begründers, ganz von seinem Geiste durchdrungen ist. Nimmt man die Bibliotheca Simonseniana als Ganzes, so sieht man, dass sie in Anlage und Aufbau ganz das Produkt eines zutiefst humanistisch gesinnten, weltoffenen europäischen Menschen ist. der zwar in die Dinge das Mass seines durch Herkunft und Glauben bestimmten jüdischen Empfindens und Denkens legte, dem aber jede bewusste Verengung des Horizonts, jede Einschränkung und Einkapselung, die den Blick in die Weite naher und ferner Kulturen scheuklappenhaft verhindert, sorgsam vermied. Simonsen entstammte einer alteingesessenen, angesehenen und wohlhabenden dänisch-jüdischen Familie. Besuchern aus Deutschland, die ihn in der Annahme, .er käme wie die meisten jüdischen Theologen der nordischen Länder aus Zentraleuropa, danach befragten, wie lange er nun eigentlich schon in Dänemark sei, pflegte er lächelnd zu antworten: „Seit über 300 Jahren/' — Am Breslauer Rabbinerseminar erhielt er eine gründliche Ausbildung. 1S79 kehrte er nach Kopenhagen zurück, wo er als Hilfsrabbiner an der Seite Dr. Abraham Wolfs, des ersten Rabbiners im übrigen, der in Deutschland den Doktortitel erworben hatte, tätig war. Nach Wolfs Tode übernahm Simonsen das Oberrabinat für Dänemark, das damals noch neben den Funktionen in Kopenhagen die Betreuung der im Lande verstreuten Kleingemeinden umfässte. Heute besteht nur noch die Kopenhagener Gemeinde, die kleineren Gemeinden haben sich im Laufe der letzten dreissig Jahre mit wachsender Zuwanderung zur. Hauptstadt aufgelöst. Fünfzigjährig schied Simonsen aus dem Amte, um sich ganz der wissenschaftlichen Tätigkeit widmen zu können. In den nun folgenden Jahrzehnten, in denen er durch keinerlei Amtsgesehäfte mehr abgelenkt wurde, erfuhr auch die Bibliothek ihre stärkste Bereicherung. Er war ein unermüdlicher Sammler. Aber seine Sammlung erfolgte nicht nach Liebhabergesichtspunkten, sondern, was ihren Wert heute wesentlich erhöht, allein nach Gesichtspunkten des Gebrauchs, der Auswertung. Laufend veröffentlichte er in den führenden wissenschaftlichen Zeitschriften der Welt Aufsätze über Spezialthemen, in den grossen dänischen Zeitungen aufklärende Artikel über das Wesen des Judentums. Zu seinem 70. Geburtstag erschien in Kopenhagen eine Festschrift, an deren Herausgabe sich die führendsten jüdischen und nichtjüdischen Gelehrten der Zeit beteiligten. Fünf Jahre später wurde ihm zusammen mit dem jetzigen dänischen Gesandten in Berlin, Kammerherrn Herluf Zahle, der damals Präsident des Völkerbundes war, die selten verliehene grosse goldene Verdienstmedaille überreicht. Gross waren auch seine philantropischen Verdienste, die hier nur beiläufig erwähnt werden können. Während des Krieges nahm er bedeutenden Anteil an dem internationalen Hilfswerk zur Unterstützung notleidender Juden in der Welt; unmittelbar nach dem Kriege führte er den Vorsitz.dn der „Jüdischen .Welthilfskonferenz". Seine Bibliothek, dieses kostbare Gut mühevoller und sachkundiger Zusammenstellung, hätte er kurz vor dem Tode mit grossem Gewinn nach Amerika verkaufen können. Aber aus Liebe zu seinem Lande verzichtete er darauf. Er wollte, dass die Sammlung in Dänemark bliebe, einmal weil er sich davon eine wesentliche Stärkung des jüdisch-geistigen Lebens in Kopenhagen versprach, dann aber auch, weil er hoffte, auf diese Weise Gelehrte aus alier Welt in das neutrale kleine Land heranzuziehen. So überliess er die Bibliothek dem dänischen Staat für die relativ geringfügige Summe von 100 000 Kronen, von denen überdies etwa die Hälfte von den dänischen Juden selbst aufgebracht wurde. Das Unterrichtsministerium veröffentlichte damals eine Erklärung in der dänischen Presse, in der es auf die patriotische Haltung Simonsens und zugleich auch der dänischen Juden hinwies. Will man das Ergebnis fruchtbarer und schöpferischer Berührung und Ueberschneidung jüdischer und europäischer Geistesart an einem Werk ablesen, das aus beiden entstanden ist, dann kann man nichts Eindrucksvolleres wählen als die Simonsen-Bibliothek. Nimmt man wahllos aus den Regalen irgendeinen beliebigen Band heraus, so wird man — ob es sich nun um eine Schrift der Kabbala oder um eine moderne Abhandlung über Londoner und Pariser Slang handelt — mit Erstaunen und Bewunderung feststellen, dass fast jedes dieser Bücher mit Anmerkungen Simonsens am Rande versehen ist. Winzige, dünne Notizen sind es, oft nur sehr schwer lesbar, teils dänisch, teils deutsch, teils hebräisch. So geht ein eigentümliches Fluidum von der Bibliotheca Simonseniana aus. Hinter allem spürt man die Persönlichkeit Simonsens, und fast will man meinen, als verpflichte allein schon der Gebrauch seiner Bibliothek dazu, sie in seinem Sinne, im Sinne eines echten Humanitätsgefühls, eines von aller leidenschaftlich-gehässigen Trübung fraien Forschens und Erkennens zu benutzen. Im ältesten und schönsten Teil Kopenhagens, neben Schloss Christiansborg, liegt die königliche Bibliothek. Fast jede Abteilung enthält Bände, deren Exlibris mit dem Davidstern darauf hinweisen, dass sie Bestandteile der Simonsen-Sammlung bilden. Der wichtigste Teil seiner Sammlung aber — Judaica und

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