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Central-Verein-Zeitung · 1937-05-06 · 18 (6.5.1937) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
18 (6.5.1937)
Date
1937-05-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 C-V.-Zeitung Nr.18*6.Aferi1937 ,SCU£THrE^; DELICATESSEN *Q en gros <$- en dttail. Eliernthorsbrücke No. 12. HA5IBÜKG. gemässigten Reformvorschläge der A. Z., wie z. B. die Abschaffung des zweiten Feiertages, Verständnis und Gefolgschaft gefunden haben. In einer Zeit wie der heutigen, die ungleich konservativer-gestimmt ist als das radikale 19. Jahrhundert, würde wahrscheinlich selbst die gemässigte Richtung der A. Z. in den Verdacht des radikalen Altliberalismus geraten. Indessen wäre eine solche Betrachtungsweise fehl am Platz. Die A. Z. will gerechterweise aus ihrer Zeit heraus verstanden wenden. Die A.Z. hat für ihre Zeit gewirkt und ihre Pflicht erfüllt. Was auch noch für uns beispielhaft sein muss, ist ihr Bestreben um Einheit und Entwicklung des jüdischen Lebens; diesem Ziel verdanken wir die Gründung, Förderung oder Anregung von Institutionen wie des „Vereins für die allgemeinen religiösen Angelegenheiten des Judentums", des „Deutsch-israelitischen Gemeindebundes", der ,,Rabbinerversammlungen" und „Synoden", den Gedanken des „Gemeindetags", des „Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur", der „Lehranstalt für die Wissenschaft - des Judentums", kurz, aller Einrichtungen, die — mögen sie auf Zeit oder auf Dauer gewirkt haben — das Ansehen des jüdischen Namens gestärkt und gefestigt haben. Vorklänge von Hilfe und Aufbau / von Emst g. Löwenthai Caffee-Dampf-Maschint. Auftrage feanfirt auf baS ©chnetlfte unb SSiMe mitfuhrt. jDafelbfi aud) ju Reiben engl. tyidtU imb 6aucen aller Xrt, Eingemachter. Sngroec in bec t>or$üglicfcfrcn £luatttöt. gfic "Sfraelttcn jum beoorfrebenben $efad> ein DoIIfinnbigeS Sager aller in btefer Seit t>orfr>irmKnbcn Scbürfnifte, welche unter 2fuffid?t eincS baju tfiuormrfm mit foftenfeeien 2(trefrcn uerfenbet rcerben. Wian »enbe ftch in fransten Briefen an Seopoib Sübetf, StathorSbrucfe £Ro. 12. (Aus der Nummer 13 vom 23. Mär: 1S4G.) bereiter wie ein echter Pharisäer zur wirklichen Inangriffnahme und Durchführung gebracht zu haben, sondern darüber hinaus selbständig Pläne und Einrichtimcren inauguriert zu haben, die für die heutige Gestalt des religiösen Lebens unfortdenkbar sind. Geiger hatte den Plan der theologischen Fakultät zwar vor Philippson gefasst, er hatte, was die A. Z. getreulich berichtet, die erste inoffizielle Rabbinerversammlung in Wiesbaden einberufen, er hatte den Plan für einen jüdischen Literaturverein zuerst entworfen, aber immer war es Philippson, der, wie Geiger zum Schluss dankbar anerkennt, die gute Idee zur praktischen Tat werden liess. In der A. Z. erscheint 1837 die Aufforderung an alle Israeliten Deutschlands zu Subskriptionen, um eine jüdische Fakultät und ein jüdisches Seminar für Deutschland zu begründen. In Nr. 3 des Jahrganges 1844 erscheint der „Aufruf an alle Rabbiner und" jüdische Geistlichen Deutschlands zu jährlichen Versammlungen", die den entscheidenden Anstoss zu den drei ersten Rabbinerversammlungen, den grossen jüdischen Reiormkollegien des vorigen Jahrhunderts, gibt. Der Redakteur der A. Z. organisiert das erste Zusammentreffen in Braunschweig 1844, dessen Zweck ist: 1. das Kenn eisernen und die Annäherung der jüdischen Geistlichen miteinander; 2. die gemeinsame Anregung in der Führung des Amtes; 3. das gemeinsame Unternehmen allgemeiner Werke und Institute; 4. die gemeinsamen Beratungen über alle israelitischen Angelegenheiten. Die A. Z. notierte die Anmeldungen und alle übrigen Formalien, berichtete über den Verlauf und kritisierte sehr zum Unwillen mancher Teilnehmer, was dem Redakteur nicht behagt hatte, ja, sie erhob sogar den Anspruch darauf, das eigentliche Kongressblatt zu werden. Im grossen ganzen zeigte sich die Redaktion nicht befriedigt, plädierte aber nichtsdestoweniger auf Fortführung und Ausdehnung des Instituts. ■ . Entsprechendes Interesse und Raum widmet die A. Z. auch den folgenden Rabbinerversammlungen in Frankfurt am Main und Breslau. Die.Berichte in der A. Z. bilden eine wertvolle Ergängung der Protokolle. Es macht immer einen Unterschied, ob die Verantwortung eines Redakteurs sich nur auf die Berichterstattung erstreckt, oder ob — wie es bei Philippson der Fall war — der Gegenstand der Berichterstattung zugleich auch das Werk des Rezensenten ist. Wenngleich Philippsons Rolle auf den Rabbinerversammlungen ausweislich der Protokolle nicht so bedeutend gewesen ist, wie es nach dem Bericht der A. Z. oft scheinen möchte, ist sie doch vom religionshistorischen Standpunkt von besonderem Interesse. Seine oppositionelle Haltung in der Frage der hebräischen Gebetsprache (in Frankfurt) und in der der Sabbatheiligung (in Breslau) kennzeichnen am schärfsten die gemässigte Richtung seiner reformistischen Wirkung. Schlecht kommt die dritte Rabbinerversammlung in der A. Z. fort. Philippson ist enttäuscht und verbittert. Er beschliessf, an den folgenden nicht mehr teilzunehmen. Mag es nun seine ruhende Initiative, mögen es die unsicheren politischen Zeitverhältnisse gewesen sein, der Gedanke der Rabbinerversammlung schläft für die folgenden 22 Jahre ein. Wieder ist es aber 1868 Philippson in der A. Z., der die Missstände im religiösen Leben, namentlich die Zerfahrenheit im Gottesdienstwesen zum Anlass nimmt, eine neue Rabbinerversammlung zu fordern, Sie kommt 1868 in Kassel zustande und greift neben den Fragen der Gottesdienstreform einen Gedanken auf, den gerade die A. Z. schon vor längerer Zeit auf das Tapet gebracht hatte: die Einberufung einer Synode als einer Repräsentanz aller jüdischen Gemeinden Deutschlands, bestehend aus Rabbinern und Laien. Diese Synoden kamen in Leipzig 1869-und in Augsburg 1871 zustande und beschäftigten sich neben grundsätzlichen Glaubensfragen vor allem mit Fragen des Gottesdienstes und der Kultusreform. Wenn auch die Bedeutung der Rabbinerversammlungen mehrin ihrem demonstrativen Charakter gelegen hat, so ist doch ihr Einfluss auf das religiöse Leben keineswegs zu unterschätzen. Die religiöse Praxis der Gemeinden zeigte sich zwar in der Folgezeit konservativer als die gewiss nicht immer umstürzlerischen Rabbiner. Es berührt sogar eigenartig zu sehen, dass nicht einmal imme? die Mit dem Begriff ..jüdische Sozialarbeit" verknüpft sich heute eine einigermassen umrissene Vorstellung. Sieht man da nicht gleich das einprägsame Schaubild von der modernen, weitzügigen und durchorganisierten Hills- und Aufbautätigkeit vor sich? Berufsausbildung und Wanderungberatung, Wohlfahrtspflege und Wirtschaftshilfe stehen dabei im Vordergrund. Eine planmässige Sozialarbeit in dem heute geläufigen, sachlich umfassenden Sinne — der Begriff ..Sozialpolitik" ist zu umstritten und dehnbar und mag daher hier ausser Betracht bleiben — ist ein Produkt erst der letzten Jahrzehnte, wie im allgemeinen so auch im jüdischen Bereich. Gewiss, schwache Ansätze und der Systematik entbehrende Vorläufer kann man weit zurückverfolgen. Und eine Zeitung, deren ..Betreff" alle Gebiete des öffentlichen, besonders des jüdischen Lebens zu erfassen sich bemüht, ist jedenfalls ein gutes Bild der Zeiterscheinungen und ein brauchbarer Gradmesser für deren Intensität. Von den 30er Jahren aufwärts bis etwa zur Wende des Jahrhunderts: ein Zeitabschnitt, dem wirtschaftlicher und technischer Fortschritt und soziale Entwicklung das Gepräge geben. Jüdische Sozialarbeit in dieser bewegten Epoche hat, wie schon angedeutet, noch keinen festen Rahmen, auch noch keine bestimmte Ausrichtung. Wo es zu helfen gilt, wo aufgebaut und gefördert werden soll, sind das gute Herz, der wohltätige Sinn, die Privatinitiative Triebkraft und Ausgangspunkt. Noch wirkt das Schicksal des einzelnen Menschen ais entscheidender Faktor. Sozialarbeit ist noch Privatsache. Das kleine und unscheinbare Wort ..arm" und die sich aus ihm ergebenden Begriffe wie ..Armenwesen" und ..Armenpflege" sind nicht allein charakteristisch für die Zeit, sondern ebenso sehr kennzeichnend für den Stand und für die Auffassung von karitativer oder produktiver Hilfstätigkeit. Die Armut der Juden, so schreibt die A. Z. 1849, sei „ganz eigener Art". Man überschätze allgemein die wirtschaftlichen Vorteile, die der Kaufmannsstand biete, opfere seine letzten Mittel für diesen Beruf und übersehe zudem, dass der technische Fortschritt den Gewinn des Kaufmanns auf die Dauer erheblich schmälere. Die Bettelei im Umherziehen, das typische Merkmal für die Bedürftigkeit der Juden, rühre daher, dass die wenigen Begüterten am Ort völlig ausserstande seien, ihren armen Glaubensgenossen in ausreichendem Masse zur Seite zu stehen. Wäre es nicht klüger — ein Ansatz zu geordneter Wohlfahrtspflege — statt die Gelder für die Beherbergung und Bewirtung verzettelt auszugeben, jeweils am Wohnort jener Armen Hilfskassen einzurichten, denen die Wohlhabenden freiwillige Spenden, die keinen Steuercharakter haben sollen, zuführten? Damit würde auch Einhalt geboten dem misteten Wanderleben, dem Bettelunwesen und der Unterstützung unwürdiger Menschen. Und im Zusammenhang auch mit der bevorstehenden Neugestaltung der jüdischen Gemeindeverhältnisse werden praktische Vorschläge veröffentlicht, die sich mit der Art der Ermittlung der wirklich Bedürftigen beschäftigen und mit der grundsätzlichen Frage, welche Stellen für die Versorgung der Armen zuständig seien und welche Aufgaben die Armenpflege im einzelnen zu erfüllen habe. Dass die Berliner"Gemeinde mit der Betreuung ihrer Armen schon früh an vorderster Stelle steht, wird bereits in dem 1840 erschienenen, später in der A. Z. zitierten Werk von Dr. Friedrich August Lisco über „Das wohltätige Berlin" hervorgehoben. Schon damals zählte man in der preussi sehen Residenz 30 jüdische Kassen und Vereine und 29 Familienstiftungen, und die „Anstalten der jüdischen Gemeinde" verfügten nach Lisco über ein Vermögen von 1152 415 Talern. Die" Erkenntnis der ursächlichen Zusammenhänge von Bedürftigkeit und Berufsschichtung hatten schon früh zu der Ueberzeugung geführt, dass Armut und wirtschaftlicher Notstand auf die Dauer nicht durch Mittel der Karitas behoben werden könnten. Die Zeitverhältnisse bedingten bereits damals eine Neuformung des Berufslebens,- d. h. erzieherische Massnahmen, die heute in dem .schlagwortartigen Begriff „Berufsumschichtung" zusammengefaßt werden. Wenn die A. Z. 1849 in einer für das damalige Preussen geltenden Uebersicht zeigt, dass von 1000 selbständigen Juden etwa 20 Prozent dm Handwerk und weit über 40 Prozent im Handel tätig waren, so lag nichts näher, als den Ursachen dieser Erscheinung nachzugehen. Da liess sich ein Anonymus über die „Abneigung gegen den Betrieb von Handwerk und Feldbau" aus und vertrat die Meinung, dass, abgesehen von den Schwierigkeiten durch die Zünfte, die Innehaltung der Sabbat- und Speisegesetze den Juden ein Schritthalten mit den nichtjüdischen Konkurrenten unmöglich mache. Befreiung von der Erfüllung der Zeremonialgesetze, wie sie z. B. für den Militärstand gelte, sei dringend erforderlich. Philippson setzte sich mit jenem Schreiber kritisch auseinander. Das seien nicht die echten Gründe, zumal erfahrungsgemäss in den von der Orthodoxie am stärksten durchsetzten Provinzen die Betätigung der Juden in Handwerk und Landwirtschaft überwiege, im Gegensatz zu den Gebieten, wo ein „laxer Geist" herrsche. Der eigentliche, der tiefere Grund jener Abneigung sei wohl in der allgemein ungünstigen Lage des Handwerks und der auch durch den Mangel an Grundbesitz entstehenden Schwierigkeit des Uebergangs zur Landwirtschaft zu suchen. Dabei reichen die Versuche, junge Menschen zeitgemässe, vernünftige Berufe ergreifen zu lassen, schon einige Jahrzehnte zurück. Schon die allererste Nummer der A. Z. bezeichnete in einer Darstellung der religiösen und bürgerlichen Verhältnisse der Dresdener Gemeinde bereits die Tatsache als bemerkenswert fest, dass, dank der Wirksamkeit eines am 100. Geburtstag Moses Mendelssohns (1829) ins Leben gerufenen Vereins zur Förderung der Handwerke, Künste und Wissenschaften, bis Anfang 1837 immerhin eine Anzahl hilfsbedürftiger Knaben aus Dresden zu .Tischlern, Messerschmieden, Instrumentenmachern, Buchbindern, Schuhmachern. Schneidern und anderen Handwerkern ausgebildet worden sei. Probleme des Armenwesens — Wohlfahrtspflege im kleinen — führen, als ob zeitnahe Umstände zur Erörterung stünden, zu „Handwerk und Feldbau", zu Fragen der Berufsausbildung. Und spinnt sich etwa — so ist man geneigt zu fragen — der Faden weiter, hinüber zu Dingen der Wanderung, der Siedlung? Wahrhaftig! Welche eminente Bedeutung gediegenem, handwerklichem Können und guter landwirtschaftlicher Ausbildung beigemessen wird, zeigt sich dann immer wieder, wenn die A. Z. über Motive und Erscheinungen der Kolonisation und der Auswanderung spricht oder sprechen lässt., Ausgangspunkte sind naturgemäss stets die sich aus den schwierigen Verhältnissen im Osten Europas notwendig ergebenden Lebensveränderungen. Wenn z. B. in den 80er Jahren ein Aufruf veröffentlicht wird, sich der nach Uebersee wandernden Juden auf ihrer Fahrt durch Deutschland anzunehmen, so scheint er doch in seiner Tragweite merklich hinter' der Beschäftigung mit den lebenswichtigen und grundsätzlichen Problemen zurückzutreten. Da hatte die jüdische landwirtschaftliche Siedlung in Russland eingesetzt; sie hätte nach Auffassung der A. Z. von Anfang an und nicht erst nach Jahren rentabler gestaltet werden können, wenn schon rechtzeitig für sachkundige Unterrichtung der — mehr aus Not als aus freien Stücken — umschichtenden russischen Juden gesorgt worden wäre. Muten schon solche zuweilen ins einzelne gehenden nüchternen, praktisch-beruflichen Erörterungen ungewöhnlich gegenwartsnahe an, so überrascht noch weit mehr die Richtung, in der sich vor etwa 50 Jahren Betrachtungen über das Wanderungsziel osteuropäischer Juden bewegen." „Warum richtet sich der Strom nicht auch nach Canada, in die Republiken Zentral- und Südamerikas?" Selbst Palästina, das „eine starke Anziehung aus Motiven, die wir nicht zu erörtern haben", besitzt, wird schon -in den Kreis der Möglichkeiten einbezogen; indes, von einer Kolonisation, von Einzelversuchen abgesehen, verspricht man sich nicht viel, und in den Städten „liegen die gewerblichen Verhältnisse äusserst darnieder, und die Zustände sind von betrübender Art". Ueberdies sei der Gedanke, auszuwandern, leichter zu fassen, als ihn auszuführen. Iin allgemeinen fehle es an Geldmitteln. Und dazu mache jetzt (18S6!) das nordamerikanische Gesetz die Zulassung von Auswanderern vom Nachweis eines „gewissen Quantums an Geldmitteln" abhängig. So erörtert vor annähernd 50 Jahren , . .! „Erörtert" klingt fast übertrieben, eher: berührt, gestreift. Aber auf das Mass kommt es vielleicht weniger an als auf die Tatsache, dass sich die A. Z. überhaupt mit entscheidenden Vorgängen im räumlich weiten jüdischen Leben referierend und kritisierend beschäftigte. Zweifelsohne verband Philippson damit die pädagogische Absicht, der Leserschaft seines Blattes möglichst viele Kenntnisse von Form und Inhalt, von Besonderheiten und Aufgaben des Lebens der Juden in aller Welt zu vermitteln. Dieses Streben nach Vertiefung des jüdischen Wissens unter seinen Glaubensgenossen kommt bei Philippson namentlich auch in der von ihm begründeten, durch seine Zeitung propagierten „Israelitischen Literaturgesellschaft" zum Ausdruck. Wenn dieses „Institut zur Förderung der israelitischen Literatur", wie es sich nannte, schon nach ISjährigem Bestehen seine Tätigkeit einstellen musste, so lag das nicht so sehr im Rückgang der Abonnentenzahl begründet als vielmehr in der nachlassenden Produktivität der jüdischen Autoren. Jedenfalls verdient auch das bedeutsame soziale Unternehmen der Volksbildung im Rahmen dieser Betrachtung erwähnt zu wrerden, zumal die Hilfs- und Aufbauarbeit unserer Tage, von der wir ausgingen, von der schulischen Bildung einmal abgesehen, auch allgemein-kulturelle Bestrebungen wie z. B. die jüdische Erwachsenenbildung lebhaft fördert. iiliiiililliltlilllllil Aus alten Jahrgängen Rom, 18. April. So wären denn nun auch die Tore des Ghetto gefallen, welche die Judenstadt von der Gemeinschalt mit der katholischen Christenheit streng gesondert hielten. Gestern Abends 10 Uhr sind sie auf Befehl des Kardinalvikars niedergerissen worden, und das Judenviertel geht von nun an in dem neuen Rom auf. Die Vorurtheile, welche mit diesen alten Mauerstücken hinweggeräumt worden sind, kann man hier zu Lande nicht hoch genug anschlagen; falsch aber würde man die Bedeutung dieses Verhags beurtheilen, wenn man annehmen wollte, er habe eben nur dazu gedient, die jüdische Bevölkerung von den Christenmenschen abzusperren, er hat auch die bedrückten, oft geängstigten und gequälten Söhne Jakob vor mancher Unbill schützen müssen. Er war nämlich nicht bloss Gefängniss, sondern auch Asyl. Aengstlich wurden die Kinder innerhalb seines Bereiches gehalten, weil, wenn etwas Eines ausserhalb desselben von einem eifrigen Katholiken unter Hersagung der Taufformel mit Wasser benetzt wurde, es seinen Eltern und seiner jüdischen Gemeinschaft für immer entrissen w*ar. Auch in dem gegenwärtigen Augenblicke sehen daher die Gönner der Juden diese Schutzmauern nicht ohne Besorgniss niederreissen, indem sie von nun an jeder Invasion von Uebelwollenden oder Unruhstiftern Preis gegeben sind. In anderen weniger Wirren Zeiten würde man darauf keinen Werth gelegt haben, und in der That ist die ganze Sache gar nicht einmal neu. Zur Zeit der französischen Herrschaft nämlich war dasselbe geschehen, und erst bei der Rückkehr Pius' VII. hat man die damals schon veraltete Einrichtung mit so vielen anderen Vorurtheilen und offenbaren Missbräuchen wieder hergestellt. (Aus (kr Nummer 20 vom 8. Mai 1S4S.) 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