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Central-Verein-Zeitung · 1937-04-08 · 14 (8.4.1937) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
14 (8.4.1937)
Date
1937-04-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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DIE JÜDISCHE GEMEINI 100000 weniger 500 000 — 400 000: abgerundete Hunderttausende!:, die eine kurze, aber lebendige Sprache sprechen. Sie repräsentieren nichts weniger als Menschenbestände zu zwei verschiedenen Zeitpunkten, Ende 1936 lebten in Deutschland etwa 400 000 Juden, 1933 waren es noch annähernd 500 000. Jene auf rohe Schätzungen gestützte Gegenüberstellung zweier runder sechsstelliger Zahlen illustriert in grossen Umrissen den Vorgang, den wir Schrumpfung zu nennen pflegen, und wirft überdies ein Licht auf zu erwartende Entwicklungen. Der Grad der Schrumpfung ist nach Grössenklasse und Lage der Gemeinde ganz verschieden. Das wird schon deutlich, wenn man die Entwicklung der letzten drei Jahre in den jüdischen Grossgemeinden (Gemeinden mit über 10 000 jüdischen Einwohnern) und in den jüdischen Mittel- und Kleingemeinden jeweils für sich verfolgt: Die nachstehende Uebersicht veranschaulicht ar abgerundeten Ziffern die rückläufige Entwicklung in den sechs noch vorhandenen jüdischen Gross gemeinden: .JJitte 1933 am Ende 1936 Rückgang in % 162000 145 000 10 Breslau......... über 20 000 über 17 000 15 Köln........ ... 15 000 140C0 7 Frankfurt a. M. . 2(5 000 21000 20 17 000 15000 12 11000 9 500 14 Die Bevölkerungsdezimierung reicht also in dieser Gemeindegrössenkiasse nach oben bis zu einem Fünftel des Bestandes von 1933 und sinkt nach unten sogar unter den Hundertsatz von 10. Dass die Schrumpfung in diesen Fällen verhältnismässig gering blieb, erklärt sich daraus, dass die - Auswanderung ansässiger Juden durch den Zuzug jüdischer Menschen aus den Mittel- und Kleingemeinden der engeren und weiteren Umgebung zum Teil wieder wettgemacht wurde. Welche erschreckenden Ausmasse aber der Bevölkerungsrückgang in den Mittel- und Kleingemeinden — bei aller Verschiedenheit im Einzelfall — im ganzen angenommen hat, geht aus den in fast ununterbrochener Folge erscheinenden statistischen Üebersichten einzelner Gemeinden zur Genüge hervor. Der Arbeitsbericht des Zentralausschusses bei der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, der als Ganzes, kurz nach seinem Erscheinen, an dieser Stelle (vgl. C.-V.-Zeitung Nr. 9 vom 4. März) bereits ausführlich gewürdigt wurde, wählte den 30. Juli 1934 und den 2. September 1936 als Stichtage, um den Bevölkerungsrückgang in mehr als zwei Dutzend Mittel- und Kleingemeinden zu veranschaulichen. In diesem Zeitraum ist etwa um die Hälfte des Bestandes die Bevölkerung in Eydtkuhnen, Hameln, Tilsit und Wesel zurückgegangen; um 40 Prozent herum liegt der Rückgang in Fürstenwalde, Gumbinnen, Landsberg a. d. W., Lyck, Marienwerder, Neuss, Steele und Wandsbeck, und eine Abnahme von nahezu 20 Prozent und weniger haben Erfurt, Hamborn, Hindenburg (O.-S.), Ratibor, Wuppertal-Elberfeld und (sogar um nur etwa 10 Prozent) Düsseldorf aufzuweisen. Ein Beispiel für den individuellen Charakter der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung ist Stuttgart, das zu den grossen Mittelgemeinden zählt. 1936 standen dort 638 Wegzügen 523 Zuzüge gegenüber, die sicher im wesentlichen aus den württembergischen Klein- und kleineren Mittelgemeinden erfolgt sein dürfen. Der Ausgleich zwischen Ab- und Zuwanderung findet, dann auch in den absoluten Ziffern des Bevölkerungsstandes für 1933 (4490) und für den 1. Januar 1937 (4411) seinen sichtbaren Ausdruck. Zu weit krasseren Ergebnissen würde bei den übrigen genannten Mittel- und Kleingemeinden ein Vergleich 1936 bis 1933 führen. Die Provinz Ostpreussen im ganzen verzeichnet beispielsweise in der Zeit vom Juni 1933 bis zum September 1936 eine Verminderung von etwa 8000 auf etwa 6000 jüdischen Menschen, also um ungefähr 25 Prozent. Ausser Königsberg hat keine ostpreussische Gemeinde mehr als 500 Seelen. Ueber 300 Seelen haben nur die Gemeinden Tilsit und Allenstein. Alle anderen liegen unter dieser Zahl. Bemerkenswert ist, dass im angegebenen Zeitraum die Zahl der jüdischen Kinder in der Provinz Ostpreussen um 65 Prozent zurückgegangen ist. Der starke Bevölkerungsverlust hat 1936 in manchen Fällen sogar zwangsläufig zur völligen Auflösung von Gemeinden geführt, so u. a. in Reppen (Provinz Brandenburg), Striegau (Provinz Schlesien), Fussgönheim (Pfalz), Ellwangen und Vaihingen (Württemberg). Und wrenn, was im Laufe des vorigen Jahres in einigen Gemeinden Pommerns, Ostpreussens und in westlichen Gebieten vorgekommen ist, Synagogengrundstücke verkauft wurden, so kennzeichnet ein solcher Akt, auch ohne dass Ziffern als Beweis dienen, auf welches Menschenminimum Gemeinden zusammengeschrumpft sein müssen. > , 276 Gemeinden (von insgesamt etwa 1400 im ganzen Deutschen Reich) sind, was im Arbeitsbericht des Zentralausschusses als besonders sichtbares Merkmal der Schrumpfungsfolgen hervorgehoben wird, zu Notstandsgemeinden erklärt worden. Das will besagen, dass diese Gemeinden zur Aufbringung des üblichen SOprozentigen Anteils an den Kosten für Auswanderung oder Berufsausbildung ihrer eigenen Gemeindemitglieder nicht mehr in der Lage waren und zentrale jüdische Fonds die gesamte Mittelaufbringung übernehmen mussten. Es darf keineswegs wundernehmen, dass das lebenswichtige Problem der Schrumpfung jüdischer Gemeinden und die sich aus ihm ergebenden allgemeinen Folgen, die sozialen Pflichten und wirtschaftlichen Notwendigkeiten am Anfang jenes umfassenden Rechenschaftsberichts des Zentralausschusses bei der Reichsvertretung behandelt werden. Die den zentralen jüdischen Stellen aus der Schrumpfung erwachsene Aufgabe besteht in erster Reihe darin, einen Ausgleich der sozialen Lasten zwischen den vorläufig noch gesunden jüdischen Zentren und den finanziell immer schwächer werdenden Einzelgemeinden zu schaffen. Wohlfahrtspflege und Wirtschaftshilfe, Schule, Berufsausbildung und Wanderungsvorbereitung erfordern gerade in leistungsschwachen Gemeinden erhebliche Zuschüsse. Die wirtschaftliehen und sozialen Folgen der Schrumpfung wirken sich auf die zentralen jüdischen Stellen um so stärker aus, als die Leistungsfähigkeit des in den Gemeinden verbleibenden Restes jüdischer Menschen in zunehmendem Masse nachlässt. Hier berühren sich Schrumpfung und Altersaufbau aufs engste. Feststellungen und Eindrücke gehen im allgemeinen dahin, dass sich der Rückgang der Bevölkerung einer Gemeinde im wesentlichen aus der Abwanderung von Angehörigen der sog. Mittelschicht, der 20- bis etwa 45jährigen, ergibt, die vielfach das wirtschaftliche und finanzielle Rückgrat zumindest der Klein- und Mittelgemeinden bildeten. Jugend und Alter bleiben, grob gesprochen, zurück, und sind, je kleiner die Einkünfte aus Arbeit oder Vermögen und je geringer . die Möglichkeiten privater Unterstützung wrerden, auf allgemeine jüdische Mittel, sei es zum Zweck der Ausbildung, sei es zwecks fürsorgerischer Betreuung, angewiesen. Selbstverständlich macht sich der U eberalt e - rungsprozess auch in den Grossgemeinden bemerkbar. So waren im Jahre 1936 in Köln 21,17 Prozent der Gemeindeangehörigen unter 18 Jahren, 48,27 Prozent zwischen 18 und 50 Jahren und 30,56 Prozent über 50 Jahre. Seit 1934 ist dort die Zahl der Personen üb°r 60 Jahre von 13,5 Prozent auf 15,5 Prozent gestiegen. Erschwerend kommt der überall festzustellende ungewöhnliche Tiefstand der Geburtenzahl hinzu, der in den nächsten Jahren das Bild vom Altersaufbau der Juden in Deutschland in der aufgezeigten ungünstigen Richtung beeinflussen und die Zunahme des Sterbeüberschusses bewirken dürfte. Schrumpfung, Abwanderung in grössere Gemeinden und Altersstruktur stellen also die jüdischen öffentlichen Instanzen vor gewaltige Aufgaben, deren Bewältigung Ziel und Streben aller zentralen Kräfte ist. Dr. Ernst G. Löwcntlial. Der starke Rückgang der Geburtenzahl bei' den Juden in Deutschland ist eine Folge der zunehmenden Auswanderung der jüngeren Jahrgänge und der verminderten Geburtenfreudigkeit ' der Zurückgebliebenen. Aus einer Darstellung über „Die Geburten im Jahre 1935'* (.»Wirtschaft und Statistik", 1937, 6) lassen sich auch Zahlen für die ehelichen Geburten von jüdischen Müttern entnehmen und in Vergleich mit der Entwicklung bei der evangelischen und katholischen Bevölkerung setzen. Danach wurden in ganz Preussen 1935 von evangelischen Müttern 39 v. H. und von katholischen Müttern 27,3 v. H. eheliche Kinder mehr geboren als im Jahre 1933. Demgegenüber ist die Zahl der von jüdischen Müttern ehelich geborenen Kindern von 2100 im Jahre 1933 auf 1703 im Jahre 1935, also um 19 v. H. zurückgegangen. Ein noch grösserer Tiefstand war allerdings im Jahre 1934 zu beobachtven, wo nur 1412 Kinder von jüdischen Müttern geboren wurden. Für das Jahr 1936 sind die Ziffern noch nicht bekannt. Man wird aber annehmen müssen, dass sie in der Linie der Entwicklung bleiben. Beamtengesetz und Synagogengemeinden Von Max Birnbaum ■ Durch das Deutsche Beamtengesetz (DBG)] vom 26. Januar 1937 (RGBl I, 39) ist eine einheitliche Neuordnung des Beamtenrechts für allg Reichs-, Landes- und Kommunalbeamten sowie Beamten sonstiger öffentlich-rechtlicher, de£ staatlichen Aufsicht unterstellter Körperschaften geschaffen. " " Die öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaf* ten, d. h. auch die Synagogengemeinden und deren Verbände sind ermächtigt, zur Regelung des Rechts ihrer Beamten und Seelsorger entsprechende Vorschriften zu erlassen (§ 174). In einem Punkte gellen die Bestimmungen des DBG unmittelbar auch für die öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaften: während bisherfür die Entscheidung vermögensrechtlicher Ansprüche der Beamten die ordentlichen Gerichte zuständig waren, setzt § 174 DBG die Zuständigkeit der ^jmiier Ludwig Steinmetz \ V Nürnberger Str. 56 (neben Woolworth) ^r* Die Juden von Rheineck Die Burg hoch oben auf dem dichtbewaldeten Berg, die so beherrschend um sich schaute, lockte mich zu einem weiten Rundblick auf die rebengesegneten Hänge, auf die hügeligen Felder und den in vielen Windungen dahinfliessenden Rheinstrom. Ich ging nicht den breiten Fahrweg, den wohl einst die Raubritter, die Burggrafen von Rheineck, die Pfalzgrafen, die Abgesandten der Erzbischöfe von Köln und Trier, die Hochzeitskavalkalden einst ritten. Auf schmalen Pfaden stieg ich hinan. Meine Gedanken wanderten mit mir in vergangene Zeiten: haben dort unten *n den Ufern des Rheins, verstreut in den Ortschaften Niederbreisig, Brohl, Oberbreisig und Remagen, in Bonn bis hinab nach Köln, und stromaufwärts in Bacharach, Mainz, Speyer unter der Herrschaft der Ritter, der Burggrafen, der Erzstifte und Bistümer nicht Juden gewohnt? Wanderten sie nicht stromauf, stromab; landein, landaus, gebeugt und gedrückt? Das Dorf am Fusse des Berges war der lieblichste Anblick von allen Köstlichkeiten, die sich meinen Augen boten. Eng angeschmiegt, gleichsam vor einem bösen Feind schutzsuchend, so lagen die kleinen Häuser da, einige, als ob sie den Hang hinanklimmen wollten, um drohender Gefahr zu entrinnen: Dorf Rheineck — irgendwann musste ich davon gehört, gelesen haben. Wie ich so dahinging, sah ich und meinte ein Wunder zu schauen im Walde, sanft gebettet in einer Mulde des Bergrückens, frei, jedermann zugänglich, einen jüdischen Friedhof, Grabsteine mit hebräischen Inschriften, kleine Steine, nur einen halben Meter hoch, vierkantig, und schlicht, bemoost und verwittert, friedlich und wohlgeordnet. Da fiel der letzte Schleier vor meinem Blick in die Vergangenheit. Ich blätterte in einem Buch aus den Tagen meiner Kindheit, und in leuchtender Klarheit sab ich greifbar deutlich vor mir die Schriftzeichen, die verschnörkelten und buntbemalten grossen Buchstaben am Beginn eines jeden Absatzes in der Chronik derer von Burg Rheineck. Und nun wurden mir die Zusammenhänge wieder lebendig: die hier unter den Steinen lagen, das waren die Juden vom Dorfe Rheineck. Während der Judenverfolgungen am Rhein begaben sie sich — es muss wohl im 16. Jahrhundert gewesen sein — unter den Schutz des Burggrafen Johann von Rheineck. Dadurch wurden sie nach dem damaligen allgemeinen Recht Leibeigene des Burggrafen, dem aber wiederum die Verpflichtung erwuchs, für seine Juden einen Friedhof herzugeben; denn nirgendwo anders durften die Juden von Rheineck ihre Toten beerdigen. Vor diesem Friedhof stand ich also. Und mir fiel weiter ein, w7as ich über die Juden von Dorf Rheineck in der Chronik gelesen. Dort, wo der Vinxtbach, die Grenze zwischen Germania Superior (Mainz) und Germania Inferior (Köln) oder — nach der späieren Lesart —, wo der Bach die Grenze zwischen dem Erzstift Köln und dem Erzstift Trier bildete, lebten die Rheinecker Juden in Ruhe, gingen dem Frondienst für den Burggrafen nach und bestellten seine Aecker und Weinberge. Einmal im Jahre vereinte sie sogar das Erntefest mit dem Burggrafen und der Burggräfin bei fröhlichem Gelage. Um 12 Uhr nachts führten dann die Rheinecker Juden einen von ihnen erfundenen Tanz auf, „Fübbchen" genannt, der sich später im Tale und in den Nachbarorten einbürgerte und alljährlich auf den Kirmessen von der Bevölkerung getanzt wurde. Wie es den Juden von Rheineck unter den späteren Burggrafen erging, meldet die Chronik nicht. Es ist aber anzunehmen, dass sie in den weiteren unruhigen Zeiten, da der Besitz der Burg durch Fehden, durch Heiraten und Erbstreitigkeiten häufig wechselte, in der Regel die Leidtragenden gewesen sein werden, dass sie lieber in ihren Häusern im Dorfe König Davids Psalmen gemurmelt haben werden, als beim Erntefest auf der Burg am Tanze teilzunehmen, der nur allzu sehr einem Tanz auf dem Vulkan geglichen haben mag. Immerhin, es steht fest, die Juden von Rheineck haben alle diese Prüfungen überstanden, haben jene Zeiten überlebt, bis mit Napoleon ihre Leibeigenschaft aufhörte. Dort liegen sie nun in einer Ruhe, die dureh die Jahrhunderte hindurch offenbar ungestört geblieben ist, als ob eine ordnende, pflegende Hand sie betreut hätte. Nur drei Steine liegen am Boden. Kein Grabhügel ist mehr zu sehen. Die Zeit hat das Erdreich geebnet, die Steine erscheinen etwas eingesunken und heben sich aus dem moosigen Grunde, als hätte der liebe Gott sie so wachsen lassen. Die Sonnenstrahlen zittern durch die belaubten Zweige. Es fällt meine Scheu, und ich trete näher und schreite zwischen den Gräbern. Meine Hände gleiten im Vorübergehen über die Steine dahin, als nähme ich von guten Bekannten Abschied. Jeden Stein berühre ich, mich beschleicht nicht Wehmut, doch Rührung ob des lieblichen Idylls, des wunderbaren Friedens dieser Stätte. Noch einmal wende ich mich um. Mein Blick fällt auf die drei Steine am Boden. Sie schauen mich fragend an: Wer wird uns. wieder aufrichten? Mein antwortender Blick birgt ein Versprechen. Und wie ich vor dem Abstieg nach Niederbreisig noch ein letztes Mal zurückblicke, sehe ich die segnenden Priesterhände eines Grabsteins auf mich gerichtet. S. Chaim, Köln. Fortbildungskurs für jüdische Lehrer in Karlsruhe In der Entwicklung des jüdischen Schulwesens in Deutschland ist das badische das jüngste. Zwei Generationen haben dort ihre Erziehung in der Simultanschule erhalten. 1936 wurden die jüdischen Schulabteilungen begründet (die Mannheimer Klassen bestehen schon seit 1934), die heute schon 75 v. H. aller schulpflichtigen Kinder betreuen. Eine grosse Zahl anerkannter Pädagogen aus dem allgemeinen Schulwesen stand der neuen Arbeit zur Verfügung. Der b a d i s c h e Oberrat hat unter der Führung von Professor Dr. Nathan Stein und Oberregierungsrat i. R. Dr. Siegfried Weissm an n hier in kurzer Zeit ausgezeichnetes geleistet. Anders liegen die Verhältnisse in Württemberg, das vor allem in seinen Kleingemeinden seit Jahrzehnten ein — seit 1933 freilich vergrössertes — jüdisches Schulwerk hat, das im Oberrat von Direktor Rothschild (Esslingen) vertreten wird. Es war ein glücklicher Gedanke, dass in Gemeinschaft mit der Reichsvertretung die beiden Verbände ihre Lehrerschaft zu einem dreitägigen Fortbildungskurs nach Karlsruhe gebeten hatten. Die"Schulabteilung der Reichsvertretung, deren Leiter Dr. Arthur Leschn i t z e r es ausgezeichnet verstand, die Arbeit straff zusammenzuhalten, hatte Referenten aus den verschiedensten Teilen des Reiches geholt. So konnte man einen Blick in die Mannigfaltigkeit der Wege tun, die alle dem gleichen Ziel gelten. Hugo Rosenthal, der Leiter des Landschulheinis in Herrlingen, hielt das richtunggebende Referat: „Die geistigen Voraussetzungen für die Arbeit der jüdischen Schule", Er stellte dem endlichen Zweck, das die Schule des 19. Jahrhunderts als Berufsvorbereitung hatte, das unendliche Ziel gegenüber, das die jüdische Schule immer zusammenhalten müsse, so verschieden auch ihre Zweckbedingtheit sei. Das Judentum in seiner „Zwecklosiskeit" stelle sich der „Zweckhaftigkeit" dieser "Welt stets gegenüber. Diese Gegenüberstellung gelte es fruchtbar zu machen.Dr. Ernst Loewenb e r g (Hamburg) versuchte zu zeigen, wie auch in der jüdischen Schule der Deutschunterricht Mittelpunkt bleibt, weil das seelische Erleben des Kindes nur in seiner Muttersprache seinen Ausdruck findet, wie aus der besonderen Situation, in der unsere Kinder das Deutsche heute erleben, nicht nur stoffliche Probleme erwachsen, sondern auch die Verpflichtung, am Deutschen das sprachliche Bewusstsein zu schärfen. Mittelschulrektor Dr. Heinemann Stern (Berlin) ging in seinem Vortrag über den Geschichtsunterricht von dem Dilthey-Wort aus: „Was ein Mensch sei, erfährt er durch Geschichte." Auch wenn wir ausgegliedert sind, können wir unsern Kindern Weltgeschichte nur anschaulich machen an der deutschen Geschichte. Aus seiner reichen Erfahrung zeigte Stern, wie durch Vereinfachung und Konzentration Zeit für den Einbau der jüdischen Ge-

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