Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 13 (1.4.1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 3. Beiblatt Paläsrtma-lJiiiscliaii der C.-V.-Zeitung 1. April 1937 Die Palestine Defence Order in Council Die Palestine Defence Order in Council 1937 ist nach ihrer Bekanntgabe durch den High Commissioner im palästinensischen Amtsblatt nun auch in London veröffentlicht worden. Sie fasst, wie bereits mitgeteilt wurde, ähnliche frühere Verordnungen zusammen und gibt ihnen eine neue Rechtsgrundlage. Unter den ausserordentlichen Vollmachten,- die dem High Commissioner durch sie erteilt werden, nehmen die sogenannten „Verteidigungs Vorschriften" einen wichtigen Platz ein. Na,ch ihnen kann der High Commissioner Vorschriften erlassen, die ihm für die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit nach seinem uneingeschränkten Ermessen als notwendig oder angebracht erscheinen, und cre der Verteidigung Palästinas, der Äufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, der Unterdrückung von Meuterei, Rebellion und Aufruhr und der Aufrechterhaltung der für das Leben der Allgemeinheit notwendigen Hilfsmittel dienen. Durch besondere Bestimmungen wird dafür gesorgt, dass der High Commissioner imstande ist, alle Massnahmen für die Inhafthaltung, Deponierung und Fernhaltung von Personen, für die Besitzergreifung oder Zwangsverwaltung jeglichen Eigentums, sowie für die Verrichtung von Arbeiten auf jedem Boden (einschliesslich von Demolierung, Zerstörung und Entfernung von Eigentum) zu treffen. Auf Grund der Palestine Defence Order in Council wird der High Commissioner in die Lage gesetzt, jedes Gesetz abzuändern, bzw. die Wirksamkeit jedes Gesetzes zu suspendieren und jedes Gesetz mit oder ohne Modifizierung anzuwenden. Eine von ihm erlassene Verteidigungsvorschrift erhält Wirksamkeit ohne Rücksicht darauf, ob sie etwas enthält, was mit einem anderen Gesetz unvereinbar ist, oder ob eine damit kollidierende Bestimmung ausdrücklich abgeändert wurde oder nicht. Die Defence Order enthält weiter Bestimmungen über Militärgerichte und ihre Befugnisse.. Eine der wichtigsten Vollmachten, die der High Commissioner durch die Defence Order erhält, ist das Recht, die ihm zustehenden Funktionen dem Kommandierenden General der Streitkräfte in Palästina, zu übertragen, also auf Grund eigener Machtvollkommenheit eine Militärherrschaft im Lande zu proklamieren. Nach den äusserst zurückhaltenden Erklärungen des Kolonienministers Ormsby-Gore im Britischen Unterhaus, insbesondere nach seiner eindeutigen Ablehnung, in Palästina das Kriegsrecht zu verkünden, bedeutet der Erlass der Defence Order, mit den in ihm verankerten weitreichenden Möglichkeiten ein bedeutsames Zugeständnis an die Sicherheitswünsche der jüdischen Bevölkerung. Es ist zu hoffen, dass schon der blosse Erlass und nicht erst schwere Straf massnabmen zu einer Beruhigung der Lage beitragen werden. Der Kolonien-Minister beantwortet Anfragen Nachdem am 23. März Dr.- W e i z m a n n und Mosche S h e r t o k in einer längeren Unterredung im Colonial Office Gelegenheit hatten, dem Kolonienminister Ormsby-Gore ibre Ansichten über die palästinensischen Verhältnisse zu unterbreiten, wurde der Kolonienminister in der am Tage darauf stattfindenden Unterhaussitzung wiederum in die Lage versetzt, im einzelnen dazu Stellung zu nehmen. Zunächst hatte er eine Anfrage des Abgeordneten F1 e t c h e r hinsichtlich der Gesamtlage zu beantworten. Der Kolonienminister erklärte, dass er seinen Ausführungen vom 17. März, in der er über die jüngsten Mordtaten gesprochen und mitgeteilt hatte, dass die Verkündung des Kriegsrechts nicht beabsichtigt sei. nichts ^hinzuzufügen habe. Die Sicherheitsverhältnisse im Süddistrikt seien nicht anormal. Im nördlichen Distrikt seien zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden, und auch in Jerusalem befänden sich einige Personen in Präventivhaft. Binnen kürzester Frist erwarte der Minister von dem vor kurzem nach Palästina zurückgekehrten High Commissioner Bericht über den von den Unruhen erfassten Distrikt Galiläa. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Thomas Williams, ob der Mufti oder ein anderes Mitglied des Obersten Arabischen Komitees die in Palästina verübten Gewalttaten öffentlich verurteilt habe, verwies der Minister auf den an dieser Stelle bereits wiedergegebenen Aufruf des Obersten Arabischen Komitees, der darauf hingewirkt habe, die Gewalttaten zu vermeiden. Auf eine weitere Anfrage des Abgeordneten Williams, ob seit der Veröffentlichung dieses Aufrufs sich weitere Morde und Gewalttaten ereignet haben, musste der Minister allerdings mit „Ja" antworten. Er hielt trotzdem an seiner Anschauung fest, dass das gesamte vorliegende Material auf eine Missbilligung der Terrormassnähmen seitens des Obersten Arabischen Komitees hindeute. Der Abgeordnete Campbell Stephen fragte sodann den Kolonienminister, ob es ihm bekannt sei. dass in Tiberias ein Jude von einem Richter angewiesen worden sei, wenn er angegriffen werde, davon zu laufen, und sich nicht zu wehren. Das würde bedeuten, dass die jüdischen Bürger in Palästina nicht das gleiche Recht der Notwehr besässen wie Personen in England. Minister Ormsby-Gore antwortete, er sei nicht im Besitze einer amtlichen Mitteilung über die Bemerkung des Richters; was jedoch die grundsätzliche Tatsache des Notwehrrechts anbelange, so sei ihm kein Grund für die Annahme bekannt, dass jüdische Bürger in Palästina es nicht in gleichem Ausmasse besässen wie Personen in England. (Ein in Tiberias wegen Notwehr zu zwei Jahren Gefängnis verurteilter Jude namens Nissim Toledano wurde übrigens vom Berufungsgericht freigesprochen und sofort auf freien Fuss gesetzt.) Weitere Anfragen betrafen die schon häufig besprochenen Fragen der waffentragenden Beduinen und die Anzahl der in Palästina vorgenommenen Einbürgerungen. Im Jahre 1936 wurden von 5444 eingetragenen Gesuchen 4847 Juden eingebürgert. Die Gründe für die Ablehnung der restlichen Anträge war der Minister nicht in der Lage zu nennen. Die sich in derartigen Debatten im ganzen kundtuende ausserordentlich* interessierte und kritische Stimmung der englischen Abgeordneten in bezug auf die Vorgänge" in Palästina ist wohl einer der Anlässe, aus denen heraus das Organ des Grossmufti von Jerusalem „AI Li waa" die Entsendung einer neuen arabischen Delegation nach London befürwortet. Das Blatt propagiert die Bearbeitung der öffentlichen englischen Meinung und besonders der Mitglieder der beiden englischen Parlamentshäuser, von denen es eine Aenderung ihrer Haltung zugunsten der arabischen Forderungen wünscht. Eine ruhigere Woche Von den den Feiertagen vorangehenden Wochentagen sind glücklicherweise weit weniger Gewalttaten zu melden als von der vergangenen Woche. Lediglich am 24. März wurde in Yazur bei Jaffa in ein arabisches Cafehaus eine Bombe geschleudert. Es wurden dabei fünf Araber verletzt, drei von ihnen schwer. Ein im Zusammenhang mit diesem Anschlag verhafteter Chauffeur der Autobuslinie in Süd-Judäa wurde freigelassen, als er nachweisen konnte, dass er sich zur Zeit des Anschlags nicht an der Tatsteile aufgehalten hatte. Am 26. März besehoss eine arabische Bande die Siedlung Kfar Tabor bei Nazaret. Ein jüdischer Hilfspolizist wurde leicht verwundet. Ein verwundeter Araber, der, als Polizeiverstärkung anrückte, in Gefangenschaft geriet, ist seinen Verletzungen erlegen. Die Erregung in der Gegend ist infolge des Todes dieses Arabers stark gestiegen. Eine Polizeiabteilung, die bei R e c h o w o t Nachforschungen anlässlich eines Mordes an einem Beduinen anstellte, wurde von einer starken Beduinenabteilung angegriffen und musste sich zurückziehen. .u Wie aus Jerusalem gemeldet wird, ist die Leiche des aus Polen stammenden jüdischen Ingenieurs Z w a n g e r, der seit einigen Tagen vermisst wurde, in einem Graben bei Rechowot gefunden worden. Einem Communique der Polizei zufolge soll der Mord keine politischen Motive haben. Ein Jude und ein Araber wurden unter dem Verdacht der Tat verhaftet. Sitzung des „Kleinen Aktions- Comites" Die in Palästina ansässigen Mitglieder des Zionistischen Aktions-Comites, die das sogenannte „Kleine Aktions-Comite" bilden, haben am 22. März eine Sitzung abgehalten, in der die Sicherheitsverhältnisse in Palästina besprochen wurden. Im Anschluss daran fand eine Beratung über die politischen Probleme statt, vor die der Jischuw und die zionistische Bewegung gegenwärtig gestellt sind. Am 24. und 25. März hielt die Exekutive der Jewish-Agency in London Sitzungen ab, im Beisein von Dr. W e i z m a n n und Felix M. Warburg, dem Ehrenvorsitzenden der amerikanischen Sektion der Jewish-Agency. Man beschloss, von der für den Monat April geplanten Sitzung des Administrative Committee der Jewish- Agency abzusehen, und nach dem Muster des sogenannten „Kleinen Aktions-Comites" in Palästina ein „Kleines Administrative Committee" einzusetzen, das sich mit den Hauptproblemen der jüdischen Palästinapolitik zu befassen habe. Wer dieser Körperschaft angehören wird, steht noch nicht fest, doch wird der Grundsatz der Parität zwischen Zionisten und Nichtzionisten gewahrt bleiben. Die zionistische Exekutive beschloss in einer Sitzung vom 26. März, das Aktions-Comite nicht, wie festgesetzt, zum 13. April in London, sondern zum 20/April in Jerusalem einzuberufen. Kombinationen um den Peel-Bericht Der politische Mitarbeiter der zu dem Rothermeer-Konzern gehörenden „Sunday D i s p a t c h" veröffentlicht seine angeblichen Informationen über die Grundzüge der Vorschläge, die die Königliche Kommission in ihrem Bericht machen wird. Es herrsche in der Koinmission Einmütigkeit darüber, dass die Einwanderung nach Palästina auf der Basis einer annähernd festgesetzten Jahresquote geregelt werden soll. Das Prinzip der Abhängigkeit der Einwanderung von der Aufnahmefähigkeit des Landes soll aufgegeben werden und die festzusetzende Einwanderungsquote Personen sämtlicher Einwandererkategorien umfassen. Ferner soll ein Legislative Council eingesetzt werden, der grössere Vollmachten besitzen soll als sie High Commissioner Sir Arthur Wauchope im November 1935 vorgesehen hatte. Weiter ist beabsichtigt, die unmittelbare britische Regierungsgewalt zu stärken und die Abhängigkeit von" Völkerbund zu verringern. Der Verfasser glaubt, dass der Vorsitzende der Königlichen Kommission, Lord Peel, für eine Einteilung Palästinas in geographische Bezirke oder Kantone mit. verschiedenen gesetzgebenden Körperschaften eintritt. Diese Meinung wird jedoch nicht von sämtlichen Mitgliedern der Kommission geteilt. Einem Interview zufolge, das der Warschauer Journalist S. G o t tli etTmit dem Ministerpräsidenten des Irak und Mitgliedern des muselmanischen Kongresses hatte, sollen diese die Jewish Agency zu direkten Verhandlungen zwischen den Juden und den Arabern des Libanon eingeladen haben. Der Vorsitzende der Exekutive der Jewish Agency, Ben Gurion, dem diese Ei/iladung durch Gottlieb übermittelt wurde, erklärte, kein Vertrauen zu der arabischen Verständigungsbereitschaft zu haben. In 'Zukunft werde es jedoch ohne irgendwelche jüdischen Konzessionen zu einer Verständigung kommen. Zwischen den jüdischen Forderungen und den arabischen Rechten sei eine vollkommene Harmonie herzustellen. Eine grosse Anzahl jüdischer, am. Palästina* Aufbau mitwirkender Organisationen in Amerika haben der Königlichen Kommission eine Denkschrift übermittelt, in der gefordert wird, dassr England die von ihm übernommene Verpflichtung, die Errichtung eines Jüdischen Nationalheims in Palästina zu fordern, erfüllt. In der Denkschrift wird auf die politische und wirtschaftliche Mitwirkung der amerikanischen Juden an der Mandatsübergabe an England sowohl wie an dem Palästina-Aufbau selbst, hingewiesen. Die amerikanischen Juden seien in Anbetracht all dieser Leistungen berechtigt, von England die Erfüllung seiner Versprechungen zu fordern. Auf Grund des zwischen Amerika und England bestehenden Vertrages, in dem die Vereinigten. Staaten das englische Mandat über Palästina ausdrücklich anerkannt haben, sei auch die amerikanische Regie- Erl&fa IfavasBöS Malermeister, BERUM W 50 1 IMl Hl dlsGEMarbur5erStr.2;Te!.:B4Bav. GB30 Geologisches in Palästina Von Hugo Herrmann, Dipl.-Bergingenieur, Berlin-Pankow Es ist für diejenigen, die nach Palästina wandern wollen, nicht gleichgültig, ob dort Steinwüsten oder blühende Gärten und Felder liegen, und ob der Boden steril ist oder voll von wertvollen Mineralien, deren Ausbeute der Wirtschaftskraft des Volkes zugute kommt. Diese Fragen hängen mit dem geologischen Aufbau des Landes zusammen, über den einiges in engem Rahmen und ' möglichst verständlich berichtet werden soll. Die Erdkruste, deren Dicke 30 bis 40 Kilometer -beträgt, hat sich in langen Zeitepochen entwickelt. Die Geologen nennen die Formationen der ältesten Zeiten Urformation (Archaicum). In dem darauf folgenden Altertum bauten sich die paläozoischen, im Mittelalter der Erde die mesozoischen und in der neueren Zeit känozoische Schichten auf. Die Formationen werden nach den Versteinerungen, welche innerhalb der abgelagerten Gesteine gefunden werden, bestimmt. Diese Petrefakten offenbaren auch, wie sich Pflanzen und Tiere allmählich von Niederem zu Höherem entwickelt haben, bis in verhältnismässig junger Zeit der Mensch die Schöpfung krönt. In Palästina sind an vielen Stellen.Versteinerungen gefunden. Niedere Tiere: Foraminiferen, Mollusken, Animoniten und Fische kommen stellenweise in grosser Anhäufung vor. Ein von Blanckenhorn angegebener Fundpunkt von Ammoniten (Ammonshörnern), den spiralig gewundenen, bald plattigen, bald aus der Ebene heraustretenden, mit zierlichen Knoten und Stacheln geschmückten Versteinerungen, liegt am Oelberg bei Jerusalem. Die ältesten paläozoischen Schichten sind präkambrisch und kambrisch. Sie treten an der Südostecke des Toten Meeres in einem zu Transjordanien gehörigen Gebiete zutage. Die unteren Glieder des Kambiums, welche aus Sandsteinen, Mergeln und Dolomiten bestehen, interessieren uns deswegen, weil Kupfererze darin sichtbar sind. Grüne Malachite, blauer Kupferlasur und vereinzelt Rotkupiererz treten in Form von Imprägnationen der Sandsteine auf. Ruinen und Schlacken weisen darauf hin, dass dort in alten Zeiten Kupferbergbau betrieben wurde. Diese Schichten sind, soweit mir bekannt ist, die einzigen Vertreter des geologischen Altertums. Die Steinkohlenformation, die als Hauptträgerin der Steinkohlenlager so grosse Bedeutung hat, ist nirgends aufgeschlossen. Dagegen sind im Mesozoicum, das sich aus der Trias, dem Jura und der Kreideformation zusammensetzt mächtige Schichten zur Ablagerung gekommen. Das Kreidemeer hat wohl ganz Palästina bedeckt und die Gesteine der oberen Kreide sind für weite Flächen charakteristisch. In diesen Schichten treten einige interessante Mineralvorkommen auf. Am Libanon, noch ausserhalb von Palästina, sind Kohlen aufgeschlossen, welche während des Weltkrieges in kleinem Massstabe abgebaut wurden. Sie besitzen einen Heizwert von 4000 bis 60 000 Kalorien und gelten, da sie sehr kies- und aschenreich sind, als ziemlich minderwertig. Den obersten Gliedern der Kreideformationen sind konkordant (gleichgeschichtet) Kalkbänke eingelagert, welche 9 bis 25 Prozent Bitumen enthalten. Das darin befindliche Oel kann durch Destillation gewonnen werden. In einer während des Krieges eingerichteten Destillationsanlage wurden 3 Prozent Urteer, das Ausgangsprodukt vieler wertvoller chemischer Verbindungen, aus diesen Gesteinen herausgezogen. Das Bitumen hat sich beim Absterben von Fischen, die zahlreich das Kreidemeer bevölkert haben, entwickelt. Daraus sind wiederum Asphalte hervorgegangen, die auch schon in der Bibel erwähnt werden. Das Vorkommen dieser Asphalte und der bituminösen Kalke, sowie auch von' Oelspuren hat die Vermutung aufkommen lassen, dass Petroleum vorkommt, also ein ganz besonders wichtiges Produkt, um dessen Besitz heutzutage schwer gerungen wird. Die Frage ist noch nicht vollkommen geklärt. Einige Geologen machen dagegen geltend, dass das an die Kalke gebundene Bitumen keine rechte Bewegungs- und Fliessfähigkeit habe und dass die wichtigsten Träger von Erdöllagerstätten, nämlich Sandsteine und Oelsande, fehlen. Dagegen bemerkt Löwengart folgendes: „Die Auffindung älterer als bis jetzt bekannter Schichten im Untergrunde der Küstenebene, des Quergrabens des Einek Jesreel und des langgestreckten Jordangrabens, der lithologische Charakter dieser Schichten, insbesondere die bedeutende Mächtigkeit der Sakier-Schicht, zusammen mit den bisher bekannten und neu bekannt gewordenen indirekten Oelanzeichen erlauben es, gewisse Teile Palästinas als ölhöffig zu bezeichnen." Selbstverständlich bedarf es noch eingehender Untersuchungen durch Tiefbohrungen und auf geophysikalischem Wege, um über diese Frage endgültigen Aufsehluss zis erhalten. Das Fischsterben in der Kreidezeit hat fernerhin zur Bildung von reichen Phosphoritlagerslätten geführt. Bekanntlich sammeln pflanzenfressende Tiere den in der Nahrung enthaltenen Phosphor besonders in den' Knochen und Zähnen an; die Meeresbewohner vermögen denselben sogar aus dem Meerwasser zu konzentrieren. Bei der Verwesung der Fische bildet sich kohlensaures Ammonium, welches die Knochen zerstören kann, und durch Umsetzung der Säure in das Phosphat übergeht. Daneben tritt eine Anhäufung von phosphorhaltigen Tierresten ein. Das am besten bekannte Vorkommen so gebildeter Phosphate liegt bei Es Salt auf dem Hochplateau des Ostjordanlandes, weitere niveaubeständige Lager befinden sich in der Wüste Juda. Beide Lagerstätten sind lager¬ und gangartig ausgebildet. Die letzteren haben sich, dadurch gebildet, dass sich phosphathaltige Lösungen auf Gangspalten ausschieden und anreicherten. In Es Salt enthielten nach Krusc-h die besten, lauchgrünen Erze 80 Prozent phosphorsauren Kalk, die geringeren, grünlichweissen Erze 50 bis 60 Prozent. .. Die Gesamtvorratsmengen an Phosphatenwurden auf Millionen Tonnen geschätzt. L. Picard, der Geologe der Jerusalemer Universität, hat die geologische Position der Phosphate sehr eingehend studiert. Nach ihm enthält der der obersten Kreide zugehörige, 120 Meter mächtige Maestrichien-Horizont neben schiefrigen Kalken, Bitumenkalken und Feuersteinbänken zwei Phosphatzonen, von denen das obere, reichere, vier bis sechs Meter mächtig ist. Die Schichten enthalten ausser vielen Fischresten und anderen Versteinerungen den Ammoniten „Libycoceras", den letzten Vertreter seiner Gattung. Die nach der Kreidezeit abgelagerten tertiären und jüngeren Schichten führen keine Ammoniten mehr. Die Bauwürdigkeit dieser Phosphate, die für die heimische Landwirtschaft und für den Export von Wichtigkeit sind, hängt wesentlich von dem Marktpreis und von der Möglichkeit ab, sie durch Aufbereitung anzureichern. Der beste Weg dafür dürfte das Flotationsverfahren sein, bei welchem die wertvollen Mineralkörner durch geeignete Flüssigkeiten zum Abschwimmen gebracht werden. Neben diesen Vorzügen haben die Kreidekalke auch einige Tücken. Wasser hat, mit Kohlensäure, Humussäuren und Sauerstoff beladen, die Fähigkeit, leicht lösliche Gesteine, darunter auch Kalkstein, aufzulösen. Dadurch entstehen im Innern und an der Oberfläche höhlenartige Gebilde, die als geologische Orgeln, Dolinen und Poljes bezeichnet werden und für die Bildung der Karstlandschaft so kennzeichnend sind. Das Bergland Palästinas ist ein Karstland. Die beträchtlichen Niederschläge des Winters halten sich nicht als Grundwasser in erreichbaren Tiefen, sondern versinken, um au den Gebirgsflanken an anderer Stelle wieder zutage zu treten. Die Wasserarmut an verschiedenen Stellen ist darauf zurückzuführen. Die über der Kreide liegenden Schichten gehören dem Tertiär und dem Diluvium an. Die oben schon erwähnte Sakie-Schicht, die aus Mergeln und Tonen besteht, ist tertiären Ursprunges und für die Wasserversorgung der Küstengebiete insofern von Bedeutung, als sie. die Grundwasser festhält, die sich dann in den darüberliegenden Kalksandsteinen und Oolithkalken aufspeichern. Die berühmten Orange-