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Kinderblatt · 1937-03-25 · 2 (25.3.1937) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kinderblatt
Volume
1937
Issue
2 (25.3.1937)
Date
1937-03-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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ID WWW t.qnc, mit Julius gesehen, ln dem Saal ging es grade: Plums, pluins . . . plumplumplums. Da stiegen nämlich die Figuren von ihrem Gesims herunter, und wenn sie auch sehr vorsichtig aufsprangen, so schallte es doch ganz schön in der Stille des grossen- Saales. Als Gilgamesch und Susanne ankamen, liefen alle . heran und drängelten sich um sie herum. Sie redeten sehr viel, aber davon verstand Susanne nichts. Sie wur- . den auch sehr zudringlich und wollten Susannes Kleider befühlen, so dass Gilgamesch sie mit seinem Prügel, den er immer noch in der Hand hielt, zurücktreiben musste. . Aus dem Neben raum kam ein Mann mit einem Kranz auf ... dem Kopf. Die Pergamon-I^eute wurden etwas stiller, flüsterten aufgeregt etwas von: „Divus Traianus“, und machten ihm sogar Platz, wenn auch, wie es schien, nicht sehr gern. Feierlich ging der Mann auf Susanne zu und verbeugte sich. Gilgamesch stellte vor: „Kaiser Trajan —• Susanne Levy!“ und sagte erklärend zum Kaiser: „Sie ist eine Jüdin. Die Juden kennst du ja wohl?“ — „Gewiss, gewiss. Bei meinen Partherkriegen bin ich durch ihr Land marschiert.“ Die langen Falten um seinen Mund schienen noch länger und tiefer zu werden. Die Partherkriege mussten keine reine Freude gewesen sein. Es hatte sich wohl sehr schnell herumgesprochen, dass die kleine Susanne da im Pergamon-Saal war, denn durch ■ die eine Tür kamen immerzu neue Leute. Sie drängelten sich um Susanne und Gilgamesch und wollten, wie es schien, alle gern mit Susanne sprechen, so dass Gilgamesch zu ihr sagte: „Siehst du, du bist eine Sensation,“ und darüber musste sie sehr lachen. Heberhaupt fühlte sie sich ganz wohl. Denn Gilgamesch sorgte sehr gut für sie und passte auf, dass ihr niemand zu nahe trat. Alle sagten ihr ein paar Worte, wie: „Ich freue mich sehr . . .“, aber dann drängten schon wieder andere nach. Zu einer richtigen Unterhaltung kam es meistensgar nicht. Wovon hätte man auch sprechen sollen? Die da neu ankamen, waren offenbar alles bessere Leute, sie bewegten sich alle viel ernsthafter und feierlicher als die aus dem Pergamon-Saal. Da war zum Beispiel eine Frau, die ganz steif und feierlich aussah, eine komische hohe Frisur hatte und einen merkwürdigen Apfel in der Hand hielt. Sie sagte gar nichts, sondern lächelte immer geradeaus. — ."Eine andere, die Susanne besonders gut gefiel, halte das Haar vorne in einem Kranz um den Kopf gelegt und dann fielen ihr von hinten her noch lange Locken nach vorn über die Brust; im übrigen hatte sie grosse Aehnlichkeit mit der vorigen. Einmal kam auch ein sehr nett aussehender kleiner Junge an Susannchen vorbei. Er trat mit dem linken Fuss sehr vorsichtig auf, fast als ob er hinkte. Und als Susannchen ihn fragte: „Hast du da was Schlimmes am Fuss?“ da sagte er: „Ich habe mir da einen Dorn in den Fuss getreten und kriege ihn nicht wieder heraus.“ Mit diesen Worten setzte er sich auf eine Treppenstufe und versuchte, den Dorn herauszuziehen. Da fiel Susanne ein, dass sie mit Julius zusammen ganz vorne im Museum den Dornauszieher schon hatte sitzen sehen. Stark verkleinert hatte Tante Rosa auch so einen auf dem Klavier stehen. Susanne konnte Tante Rosa schlecht leiden, weil sie immer so angibt, und der Junge tat ihr ganz besonders leid. Viele von den Frauen, die dann ankamen, hatten sehr faltige Kleider an. Sie rauschten durcheinander und redeten unter sich in einer Sprache, die Susannchen nicht verstand. Sie fragte Gilgamesch: „Können die alle kein Deutsch?“ — „Doch, die meisten. Das lernt man ja, wenn man sich immerzu die Museumsbesucher anhören muss.“ — „Ach, das hast du wohl auch dabei gelernt?“ — „Natürlich! Bei uns zu Hause da sprach man ganz anders,“ und er sagte einen langen Satz, der sehr merkwürdig klang. „Uebrigens sind die meisten Pergamon-Leute sehr schlecht im Deutschen. Sie geben sich auch keine Mühe und sind überhaupt ein ungeschliffenes Pack.“ Die letzten Worte musste doch wohl einer verstanden haben, denn er fing entsetzlich an, zu schimpfen (das merkte Susanne am Tonfall) und spuckte dem guten Gilgamesch sogar vor die Fiisse. Der zog ihm eins mit dem Prügel über. Aber nun mischten sich die andern ein, stiessen und boxten Gilgamesch und wollten ihm seinen Prügel wegnehmen. Viele halfen Gilgamesch und drängten die Pergamon-Leute von ihm ab, so dass er zunächst wieder etwas freier wurde. Aber sie waren weniger als die andern, und die Pergamon-Leute verstanden offenbar mehr von Prügelei. Jedenfalls musste Gilgamesch langsam die Treppe herauf zurückweichen. Susannchen sprang immer ein paar Stufen vor und guckte sich dann um. Da sah.sie unten eine Frau stehen, die gerade ausholte, mit einer grossen steinernen Vase in der Hand, um sie Gilgamesch an den Kopf zu werfen. Susanne fasste mit der Hand an den Mund. — Jetzt warf sie. Gut gezielt! ... Susanne schrie vor Schreck! — — — •Y- „Du träumst wohl“, sagte Julius. „Das ist auch besser“, antwortete Susannchen und meinte damit: „. . . als wenn es Wirklichkeit wäre.“ Julius verstand das natürlich nicht und meinte: „Das finde ich ja nun nicht.“ Zeichnungen von Igna Belh HfffllMlffffiM Ich muss zu meiner Schande gestehen: Ich war schon zehn Jahre alt, als ich ihn erlebte. Wir waren aus einer grossen Stadt Schlesiens nach Ostpreussen gekommen. Obwohl meine Eltern beide aus frommen jüdischen Familien stammten, hatte ich, wie das damals so war, noch nie einen richtigen Seder-Abend mitgeniacht Ich war also aufgeregt genug, als es hiess, ich sollte mit zum alten Onkel Hirsch, um bei ihm den Leder zu verbringen. Ich weiss es noch, als ob es gestern gewesen wäre: es war ein echt ostpreussisclier Vorfrühlingsabend. Kühl, die Luft von einer gläsernen Klarheit, der Fluss schimmernd im letzten rosigen 'Abendlicht — und immer der Wind unterwegs, der Wind, der von der See kommt. Ich ging an der Hand meiner Mutter in dem alten Hause in der Vorstadt, wo damals und heute viele Juden wohnten, die alte Wendeltreppe hinauf und stand dann in einem niedrigen, aber geräumigen Zimmer, dessen Dielen blendend weiss gescheuert und mit feinem Sand bestreut waren. Ich sah die beiden grossen Lichte brennen in den hohen, altertümlichen, silbernen Leuchtern, ich sah den Tisch, auf dem die vordeckte Schüssel mit den Mazzen stand. Und dann sah ich — Moses. 'Ja, wahr* * haftig, ich dachte, dass das Moses, der Prophet, sein müsse. Dieser grosse, breitschulterige, schlank und kräftig gewachsene alte Mann, dessen mächtiger Kopf von weissen Locken umwallt war und dem ein ebenso schneeweisser, langer Bart bis auf die Brust herabfiel. Aus seinem länglichen, noch immer frischen Gesicht leuchteten zwei graue, grosse Augen unter buschigen, weissen Augenbrauen. Er trug einen langen, schwarzen Kaftan aus feinstem Stoff und ein schwarzes Seidenkäppchen auf dem weissen Haar. Er sah mich an, prüfend, forschend, durchdringend — und ich, während ich den üblichen artigen Knicks ganz vergass, starrte ihn wieder an. Nein, ich war vor diesen forschenden Augen nicht ängstlich, obwohl mir das Herz zum Zerspringen klopfte. Denn von dieser grossen Gestalt strömte neben gebietender Ehrfurcht auch, unendliche Güte auf mich über. „Moses“, dachte ich immerfort. Es schadete gar nicht, dass ich natürlich dann erfuhr, daße das mein Grossonkel Hirsch sei, den ich noch nie gesehen hatte. Ich blieb den ganzen Abend über in dem Bann seiner starken, gläubigen Persönlichkeit. Ich hörte ihn die Worte der Hagada sprechen, mit einer Andacht und frommen Inbrunst, wie ich sie nie wieder gehört habe. Ich sass auf seinen ausdrücklichen Wunsch neben ihm, und er fand trotz seiner gläubigen Versunkenheit doch noch Zeit, mir hin und wieder in meiner deutschen Ueberselzung zu zeigen, wo er hielt. Als dann aber ein kleiner Junge, der ganze drei Jahre jünger war als ich, im fliessenden Hebräisch die alten Kinderfragen des Seder-Abends stellte, fing ich plötzlich zu schluchzen an. Die grandiose Erscheinung des allen Mannes, das merkwürdige Gefühl, irgend etwas Wunderschönes, Neues oder nur Vergessenes und doch immer Geahntes zu erleben, und ein ganz kindlicher Neid auf diesen Jungen, der mit so frischer Stimme Hebräisch sprechen konnte-das alles war zuviel für meine zehn Jahre. Meine Eltern sahen beschämt auf ihre unberechenbare Tochter; meine immer beherrschte Mutter sagte, glaube ich, etwas von „Sichzusammenivehmen“. Aber Moses oder vielmehr mein alter Grossonkel Hirsch verstand, was in mir vorging. Obwohl er durch 65 lange Lebensjahre von meiner Winzigkeit getrennt war und obwohl sein Dasein in seiner ganzen Lebensform weltenfern von meinem war, verstand er mich ausgezeichnet. Denn er sagte, während er mir mit seiner grossen, schweren Hand federleicht übers Haar strich, mit einem unendlich gütigen Lächeln: „Du wirst auch Hebräisch lernen, mein Kind. Aber selbst, wenn du es nie lernen würdest: du kannst in jeder Sprache Gott, den Allmächtigen, erreichen. Wenn nur dein Herz und deine Seele ihm gläubig vertraue n." L. L. Saul und David Schulaufführung im Landschulheim Caputh Fot. Sonnenfdu Arthur Weintraub, Leipzig, Harlzstrasse 20, möchte fast nicht gebrauchte Trix-Baukäslen gegen Briefmarken, möglichst aus Danzig. Memel, Posen und Saarland, lauschen. Hilde Schetzer, Spirdingshühc, l’ost Weissuhnen, Ostpr. Süd, 13 Jahre, sucht Briefwechsel mit gleichaltrigem Mädel. Rita Bauchwitz, Halle a. d. 8., Adolf Hitler Bing 0/10, sucht Briefwechsel mit 15- bis 17jährigem Jungen oder Mädel. Aus den Silben: a — bra — brüs — ban — chi — e e — el — el — 1mm — hei — is — la — lnnd — mn — mo — na — ne — mi — ,-a — reth — io — sei — ses — za -- ze sind 10 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten gelesen einen jüdischen Maler ergeben. Die Wörter haben folgende Bedeutung: 1. Knecht Jakobs; 2. Insel im Norden; 3. männlicher Vorname; 4. europäische Hauptstadt; 5. Prophet; 6. Stammunter; 7. Grosser Prophet; 8. Erzvater; 9. römischer Kaiser; 10. Ort in Kanaan. Hilde Locb, z. Zt. Shcrwood/England, 10 Jahre.

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