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Kinderblatt · 1937-03-25 · 2 (25.3.1937) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kinderblatt
Volume
1937
Issue
2 (25.3.1937)
Date
1937-03-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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'VUtftw atp&tpS i ' Das Teekesselspiel kennt ihr doch sicher alle! (Ich habe übrigens nie begriffen, warum es Teekessel heisst.) Es ist so: einer geht hinaus, die anderen überlegen derweil ein Wort, das zweierlei bedeutet, z. B. Bauer: Bauer auf dein Lande und Vogelbauer; der hinausgegangen ist, muss dieses doppelsinnige Wort dann raten. Nun hat sich der Zeichner Sa lins etwas Neues ausgedacht: einen Tierbilderteekessel. Auf den folgenden Bildern sind, wie ihr seht, immer ein Tier abgebildet und ein gänzlich verschiedener Gegenstand, der aber doch durch das gleiche Wort, den gleichen Ausdruck bezeichnet wird. Ihr sollt nun diese Worte mit den doppelten Bedeutungen herausbekommen. Die Lösungen und — falls euch unser neues Rätselspiel gefällt: weitere Tierbilderteekessel werden wir im nächsten Kinderblatt veröffentlichen. Kinder, ich habe ein neues hübsches Spiel für euch gefunden! Es ist wirklich sehr hübsch, ihr werdet gleich sehen, wenn ich es erkläre, dass es euch gefallen wird — wie mir. Der Kasten sieht ganz aus wie ein Buch, aber siehst du, es ist gar kein Buch, klein Ruth, es ist ein Deckel dran, den du zurückklappen kannst. Viele kleine Fächerchen sind unter dem Deckel, und in denen liegen viele viele weisse Papierstückchen, mit schwarzen Malereien drauf. Jetzt aber, welche Ordnung in dem Kasten, langweilig! Wir stellen ihn einfach auf den Kopf, bums, da liegt der Salat. Es macht Spass, solche harten kleinen Dinger in die Finger zu nehmen, wir wühlen erheblich in dem Haufen herum. Nun ist’s genug, sagst du. Räumen wir wieder ein. Einfach hineinwerfen, das tut man doch nicht, wer wird mit seinen Sachen ko schlecht umgehen. Also der Reihe nach, immer die gleichen in einen Topf. Ich will es dir zeigen. Vorne auf den Täfelchen sind sehr gewichtige Herrschaften aufmarschiert, mit dicken Quer- und Längsbalken. Da sind ja auch welche mit drei runden Kullerpunklen, das sind die u-s. Suche doch einmal die u-s, Kibuz heissen sie mit Zunamen. Fein, die kennst du jetzt schon, die Brummer 1 Heute räume ich selber ein. Aber willst du die Herrschaften nicht alle persönlich kennenlernen? Bedenke einmal, wenn wir das 1 zusammen herausfinden werden, dann legen wir die zwei zusammen, die wir kennen. Sie vertragen sich, die zwei, und summen vergnügt vor sich hin. Da summen wir eben auch das Schlafliedchen mit: lululu lululu. Ich werde dir einmal, weil du mich fragst, verraten, dass die dicken Herrschaften die hebräischen Druckbuchstaben sind. Mit denen werden die Bücher gedruckt, die Bibel und der Talmud und die schönen Gedichte von Bialik. Der Drucker macht es genau wie du, er legt immer einen Buchstaben neben den anderen. Wenn du erst alle persönlich kennst, wirst du ganze Sätze selber schreiben können, ohne eine Feder oder Tinte. Zum Beispiel legst flu dh auf den Kastendeckel den Satz: Unser Hund ist schwarz und bellt — oder: Am Sabbat gehe ich mit Grosspapa spazieren. Und was erst richtig Spass macht, kommt später: wenn deine Freundin Reni und dein Freund Josef auch solch einen Kasten haben, dann druckt ihr um die Welte. Wer zehnmal am schnellsten den Satz gelegt hat, den die Mutter vorsagt, der kriegt fünf Feigen. Diesen netten Kasten hat sich ein sehr netter Mann ausgedacht, zusammen mit anderen Kindern hat er ihn sich ausgedacht. Ein Junge, den ich kenne, war auch bei ihm in der Schule, und der Junge spricht sehr lieb von dem Dr. Woskin-Nahartabi. Der Kasten hat auch einen Namen, er heisst: Olijot Machkunot. (Verlag Rudolf Schich & Co., Leipzig.) Aber das sollen sich eure Eltern merken, ihr behaltets doch nicht. Oder ja? Seid ihr so gescheit? Gina G. Maiglöckchen läutet den Frühling ein, Die Blümlein freu’n sich, ob gross ob klein. Sie wollen um die Welte spriesen, Damit die Menschen sie gemessen. Herrlich ist’s in Wiese und Feld, Wie schön ist doch die ganze Welt!- Doch langsam werden die Blümlein bang, Denn ihr Leben, ja, das ist nicht lang. Und bald kommt auch schon der Herbst heran, Darauf der rauhe Wintersmann. — — Dann träumen die Blümlein bis zum nächsten Jahr, Wie schön es doch im Frühling war! _Ellen Hcyniaiin. 8 Jahre alt. Auflösung des Silbenrätsels aus Nr. 1 des Kinderblatts: 1. Ne-- hemia. 2. Ezechiel. 3. Benjamin. 4. Uriel. 5. Kislev. G. Abraham. 7. Dalet. 8. Nachmanides. 9. Esau. 10. Zedekia. 11« Askalon. 12. Rebekka. - Nebukadnezar. 6. Beiblatt * Nr. 2 eituna Berlin, 25. März 1937! Beilage^ Susannchen kam nach Berlin zu Besuch. Ungefähr das erste, was sie zu ihrem grossen Vetter Julius sagte, war: „Gehst du auch mal mit mir ins Museum?“ — Für die, die sich wundern, dass ein dreizehnjähriges Mädchen so dringend ins Museum wollte, muss ich sagen, dass Susannchens Vater Bildhauer ist, und dass sie ihm oft Modell gesessen hat. Sie versteht also was von Kunst, und im Museum war sie auch wirklich sehr aufmerksam und hörte stundenlang den Erklärungen ihres grossen Vetters zu. Nach und nach wurde sie aber doch müde,und da setzten sie sich beide auf eine Bank zum Ausruhen . . . Als sich aber Susannchen nach einer Weile umschaute, sah sie mit Verwunderung, dass sie ganz allein war. Julius war weg, und auch sonst war niemand in dem ganzen Saal. Sie sah nicht einmal einen von den Museumswärtern, die doch immer in dunkelblauer Uniform, die Hände auf dem Rücken, auf und ab gehen und manchmal gähnen. Sie sprang auf und lief zum Fenster: da draussen schien der Vollmond. Es musste also mitten in der Nacht sein. Sie fasste mit der rechten Hand an den Mund, denn das tut sie immerj wenn etwas nicht so ist, wie es sein soll, und wenn ein Junge etwa sagen würde: „Oh Backe!“ Sie sah kein lebendes Wesen und hörte nur einen Stadtbahnzug draussen vorbeidonnern. Dann war alles still, bis sie eine Glocke — wohl vom Dom — langsam und ernst zwo!final schlagen hörte. Da fasste sie sich gleich noch einmal mit der Hand an den Mund und sah an der riesigen Figur in die Höhe, die neben dem Fenster stand. Dieser steinerne Mann mit einem mächtigen Bart quetschte einen Löwen unter den einen Arm und hielt in der andern Hand einen Prügel. Und bewegte er nicht den Kopf? Richtig, er nickte ihr ganz freundlich zu. Susanne trat ängstlich ein paar Schritte zurück, aber da machte der Mann eine kleine Verbeugung und murmelte: „Gilgamesch“, als ob er sich vorstellen wollte, und da machte Susanne einen Kn ix und sagte: „Susanne Levy“. Den Gilgamesch schien das zu freuen, denn er machte ein noch freundlicheres Gesicht und meinte: „Der Name kommt mir doch bekannt vor!? Ach ja richtig, bei meiner Herstellung arbeiteten eine Reihe Kriegsgefangener des Königs Sargon des Zweiten, und davon nannten sie den einen Levy, und er war wohl für sie ein Priester. Jedenfalls behandelten sie ihn mit viel Achtung und redeten ihn mit Rabbi an.“ Susannchen musste lachen und sagte: „Ja, es gibt so viele Juden, die Levy heissen. Und aber woher kamen denn die kriegsgefangenen Juden, die da arbeiten mussten:“ — „Sie waren keine Juden. Ihr Volk liiess Israel!“ Und da fiel Susannchen ein: 722, Zerstörung Samarias und Fortführung der zehn Stämme. Das hatte sie grade in der Schule gelernt, sonst liälte sie es wohl nicht gewusst. Sie sah nach dem Schild, das an der Figur stand, und las auch richtig: um 715 v. Chr. Das konnte also ganz gut stimmen, dass da einige Israeliten an der Figur gearbeitet hatten. Der Gilgamesch war von seinem Sockel herabgestiegen und hatte sich auf den Rand des Brunnens in der Mitte des Raumes gesetzt. Den Löwen hatte er auf den Fussboden gestellt. Susannchen ging ängstlich wieder ein paar Schritte zurück. Da hörte sie rechts und links Lachen. Das waren die Figuren, die da in der Tür standen: „Du hast wohl Angst? Aber der tut nichts. Der ist ja schon mehr als 2500 Jahre alt.“ Nun zeigte Susanne, dass sie gar keine Angst hatte, streichelte den Löwen, und der schnurrte behaglich wie eine Katze und rieb sich an ihr. Aus dem Neben raum auf der andern Seite kam noch ein grösserer Löwe, wollte auch gestreichelt werden, und als der kleinere das nicht zulassen wollte, fingen sie an sich zu balgen. Susanne sah eine Weile zu, aber dann sagte Gilgamesch: „Komm doch mal ein bisschen mit, ich muss mir die Fiisse etwas vertreten.“ Sie gingen hinaus und kamen durch eingrossesTor. Da drehten die buntglasierten Tiere dieKöpfe nach ihnen um und riefen sich unverständliche Laute zu. Die beiden stiegen eine Treppe hinunter und gingen dann links in den grossen Pergamonsaal. Die grosse Treppe, die da war, hatte Susanne schon

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