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Central-Verein-Zeitung · 1937-03-18 · 11 (18.3.1937) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
11 (18.3.1937)
Date
1937-03-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XVI. Jahrgang / Nr. 11 Berlin, 18. März 1937 Preis 10 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Jeschäftsstclle (Verlag, Schriftleitnng, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W15, Eraser Strasse 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 8141—45. Telegrammadresse: Cent raiglauben, Berlin. Postseheckkonto: Berlin 70344. Die C.-V.-Zeituog erscheint wöchentlich am Donnerstag. RedaktionsscMuss: Dienstag:. Bestellungen nimmt jedes Postamt and die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postjoten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 81 Rpf. (einschl. 22,74 Rpf. Postzeitungsgebühr) zuzügl. 18 Rpf. Bestellgeld. Für Ausland vierteljährlich 2,30 RM(umgerechnet in die Landeswährung) einschl. Zustellgebühren. Einzellummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.) Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebühren: Preisliste 5 gültig. Die 12gespaltene mm-Zeile 20 Rpf., ur Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise s. Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschlüsse Dienstag. Platzu. Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. Der Weg zu Arbeit und Leben Mit Beiträgen von: Maus; ®entscfekron9 Irene Eger, Günter Friedländer, Leopold Krah9 Dr. Manns fteissner, Walter Sandelowski - Lobitten, Professor Otto Toeplitz - Bonn Der Lebens- und Berufskampf wird im wesentlichen schon in den Schulen und Ausbildungsstätten entschieden, die man in seiner Jugend besucht. Die junge Generation des Judentums innerhalb dieser Grenzen muss sich für einen Berufsweg vorbereiten, der zumindest geographisch in der Regel weit abseits der gewohnten Pfade liegt, die früher beschritten werden konnten. „Mein Feld ist die Welt" wird deshalb jedem aufgeschlossenen und lebensbejahenden jungen Juden vorschweben, wenn er mit wachem Bewusstsein seine Schulzeit nützt und seine Berufsausbildung durchführt. Er weiss, dass das meiste von dem, in dessen Dienst er sein Leben aufbauen soll, ausserhalb seiner Erfahrung liegen wird. Er weiss von der Widrigkeit einer wirtschaftenden Welt, in der der Weg des Menschen zu seiner Arbeit mit Visen, Arbeitserlaubnisscheinen, Transferkombinationen gepflastert und oft fast versperrt ist. Er beobachtet die Planlosigkeit wirtschaftlicher Zusammenhänge, die oft verhindert, dass die Faktoren, aus denen Wohlstand erwächst, zu einander kommen können, weil ausserwirtschaftliche Gründe mitsprechen. Und dennoch ist in dem jungen Juden der Wille stark, sich in dieser Welt zurechtzufinden und in ihr an seinem Platze seinen Mann zu stehen. — Der Sinn unserer Beiträge aus fachkundiger Feder, die wir aus Anlass der Schulentlassung und Berufsentscheidung zu Ostern an dieser Stelle und im 2. Beiblatt veröffentlichen, ist, diesen Willen zu stärken und Uebersicht über das Mögliche zu schaffen. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit Von Dr. Bruno Sommerfeld I. Wieder einmal rückt für tausende junger Juden der Zeitpunkt der Berufswahl heran. Während der Schulzeit hatten Eltern und Kinder eine Art Galgenfrist, in der sie hoffen konnten, dass verschiedene glückliche Fügungen und Zufälle die Berufsentscheidung in eine bestimmte Bahn lenken würden. Jetzt ist die Frist verstrichen und man steht unmittelbar vor der Berufsentscheidung. Sie kann nicht sorgfältig genug vorgenommen werden, denn der Beruf ist nicht nur das Mittel der Existenzsicherung, er beeinflusst weitgehend unsere Einordnung in die menschliche Gesellschaft. Für Zeit und Geld kostende berufliche Experimente ist die gegenwärtige Situation zu ernst. Die Berufswahl will vorher nach allen Richtungen hin gründlich überlegt sein, damit das Leben der nächsten Generation auf festerem Grund gebaut ist. Die jüdischen Berufsberatungsstellen und Arbeitsnachweise stehen den ratsuchenden Eltern und Jugendlichen in diesem Jahr nicht mehr zur Verfügung, da sie auf Grund der neuen Durchführungsverordnung zum Arbeitsvermittlungsgesetz ihre Tätigkeit ab 1. Januar 1937 einstellen mussten. Wenn auch die Beratung und Vermittlung der jüdischen Stellungsuchenden durch diese Einrichtungen überaus nützlich war, so konnten sie doch die letzte Entscheidung über die Berufswünsche den Jugendlichen und ihren Erziehungsberechtigten nie abnehmen. Bevor die Eltern mit ihren Kindern die öffentlichen Berufsberatungsämter und Arbeitsnachweise aufsuchen, müssen sie unter Berücksichtigung aller für die Berufswahl wichtigen" Momente eine Vorentscheidung getroffen haben. Welches sind nun die Momente, die die jüdischen Jungen und Mädchen heute berücksichtigen müssen? — Auch bei der stark beschränkten Beruf swahlf reih eit werden die Jugendlichen zunächst von persönlichen Ge- In dieser 26seitigen Nummer finden unsere Leser u. a. den Beginn einer Novelle: Alfred Auerbach: Jacques Offenbach. Die Aufsätze: Bruno Weil: Ekuador. — Leo Hirsch: Frauenseelen. Die Beilagen: Das Blatt der jüdischen Frau. — Wirtschaft der Woche. — Palästina-Umschau. — Sportblatt. — Der Briefmarkensammler. Sichtspunkten — ihren Anlagen und Neigungen — ausgehen müssen. Die Berufsneuschichtung ist für die Judenheit unter jedem Betracht eine Notwendigkeit, für die Berufsanwärter schafft sie zudem die leichtere Auswanderungsmöglichkeit. Nichtsdestoweniger können die üblichen Berufsumschichtungsparolen nicht auf jeden -Jugendlichen vorbehaltlos angewandt werden. Es eignet sich nicht jeder Junge und jedes Mädchen für einen handwerklichen oder landwirtschaftlichen Beruf. Ebenso stark — mitunter noch stärker als die persönlichen Gesichtspunkte — müssen die allgemeinen Momente, der Arbeitsmarkt und die Auswanderungssituation, in Rechnung gestellt werden. Es war ein schwerwiegender Fehler vieler Eltern, dass sie die Berufswahl nicht selten unter Ausserachtlassung der persönlichen Anlagen ihrer Kinder und der allgemeinen Wirtschaftssituation nach berufsfremden Beweggründen vorgenommen haben. Die an der damals vorherrschenden unrichtigen Wertskala orientierte Berufswahl war einer der Hauptgründe für die ungesunde Berufsstruktur. II. Erfolgt nun heute die Berufswahl in vernünftiger Würdigung der persönlichen und der allgemeinen Berufsmomente? Oder anders ausgedrückt: stehen die Berufswünsche im Einklang mit der Berufswirklichkeit? Diese Frage ist für jeden Berufsanwärter und jedes Elterpaar von der gleichen Bedeutung wir für die zentralen "jüdischen Organisationen, denen die verantwortungsvolle Planung obliegt Eine wichtige Vorarbeit zur Beantwortung dieser Frage hat die Statistische Abteilung der Reichsvertretung mit einer Umfrage nach den Berufswünschen der Ostern 1937 aus den jüdischen Schulen zur Entlassung kommenden Jahrgänge geleistet. Statistisch erfasst werden konnten nur die Schüler der jüdischen Schulen, während die jüdischen Jugendlichen auf den allgemeinen Schulen unberücksichtigt blieben. Man darf aber annehmen, dass sich die wichtigsten Ergebnisse durch diesen Mangel nicht wesentlich verschieben würden, da sich die jüdischen Schüler der allgemeinen Schulen in der gleichen Situation wie ihre Altersgenossen auf den jüdischen Schulen befinden, und die Einflussnahme der jüdischen Oeffentlichkeit — besonders durch die Jugendbünde — sich auch auf diese Kreise auswirkt. Sämtliche Schüler der Oberklassen .der jüdischen Schulen haben die an sie gerichteten Fragen beantwortet. Insgesamt haben 1399 Knaben und 1257 Mädchen — wohl etwa-die-Hälfte aller zu Ostern 1937 abgehenden jüdischen Schüler — die Fragebogen ausgefüllt. Die Hauptkategorien der Berufswünsche gehen aus den nachfolgenden Tabellen hervor. Berufs- und Ausbildungswünsche der Ostern 1937 von jüdischen Schulen zur Entlassung-Kommenden Jungen Gewünschter Beruf bzw. gewünschte Ausbildung Diesen Plan haben Jungen VonlOOJungen haben diesen Plan I. Landwirtschaft . II. Handwerk .... davon: Baugewerbe . . . Bauhilfsgewerbe . Metallverarbeitunfrsgewerbe . davon: Schlosser..... Autoschlosser . . Mech. - techn. Gewerbe ..... davon: Elektrotechniker . Bekleidungsgewerbe .... Lebensmittelgewerbe . . III—V. Handel und Verkehr ...... VI. Gesundheitswesen VII. Freie Berufe . . . davon: Lehrer ...... Jesehiwah .... Rabbiner . . . . Lehrer und Kantor Ingenieur ..... Jurist....... Volkswirtschaftler Philologe..... Studium (ohne nähere Bez.) . VIII. Künstlerische Berufe ....... IX. Weitere Schulausbildung . . . X. Auswanderung . XI. Unbestimmt . . . Insgesamt 8.65 51,47 9.44 3.00 9.15 Mädchen Gewünschter Beruf bzw. Diesen Plan Von 100 Mädchen gewünschte Ausbildung haben Mädchen haben diesen Plan I. Landwirtschaft . . 68 5.41 II. Handwerk..... 293 23,31 davon: Schneiderin und 237 20 1S.85 1,59 Zahntechnikerin . § 0^40 0.40 0,32 Photographin . Kosmetikerin .? Kunstgewerben Töpferin. Kera¬ 1 0.08 o;o8 mikerin ..... Konditorin .... 1 105 8,35 IV-V. fallen aus 63 5,01 VI. Gesundheitswesen VII.-VIII. Freie Berufe 107 8,51 ' und zwar: 24 1,91 Lehrberufe .... Kindergärtnerin, hortnerin, -mädchen. -pflegerin IX. Weitere Seiulaus- 79 6,2S 269 21,40 162 12,89 X. Auswanderung . . 28 2,23 XI. Unbestimmt . . . 162 12,89 Insgesamt , 1257 100 Der Grundzug der Berufswahl der jungen Generation liegt erklärlicherweise in der radikalen Abkehr von der bisherigen Berufsstruktur der Juden in Deutschland. Das wird besonders deutlich, wenn man die Berufswünsche der Schüler von 1937 mit dem Beruf saufbau der Juden in Deutschland vergleicht, wie sie die deutsche Berufszählung vom 16. Juni 1933 noch einmal in einem plastischen Spiegelbild festhielt. Wirtschaftsstruktur der Glaubensjuden in Deutschland 1933 Wirtschaftsabteilung Glaubensjuden absolut in % 1 2 3 1. Landwirtschaft . . . 4,167 1,7 2/3. Industrie und Handwerk ........ 55.655 23,1 4. Handel und Verkehr 147,314 61,3 5. Oetientliche Dienste u. private Dienst¬ 29.974 12,5 leistungen . . 6. Häusliche Dienste 3,377 1,4 Zusammen 240,487 100 Man kann geradezu von einer Umkehrung der Berufspyramide sprechen. Der übermässig grosse Sektor des Handels wird jetzt von Handwerk und Industrie eingenommen, die Landwirtschaft ist — wenn auch nicht übermässig — gestiegen, während Handel und Verkehr sowie die freien Berufe entscheidend gesunken sind. Diese Entwicklung ist nicht urplötzlich gekommen, sondern hat sich bei einem Teil der jüdischen Jugend, besonders bei der bündisch organisierten, seit Jahren angebahnt. Die jüdische Berufsberatungs- und Lehrsteilenvermittluncr der Berliner Jüdischen Gemeinde hat anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens im Jahre 1931 einen ■ Zahlenmassigen U eberblick über die von ihr in den Jahren 1924—1931 vermittelten Lehrstellen veröffentlicht, an der bereits damals diese Entwicklung abzulesen war. (Ve'rgl. dazu Adler-Rudel, „Zehn Jahre jüdische Berufsberatung" in „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik", 1932, S. 54.)' Allerdings suchte nur ein Teil der jüdischen Jugend diese Einrichtungen auf. Sa haben nur die dort Beratenen schon rechtzeitig ihre berufliche Entscheidung .auch nach den Erfordernissen der jüdischen Gemeinschaft ausgerichtet. III. . Heute haben sich die Berufswünsche der jungen jüdischen Generation weitgehend an die gesündere Berufsstruktur der Umwelt angeglichen. In den letzten vier Jahren hat die Lehrstellen- und Arbeitsvermittlung der jüdischen offiziellen Stellen durchgehend die gleichen Erfahrungen machen können. Die letzten Angaben über den Berufsaufbau der nichtjüdischen Jugendlichen liegen von der Berufszählung des Statistischen "Reichsamtes vom Jahre 1933 vor. Wenn man die

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