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Central-Verein-Zeitung · 1937-01-14 · 2 (14.1.1937) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
2 (14.1.1937)
Date
1937-01-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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David Fraenckel Jüdische Volksschule am Rehdigerplatz (Rektor F e i 1 c h e n f e 1 d) ins Leben gerufen und neben ihr später ein Reformrealgymnasium errichtet, das unter der Leitung von Direktor Dr. Harry Abt steht. Da die Zeitumstände einen Ausbau des Schutwerks notwendig machten, wurde vor einigen Jahren am Anger, dicht bei der Neuen Synagoge, eine zweite vom Neuen Jüdischen Schulverein geforderte Volksschule religiös-liberaler Prägung eingerichtet. Diese Schule kennt die Einrichtung der freiwilligen, zusätzlichen Sprachkurse, ist dem bestehenden Schulwerk eingegliedert und hat in Studienrat i. R. Rudolf Schaff er ihren Leiter. Die jüdischen Schulen werden von insgesamt etwa 1300 Schülern und Schülerinnen besucht und nahezu 60 jüdischen Lehrkräften betreut. Dass auch das jüdische Sportleben den veränderten Zeitverhältnissen Rechnung getragen und einen beachtlichen Auftrieb erhalten hat, zeigen allein schon die Zahl und die mannigfachen Aufgaben der Sportvereine. Die verhältnismässig junge Sportgruppe des „Schild"--ist eine der stärksten im Reich. Der zahlenmässig schwächere Bar Kochba besteht bereits seit 26 Jahren, hat also schon Tradition. Besondere Vereine pflegen Schwimmen, Rudern und Tennis. Die im vorigen Jahr eingeweihte Max Nordau-Turnhalle zeichnet sich durch eine höchst moderne Einrichtung aus. Uebrigens sind in Breslau Jugendbünde und -gruppen aller Richtungen vertreten. Geistiges Leben Der Breslauer Jude war an der Pflege und Förderung besonders der Musik, aber auch des Theaters, stets interessiert. Hausmusik ist hier von jeher eifrig getrieben worden. Die Synagogenmusik hatte in den Oberkantoren Moritz Deutsch (Vater des Grossindustriellen Felix Deutsch) und Selmar Cerini hervorragende Vertreter. € e r i n i und Josef -B o r i n, der bis vor einigen Jahren amtierte, waren sogar eine Zeitlang Bühnensänger. Wenn man vom Theater spricht, so darf man den Namen Theodor L o e w e nicht unerwähnt lassen. Das geistige Leben der Breslauer Juden, d as jetzt lediglich im geschlossenen jüdischen Bereich seinen Ausdruck finden kann, erschöpft sich in der Mitarbeit und im Interesse an den Lehrstätten, am Jüdischen Kulturbund, dem Musikverein und dem Museum. Man muss als Nichteingeweihter nach dem Kulturbund ein wenig suchen. Nachdem man sich aber an ein paar Schildern orientiert hat, ist man um so überraschter, dass man alles das, was ein Kulturbund notwendig braucht, dicht beieinander untergebracht findet: einen geräumigen Saal mit einer kleinen, technisch geschickt ausgebauten Bühne, primitive Garderoben und ein paar Verwaltungsräume. Gerade ist der Modeilbauer mit einer Figur für die ..Schöne Galathee" beschäftigt. Im Mitgliederbüro herrscht Bewegung — kein Jonas Fraenckel Fol. (2) Archio Wunder bei einer Mitgliedschaft von mehr als 4000, die bei einer Gesamtbevölkerung von 18 0Ö0 etwas bedeuten will. Oberlandesgerichtsrat a. D. Dr. Günther Frankel veranschaulicht die stete Entwicklung des von ihm geleiteten Kulturbundes. Es ist für Breslau wichtig und erfreulich zugleich, dass dem Kulturbund der an sich selbständig gebliebene Jüdische Musikverein als Musikabteilung eingegliedert ist; denn dieser Verein, der in Leopold Landau einen von der Sache beseelten ehrenamtlichen Geschäftsführer hat, verfügt über ein vollständiges Dilettantenorchester (Dirigent Kurt Havelland) und einen starken gemischten Chor unter Werner Sander. S'o ist auf jeden Fall der musikalische Teil der Kulturbundarbeit „sichergestellt". Eine ,,Programmwand" im Kulturbundbüro gibt indes deutlich zu erkennen, dass die Theaterabteilung auch mit Gastensembles oder eigens zusammengestellten Truppen solide künstlerische Arbeit zu leisten vermag. Zur Pflege und Förderung der bildenden Künste besteht zwischen dem Kulturbund, und dem Jüdischen Museum eine enge Zusammenarbeit. Das Museum birgt eine Fülle geschichtlich und kulturgeschichtlich wertvoller Gegenstände, Bilder und Dokumente, darunter eine Nachbildung jenes Grabsteins vom Jahre 1203. Hier finden — ohne starre Abgrenzung — Geschichte und Leben der Juden in Breslau wie überhaupt im ostdeutschen Raum eine besondere Pflegestätte. Die vorübergehende Ausstellung von Porträts aus Breslau er und sch lesischem Besitz, die in diesem Museum veranstaltet ist, wirkt auf den ersten Blick wie eine ausgezeichnete Spezialergänzung zur Ahnenausstellung in Berlin. Eine geistige Verpflichtung tragen die vier Bne Bris-Logen, wenn sie naclfLessing und drei gelehrten jüdischen Männern wie Heinrich Graetz, Manuel Joel und Zacharias Frankel benannt sind. Sie pflegen auch in ihrem grossen Kreis die geistige Arbeit und vor allem das Jüdisch-Geistige. Von Breslau hat auch die K.C.-Bewegung ihren Ausgang genommen; ihre erste Verbindung, die „Viadrina'V ist vor mehr als 50 Jahren in dieser Stadt gegründet worden. Wirkung der Vergangenheit Wie manches haben die letzten Jahre umgestaltet, denkt man, wenn sich die Fahrt kreuz und quer durch die Stadt ihrem Abschluss nähert Das Leben der Juden hat einen engeren Rahmen bekommen, ihre Zahl geht zurück, die Jugend wandert ab; und auch Breslau spürt diese Entwicklung empfindlich. Was aber an geistigen und wirtschaftlichen Werten geschaffen wurde, welche führenden Menschen Breslau hervorbrachte, kurzum: was einst gewesen, sollte man über gegenwärtigem Schicksal nicht vergessen. Geblieben ist Breslau jedenfalls bis auf den heutigen Tag eine Kraftquelle jüdischen Lebens, auf die das Judentum Deutschlands mit Stolz blicken darf. Carl Weigert, der Entdecker derBakterienfärbung Von Dr. Franz Bruck Der Name Carl Weigert darf in der Reihe der grossen jüdischen Medianer, denen umwälzende Entdeckungen geglückt sind, nicht fehlen. Als pathologischer Anatom in Breslau, Leipzig und Frankfurt a. M. schuf er bahnbrechende Werke. Sie umfassen ein weites Gebiet der Medizin. Fast hundert Abhandlungen legen Zeugnis davon ab. Wichtige Untersuchungsmethoden, durch die er der Erforschung der Mikroorganismen und des feineren Baus der Gewebe im kranken Körper, namentlich des Nervensystems, ganz neue "Wege gewiesen hat. sind auf ihn zurückzuführen. Diese Methoden und ihre Ergebnisse benutete er dann zu einem Vorctoss in das Gebiet der allgemeinen Pathologie, um „allgemein geltende Gesetze für die morphologischen Prozesse in der Pathologie zu finden". Denn dies war das Endziel seiner Forschungen. An der Entwicklung der Bakteriologie hatte Weigert einen hervorragenden Anteil. Er hat, wie Robert Ried er in seiner schönen Monographie „Carl Weigert und seine Bedeutung für die medizinische Wissenschaft unserer Zeit" (Berlin 1906) mit vollem Recht sagt, „an der Wiege bakteriologischer Forschung''' gestanden, er hat die Bakterien f ä r b u n g „begründet". „Deshalb -wird in der Geschichte der Bakteriologie der Name Carl Weigerts für alle Zeiten neben demjenigen Robert Kochs stehen: Koch schuf die Methoden der Bakterien z ü c h t un g , Weigert die Methoden der Bakterien färb u n g." Weigerts Verdienste um die Bakteriologie hat Robert Koch selbst dankbar anerkannt. Berühmt waren Weigerts Sektionen, bei denen er den allergrössten Wert auf den ursächlichen Zusammenhang der einzelnen Leichenbefunde legte. Auf diese Weise hat er über den vorliegenden Fall hinaus Grundsätzliches aufgedeckt. Von ausserordentlicher Bedeutung war daher sein Nachweis an der Leiche, dass der Durchbruch eines Tuberkelknötchens durch die angrenzende Wand einer Blutader das tuberkulöse Gift in die Blutbahn und damit an alle Stellen des Körpers gelangen lässt. Tierexperimente lagen ihm nicht. Die Versuchskaninchen seines Instituts führten ein „beneidenswertes" Dasein. „Zwar traten sie täglich mit ihrem Herrn und Gebieter in engere Beziehung, aber nur dadurch, dass er sein mitgebrachtes Frühstück an sie verfütterte." (Rieder.) Weigert war ein konsequenter Wahrheitsm ihm den grossen Gelehrten vermuten konnte. Als Mensch"war er „edel, hilfreich und gut". Ueber seine Mitmenschen urteilte er milde, neidlos erkannte er die Grösse anderer an. Nachdem Weigert mit seinem Lehrer Cohnbeim aus Breslau nach Leipzig übergesiedelt war, entfaltete er daselbst als ausserordentlicher Professor eine ungemein fruchtbare wissenschaftliche Tätigkeit. Nach dem Tode Cohnheims, den er in den letzten Jahren in vollem Umfange vertreten hatte, hätte er daher das Ordinariat an der Leipziger Universität mit Fug und Recht beanspruchen können, zumal er als einer der hervorragendsten pathologischen Anatomen Deutschlands galt. Es wurde ihm aber aus konfessionellen Gründen versagt, die Taufe aber lehnte er ab. So hatte er bis an sein Lebensende keine Möglichkeit, an einer deutschen Hochschule zu lehren. Damals nun war er nahe daran, sich in der ärztlichen Praxis eine Existenz zu gründen. Im letzten Äugenblick aber erhielt er einen Ruf an das alte, schon in „Dichtung und Wahrheit" erwähnte Senckenbergsche Institut in Frankfurt a. M.. das von privater Seite unterhalten wurde und ihm eineseiner Neigung entsprechende, wenn auch bescheidene Arbeitsstätte gewährte. In Frankfurt konnte Weigert auch eine ihm zusagende beträchtliche Lehrtätigkeit ausüben. Da sein Name besonders im Auslande einen sehr guten Klang hatte, strömten ihm Aerzte aus aller Herren Ländern zu. Seine Bedürfnislosigkeit war erstaunlich. Rieder spricht von seiner „Leberecht-Hühnchen- Natur". Er starb in den Sielen, noch nicht 60jährig. ein rastloser Arbeiter, ein vom Forschungslrieb Besessener. Wenn ihm auch die Stellung im Staate versagt blieb, in der Wissenschaft nahm er sie von Anfang an ein. Hier, ebenso wie in den Herzen aller derer, die ihn kannten, hat er sich ein Denkmal gesetzt, dauernder als Erz. forscher; sein Grundsatz war: „Zuallererst muss die naturwissenschaftliche Forschung, darauf bedacht sein, alle Rücksichten, die mit der Erforschung der Wahrheit nichts zu tun haben, fahren zu lassen." Um die Persönlichkeit Weigerts ganz würdigen zu können, muss man auch seiner gesellschaftlichen Talente gedenken. Sie waren ungewöhnlicher Art, besonders besass er eine unvergleichliche Gabe der Unterhaltung. Er war überall der Mittelpunkt, um den sich alle scharten. Dabei gab er sich so einfach,, dass niemand Die Bibliotiieca Simonseniana in Kopenhagen Der im Jahre 1931 verstorbene Oberrabbiner von Dänemark, Professor David Simonsen hat durch sein Vermächtnis seine ganze m 60jähriger unermüdlicher Sammelarbeit entstandene Bibliothek der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen überlassen, wo sie unter dem Namen „Bibliotheca Simonseniana" eine besondere Abteilung bildet. In dem soeben erschienenen Dezemberheft der Zeitschrift „J ö d i s k Famiii eblad" gibt der Verwalter dieser Abieiiung, Dr. phil. Rafael Edelmann, eine Uebersicht über den Reichtum dieses hervorragenden Bücherschatzes." Die Bibliothek umfasste schon bei der Uebergabe fast 100 000 Bände. Seitdem wird sie dauernd aus den Mitteln der Kgl. Bibliothek und durch private Zuwendungen vervollständigt. In mancher Hinsicht übertrifft sie die reichsten jüdischen Büchersammlungen der Welt, wie diejenigen der Frankfurter Stadtbibliothek, des British Museum usw. Die Bibliothek zerfällt in eine Hebraica- und eine Judaica-Abteilung. In der Hebraica befinden sich hunderte hebräischer Bibelausgaben mit und ohne Kommentare, Bibelübersetzungen fast in allen Sprachen, Midrasch-Ausgaben, kabbalistische und chassidische Literatur, reiigionsphilosophische und ethische Werke, Talmud- Ausgaben und Kommentare, balacbische Sammlungen, medizinische, mathematische, astronomische und sonstige wissenschaftliche Bücher in Hebräisch, eine grosse Sammlung der hebräischen schönen Literatur von deren Beginn bis auf unsere Tage, Volksliteratur usw. Grossen Werl: hat eine SpezialSammlung von halaebischen Responsen („Scheeloth und Teschuboth") mit über 700 Nummern (eine so grosse Anzahl Responsen befindet sieb an keiner anderen Stelle der Welt), ausserdem 11 Inkunabel (Bücher, vor 1500 gedruckt), darunter zwei in nur einzig in der Welt vorhandenen Exemplaren. Von 150 hebräischen Handschriften ist besonders wertvoll die berühmte Handschrift der Responsen von Maimoni des und seinem Sohne in Hebräisch und Arabisch, die im Jahre 1240, also erst 36 Jahre nach dem Tode Maimonides geschrieben wurden. Zwischen der umfangreichen Sammlung von Büchern in Jiddisch ist eine Ausgabe von Gebete-Uebersetzungen, Krakau 1751, eines der ältesten jiddisch gedruckten Bücher, besonders bemerkenswert. Hunderte Werke in Arabisch. , verschiedene Werke in Persisch, Persisch-Jüdisch, Arabisch- Jüdisch, sowie karäische Literatur bescbliessen die Hebraica-Abteilung. Es gibt keinen Zweig der jüdischen Wissenschaften, welcher in der Sammlung nicht mehr oder, weniger vollständig repräsentiert ist. JHt L4.~leäm$ $§/M§l B$Mm zwischen Euch und Euren Freunden und Verwandten im Sniand und im Ausland Schenkt ein Abonnement auf die C-V.-Zeitung I n I a n d 1 Mark 98 Ausland 4 Mark 60 f y r 6 Monate einschliesslich Porto Ueberweisen Sie den Betrag auf unser Postscheckkonto: Berlin 70344 und vermerken Sie auf dem Postscheckabschnitt genau Ihre Adresse und die des Empfängers oder senden Sie uns den folgenden Abschnitt ein. Senden Sie bis auf Widerruf die C.-V.-ZEITUNG an: Senden Sie die RECHNUNG an: Strasse .......................................................■••........................ Strosse................................................................ Bitte genau ausfüllen und deutlich schreiben I - Mit 3 Pfg. frankiert im Umschlag senden an: C.-Y,-Zeitung, Vertrieb, Berlin W15, Emser Strasse 42, IV

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