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Central-Verein-Zeitung · 1937-01-14 · 2 (14.1.1937) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
2 (14.1.1937)
Date
1937-01-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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/; 0 0 / , /') entral- XVI. Jahrgang / Nr. 2 Berlin, 14. Januar 1937 Preis 10 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag,' Scbriftleitnag, Anzeigenannahme. Yertriebsabteilu. 0, Die C.-Y.-Zeitupg erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redafctionsschluss: _ boten erbebt. Bezugspreis vierteljährlich Sl Rpf. (einschl. 22.74 Rpf. Postzeitungs w numm-r 10 Rpf. .(Ausland 20 Rpf.) Im Falle höherer Gewait besteht kein Anspruch auf Kachlieferang oder Rückvergütung der gezahlten Beträge, für. Stellengesuche 10 Rpf.. für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise s. Preisliste.' Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. Postscheckkonto: Berlin 70oi-{. durch den Post- . i.^.u.u^v.i^v.iu-.. >~ ________,„______ .....-___________=Mhren. Einzcl- Anzeigeagebühren: Preisliste 5 cüitig. "Die 12gespaltene mm-Zeile 20 Rpf.. Anzeigenschlnss: Dienstes. Platzu. Datenvorschrifteu ohne "Verbindlichkeit. Wer .Grossmuf tl und der Se| mabgeor dn< i. A. H. Am 12. Januar, dem ursprünglich für die Abreise der Königlichen Kommission vorbestimmten Tage, ersebien der Grossmufti von Jerusalem, um seine Zeugenaussage zu mächen. Seine Erklärung, in der man wohl ein Plaidoyer gegen Weizmanns Aussage zu erblicken hat, geben wir in ihren Grundzügen im Palästinateii unserer Zeitung wieder. Sie gipfelte in Forderungen, dereu Erfüllung, wie der Grossmufti meint, dem Heiligen. Lande „endlich den Frieden geben" würde. Er verlangt die Beseitigung des „jüdischen Kationalheims" und der Balfour-Erklärung, Beendigung der jüdischen Einwanderung, Verbot des Landverkaufs, Gleichstellung Palästinas mit den anderen arabischen Ländern und die Konstituierung einer unabhängigen arabischen Regierung in Palästina. Die auch in der Form, nur schwach als Entgegenkommen, verkleidete -Erklärung /. Beiblatt: Breslau, Bild einer Gemeinde Von Dr. Ernst G. Löttienthal fordert das Ganze. Man begreift nun, weshalb es im Jahre 1936 Monate dauerte, ehe.die Befriedung Palästinas auch nur soweit gesichert war, dass die Kommission ins Land kommen konnte. Der Eindruck ist unverkennbar, dass die Szene zum Tribunal für die Verkündung panarabischer Forderurigen geworden ist. Die arabische Frontstellung nennt die Juden, meint aber England selbst. Denn wie sehr auch die Vorstellung des künftigen Palästina, wie sie der Mufti hat,.den jüdischeu Palästinagedanken ins Herz treffen, das emporblühende jüdische Leben jäh in seiner Entwicklung hemmen und in Tausenden jüdischer Seelen, für die Palästina'Hoffnung auf ein neue«. Leben bedeutet, verzweiflungsvolle Leere schaffen muss — au einer seiner empfindlichsten Stellen droht Euglaud verletzt zu werden. Der Vorhang hat sich vor der Hinterbühne der Ereignisse gehoben und die Aussagen der jüdischen Zeugen erhalten post festum höchst dramatische Akzente. Das Gebäude der politischen Nachkriegsschöpfungen, das an so vielen Stellen der Welt im Umbau begriffen ist, soll nach arabischen Wünschen auch" hier verändert werden. Es ist müssig, in einem solchen Augenblick daran zu erinnern, dass ohne England die Existenz der arabischen Staaten an deu Grenzen Palästinas gar nicht möglich oder zum mindesten bedeutungsloser wäre. Nun, da sie da sind, folgen sie ihren eigenen Gesetzmässigkeiten. Und die Frage ist verfrüht, ob nicht die Schärfe der Fordeningen vielleicht nur dazu dient, ein späteres kleines Entgegenkommen als ein grosses Geschenk erscheinen zu lassen, dem der Lohn dann, sicher ist. Die Schärfe der arabischen Demonstrationen erhöht die Verantwortung der jüdischen Palästinapolitik. Sie darf nicht im Affekt neue Positionen beziehen, sondern muss sich immer wieder ihrer Ausgangsstellung bewüsst "bleiben, die sie nicht auf die eine oder andere Seite, auch nicht zwischen die Parteien treten lassen darf, sondern die eine befriedigende jüdische Lösung nur mit beiden Seiten für möglich hält. Die selbständige Begründung des jüdischen Anspruchs, unabhängig von den mit ihm verbundenen politischen und rechtlichen Garantien, muss mit besonderer Aufrichtigkeit und Klarheit unterstrichen werden. Jenseits aller juristischen und historischen Kontemplationen gilt es, das Errungene zu konsolidieren und auszubauen und damit zu zeigen, dass die Bindung von hunderttausenden Juden an das Land und ihre erwiesene Fähigkeit, es zur Blüte zu bringen, auch ohne Pergamente einen selbständigen und unverlierbaren Anspruch begründet. II. Während so das Problem eines jüdischen Palästina in ein entscheidendes Stadium tritt, erörtert Polen erneut seine Judenfrage. Man erinnert sich, dass nach Rückkehr des Aussenministers- Oberst Beck aus London die sehr lebhafte Auseinandersetzung, wie- Palästina für den jüdischen/ Auswanderungsstrom aus Polen weiter geöffnet werden könnte," in den Hintergrund getreten war.;; Auch' die Einbeziehung anderer Länder in den Auswanderungsbereich war mehrere Monate hindurch mit starker Zurückhaltung behandelt wordeu. Erst das grosse außenpolitische Referat von Beck im Dezember hatte die Diskussion erneut aufgenommen, allerdings mit deutlicherer Nuancierung gegenüber früher — die "Notwendigkeit "für Polen, seine schwierige wirtschaftliche Konstellation durch Entlastung von zu grossen Bevölkerungsmassen bestimmter soziologischer Eigenart, will sagen: eines grossen Teiles seiner jüdischen Einwohner, zu bessern. Seitdem liest man fast jede Woche von einem anderen Land als Auswanderungsziel. Madagaskar wird erwähnt. Liberia, Belgisch-Kongo, imd es bleibt dahingestellt, ob hier Versuchsballons aufsteigen oder ob im Zusammenhang mit Handelsvertragsregelungen ernsthafte politische Erwägungen dahinterstehen, oder ob der polnischen Bevölkerung eingeredet werden soll, dass es zahllose Auswanderungsmöglichkeiten für polnische Juden gäbe, und dass diese nur aus Starrköpfigkeit von den glänzenden Möglichkeiten keinen Gebrauch machten. Es. dürfte allerdings in Polen weniger bekanntgeworden sein, dass der lebhafte Hinweis auf polnische Massenauswanderuugsbedürfnisse für einzelne Staaten, beispielsweise in Südamerika, die Eiuwanderungssituation. erheblich erschwert hat. Man ist drüben in solchen Fragen eben von grosser Empfindlichkeit. Der Typ des reinen Koloniallandes, das keiuen anderen Wunsch hat, als möglichst zahlreiche Menschen, gleichgültig welcher Art. Herkunft. Bildung und Fähigkeif, heranzulocken, ist in der aufgeteilten Welt nicht mehr vorhanden, und es ist schwer, einem Lande klar zu machen, dass ihm jedw^ede. auch unqualifizierte Einwanderung nützlieh sei. In der Budgetdebatte des polnischen Sejm, die Anfang dieser Woche stattfand, behandelte nach einem Referat des Aussenministers Beck einer der massgebenden Männer des polnischen Regierungsblocks, Oberst Miedzynski, der Chefredakteur der „Gazetta Polska", das^ jüdische Auswänderungsproblem. Er stellte, nach einer Sondermeldung des „Berliner Tageblatts", fest, „dass in der Lagerung und Behandlung dieser Frage ein grundsätzlicher Unterschied zwischen den westlichen Staaten und Polen bestehe, das durch die russische Gesetzgebung vor dem Kriege das ganze Ostjudentum habe aufnehmen müssen. Die Politik der polnischen Regierung habe daher nichts mit Antisemitismus zu tun. Er. Miedzynski, z. B. liebe die Dänen, aber wenn drei Millionen von ihnen in Polen sitzen würden, so würde seine Haltung ihnen gegenüber dieselbe sein wie heute gegenüber dem Judentum:" Zweifelsohne bedeuten solche Gedankengänge in gewissem Umfange die Befreiung eines schwierigen Problems von Affekten. Die Bedeutung der Ausführungen ist um so grösser, als man annehmen kann, dass die polnische Regierung mit ihnen weitgehend übereinstimmt. Aber uns scheint, als ob gerade der Versuch zur Sachlichkeit die Problematik der - polnischen Situation und der jüdischen Situation in. Polen mit besonderer Deutlichkeit aufdeckt Wir meinen den Vergleich' mit den Dänen. Es ist kaum, nach unserer Meinung, anzunehmen, dass irgendein Land es für politisch tragbar halten würde, Bevölkerungsgruppen, die einem anderen benachbarten souveränen Lande nach Sprache oder Abstammung oder sonstwie eng verknüpft sind, aus seinen eigenen Grenzen eliminieren zu wollen. Es ist. anzunehmen, dass, um bei dem Beispiel des Oberst Miedzynski zu bleiben, ein Land wie Dänemark die Herausdrängung von drei Millionen Dänen aus Polen als einen höchst unfreundlichen Akt ansehen würde, dass die anderen europäischen Mächte den europäischen Frieden als stark durch derartige Massnahmen gefährdet empfinden müssten, und dass sich der internationale Mechanismus von Völkerbund, Minderheitenausschüssen und Nationalitätenkongressen sofort in-Bewegung setzen würde, um unübersehbare Folgen zu verhüten, wobei nicht einmal Voraussetzung wäre, dass die dänischen Polen oder pomischen Dänen in der Lage wären, die gleiche Erklärung abzugeben, die erst kürzlich . die polnischen Juden für sich abgeben konnten, als sie feierlich bekundeten: „Die auf polnischer Erde geborenen, ihre Bürgerpflichten durch Entrichtung an Steuern, vou Blut und Vermögen wie alle anderen Bürger Polens erfüllenden Juden in Polen haben gleichen Anspruch auf Hilfe und Schutz durch den Staat als Bürger gleichen' Ranges, auf gleichen Genuss der Güter des Bodens und gleiches Recht auf allen Gebieten des Staatsiebens ... Die utopische Anregung, den Boden, auf dem sie seit tausend Jahren lebt und an dessen wirtschaftlicher uud kultureller Entwicklung sie generationenlang mit ganzer schöpferischer Kraft mitgewirkt hat. mit dem sie gleich allen anderen Einwohnern verknüpft und auf dem sie gleichberechtigt ist, zu verlassen, um anderen Platz zu machen, kann von der jüdischen Bevölkerung nicht beachtet werden." Dafür haben allerdings die polnischen Juden keinen souveränen Staat, der sich ihrer annähme, und hinter ihnen steht keine militarisierte Macht. Aber das Schicksal ihrer Umweltbevölkerung ist ihr Schicksal gewesen, die Teilungen Polens haben sie den verschiedenen, an der Teilung beteiligten. Staaten zugeführt, die Neuschöpfung Polens sie wieder zu polnischen Juden gemacht. Die gleichen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen, die an der Wiege des neuen Polens standen, und als Ursprung des neuen Staates von allen Polen aus ganzem Herzen bejaht werden, bereiten nur einem bestimmten Sektor ihres Landes gewisse Schwierigkeiten. Die polnischen Juden werden nicht einsehen können, woher gewisse polnische Kreise die Berechtigung herleiten, die Ursprungsfaktoren zu bejahen, soweit sie als glücklich empfunden werden, sie aber abzulehnen, soweit in ihrer Konsequenz zeitweilig unerfreuliche Erscheinungen auftreten. Die polnischen Juden verneinen die Vorstellung, als ob der polnischen Wirtschaft durch Subtraktion des jüdischen Sektors geholfen werden könnte. Sie sind im Gegenteil der Auffassung, dass sie innerhalb einer grosszü<*igen Sozial- und Wirtschaftspolitik einen. Beitrag zum Aufbau leisten könnten. Sie weigern sich aber auch deshalb, die Vorstellung gewisser polnischer Kreise von der Lösung des polnischen .Judenproblems anzuerkennen, weil die ■ Tatsachen die Lösung durch Auswanderung widerlegen. Von den über 8 Millionen Juden in Polen sind in den letzten 15 Jahren knapp ein Zehntel in andere Länder gewandert. In den Jahren 1935 und 1936 kam knapp 1 Prozent nach Palästina, wobei sich die Auswanderungsziffer von 25000 für 1935 im Jahre 1936 auf 11215 veningerthat. Die polnischen Juden sind ein zu massiver Block innerhalb der polnischeu Bevölkerung, als dass er durch Utopien zur Auflösung gebracht werden könnte. Ihre Lebenskraft und Bedürfnislosigkeit werden sich nach jahrhundertelangen Erfahrungen stärker erweisen als die Bemühungen, durch Schwarzmalerei ihrer wirtschaftlichen Zukunft in ihnen Panikentschlüsse zu wecken. Gegen aussichtsvolle Auswanderung werden sich wenige Juden Polens sträuben. Es wird aber wenig Stimmung bei ihnen vorhanden sein, ziellos auf Wanderschaft geschickt zu werden. III. Nichts charakterisiert schärfer die Notwendigkeit einer zwischenstaatlichen ernsthaften Behandlung des jüdischen Auswanderungsproblems als das Zusammentreffen . der arabischen Forderung,. Palästina für die Einwanderung zu sperren, und die offiziösen polnischen Wünsche, die jüdischeu Massen Polens in Bewegung zu setzen. Niemand wird es als eine Unbescheidenheit von jüdischer Seite bezeichnen können, dass inmitten einer weltpolitischen Situation voll unerhörter Spannungen die Aufmerksamkeit der massgebenden politischen Kreise der grossen Mächte, vor allem solcher mit Kolonialbesitz, für das jüdische Problem gefordert wird. Die Bedeutung einer politischen Frage ist ja nicht immer von ihrer Quantität abhängig. Aber-sicherlich wäre die Rückwirkung auf zähllose Zusammenhänge moralischer und wirtschaftlicher Art gross, wenn das jüdische Wanderuhgsproblem .nicht nur, soweit. Palästina in Frage kommt, sondern auch bezüglich der Erschliessung der grossen Einwanderungsländer in Uebersee, konstruktiv gefördert würde. Unsere Leser finden in dieser 24seitxgen Nummer xi. a. folgende Aufsätze: Argentinien von Bruno Weil. — Judischpolitisches Leben in Gross-Britannien. — Die Geschichte vom „Stillen", eine Erzählung von Mala Laaser. Die Beilagen: Wirtschaft der Woche. Palästina.- Umschau* — Sportblatt,

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