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Central-Verein-Zeitung · 1924-12-12 · 50 (12.12.1924) · p. Seite 789

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
50 (12.12.1924)
Date
1924-12-12
Page
Seite 789 (sequence 1)
Language
German
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rinzelnummsr 10 Golüpfsnnig SerUn, 12. Dezember r-24 III. Jahrgang «- Nr. 50 Aryrm oes lLntrMPerems öerttkckrr KMer sürSeurscktmn «mvMoenwm Monarsabonttement 4Y Toldpfennig A^Htzsrr^dins Lsirun^ iss üudenrums ««tlaS und Schristleitung: »er«» SV SS, eiudnistr. IS. Fernsprrchee! «mt DSnhvff LLS4. KSS. BanNonto: Dresdner Bank. Wechkclstube«. Berttn 8 VW, Andenstr,? Allern^e Att eigenarmotzme: Annonce». Expedition Rudolf Moffe, Berlin 8^ IS. und deren Filialen. Anzeigenpreise- 0,75 Goidmark für die 7 aesvaltene ^ett« na, Rndolk Moss^S NormalqeilenMeffer Nr. 4. FölmMenauzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Berein» 0.4c- SoLdmark, die Oö mm biettc Neklam.zeile 4 Gslomai $£fl wÄ^t® von Dr. Sruno Weil (berttn) „Eine Regierung gibtes nicht/ Der König ist gestürzt, die Residenz von den Aufrührern eingenommen. Die Bewohner der Provvnzftädte empören sich gleichfalls gegen ihren -Oberherrn und vertreiben die Vornehmen aus ihrer Mitte. An die Stelle der früheren Herren setzen sich jetzt ihre Sklaven; es herrscht allgemeine Rechtlosigkeit. Ein feder nimmt sich, was er mag; die Rinder laufen frei umher, und wer will, holt sich davon und stempelt es mit seinem Namen. Dem Händler, der des Abends seine Straße zieht, lauern Räuber in den Büschen auf, um ihn zu berauben und zu töten. Die früher arm waren, bereichern sich jetzt an unrecht erworbenem Gut; sie werden nun zu Herren und die, denen sie früher dienten, sind jetzt ihre Untergebenen." So schildert ein ägyptischer Weiser, Jpu-Wer, die Wirren des revolutionären Zeitalters, in dem er lebt. Wer wird bei dieser Darstellung nicht lebhaft an die Zeit der Jahre 1918 und 1919 erinnert, in denen es nach dem Zusammenbruch des alten Regimes eine Zeitlang den Anschein hatte, als ob eine starke Staatsgewalt sich in Deutschland überhaupt nicht mehr herausbilden könne? Wenn man die damalige Zeit mit den heutigen Zuständen vergleicht, so ist ein hoher Grad von Beruhigung unverkennbar. Ein Gesnndungsprozeß hat eingesetzt, der insbesondere, seit die unglückliche Periode der Inflation aufgehört hat von Tag zu Tag sichtbarer wird. Und selbst die ungeheuere Bewegung, die die soeben stattgehabten Reichstagswahlen im deutschen Volke ausgelöst haben, konnte eine Erschütterung des S t a a t e s n i ch t h e r b e i f ü h r e n, sie zeigte sich als ein in Staaten mit parlamentarischer Verfassung unentbehrlicher, im wesentlichen aber doch von Ausschreitungen freier Kamps um die Macht nn Staate. Das hervorstechendste Merkmal der Reichstagswahlen ist der Zusammenbruch der völkischen Bewegung. Man kann hier nicht einfach von einer Niederlage sprechen; man sieht vielmehr die Auflösung einer Partei greifbar vor sich; die noch vor kurzer Zeit Anspruch darauf .nachte, die Vertreterin eines sehr großen und ausschlaggeberwen Teiles des deutschen Volkes zu sein. Die Nationalsozialistische Freiheitspartet hat von den etwa 80 Millionen Stimmen, die abgegeben worben sind, nicht einmal ein Dreißigstel, im ganzen nur 891671 Stimmen erhalten. Die Zahl ihrer Mandate steht noch nicht völlig fest. Die Partei geht im güvstigsten.Ifllle mit 14 statt der bisherigen 32, vielleicht aber auch nur mit- 10'Mandüten in den Reichstags hat .also auf jeden Fall mehr als die Hälfte der Sitze verloren, und dies in einem Reichstag, der an sich eine größere Zahl von Mandaten ausweist als der vorige. Auch ihre Stimmenzahl ist unter die Hülste des bisherigen Besitzstandes gegangen. In einer nicht geringen Zahl von Wahlkreisen ist sie weit unter der Hälfte geblieben. So in Berlin, Potsdam H, Breslau, Schleswig- Höl sbeiit-Süd, Hannover, Braunschweig, KVln- Aachen, Düsseldorf-Ost und West. Niederbachern, Dresden-Bautzen und Hamburg. In Niederbayern hat die Partei mehr als zwei Drittel ihres Besitzstandes verloren. Selbst in Franken ist sie fast aus ein Drittel herabaedrückt worden. Dagegen gibt es nur einige Bezirke, wie Frankfurt a. d. O-, Pommern, Thüringen und Mecklenburg, in denen die Partei sich besser als im Neichsdurchschnitt gehalten hat. General Ludendorff hat seine Getreuen in den Untergang geführt. Die Jndennarrheit — das Wort Antisemitismus reicht bei einer Partei, die das ganze Welt- und Staatsgeschehen allein aus jüdischen Gesichtspunkten heraus betrachtet haben will, nicht mehr aus — ist von neunundzwanzig Dreißigsteln des deutschen Volkes abgelehnt worden. Eine von der Inflation h o ch g e t r a g e n e Bewegung ist mit dem Eintreten ruhigerer Verhältnisse fast in nichts zerstoben. Die gesunden Kräfte des deutschen Volkes beginnen den Sieg d a v o n z u i r a g e n. Mit Schlag. Worten und Gedankenlosigkeit allein läßt sich in einer Zeit verzweifeltster Stimmung vielleicht ein Eintagsersolg erzielen, aus die Dauer lassen sich aber das logische Geschehen und der gesunde Menschenverstand nicht vergewaltigen. Wir wissen, daß zu der tödlichen Niederlage, die der Nationalsozialismus und mit ihm die völkische Bewegung erfahren hat, der Centralverein einen nicht geringen Anteil beigetragen hat. Wir haben, was in unseren Kräften stand, aufgeboten, um diese, für das deutsche Vaterland wie für das deutsche Judentum unheilvolle Bewegung zu bekämpfen. Aber wrr sind weit entferntvon einem Gefühl des Sieges. Wer sich mühsam sein armselig bißchen Recht erkämpfen muß, dem liegen Triumphgesühle nicht. Der Erfolg des Natürlichen und des Anständigen kann für W!!!III!I!I!!!I!!jII!i?!II!!ZI!IIIiII!III!!I!!!iIIIIII!ii!I!!!!!!!!!!II!I!!!l!I!!!!!iI»!!I!!Ii!I!!iIII!!U!!IIU Z Mus hm Inhalt: 1 ff Nach den Wahlen. Von Dr. Bruns Weil. I > Die GrgeSuiffe der Landtagswahlen. > Ü Seite 291 M | Das Judentum und das prodlem derKnlturjf 1 Zersetzung. Von Prof. Erik Aölting. § g Seite 294 §§ | Vom Wesen der „VMgemeinde". j §1 Seite 29s Z 1 Der Lentralverein ftn Wahlkampf. I Von Arthur Schweriner . , Seite 296 § Von Arthur Schweriner

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