Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 49 (4.12.1924)
- Date
- 1924-12-04
- Page
- Seite 768 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Psyche Sei vielfach politisch unaufgeklärten Weibes leichter unterliegt als der kühle, kritischer veranlagte Mann. Denkt, daß aber auch alte diese Frauen wählen! Denkt an eure 12 000 Gefallenen, an die u n v e r h a r s ch t e n W u n d e n e u r e r v i e l t a n s e n d K r i e g s v e r l e tz L e n! Laßt ihr Andenken n i ch t besudeln von Bn r sch e n', die zu jener Zeit oftmals n o ch d i e S ch u l b a n k drückte n. Erinnert euch eurer Jugend, als ihr zum ersten Male spürtet, daß ihr ein Joch tragt — und dann vlickt auf euer L i e b st e s, eure Kinder! Blutete euch nicht das Herz, wenn sie aus der Schule, von der Straße heimkamen, sich in eure Arme flüchteten und die betränken Allgen klagend in die euren senkten ob der Mißhandlung, die ihre Seelen erlitten, und die den Meltau über ihr Gemüt verhängt hat, der eure eigene Jugend verdüsterte? — Um eurer Kinder willen, geht der Schlange der Lüge mxb Verleumdung mutig zu Leibe: jene Frauen sind Mütter wie ihr, und ihr seid zum M u t t e r h e r z e n d i e b e r e d t e st c n Anwälte des Rechts-, und das ausgeklärte Mutterherz wird auch den rechten Weg in das aus Unkenntnis oder selbst aus Berstocktheit boshaft handelnde Kinderherz weisen. Der Schreiber dieser Zeilen, der in jahrzehntelanger, mühevoller Erzieherarbeit aus christlichem Geiste heraus 'so manchen schönen Erfolg in dieser Richtung erzielt hat, weiß, wie oft hier ein r e ch t e 8 W o r t z u r e ch t e r Z e i t aus rechtem Herzen Unkraut aus jugendlichen Gemütern jätet. W Und wenn eure erwachsenen Angehörigen und Freunde Inn sind, wenn sie glauben, e s s e i a l l e s t r e f f l i ch b e st e l l t, vo e n n anderefürsiehandeln, dann rüttelt sie auf, daß zur Wahl wenigstens alle ihre Schuldigkeit tun, nach bestem Können inid Vermögen, sagt ihnen: eure Sache ist es, die verhandelt wird! Denkt an eure Kinder und ihre Zukunft! Dieser Wahlkampf ist auch e u e r W a h l k a m p f 1 H a ns Wo y w o d. Der Hmers'kK'Aeppslm. Völkischer Kampf gegen Karl Ar n st e t n. -st In dieser Zeitung und in anderen jüdischen Blättern wurde beim sieggekrönten Fluge des Zeppelin-Lufkschiffes nach Amerika erwähnt, daß auch Dr. Karl Arnstein/ein Ingenieur jüdischer Abstammung, sich um den Vau des denk scheu Luftriesen sehr verdient gemacht habe. Unsere Meldung entstammte den Zeitungsberichten aus allen Lagern, darunter vielen durchaus nicht judenfreundlich eingestellten Organen der Rechtspresse. Der sogenannte „Zeppelin-Film" der in vielen Lichtbildtheatern ausgeführt wurde, lange bevor die Namen Eckener, Dürr, Arnstein in aller Munde waren, zeigte ein Bild Arnsteins als einen der führenden Männer beim Bau des Luftschiffes. Wenn wir Arnstein in Zusammenhang mit dem Zeppelin-Bau erwähnten, so geschah das nicht — Bedarf es einer solchen Versicherung? —, um etwa in verwerflicher Ueberhebung den strahlenden Ruhm der um die deutsche Großtat hochverdienten Männer auch nur im leisesten zu schmälern. Wir wollten lediglich darbun, daß auch ein Deutscher jüdischen Stammes an diesem stolzen Werke deutscher Geisteskraft mitgearbeitet habe. Ja, es schien uns gerade ein Symbol für unsere Parole: Deutschtum und Judentum zu sein, daß auch hier,' in einem so hehren Dienste an Vaterland und Menschheit, ein Mann jüdischer Abstammung Geist, Herz und Hand seinein deutschen Volke darbieten konnte. Den Völkischen war natürlich der „Jude Arnstein" ein Dorn im Auge. Theodor Fritsch, immer in Verhetzung voran, schreibt (Hammer Nr. 538, S. 437): Arnstein sei nur ein neben 60 anderen als Statiker beschäftigter Bureauingenieur. . . . Die „Deutsche Zeitung" (Nr. 539) läßt sich, vornehm wie stets, also vernehmen: Er leistete Tüchtiges; aber er leistete und tat nichts anderes, als was tausend andere an seiner Stelle ebenfalls geleistet und getan hätten. Er war ein Gehilfe im Nahmen des Ganzen. . . , Und den Vogel schießt Professor Adolf Bartels, der Mann mit dem antijüdischen „Instinkt", der — der Leser setze sich vorher! — wörtlich schreibt („Deutsches Schrifttum", Nr. 11): „Wohl mit Recht führt man den großen „Z. R. 3" - Rmmmet, ans den anch die nationalen Zeitungen hineinfielerr, auf Propaganda für den angeblichen „Schöpfer" Dr. Arnstein zurück" . ♦ Höher geht es nimmer! N- Wir brauchen nicht zu betonen, daß wir uns nach Art dieser völkischen „Informationen ans guter Quelle" niemals ein Urteil für oder gegen Arnstein anmaßen. Darüber können nur anerkannte Sachverständige und nicht sogenannte völkische Autoritäten 'entscheiden. Und wer wäre berufener darüber zu urteilen als Dr« Eckener, der, soeben vom ganzen deutschen Volke froh begrüßt und würdig Meiert, von Amerika heimgekehrt ist? In der Rundfunkrede, die dieser deutsche' Pionier der Lüfte am 27. November in Berlin hielt, sagte er nach einem besonders genauen Berichte („Brandenburger Anzeiger", Nr. 274): „Es ist die Frage ausgetaucht, wer der Erbauer des Luftschiffes sei, ob Dr. Dürr oder Dr. Arnstein. Ich kann darauf nur erwidern, daß es keiner von beiden ist. Die Ideen, nach denen das Luftschiff gebaut ist, nach denen es im ersten Umriß von Anfang an fertiggestellt wurde, gehen aus den Grafen Zeppelin zurück. Was hiuzugekommen ist, sind lediglich Erfahrungen, die wir in langer Praxis erworben haben, Erfahrungen, die Eigentum der Zeppelin-Werst sind, und die jeder Konstrukteur sich Zunutze machen kann. Ohne diese Erfahrungen könnte aber der genialste Konstrukteur nicht ein Luftschiff bauen oder Anspruch darauf erheben, ein Luftschiff gebaut zu haben von der Art des „Z. R. 3". Direktor Dr. Dürr war früher der Chefkonstrukteur des Grafen Zeppelin und hatte diese Stellung bis zum Jahre 1915 inne, wo er die Gesamtleitung, Konstruktion, Montage und Vau der Luftschiffe, übernahm. Am diese Zeit wurde Dr. Armfienr erster Konstrukteur des KsnstrnMonsSrrreaus unb hat Entwürfe des „Z, R. 3" gemacht, immer natürlich unter oberster Aussicht des Dr. Dürr nyd immer ans Srmud der Erfahrungen, die ihm nach LZjähriger praktischer Betätigung des „Luftschiffbaues Zeppelin" zur Berfügmrg standen." Diese Mitteilungen ans so berufenem Munde genügen durchaus. Wir sind aber in der Lage, aus authentischer Quelle eine weitere Aeußerung D r. E ck e n e r s über D r. Arnsteins Anteil am B a u wiederzngeben: Die Konstruktion des „Z. R. 3" ist gemacht worden auf Grund von Ideen des Grafen Zeppelin und auf Grund der 20 jährigen Erfahrungen des „Luftschiffbaues Zeppelin". Gegenwärtig ist Dr., Arnstein Chefkonstrukteur. Er hat auf Grund von diesen Unterlagen den „Z. R. 3" berechnet. Wir hoffen, daß nach allen diesen Mitteilungen die wichtige Tätigkeit Arnsteins am Zeppelin-Vau für jeden Unvoreingenommenen klargestellt ist. Niemand wird je ' die der Geschichte angehörende Tat eines Grafen Zeppelin herabzusetzen wagen. Jeder Deutsche ist stolz auf Männer wie Dürr und Eckener. Aber auch der Judenstümmling A r n stein war und bleibt ein Meister am Werke. Maurerweecher für die Nationalsozialisten. Glücklich bei den Rechtsradikalen gelandet. Durch die gesamte Presse ging die Nachricht, daß M a xMaurenbrecher, der bis zum 1. Oktober Hauptschriftleiter der „Deutschen Zeitung" war, in einem Aufruf, abgedruckt im „Deutschen Tageblatt" (Nr. 275), alle völkischen Deutschnationalen auffordere, ihre Stimme für die Nationalsozialistische Freiheitsb e w e g u n g am 7. Dezember abzugeben, da „alles, was wir (Radikalvölkische) seit Jahren (in der D. N. B. P.) bekämpft haben, doch geblieben ist". Zwar ist.der Ausschluß Maurenbrechers aus der Deutschnationalen Volkspartei beantragt („Deutsche Tageszeitung" Nr. 562), aber die Sprache der deutschnationalen Organe zu diesen: Falle ist sehr kleinlaut und bedrückt und dieses laute $U> rücken Maurenbrechers von der Halb- und Halbpartei ist nur dazu angetan, den durch die unwahrhaftige Abstimmung zum Dawes- Gutachten stark erschütterten Parteikoloß weiter ins Wanken zu bringen. — Das mögen die Deutschnationalen mit sich selber ausmachen. Fesselnder ist, hier kurz den Werdegang Maurenbrechers zu. beleuchten. — Aus dem Mitarbeiter Friedrich Naumanns an seiner „Hilfe" wurde ein begeisterter Sozialdemokrat. Aus diesem ein Deutschnationaler. Jetzt ein Nationalsozialist (mit Vorbehalt). Und wenn die Mühle sich weiter dreht, beginnt der „sattelseiste" Politiker alsbald von neuem bei den — Kommunisten. Uebrigens haben wir für sein erstes Auftreten bei den Nationalsozialisten eine „prächtige", zwar unserer Meinung gar nicht entsprechende Literaturstelle, 'wenn es gilt, bte „völkischen Vorläufer", Friedrich II., der Große genannt, oder Friedrich Wilhelm I., der Große Kurfürst genannt, zu feiern: „Auch bei dem „Großen Kurfürsten" und dem ersten König ^(Friedrich I., Friedrichs II. Großvater) hat das Mißverhältnis zwischen Wollen und Können nnd die daraus entspringende Ratlosigkeit einen guten Teil des Charakters ihrer Negierung bestimmt. Der Große Kurfürst hat zeitlebens so stark unter dem Bann dieses Mißverhältnisses gestanden, daß feine Politik auch die akterelemerrtarsterr