Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 49 (4.12.1924)
- Date
- 1924-12-04
- Page
- Seite 766 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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766 mütigen Ausdruck. Und alle Veranstaltungen waren vom kampsbewährten CVer Geist: „Für D eu ts cktu m u n d I u d en t uin" getragen. Versa mm lu n g s b e r i ch t e, die bisher eintrafen: (Telegraphischer Dienst der „C. V.-Zeitung".) Alleusiein. Die Kundgebung ist gut verlausen. Rechtsanwalt SfieuniQnn feuerte in würdiger und gelungener Form die Anwesenden Zur Teilnahme an der Wahl und zur eifrigen Mitarbeit an den großen Aufgaben des C. V. aus. Seine Ausführungen wurden sehr beifällig ansgmomnien. BüLelmrg. In Anwesenheit der ganze; Gemeinde sprach Fritz M eher (Herford) über „Verfassung oder Entrechtung". In frischer Aussprache kam der starke Wille zürn Ausdruck, nicht nur am 7. Dezember, sondern darüber hinaus seine Pflicht freudig zu erfüllen. Warm wurde die Wahlarbeit des Landesverbandes Ost- Westfalen und der Berliner Zentrale anerkannt. Irr klarer Erkenntnis der gewaltigen Bedeutung des Wahltages schloß die Versammlung voller Begeisterung für die gemeinsame Sache. Chemmttz. Vor gut besuchtem Saale sprach in gewohnt vorzüglichen Worten unser Hauptvorstandsmitglied Frau Elfe Dormitz e r (Nürnberg) über die Bedeutung der Reichstagswahl für das deutsche Judentum. In sehr guter Stimmung schloß die Versammlung. Göppingen'. Die Kundgebung war überfüllt. Unsere bewahrten Freunde, die Redner Rechtsanwalt Dr. Steiner und Dr. Tänze r, fanden lebhaften. Beifall. Ter eifrige Vorsitzende, Herr Ottenh ei mer, hielt eine wirkungsvolle Ansprache. In gehobener, weihevoller Stimmung endete die Kundgebung. Leipzig. Eine dichtgedrängte Menge füllte den Kammermuscksaal des Zentraltheaters. Rechtsanwalt Dr. Curt G r a s und nullr Hauptvorstandsmitglied Rabbiner Dr. Felix Gold mann waren die Referenten. Während der erstere mehr die Politische Bedeutung der Wahl hervorhob, beleuchtete Tr. Goldmann die ethische Seite des großen Entscheidungskampfes. Ter Versammlungsleiters Kerr Jnlrus K raufe, gab im Schlußwort einen Ueberblick über die" bis jetzt geleistete Wahlarbeit und bezeichnete es als Pflicht jedes Wablberechtigten, neben der Stimnmbgabe am 7. Dezember nickt den Wahlfonds des C.V. zu vergessen. Magdeburg. In gut besuchter Versammlung hielt Studienrat Dr. Bohner einen hervorragenden Vortrag, der stürmischen Beifall fand. In Zuversichtlicher Stimmung sieht der Magdeburger C.D. dem Endkampf entgegen. In einer großen öffentlichen Versammlung am 1. Dezember haben wir uns mit Völkischen und Deutschnati'0-n.alen gründlich mlseinandergesetzt. Vlotho. In Anwesenheit des weitaus größten Teiles der Gemeinde hielt Lehrer Levy die fesselnde Hauptrede. Regste Wahl-, beteiligung und eifrige Förderung unserer Bewegung-ist sicher. Auch finanziell werden wir unsere Pflicht unserem Central-Berem geaenüber freudig erfüllen. Wcrrrheim (Bergstrafze). Die Veranstaltung im Gemeindesaal war sehr gut besucht. Sie wurde vom Fabrikanten Max Hirsch, unserem bewährten Freunde, geleitet. Die Hauptrede hielt Dr. Goetzel (Mannheim), dem starker Beifall dankte. Daran schloß sich eine anregende Aussprache. Mit stärkster Wahlbeteilianng ist zu rechnen ° ... Die Aeichskanzlsrre-e fit Elberfelö. „Füx to aI) re Freiheit u n d T o le ra n z." Bekanntlich hat der Reichskanzler Dr. M a r x am 27. November sich in einer großen politischen Rede auch gegen den Antisemitismus gewandt. Der ausführlichste Bericht, den wir darüber in der „Kölnischen Volkszeitung" (Nr. 926) finden, dürfte die überall verbreiteten, stark gekürzten Pressemitteilungen um verschiedene interessante Punkte ergänzen: Auch gegenüber der antisemitischen S t r ö m u n g sprach der Reichskanzler-ein gewichtiges Wort. Er stehe sicherlich nicht in irgendwelchem Verdacht, aus andern Motiven heraus, als aus hohem Idealismus diese Frage zu behandeln. Als Christ und als Richter halte er es in höchstem Grade für ungerecht und unvornehm, Angehörige unseres Volkes und Reiches wegen ihrer Stammeszugehörigkeit zu beschimpfen und zu verhöhnen. Das sei nicht Christentum, das sich in solcher üblen Hetze äußere. Es sei dringend an der Zeit, in diesen Dingen ein ernstes Wort zu sprechenM Er werde unerbittlich diese Bewegung bekämpfen und auch auf diese Weife fortfahren, für die wahre Frethert und Toleranz emzutreten. Am was geht es am 7. Degemfcer! Ein Wort eimes Lehrers an die Mittler. Nach den ersten, gleichsam den Gegner vorsichtig abtastenden Vor- Postengesechten ist nun die Wahlschlacht auf der ganzen Linie entbrannt. Saalvermieter und Versammlungsredner haben Hochkonjunktur: allabendlich werden von den Wunderdoktoren derWerschwdenstierp Richtungen die unfehlbaren Heilmittel für unsere Politischen, wirtschaftlichen mrd geistigen Nöte angepri-estm; oft, gar oft schon hat inan den Text und die Weise gehört, und leicht schleicht sich dem umworbenen Wähler das Wort ins Hirn: „Die Botschaft hör' ich wohl, allein ..." Und trotz alledem darf's diesmal noch keine WahUnüdigkeit geben, auch nicht in den Reihen unserer jüdischen Volksgenossen. Denn, so. beschämend es auch für gewisse Zustände in unserem Lande ist:.es m u st v o r d e n Wahlen wieder m i t a l l e r Deutlichkeit unterstrichen werden: auch dieser Wahlkampf ist i m besonderen ein Kamps des deutschen I u d e n t u m s u nt Wahrheit und Gerechtigkei t. Was in fast allen Kulturländern ausgeschlossen ist, daß Parteien, die die- Führung großer Volksmassen in der Hand haben wollen, ihrer politischen Weisheit letzten Schluß und den"Schwerpunkt ihrer Wahlparole im Antisemitismus — und zwar in seiner häßlichsten Auswirkung — sehen, das ist bei uns leider noch immer traurige Gewißheit. Man vergleiche die Wahlagitation in unserem Lande nach dieser Richtung mit den gewiß mit größter Leidenschaftlichkeit geführten jüngsten Wahlkämpfen in England und Amerika! — Nun scheint ja zwar „der zarte tzsilberreif am Horizont", die zagende Hoffnung beginnender Entgiftung der verhetzten Volksmassen, allmählich sichtbar zu werden. Die gegenseitige Zersleischung, die die „großen" und gernegcoßen Führer der „völkischen" Bewegung mit sadistischem Eifer vornehmen, lähmt ihre noch vor einem halben Jahre so unentwegte, skrupellose Agitation, so daß es in ihren Reihen recht kleinlaut geworden ist. Eine unfreiwillige, recht tragikomisch wirkende Illustration hierzu ist der Brandbrief eines ihrer H ä u p t l i n g e, der die Runde durch die Presse machte. Und nach diesem erbaulichen Anschauungsunterricht, den die Hakenkreuzhänptlinge zu rechter Zeit den W ä h l e r m a s s e n geben, steht zu hoffen, d a ß s i e a u s d e n b l ö d e n G i m P e l s a n g n i ch t m eh r in so großen Scharen h e r e i n f a l l e n werden, als es diesen V o l k s b e g l ü ck e r n am 4. Mai gelungen ist. Aber-diese leise keimende Hoffnung, bei der ja doch im wesentlichen noch der Wunsch der Vater des Gedankens ist, darf e r st recht den Eifer derer nicht erlahmen lassen, denen es ernst ist mit der Ausrottung dieser entsetz l i ch e n P o l i t i sch e n S e u ch e. Das Gift ist eingedrungen in viele Seelen und hat das klare Denken weiter Volkskreise entsetzlich verheert. Und wer nicht wie der Vogel Strauß den Kopf in de;; Sand steckt, wird täglich und st ü n d l i ch d i e betrübenden Folgeerscheinungen antisemitischer Verhetzung nach wie vor beobachten. Gedenkt der Sh n a go g e n s ch än du n g in H e r s fe ld, wo an dem Heiligsten der jüdischen Glaubensgemeinschaft gefrcvelt wurde! Ist in einem Blatte der weitverzweigten nationalistischen Presse, die von Millionen'gelesen wird, diese von niedrigster Gesinnung zeugende Untat gebührend gekennzeichnet worden? Und w 111 nicht d i e N a ch b a r p a r t e i der völkischen Gruppe n n a ch d e r e n Z u s a m mmenbruch das Erbe an treten, indem sie mit der für Denkfaule so bequemen Judenhehe krebsen geht? Trotz Ihres Briefes im Jahre 1908 an d i e j ü d i s ch e n Wähler von M e s e r i tz - B o m st, Herr Gras-? J Darum seid auf der Wacht, alle, die es angeht, laßt eure erprobten Führer nicht allein ra-u-f vorgeschobenem Posten, sondern wißt, daß ihr alle von der Mobilmachung-, zu der in diesen Blättern wöchentlich a-usgerusen wird,, ersaßt seid! Macht doch Gebrauch von dem schlagenden Rüstzeug eurer „C. V.-Zeitung", «den unwiderleglichen Tatsachen und Feststellungen, mit denen euer überreich gefülltes Arsenal an geistigen Waffen euch ausstattet unb womit jede, aber auch jede antisemitische Behauptung mit unerbittlicher Logik und überzeugender Wahrheit ins Gegenteil gewandelt wird! Nickst ihr soll Es lesen, daß die Hetzer lügen und wider besseres Wissen verleumden, nur um ihr Parteisüppchenzu kochen; macht's den andern nach, die geschickt jede sich bietende Gelegenheit: aus der Stadt- und Straßenbahn, vor und in den Verkaufs lüden, in den Betrieben, in ihrer Umwelt benutzen, um unversehens das Gespräch aus irgendein verhetzendes, antisemitisches Moment zu lenken. Ihr könnt's, denn ihr kämpft' mit den Waffen der Wahrheit, jene — lügen. Oft wirkt das schlichte Wort von Mund zu Mund im täglichen Umgang mehr und nachhaltiger als glänzende Vorträge und Reden in Versammlungen. Und wo ihr beginnendes Verständnis ahnt, 'da macht die Presse- und Literaturerzeugnisse eurer Freunde den Empfänglichen zugänglich! D e u t s ch e F r a u e n, j ü d i s ch e u n d n i ch t j ü d i s ch e, denen es ernst ist um den Kampf gegen den Judenhaß, beherzigt die Ausführungen von Lorcka v. K o e r b e r m der Nummer 46 vom 14. dar „C. D.-Zmtung"! Iüdische Mütter! Ihr wißt, daß es so oft die Frauen sind, die in nationalistischen Versammlungen dem Redner Beifall zollen: Da wird auf Gefühlsregungen spekuliert, denen die (Fortsetzung des Textes Seite 768.)