Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 48 (28.11.1924)
- Date
- 1924-11-28
- Page
- Seite 742 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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742 Bevölkerung ächten und verfehrnen, müssen rücksichtslos bekämpft werden. Die deutschvöllische Bewegung, der die ruhigeren und sachlicheren Deutschnationalen mindestens ein liebevolles Verständnis entgegenbringen, hat das Ansehen des deutschen Namens in der Welt herabgewürdigt. Wir denken an die Morde, deren geistige.Urheber jene Prediger des Hasses waren. Ein Volk, in dem der politische Mord möglich ist, steht in der Gefahr, von der Höhe einesKultur Volkes h e r a b Z u st e i g e n. Ein großer Teil der d e u t s ch e n I u g e n d hatte sich der Wahnidee hingegeben, daß uns eine seelische Erneuerung von den Deutschvölkischen gebracht würde. Sie sprachen von Manneszucht und Disziplin. Es ist wahr, wir brauchen Manneszucht und Disziplin, wenn wir wieder eine neue und große Zukunft erleben, wollen. Aber wir sehen, daß keine einzige deutsche Bewegung in sich selbst so disziplinlos ist wie die deutschvöl- , kische. Offenbar verstehen sie den Begriff der Disziplin nur so, daß es angenehm sei, gehorsamen Untergebenen befehlen zu dürfen; aber die meisten unter ihnen wollen offenbar die schwere Pflicht des Gehorsams nicht auf sich nehmen. , Man gebe sich aber keiner Täuschung hin. Die deutschvölkische Bewegung wird zwar wegen ihrer Disziplinlosigkeit und ihrer Unfruchtbarkeit voraussichtlich eine schwere Niederlage bei diesen Wahlen erleiden; aber der Geist, den eine j a h r l a n g e Hetze geschaffen hat, lebt noch. Wir müssen diesen Geist, wenn Deutschland gerettet werden soll, auch weiterhin energisch bekämpfen. Der Ton, den die Deutschvölkischen und die Kommunisten in den Deutschen Reichstag gebracht haben, verstößt gegen die Würde der Vertretung eines Kulturstaates. Die parlamentarische Arbeit ist unmöglich, wenn diese beiden Gruppen nicht geschwächt werden. Wer ein geordnetes parlamentarisches Leben will, muß mit stärkster Kraft gegen die beiden äußersten Flügel sich einsetzen. Wir brauchen eine starke Staatsautorität. Weithin ist die Ausfassung verbreitet, daß die Juden kritisch und oppositionell veranlagt feien, und daß ihnen die Empfindung für die Notwendigkeit starker Autorität fehle. Diese Auffassung ist grundfalsch. Die Geschichte der Juden zeigt, wie stark in uns der konservative Einschlag ist; aber auch die große Mehrheit der modernen Juden steht aus dem Boden der starken Erkenntnis, daß ohne Staatsautorität ein Volk nicht gesund leben kann. Die Staatsautorität aber wird verteidigt von den verfassungstreuen Parteien; sie wird untergraben nicht nur von denen, die mit Gewalt die Verfassung ändern und den Bürgerkrieg entfesseln wollen, sie wird auch untergraben von denen, die den verfassungsmäßigen Staat, also die Republik, höhnen und schmähen. Deshalb ist es deutsche Pflicht, bei der Wahl eine Regierungsbildung vorzubereiten, die es den verfassungstreuen Richtungen möglich machen wird, die Republik und damit die Staatsautorität zu festigen, und die Verwaltung im Reich und in den Ländern mit republikanischem Geiste zu erfüllen. Größtes Ziel der deutschen Politik ist die Rettung der deutschen Einheit, die der französische Chauvinismus schon m Versailles zerstören wollte. Mehr als einmal haben rechtsradikale Vorbereitungen und Unternehmungen die große Gefahr geschaffen, daß Torheit und Verblendung der Deutschen selbst den Zerfall Deutschlands schafft, den Clemenceau in Versailles erreichen wollte, aber nicht erreichen konnte. Auch diese Betrachtung weist dem deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens den klaren Weg der Unterstützung d.er verfassungstreuen Parteien. Wir denken im politischen Kampfe an Deutschland und nur an Deutschland. Unsere Feinde sind die Feinde einer gesunden und ruhigen deutschen Entwicklung. - Wenn der Centralverein, dessen Bedeutung und Notwendigkeit die letzten Jahre leider allzu sehr bewiesen haben, in diesem Kampfe Waffen liefert gegen die verderblichen Lehren des Hasses und der Zwietracht, dann erfüllt er damit im höchsten und besten Sinne eine hohe deutsche Wicht. Verfassung o-er Entrechtung! 241 Kiinftgebunsen öes £♦ v. Am Sonntag, den 30. November, werden in den Städten des Reiches 241 Kundgebungen unseres C. V. stattfinden. „Verfassung oder Entrechtung? Der letzte Ruf zum 7. Dezember!" werden sie heißen. Uebevall werden unsere treuen Mitglieder aus allen Ständen und Berufen, Alter und Jugend, Männer und Frauen in diesen Versammlungen' sich feierlich geloben, am Wahljonntage die höchste Verpflichtung des Staatsbürgers, die Wahl zum Reichstag und zu den Landtagen auszuführen, Säumige und Laue zur Stimmabgabe auszurütteln. Ein Treugelöbnis zum. deutschen Vater - lande, ein Treu gelob nis zum angestammten Judentum wird in diesen Kundgebungen aus zehntausenden Herzen dargebracht werden. Der heiße und zähe Wille wird zum Durchbruch kommen, keinen I-Punkt der beschworenen Verfassung zuungunsten irgendeines Deutschen verrücken zu lassen. Hell und klar wird der Ruf schärfster Kampfansage gegen die erschallen, die täglich und stündlich unseren ehrwürdigen Stamm, unsere erhabene Religion, unsere vaterländische Zuverlässigkeit verunglimpfen. Machtvoll werden diese gewaltigen Kundgebungen von ostpreußischer Erde bis zu den deutschen Alpen, von der alten Kaiserstadt Aachen bis zum Schornsteinheer unseres lieben OberschlefienI darlegen, mit welcher Wucht unser C. V. - G e d a n k e,- der Gedanke für Deutschtum und Judentum, in unserem deutschen Judentum wurzelt. . Auf, ihr Freunde, zu den Kundgebungen! Die KrmdgLbrwgLzr am 30. November. Vorbemerkung: Vis zum Redaktionsschlüsse am Dienstag, 25. November, nachmittags 5 Uhr, waren nur die folgenden Ankündigungen hier eingegangen. Die Mitglieder der hier nicht genannten Ortsgruppen werden noch gesondert benachrichtigt. _, Allenstein . B E „ s s Vorsingen ...... Barmen, Hotel Schützenhau Berlin (siehe Seite 757) . , Bischosstein , * , s , Vleichrode 9 „ 9 , . . t Bocholt . * g g s * f Bochum . . z 9 . . . Braunsberg « * , . Bruchsal. «.£»£<!» Bückeburg? « * « s i Bünde . » » ¥ * Burgsteinsurt ..... Chemnitz, Saxonia-Loge Cöln, Rheinl-andloge . .■ Cöln-Mülheim „ , e * Dinslaken > £ s « s Dortmund .... £ 2 Düren. Gemein de saal < Bad Dürkheim . , .■ K Du Murg.« Durlach (5 Gemeinden) . Düsseldorf . . . , .. . Elberfeld . . .? s Essen, Stadt. La alb an Geldern, Hof v. Holland Gels >e n l i r chen-Wa tte ns cheid Geseke-Sa lZkvtten-Büren Gilgenburg , . . * - Göppingen _ . , * * Groß-Strelitz . s -- . Grotkkau .? £ * 2 3 Grünstadt , . . * . Gumbinnen E E 3 § » Gütersloh £ v * £ s tCK . <1*5»** rigerloch , . , , . - born . * * * * t oamm ■. . x v ■* * 2 t ingen i * %• s ia singen s s 2 ä 3 a Herford s - Herne . Hindenburg Hörde -. . Höxter « « Rechtsanwalt Neumann II. r Oberlehrer Straßburger. Dr. jure W a h l. L u r i e. Apotheker Wolf. Rechtsanwalt Strauß und S. Sulzbexger. i Prediger Goldmaun (Herford).! Prediger Rülf (Detmold). . Lehrer EManuel. ■v' Frau Dormitze r, i Lehrer Jacobst. ' — Rechtsanwalt Dr. W e i n ber g.> Karl K a rr f m a n n, Arthur Löwenber g. Rechtsanwalt Steine r.- Dr. I a c o b o w i tz. Jacob K a r l i n e r. Rechtsanw. Dr. Prediger Bor brüa). Ehrlich (Tilsit)/ s a n g e r (Osna- Alfred Lev i,' Nabbinatsverweser Sch malz - b a ch. Fritz M eher. Dr. I a e o b o w i tz (abends). (Fortsetzung auf Seite 744).