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Wissen und Waffen · 1924-11-21 · 3 (21.11.1924) · p. Seite 12

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Journal
Wissen und Waffen
Volume
[2. Folge] (1924)
Issue
3 (21.11.1924)
Date
1924-11-21
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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12 „Fuöenpogrome" als VahlMSNsyer. Von D i m i t r i B u I n j ch o \\\ Vor b e m e t! it n g : Seit einiger Zeit haben btc völkischen und decckschnationalen Blätter wiedernnr nngesan-gen, ihre Austnerk- ‘ Sowjetru.ßland znznwenden, und in hansigen Artikeln werden die schon tmlsendmal gehörten und widerlegten Legenden, da ß die Juden die . HauPtschöPf e r u n d T r ü g e r d e s Bolschewis nt u § u nb des K o m m u n i s nt n Z seien rtnd emsig die Weltrevolution vorbereiten, ansgesrischt. NeuerdingZ hat man sich auf das Weissagen verlegt und prophezeit den baldigen A u § b r u ch von blutigen Jude n P o g r o m e n 'in Sowjetruß -l ct n d als Rache der Russen an den Inden für die Zerstörung des Zarenreichs und Aufrichtung der Sow.jol-regierung. Das i st alles ein W a h l manöve r und soll den Deutschen sagen: seht, euch erwartet das Schicksal Rußlands, wenn nicht wir Völkischen und Deutschuationalen gewählt werden, um euch vor den Juden, den schlimmsten Feinden Deutschlands, mit der christlichen Kultur zu retten; wartet nicht ab, bis die Russen mit ihren Juden abgerechnet haben, sondern kommt ihnen Zuvor, damit Nur gar nicht nötig haben, an unfern Bezwingern Rache zu nehmen. Ein niedliches Pröbchen davon haben wir in dem Artikel der „Deutschen Zeitung" vom 28. Oktober unter dem Titel ,,Die Juden in S o w j e t r u ß l a n d „Schon feit einem Jahre melden die aus Sowjetrußland kommenden Nachrichten das stetige Anwachsen der antsteinitischen Bewegung, die so drohende Formen annimmt, dtst; die Juden massenweise Rußland verlassen, um dem zu erwartenden Pogrom Zu entgehen." Ei, wo Hab' ich denn das schon gelesen? Aber richtig, vor Zwei, drei und vier Jahren, ebenfalls in der „Deutschen Zeitung" oder in einem verwandten Organ. Jedesmal melden die Antisemitenblätter warmherZig . bewegt, daß in Rußland ein Pogrom in der Luft hänge und die Juden massenweise das Land verlassen, um seinem Niedersausen Zu entfliehen. Wahr ist, daß die Juden seit der Begründung „ihres" Sowjetreiches durch „ihre" Bevollmächtigten und Beauftragten wieder angesangen haben, in Massen ihr Vaterland zu verlassen. Wie in den früheren schönen Zeiten, als der Zar seine Knute schwang. Aber sie tun das nicht, um dem Pogrom, sondern u m „ih wechr" Komnrunism us zu entfliehen, der ihnen jede Lebensmöglichkeit abgefchnitten hat, so daß dem Gros von ihnen nichts anderes übrig bleibt, als entweder ruhig Hungers zu sterben oder anszuwandern. Aber der Pogrom kommt nicht und wird schwerlich kommen. „Alle Berichte stimmen darin überein", heißt es in dem Artikel weiter, „der Haß gegen die Juden habe einen solchen Grad erreicht, daß es nur eines zündenden Funkens bedürfe, um einen furchtbaren Brand zu entsachen und Judenpogrome hervorzurufen, wie sie Rußland noch nie erlebt hat." Rätselhaft ist es, warum dieser Haß so lange in Handlungen ausznbrcchen zögert und wie dieser Funken beschaffen sein müßte, auf den er noch imrner wartet. An Zündstoff fehlt es doch wahrlich nicht im Sowjetreich. Dann sollen ja sämtliche Russen mit der Herrschaft des „verjndeten" Bolschewismus furchtbar unzufrieden sein und in fortwährender innerer Empörung leben. Die Sache i st n ämlich b t e : i n d e n Volks m affe n besteht überhaupt kein Haß gegen die Juden (in Rußland ebensowenig wie in anderen Ländern). Die Volkmassen sind freilich nirgends von glühender Menschenliebe erfüllt und gegen diejenigen, die sich von ihnen durch irgend etwas merklich unterscheiden, z. B. Aussehen, Sprache, Bekenntnis, Beschäftigung, Lebensweise, soziale Stellung, Haar- und Kleidertracht od. dgl. — gegen alle diese „fremden" Menschenarten tragen die Voltsmaffen Mißtrauen und Abneigung, das ist aber von dem eigentlichen Haß, Zumal dem Haß, der zu Pogromen aufstachelt, noch sehr weit entfernt. Aber er bietet ein gutes Material, aus dem Haß geschmiedet werden kann — wenn einer sich findet, der Interesse daran hat. Das war seit jeher in Rußland die R e g i e r u n g und die Herr s ch e u b e Klasse, d i e den Neid und d i e U n z u f r i e d e n h e i t des V olles auf b i e I u b e n ablenken wol l t e n. Den Barlern war die Existenz der Juden vollkommen gleichgültig. Was sie brauchten und wonach sie sich sehnten, das war der Boden, und diesen besaßen doch nur die Großgrundbesitzer, die Kirche, der H o t und der Stau t. Die Juden durften ihn nicht einmal pachten, geschweige besitzen. Seit Pugatschew hörten die Bauernuuruhen in Rußland nie aus, aber immer waren sie gegen die Großgrundbesitzer, n i e gegen die Juden gerichtet, überwiegend fanden 'sie i n (?) egenden statt, w o es üb e rh a u p t keine Juden anb. Die „Deutsche Zeitung" und ihre Mannen mögen nur ruhig schlafen, über den Judenhaß in Sowjetrußland und die Pogrome, die.daraus entspringen tonnen, dürfen'sie sich getrosten. Dieser H a ß e x i st i e r t nur in ihrer a u s ge r eg t en , nre nschenf r enndli ch e n P h a n t a s i e. Ein sehr angesehener, kenntnisreicher deutscher Publizist, Dr. Adolf Grabowsky, der im ^ommev Rußland bereist hat, gab im August in der „Frankfurter Zeitung" eine Reihe gründlicher Beobachtungen über die dortigen Verhältllifst. Er schreibt über die In wen folgendes: „Der nichtkommunistische Jude in Rußland wird hin- und hergerissen von zwei Elnpfindungen: seine kapitalistische Natur wehrt sich gegen das Solvjetregime, auf der anderen Seite aber ist er diesem Regime dankbar, weil es mit der Aechtung und Drangsalierung der Inden als Juden aufgehört hat. Der Jude wird offiziell nicht um einen Deut anders behandelt als der Nichtjude, nicht besser, nicht schlechter. Es steht ihm auch frei, sich zur jüdischen Nationalität zu bekennen oder nicht, tut er es aber, so hat er genau dieselben Rechte wie die anderen nationalen Minoritäten. Auch die Dritte Internationale hat auf ihrßm letzten Kongreß eine scharfe Resolution gegen den A n t r s e rn i t i s m u s erlassen. Das schließt natürlich nicht aus, daß ein gesellschaftlicher Antisemitismus besteht, etwa lote in Amerika, aber auch er wird immer wieder in die Schranken gewiesen durch die konsequente Haltung der Regierung." Es bestätigt sich die alte Regel: Keine Nachfrage, kein Angebot. „Das Volk selbst hatte die Revolution nicht gemacht," versichert uns der Artikelschreiber, „es stand abseits, nahm sie hin, wie eine Schickung von oben." Das Abseitsstehen bei einer Revolution von dieser Art ist ja an sich schon eine hübsche Sache. Aber dieses Abseitsstehen des russischen Volkes sah einem stürmischen Laus verZweifelt ähnlich: sobald nämlich Lenin die Losung ausgab: „Frieden und Land!", ließen sofort die Bauernsöhne, die 90 Prozent der russischen Armee bildeten, die Schützengräben und die Kanonen und die ganze Kriegsbegeisterrrng liegen, warfen Flinte und Tornister in den Kot und eilten zu Hunderttausenden von der Front heimwärts, um bei der großen Teilung nicht zu spät zu kommen. Dagegen hat sich kein Finger geregt, um, wie während der französischen Revolution, da s au ei au r v§im6, di e M on a r chi e u nd d i e D y n a st i e "zu verteidigen. „Die Revolution war nur die Maske gewisser Kreise, in denen Juden und Judengenossen die leitenbe Kraft waren." Nun, d i e t r e i b e n d e K r a f t d e r Revolution waren am Anfang März 1917 in Petersburg, noch bevor Lenin und Trotzt: dort emtr-asen, der „Rat" (Dowjet) der A r b e i t e r d e p u t i e x t c n und der Rat der Bauer n deputierten, die allmählich die ganze Gewalt an sich rissen. In ersterem saßen acht Inden unter z w e i u n d v i e r z i g Mitgliedern; in letzterem saßen s i e b e n Juden unter dreißig Mitgliedern. In der Regierung und in dem provisorischen Dumalkomitee saß kein einziger Jude. Die fünfzehn Juden, die in den beiden Sowjets saßen, waren untereinander in d r e i P a r t e i e n geteilt, die sich gegenseitig aufs heftigste befehdeten!... So sah die „leitende Macht der Juden und Judengenoffen" aus in den „gewissen Kreisen", die die Revolution gemacht haben, während die wahren Russen mit den Händen in den Hosentaschen dabei standen und, das Pfeifchen schmauchend, Zusahen. „Bald hat aber dasselbe Volk erkannt, daß es irregeleitet und betrogen worden ist, daß die Nevolntion ihm-nichts gebracht, sondern im Gegenteil alles genommen hat, unb dabei richtete sich sein Haß gegen die Juden, die die treibende Kraft der Revolution gewesen waren." Bald nämlich hat dasselbe Volk erkannt, daß cs in den ausschließlichen Besitz des gesamten Bodens gelangt war, es teilte ihn unter sich auf, indem es auf di-e Prinzipien des Kommunismus pfiff, und als dann die „weißen" Generale, Denikin, Mamontow, Wrangel ein Heer organisierten, um die Bolschewisten Zu bekämpfen, dienten in diese rn Heer e s e h t zahlreiche I u d e n , einige tausend Mannschaften und Ossiziere, aber um sich die Shrnpathier: und die Unterstützung der Bauernschaft dauernd zu sichern, glaubten sie, zu den alten charischen Methoden greisen zu sollen, versprachen den Bauern die „ganze Habe" der Juden, die ausgerottet und massakriert mürben. Aber als gleich hinter den siegreichen Generalen der alte Großgrundbesitzer und der Land-Polizist auftauchten und sich anschickten, die alte Besitzordnurrg wi-ederherzustellen, gingen die Banernsvldaten in Hellen Hausen zu den verhaßten Bolschewisten über, richteten Blutbäder unter den „weißen"' Heeren an und bereiteten ihnen eine Niederlage, die der „weißen" Bewegung sür immer ein Ende,gemacht hat. Das ist wohl der beste Beweis dafür, daß, wie der Artikel'schreiber versichert, „das ganze bolschewistische System sich als eine Herrschaft des jüdischen Elementes darstellte und der Haß gegen die Juden ins Unendliche wuchs". Hier abirennen Zch bestelle hiermit: Weil, „Jüdische Internationale". Preis broschiert 1,50 M. Segel, „Die Protokolle der Weisen von Zion", kritisch beleuchtet. Preis in Ganzleinen Z M. Ich bitte nrn Übersendung eines Schristenverzeichnisses: „Schriften für Abwehr und Ausgleichs Ich bitte um Übersendung eines Antiquariatskataloges. Name:..— Anschrist:.-.

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