Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 47 (21.11.1924)
- Date
- 1924-11-21
- Page
- Seite 717 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I PP -WÄYffVNVS; «»»» Serlin, 21. November 1-L4 IH. Jahrgang -» Nr. 47 Mnzelnumm«» 1- <V»lüpf«nnig - ^'MonLtS^nÜWiN^^^bpienni- »rpi des Cmtml-VminB dsatfcher StaatÄMrgerjüWMenMmvru^v. 2Ul££emeine Zeifun^ des Oudenrums ... - Derkas imd Gchristleitung : DerNn SW 68, JBmbeiiftr. 13. .\ Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594. 3595. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube S, Berlin SW 68. Lmdenstr.7 AlleiMgr An:eigenannahnre: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19, und deren Filialen, Anzeigenpreise- 0,75 Goldmark für die 7 gespaltene Zeile nach ^Rudolf MvsftS Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins 0.40 Goldmark, die 90 mm breite Reklarmzeile 4 Golümark Der völkische Kampf gegen Christentum und Judentum. Scharfe Ablehnung Surch christliche unü jüdische Geistliche. Im letzte« Hefte des „Hammer" (Rr. 557) schwingt der Senior Der Völkischen, Theodor Fritsch, heftig das Kriegsbeil gegen diechristlicheKirche beider Bekenntnisse nnv gegen Das Judentum. Die Ueberschrist des Aufsatzes „Kulturkampf?" beleuchtet seine Richtung. Der protestantischen Kirche ruft er zu: „Solange die protestantische Geistlichkeit es als ihre Hauptaufgabe erachtet, das scheußliche Judenwese» in Schutz zu nehmen und die Ungeheuerlichkeiten DesAlten Testaments höher zu stellen als Die lautere Lehre Christi,.. solange diese Geistlichkeit in ihrer Berblenvnng und Irreleitung es fertig bringt, das nnfittlichste und gottesfeindlichste Volk Der Welt Den übrigen Völkern als Muster anzupreisen und ... es als ein „heiliges Volk"... hinzustellen, solange kann sie nicht verlangen, von denkende« Menschen ernst genommen zu werden." Die katholische Kirche wird also „gefeiert": „Die völkische Bewegung baut auf tiefere Kräfte als rin durch geistige Knebelung mühsam am Leben erhaltenes Kirchentuns." Das Judentum wird fast in jeder Zeile in genseinster Weise geschmäht: Volksfeinde, Ausplünderer, Staatszerstörer und Sittenverwüster sind »roch lange »sicht die kräftigsten Vokabels» ans Fritschschens Schimpfwörterbrrch. — Bei der grundsätzlichen BeDentnng Des völkischen Kampfes gegen Christentum und Judentum, der vavnrch droherrven Vernichtung hoher religiöser Werte und der Erschütterung des Ansehens Der biblischen Schriften, haben wir es für «otwenvig gehalten, angesehene Geistliche der evangelischen, katholischen und jüvischen Religion um ihre Stellungnahme zurr» Kulturkampfaufsatz von Theovor Fritsch zu bitten. Wir geben die wertvollen Aeutzerungen im folgenden wieder: Mephistopheles auch ein ganz besonderer Säst ist — daß es den Geist nicht zu ersetzen vermag, zeigen gerade die Ausführungen des Herrn Theodor Fritsch, welcher glaubt, ein so tiefes Buch, wie die Bibel es ist, das durch die Jahrtausende hindurcbaeht, beiseite setzen und es eintauschen zu dürfen gegen — das Blut. Dieser leitende Ausfall aus dem „Hammer" offenbart nur aufs neue, daß die d e u t s ch v ö l k i s ch e B e w e g n n g mit aller Macht das Christentum bekämpft. Da die Völkischen nur das Blut werten, haben sie allerdings vom Geiste des Christentums nicht einen Hauch gespürt. Fritsch ist wenigstens ehrlich genug, mit aller Offenheit gegen das Christentum zu Felde zu ziehen. Sonst Hort man genugsam, wie in christlichen Gegenden die Völkischen behaupten, das Christentum voll anzuerkennen, wobei man freilich immer wieder fragen muß, wie sich nun der Haß der Völkischen gegen alles Nichtdeutsche mit der Gesinnung der Liebe verträgt, die dem Christusgeiste entspricht. Friijchs Ausruf ist ein erneutes Dokument neben vielen anderen für die Feindschaft der Völkischen gegen die christlich e P r e d i g t. - . Werden nun endlich die vielen, vielzuvielen deutschnationalen Pastoren, die von Fritsch der völligen Unwissenheit beschuldigt werden, lernen, was sie von den Völkischen, in deren Partei es für sie eine besondere Grupve gibt, zu halten haben?. Und was werden die völkischen Pastoren tan, wenn man auf eine Reformation hinarbeitet, die sich „nicht asif Bibelworte, sondern ans die Mächte des Blutes stützt"? Ich fürchte, sie werden nichts tun. Denn, wenn es eine alberne Uebertreibung ist, wenn Fritsch sagt: „Niemand versteht heute so wenig vom wahren Wesen Lic. theol. Ernst Nloering in Sreskau schreibt: Daß Deutschland unter der Spaltung in verschiedene Konfessionen leidet, ist gewiß- Diese Trennung der Geister zu beheben, wäre des Schweißes der Edelsten wert. Herr Fritsch möchte zu diesen Edlen gehören und beginnt sein Einigungs- Werk mit Erregung neuen Haders: er versucht, die Lust an den Kirchen den Deutschen von Grund auf zu vergällen. Katholiken und Protestanten haben nach ihm in gleicher Weise versagt, und der barmherzige Samariter, der das geschundene deutsche Volk heilt, ist (nach ihm) die völkische Bewegung. „Wir werden eine neue Reformation haben, die sich auf Stärkeres baut als auf Bibelworte: Wir werden einen deutschen Glauben haben, der sich auf die Mächte des Blutes stützt und der deutschen Seele gerecht wird." Nun: in Luthers Uebersetzung sind die Psalmen so deutsch geworden, daß auch der Deutsche diese uralten Worte, in denen die Menschen seit Jahrtausenden ihre Not, ihr Ringen, ihren Jubel, ihren Dank zum Ausdruck gebracht haben, durchaus als die seinen empfindet, und im deutschen Gesangbuch, dessen Dichter ihre Kraft aus der Bibel geschöpft haben, scheint uns mehr d e u t s ch e Seele zu liegen als im Hitler-Lied und den übrigen Landsknechtsgesängen. Aber wenn Herr Fritsch, seine Reformation aus das deutsche Blut gründen will, dann, fürchte ich, kommt erst recht keine deutsche Einheit zustande. Bei dem sehr verschiedenen Blut der deutschen Stämme (hier keltische, dort römische, hier slawische, dort irgendwelche andere Beimischung) dürfte dann, wenn alles vom Blute ausgeht, eine so verschiedene Geistrichtung sich ergeben, daß keiner mehr den anderen auch nur ahnend versteht. Und wenn Blut