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Central-Verein-Zeitung · 1924-11-14 · 46 (14.11.1924) · p. Seite 700

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
46 (14.11.1924)
Date
1924-11-14
Page
Seite 700 (sequence 4)
Language
German
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Lemötagswahkm in Inhalt. Vo-a Jnstizrar £v. (5-otzrr (Dessau)-. Die Laudlagswahl vom 9. November, Auftakt und Generalprobe zu den vier Wochen später stattfwdenden Reichstagswahlen, hat den Demokraten und Sozialdemokraten starke Erfolge gebracht. Bei einer Wahlbeteiligung von 85 Prozent gewannen gegenüber 'der Wahl vom Juni 1924 die Sozialdemokraten rund 25 Prozent, die Demokraten rund 125 Prozent. Auch das Zentrum vermehrte seine Stimmenzahl um 20 Prozent. Infolge der starken Wahlbeteiligung wurde der Wahlquotient ein stärkerer, so daß die Nationalsozialisten, die ihre Stimmenzahl von 7900 behaupteten, anstatt wie bei den Wahlen vom Juni 1924 zwei Mandate, deren nur eines erzielten. Die Wahlpropaganda der an haitisch e^n N a t i o n a l s o z i a l i st e n war diesmal eine merklich stillere. Nicht mehr wie bei den Reichstagswahlen vom Mai und den Landtagswahlen vorn Juni füllten die Hakem kreuzjünglinge die Versammlungsräume der Linksparteien. Das Auftreten des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold hat auch in Anhalt Wunder gewirkt. Das Reichsbanner hielt sich von jeder parteimäßigen Einstellung fern; es beschränkte seine Tätigkeit aus den Schutz der Republikaner und ihrer Versammlungen-. Die Helden des Hakenkreuzes wußten aber, daß sie nicht mehr ungestraft und ungehindert friedliche Versammlungen der Linksparteien stören und friedliche Gegner überfallen konnten. Die bloße Tatsache, daß der Schutz des Reichsbanners zur Hand war, genügte, um die früher so lauten und lärmenden Männer der sogenannten „Vaterländischen Verbände" von Erzessen zurückzühalten. Die Straßen in Anhalt waren für den ruhigen Bürger wieder frei, auch wenn er sich auf seiten der Linksparteien betätigte. Eine radikale Bewegung wie die der Nationalsozialisten, die doch nichts weiter darstellen als Kommunisten mit antisemitischem Mäntelchen und nationalem Phrasentum. ist zum Absterben verurteilt, wenn sie nicht schnell in die Massen dringt. In Anhalt ist das schon wegen des völligen Versagens der nationalistischen Abgeordneten und Kandidaten ausgeschlossen gewesen. Die beiden Nationalsozialisten im Landtag vom Juni 1924 taten sich durch politisch kindliche Auffassung hervor und wurderl vielfach nicht ernst genommen. Die Redner der nationalistischen Partei wußten bei ernsthaften Leuten keinen Erfolg zu erzielen; ihre Versammlungen waren schlecht besucht. Die Nationalisten würden auch in der Stimmenzahl Zurückgegangen sein, wenn sich nicht gerade in Anhalt Oasen fänden, innerhalb ^deren durch unglückliche Zufälligkeiten die antisemitische Daat besonders gedeiht. Da haben wir Leopoldshall,_bie anhaltische Nachbarstadt des preußischen Staßfurt, des Sitzes der ^Mitteldeutschen Presse", des Organs des seligen oder unfeligen^Hottenroth;' hier erhielten die Nationalsozialisten an.300 Stimmen. Da haben wir Köthen mit seinem Polytechnikum, dessen Angehörige wie überhaupt die deutsche Studentenschaft, zum großen Teil antisemitisch eingestellt ist; fast 700 Stimmen erzielte dort die Liste der Hatenkreuzler. In Dessau fielen von rund 43 000 Stimmen nur 1100, also nicht 3 Prozent auf die Antisemiten. Bernburg dagegen brachte bei nur 20 000 Stimmen den Nationalsozialisten rund ^IGÖQ, also etwa 8 Prozent; in Bernburg zählen viele Angestellte der Solvay-Werke und anderer industrieller und kaufmännischer Betriebe zu den Förderern des Hakenkreuzes. Von im ganzen abgegebenen 191 000 Stimmen erhielten die Nationalsozialisten etwas über 4 Prozent. In der Westhälfte Anhalts arbeiteten unsere^Freunde mit eigenen Flugblättern gegen die antisemitische Deuche; im Dessauer und Zerbster Kreise überließ man die Abwehr den linksstehenden Parteien — Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum —, die ihre Ausgabe vorbildlich — jede in ihrer Weise und bei ihren Wählern — erfüllten. Die Deutsche Volkspartei enthielt sich so Ziemlich jeder antisemitischen Betätigung, war aber , mit Landbund und Deutschnationaler Volkspartei zu einer „Volksgemeinschaft (Stadt und Land)" zusammengefchmolzen; der Landbund und die Deutschnationale Volkspartei tummelten in ihren Organen und in ihren Versammlungen mit aller Kraft den völkisch-antisemitischen Klepper. Geholfen hat ihnen das nichts, aber in den Augen der ruhig und objektiv denkenden Wähler geschadet. Der Rassenwahn dürfte. seinen Höhepunkt erreicht haben. Freilich wird es lange dauern, bis die durch Irrs dem Wafjttampf! ihn hervorgerufenen Schädigungen aus den Hirnen weichen. Es hat sich vor allen: gezeigt, daß mit jeder Besserung der wirtschaftlichen Lage dem Antisemitismus der Boden abgegraben wird; abgesehen von den berufsmäßigen Hetzern und Fanatikern findet er eben nur in den Kreisen Boden, die unter j besonderer Verelendung leiden. Bei den Deutschnationalen ist der Antisemitismus eine agitatorische Beigabe auch in Anhalt, allerdings eine solche von übelstem Geschmack. Da, wo er, wie bet den Nationalsozialisten, als Selbstzweck austritt, kann er in den Massen nur soweit Boden finden, als sie ausgepowert sind und infolge der Verhetzung in den Juden den Urheber ihres Unglücks erblrcken. Hier hat Aufklärung über die wahren Ursachen des wirtschaftlichen Notstandes die besten Dienste geleistet. Geht es bei den Reichstagswahlen so wie bei den Landtagswahlen, so werden die beiden Krücken, mit deren Hilfe die Deutschnationalen zur Macht kommen wollten, die Nationalsozialisten wie die Kommunisten, die verdiente; Kürzung erfahren. Also auf zur fröhlichen Arbeit, zur Auf-' klärung der Massen für die kommenden Reichstagswahlen! was tut Ihr, c. v..MitgIieS-r? Die Völkischen als Mustek. E. V.-Mitglieder! Wir rechnen aus Euch zur Wahl! Daß Ihr wählt, Eure Familienangehörigen, Eure Freunde und Bekannten zur Wahl veranlaßt, ist doch selbstverständlich. unsere Zuversicht, daß Ihr mit reichlichen Mitteln unsere W a h l a r b e i t erst ermöglicht, werdet Ihr gewiß nicht täuschen. Was wollt Ihr aber darüber hinaus tun? Was sollt Ihr tun? Laßlls Euch von den Völkischen sagen: Die Rechnung der Dentschseinde, so schreibt das „Deutsche T a g e b l a t t" (Nr. 258), wird stimmen, wenn nicht jeder einzelne Völkische seine Pflicht tut! Völkisch sein, heißt auch Kämpfer sein. Gewiß vermag sich mancher nicht in den äußeren, der Oeffentlichkeit sichtbaren Dienst des Wahlkampfes zu stellen. Wohl aber ist er in der Lage, im stillen, von feinen: Heim aus, unbemerkt an der Aufklärung irregeleiteter deutscher Brüder und Schwestern — und das ist das wichtigste — mitzuhelfen. Jede r Völkische suche sich z e h n n o ch abseitsst e h e n d e Deutsche heraus, die e r b i 8 zum Wahltage p l a nm n ß i g bearbeitet. Wie kann das g e - s ch e h e n? Sicherlich sind viele von uns Völkischen imskand, für die Dauer des Wahlkampfes die Zusendung des „Deutschen Tageblattes" unter Streifband an zwei, drei oder m e h r Deutsche, d i e n o ch im D u nf* len tappen, zu bezahlen. Noch mehr Völkische werden es ermöglichen können, die billigen Ausllärungsbläiter der nationalsozialistischen Freiheitsbewegung, der Erneuerungsgemeinde oder des Hammer-Verlages unter irregehenden Volksgenossen durch Postzusendung zu verbreiten. Wer nicht weiß, an wen er das „Deutsche Tageblatt" und die Aufklürungsblätter schicken soll, der findet genug Namen im Adreßbuch und Tetephonbuch, an Häusern und Läden, in Zeitungen und Zeitschriften und dergleichen. Wer sucht, der findet. Nur ist zu bedenken, daß der M i t t e k sta nd, Handwerk, Arbeiter, Angestellte eines deutschen Staates Rückgrat sein müssen. Jeder geht an Post-, Geschäfts- und Gartenhausbriefkäste!^vorbei, in die er unsere Ausllärungsblätber und das „Deutsche Tageblatt" stecken kann. Jeder sollte solche Schriften an öffentlichen Orten (Eisenbahn, Postämter, Fernsprechzellen, Elektrische, Gasthäuser, Haarkünstler usw.) liegen lassen oder in aushängende Zeitungen entlegen. Aus diese Weise kann jeder Völkische mith elfe n, daß der Mordplan der D e u t s ch f e i n d e am 7. Dezember zuschanden wird. Er kann diese Mitarbeit leisten am warmen Ofen, ohne Persönliche Gefahr. Er gehörte nicht in unsere Reihen, wenn er nicht wenigstens auf diesen: Wege zum Siege des völkischen Gedankensbeitrüge. Er denke auch an das Glück, an die Freude, teilzuhaben daran, daß Millionen bisher Blinder sehend werden, daß es wie ein Erwachen aus wüstem Traum durch die Massen geht und endlich die Morgenröte der Freiheit, das Licht der deutschen Zeit herauszieht. Darum,Freunde,ausdie Schanzen! Jederhelfe zum Siege. Nun, wie wäüs, C. V.-Mitglieder, mit dem gleichen Rezept? Unser f Philo - Verla.g hat so schlagkräftige Broschüren für ein paar Pfennige. Unfere Zentrale und die Landesverbände und Ortsgruppen haben packende Flugblätter. Die für den Wahlkampf' eigens sorgsam vorbereitete

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