Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 42 (17.10.1924)
- Date
- 1924-10-17
- Page
- Seite 638 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Neue Hücher. Walter Kinkel: Hermann Cohen. Sein Leben und sein Mertel. Die deutschen Juden, und sie nicht allein, lieben Hermann Cohen als den wissenschaftlichen Vertreter der si-Mchen- und religiösen Ewigkeitsgehalte des Juden tun ns, als den Philosophen, der die wurzelhaste Einheit der Religion der Propheten und der Philosophie des deutschen Idealismus, insbesondere Kants und Schillers, erwiesen hat. Soll diese Liebe aber eine wahrhaft schöpferische, eine Kraft der Erhaltung und Erneuerung des Judentums im -innigen Zusammenhang mit der menschheitlichen Kulturarbeit sein, so bars diese Liebe nicht blinde Schwärmerei, sondern muß von der Kraft der Erkenntnis durchdrungen sein. Zu solcher Erkenntnis des wissenschaftlichen- Lebenswerks Hermann. Cohens führt das gehaltvolle Buch des Giehener Philosophen. In liebevoller und verständnisvoller Versenkung «iw die Lebensguellen der Cohen scheu Persönlichkeit zeichnet Kinkel das Bild des Meisters, dem er die philosophische Selbstbesinnung und wissenschaftliche Klärung der eignen Lebensanschau-ung dankt. Wir folgen Cohen von dem frommen Hause seiner Eltern zum Studium der Theologie ins Breslauer Seminar, lernen die ersten wissenschastlichen Arbeiten des Berliner Pri'vat-g-elehrten-, seine Kämpfe und Enttäuschungen bei seinen Versuchen, sich an der Berliner Universität äu habilitieren, aber auch die bedeutenden Erfolge seines literarischen Wirkens,, seine Freundschaft mit F. A. Lange aus der Gemeinsarnkert des Idealismus verstehen. - Die M-arbnrger Zeit in ihrer Bedeutung für das Marburger Universitätsleben, die Tätigkeit iw Berlin an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, die russische Reise, die machtvolle Person lich/keit, die in allen- Phasen ihres Lebens ihre große oucheitliche Geschlossenheit offenbart, lernen nur kennen und würdigen. Von diesem Lebensgrunde aus erhobt sich das philosophische Werk des Cohcnschen S y st e m s d e r Philo s o pH i e. Mit der Kenntnis und- Klarheit' des Fachmanns werden Motive und Zusammenhang. dieses Hauptwerks der modernen Philosophie dargelegt, das Bemühen Cohens, die Philosophie als Rechtfertigung der Kulturgrundlagen der Menschheit in Kantischem Geist und in originaler Neuschöpsnng zu begründen. Mit sicherer Durchdringung der schunerigen erkenntnistheoretischen Probleme wir-d die „Logik der reinen Erkenntnis" irr der Einheit ihres Grnnd-motivs erfaßt und durchgesü'hrt, den Ausbau der Natur in den Grundlegungen der wissenschaftlichen Gegenstandserkenntnis ans ihren logischen- Motiven zu begründen und abznleiten. Dabei bemüht sich die Darstellung, den spröden Stoff durch Konzentration ans die wesentlichen Momente und Schlichtheit der Sprache zu möglichster Durchsichtigkeit zuerheben. Die „Ethik des reinen Willens" wird in ihrer idealistischen Kraft der Autonomie des reinen Willens zum Selbst der Menschheit dargestellt, ihre Abgrenzung gegen Naturwissenschaft, Psychologie und Religion vollzogen. Die Staatsethik in ihrem sozialen Gehalt und Ewigkeitsdrang führt zu den Problemen des Sozialismus einerseits, der Religionsphilosophie anderseits. Tie Humanisierung der Religion in dem nachgelassenen Werk der „Religion der Vernunft ans den Quellen des Judentums" wird in ihren Motiven der Treue und Wahrhaftigkeit erkannt und bei voller Wahrung des eigeneil religiösen Standpunktes die Ungerechtigkeit des Rassenhasses gegenüber der Reinheit rmd Ursprünglichkeit des jüdischen Ethos, der Menschheitsbedeutung der jüdischen Religion zurückgewiesen. Endlich wird in der Darstellung der „Aesthetik des reinen Gefühls" die Kunst alls der Kraft der Menschenliebe abgeleitet. So ist das Werk Kinkel s ein in unserer Zeit tief zu begrüßendes Symbol von der Kraft des sittlichen Ideali sinn s, den . krankhasten Verirrungen unserer Zeit siegreich entgegenzutreten. Auch derjenige, der den wissen schaftl'ichen. Gedankcngängen des Autors nicht immer beiznstiunnen vermag, wird mit Ehrfurcht die Kraft *) Walter Kinkel, Professor bcr Philosophie m Gießen: Hermann Cohen. Sein Leben und sein Wert. Verlag Strecker u. Schröder, Stuttgart, 1924. der Menschenliebe suhlen, die in diesem phrlosoWschen Wer? die Kultur vor dem Ansturm der Affekte -auf die 'Reinheit' der Erkenntnis zu gründen und h-ierdurch zu sichern sncht. Möge das Werk für den Weg der Wahrheit und der Liebe werbe!l. - - A l b e r t L e wkowitz (Breslau). kleine Chronik. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen-. Juden hat kürzlich einen „P rov. i n z i a l v c r b a n d für jüdische Wohlfahrtspflege Brandenburg" gegründet. Frankfurt a. O. ist als Sitz für den Provinzialverbandbestimmt und' Rabbiner Dr. Salomo nf k r zum ersten Borfitzenden gewählt worden. — In Osnabrück starb ein alter Freund unserer Bewegung, Herr S. W i t t g e n st e i n e r , im Alter tum . 76 Jahren. Der Verewigte war lange Jahre Vorsteher der Osnabrücker Synagogengemeinde und war ein Mann, von seltener Güte, Rechtschaffenheit und vornehmer Denkungsweise. — Kantor Gerling feierte am« 1. Oktober das 46jährige Jubiläum feines Wirkens an der Görlitzer Synagogengemcinde. — on Rerchenbach i. Schl, starb Herr Weyl, der sich durch großzügige Propaganda und stete Hilfsbereitschaft um den Central-Verein verdient gemacht hatte. — Die Ortsgruppe B r i e g des Central.-Vereins betrauert durch das Hinscheiden des Herrn Rechtsanwalt Danzig er den Verlust eines treuen Mit-g-liedes und Förderers unserer Bestrebungen. — Bezirksrabbiner Dr. Mayer (Bühl i. Baden) und seine E-attin begehen am 21, Oktober das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Vereinsnachrichten. Grosz-Berliner Mitglieder! Die bereits in der vorigen Nummer angekündigten Vorträge mit Lichtbildern und Grammophonaufnahmen des Herrn Professor Dr. Wilhelm Doegen über „Stimmen der Völker" unter besonderer Berücksichtigung ostjüdischer Mundarten finden in folgender Verteilung statt: ' - . Dienstag, den 28. Oktober in ben Spichern- Sälen, Spichernstrahc 3, für die Ortsgruppen Charlottenbnrg, Friedenau-Steglitz, Schöneberg, Wilmersdorf, Grnnewald, Zehlendorf. D o n n e r s t a q, ben 30. O k I o b e r , im Großen Saal des L e h r e r v e r e i n s h a u s e s, Alexanderstraße 41, für die Ortsgruppen Zentrilm, Norden, Nordosten, Osten, Pankow nnb Weißensee. D o« n n e r s tag-, d e n 6. N o v e m ber , int Oberlicht saat der Philharmonie, Bernburger Straße 22-23, für die Ortsgruppen! Alter Westen, Nordw-esten, Süden- Süd osten', Südwesten, Nellkölln, Potsdam. Frauengruvpe Berlin SW, SO, Donnerstag, 23. Oktober, nachmittags 5 Uhr, in der Aula der I. Stadt. Studienanstalt, Fürbringerstraße 33/34, Nähe Hallesches Tor. Frau Dr. K ü n k e l : Strafen in der Erziehung. Güst-e willkommen. Der Borstand. I. A.: Margarete Fried. W SIMONS APOTHEKE, BERLIN C2 SPANDAUERSTR.1F «| X&erUns äJt&rte Ajootheke, priv. A. D.14&8. •> TEU MERKUR 3000-3004.Bufer^ig uns on, wir^ndgn^oferf* frei Hou< Diaetei-Leucoft-Brtttcfien, unbegrenzt haltbare Weissbrötchen, ärztlich begutachtet und verordnet. 10 Beutel ä 4 Brötchen M. 2,50, 100 Beutel M. 25,— franko. Diaetei-Primärbrot. Geschmack herzhaft wie richtiges Schwarzbrot. 1 Brot M. 0,60. Diaetei-Primärmehl zur Herstellung des - Primärbrotes im eigenen Haushalt. 1 Beutel 2 Brote M. 1,—, 15 Beutel M. 15,— franko. Diaetei-Ferment-Schokolade, ohne Saccharin. Höchster Wohlgeschmack. 1 Packung M. 1,—, 10 Packungen M. 10,— franko. Ferner; Weizenmehl, Früchte, Marmeladen, Säfte. Verlangen Sie unsere ausführliche Preisliste, welche sofort franko zugcs an dt wird. FRBIflN DIE DEUTSCHE WERT-ZIGARETTElleini ge Anzeigen-Annahms Rudolf Kogse, Anseigen-Annahme für s£imt2. Zeitungen Deutschlands und des Ausland i - Berlin 5W19, Jerusalemer Strahe ^6-49 / Breslau / Chemnitz / Dresden f Dnsteldorf / Erfurt / Frau.kfrn't a. M. / Halle tSaale) / Hamburg / Hannover Kvkn a. Nh. 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