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Central-Verein-Zeitung · 1924-09-18 · 38 (18.9.1924) · p. Seite 565

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
38 (18.9.1924)
Date
1924-09-18
Page
Seite 565 (sequence 1)
Language
German
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lÄzart» *~ Jubfl&uinsnuiiiincr» IS. September 1-L4 ahrgang ❖ Nr. 3§ flnjtlnummtr 10 Gol-psennig Plätter sürkwutsclitum mrölllventum., vrtzan des lLntralVereins deutsch^ S Staatsbürger j LKlscuen Llauben^" IPBHHinlBtedBBnaBHHaaaBHaaBHB Äll^emeine Zeitung des Judentums Verlag u. Schriftleitung: (entral-verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v. öerlin SA) öS, Lindenftr. 13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 Telegrammadresse: »Centralglauben Berlin" .♦. Postscheckkonto: Berlin 30472' Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube 0, Berlin SW 68, Lindenstc. 7 Monatsabonnement (ein v iertelZährli ch es gibt es vorläufig nicht) 40 Goldpfennig Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mofse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,75 Goldmark für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf MosseS Nonnalzellenrnesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins 0,40 Goldmark, die 90 mm breite Reklamezeile 4 Goldmark. Moritz Lazarus zu Ehren -em -rutschen Gelehrten -em Zührer, treu unfrei! z«m IOS. Geburtstag, 15. September 1924. Von Dr. <S. Samuel. Rabbiner in Essen. Hätten wir den Brauch, Ehrenhallen zu errichten und Standbilder aus Erz und Stein dem Andenken unserex Großen zu widmen, so wäre heute wohl der Augenblick gekommen. MoriüLaz gx u s, der uns pvr 1Ö0 Jahren geschenkt wurde, dieser höchsten Auszeichnung teilhast zu machen. M ist nicht unsere Sitte, ja 'sie widerstrebt uns. Aber auch wir haben unfern Dank- und Whrentempel, es ist unser treues Gedächtnis. Wer dort einmal mit dem Namen eines Großen eingezeichnet worden ist, kann so leicht nicht daraus verdrängt werden. Auch um den Glanz dieses Namens haben sich Nebel gebildet, sie vermochten ihn nur vorübergehend zu trüben. Ms er im Jahre 1903 von uns genommen wurde, in seinem 79. Lebensjahre, standen längst eine ganze Reihe anderer Männer auf den verschiedensten Posten jüdischen Gemeinschaftslebens, die er zeitweise ganz allein ausgefüllt hatte. Wir sind ihm damals manches schuldig geblieben. Um so größeren Anlaß haben wir heute, seinem -Andenken zu huldigen. Moritz Lazarus, ein Sohn der Ostmark, lernte in seinem Heimatstädtchen F i l e h n e, also auf einem kleinen Flecken Erde, täglich und stündlich das Neben- und Gegeneinander von drei Menschengruppen kennen, von Deutschen, Polen und Juden, das heißt zugleich von drei Religionen. Was der lebhafte Knabe scharf beobachtend in sich ausnahm, wurde dem Jüngling zum wissenschaftlichen Problem, vom Manne zur höchsten philosophischen Klarheit gebracht. Land und Leute, Stamm und Sprache, Kultur und Religion, Staat und Volk, sie alle muhten ihm Antwort geben über ihre Entstehung und .Bedeutung, über ihren Sinn und ihr höh;ns , Iiel. - Als hie -Heimat den kaum Vierzehnjährigen entließ (der begabtere jüdische Mensch war damals notwendig, auch der frühreife), waren alle wesentlichen Bausteine für die mächtige Geistigkeit eines Lazarus bereits vorhanden, und die Arbeit konnte beginnen. Sie begann mit zwei Werweirfungen. Auch an Lazarus trat die Versuchung heran, sich vom kleinen Handlungsdiener zmn großen Kaufherrn emporzuarbeiten. ' Er widerstand dem Anreiz nach manchen mißlungenen Anläufen. Er ging lieber ins Obergymnasium mach Braunschweig, setzte sich xtwas überaltert neben jüngere Schüler, um sie bald zu überflügeln und 1844, mit dem Zeugnis iber Reise versehen, Berliner Student, Hörer von Johannes Müller, Berner, Ranke, B o e ck h, H e h s e, M i ch e l e t u. a., zumeist aber sein eigener Lehrer zu werden. Und er entsagte der so naheliegenden Versuchung, dem Beispiel von Water -und Bruder folgend, Rabbiner zu werden, geistlicher Führer einer -der damals nach wissenschaftlich durchgebildeten und redebegabten Männern ausschauenden deutschen Gemeinden, obwohl er sich für diesen Beruf voll -ausgerüstet haltendurfte. Er wurde Gelehrter, aber nicht Forscher in. irgendeiner

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