Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 33 (14.8.1924)
- Date
- 1924-08-14
- Page
- Seite 489 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 14 Golöpfennkg SerUn, 14. Mguft 1424 Hl. Jahrgang ♦ Nr. 33 VMter fürihrulfchtum unvluoentum vryLN des LentralVerems veuffcker GtalltsvüryeriüöisckeN ülavvensL« ^.Il^sr^sims des Gudentums Verlag u. Schriftleitung: Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v. Gerlin SW 6S, Lindenstr. 13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 Telegrammadresse: „Centralglauben Berlin- Postscheckkonto: Berlin 30472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube 0, Berlin SW 68, Lindenstr. 7 Monatsabonnement (ein vierteljährliches gibt es vorläufig nicht) 40 Goldpfennig Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Messe, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,75 Goldmark für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins 0,40 Goldmark, die 90 mm breite Reklamezeile 4 Goldmark. Herrn Reichsminister Dr. Jarres! Berlin, den 14. August 1924. Herr Minister! Die Reichsregierung hatte für die im Kriege gefallenen Helden eine Totenfeier anberaumt. Die Vertreter der beiden christlichen Konfessionen wurden zum Worte berufen. Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und die Jüdische Gemeinde in Berlin wandten sich an Sie, Herr Minister, und baten, einen früheren jüdischen Feldgeistlichen ebenfalls sprechen zu lassen. Der Antrag wurde abgelehnt. In Ihrem Schreiben vom L9. Juli an den Central-Verein haben Sie, Herr Minister, betont, bei Festsetzung des Programms habe jede Absicht, die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens zurückzusetzen, dem Ministerium serngelegen. Wir glauben das ohne weiteres. Und es berührt uns besonders schmerzlich, das glauben zu müssen. Denn was müssen wir uns sagen, Herr Minister, wenn wir diese Ihre Versicherung s e e - lisch nachprüfen? Wir waren in der Weltgeschichte von jeher die Aschenbrödel. Insbesondere waren wir — und so schmerzlich es ist, muß es doch ausgesprochen werden — die Aschenbrödel des deutschen Volkes. Seit dreißig Generationen hat man uns zurückgesetzt, nicht geachtet, übersehen und übersehen wollen. Unter diesen Umständen ist übersehen schlimmer als verachten. Auch Sie, Herr Minister, haben wieder einmal, als die Festordnung für die Totengedächtnisseier festgelegt wurde, uns übersehen. Man hat offenbar erst gemerkt, daß wir da sind, als wir uns meldeten. Denn, hätte man bei der Festsetzung des Programms an uns gedacht, so hätte man sich gesagt, daß eine gottesdienstliche Feier für die Toten des Weltkrieges nicht möglich sein kann, ohne daß dabei jemand für die 12 000 gefallenen jüdischen Deutschen spricht. Und wenn im jetzigen Heere jüdische Geistliche in amtlicher Stellung nicht vorhanden sind — weil bei dem geringen Kontingent unserer heutigen Wehrmacht die kleine Zahl jüdischer Heeresangehöriger dies gar nicht rechtfertigen würde —, so hätte einer der früheren jüdischen Feldgeistlichen zu der Feier zugezogen werden müssen. Es hätte um so mehr geschehen können, als jüdische Feldgeistliche oft genug in schwerem Kampfe nicht jüdischen Kameraden die letzte Ehre erwiesen und sie zur ewigen Ruhe bestattet haben. Aber wenn hier, verzeihen Sie das undeutsche Wort für einen undeutschen Begriff, die Etikette wirklich ausschlaggebend gewesen sein sollte, so hätte man die Feier oben anders anordnen müssen und können. Es wäre vermessen, wollte ich dem Geschick und der Einsicht der in Frage kommenden Herren Ihres Ministeriums etwa nachträglich sagen, wie man ohne jeden Anstoß, ohne die Etikette zu verletzen, den jüdischen Gefallenen ihr sittliches Recht hätte zuteil werden lassen können. Aber man dachte nicht daran, man ließ das Aschenbrödel ruhig in der Küche sitzen, und bei der Feier durste es ja auch zu schauen. Man dachte vielleicht um so weniger daran, als es ja Kreise im deutschen Volke gibt, die fortgesetzt Ruß in das Antlitz des Aschenbrödels streuen; wir jüdischen Deutschen sind an niedrigste, gehässigste Angriffe gewöhnt, unsere Toten werden verleumdet. Wie oft haben auf Bildung Anspruch erhebende Menschen im Wahlkampf geäußert, es gäbe überhaupt keine jüdischen Gefallenen, denn die srontbefohlenen Juden seien vor Angst dort gestorben. Tausende und aber Tausende haben das gehört und haben die Roheit dieser Gesinnung mit keinem Worte bemängelt, obwohl sie in ihrem eigenen Privatleben im Punkte der Ehre die schärfsten Anforderungen stellen. Die Gefamtehre eines nicht unbeträchtlichen Volksteiles durfte aber in ihren Augen in einer Weise beschmutzt werden, wie es vielleicht in der an Schmähungen so reichen Weltgeschichte nicht oft erlebt wurde. Trotzdem hat, wie das Ergebnis der letzten Wahlen gezeigt hat, der weitaus überwiegende Teil des Knüppel-Kunze freut sich. Mein Aufruf, der auf die finanzielle Not der „C. B.Zeitung" hinweist, flötzt dem antisemitischen Agitator Knüppel-Kunze eine hämische Freude ein. Er freut sich darüber, daß die „C. V.-Zeitnng" Schwierigkeiten zu überwinden hat. Er sollte doch ans eigener Erfahrung wissen, datz man es nicht nötig hat, über die Schwierigkeit seiner Mitmenschen zn triumphieren. Mitglieder, Freunde, liefert Herrn Kunze den Beweis dafür, datz seine Freude verfrüht ist. Sendet auf Postscheck-Konto Berlin 304 72 unter Stichwort „Zeitung" einen Sonderbetrag in Höhe von 2 bis 5 Mark. Jedes Berliner Mitglied, das seinen Beitrag für das erste und zweite Quartal noch nicht bezahlt hat, hole dieses unbedingt sofort nach! Generalkonsul a. D. Ernst Hirsch.